Gegen den Strom der Ungerechtigkeiten

Gegen den Strom der Ungleichheiten © Fausto Díaz, Bogotá

Am 2. Dezember 2021 fand in Barrancabermeja, der Hauptstadt der kolumbianischen Region Magdalena Medio, der zweite Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen in Kolumbien unter dem Titel Gegen den Strom der UngerechtigkeitenSchwankend durch die Gegenwart in Richtung (anderer) möglicher Zukünfte statt. Mehr als 70 Personen aus verschiedenen Teilen Kolumbiens nahmen an der Veranstaltung, einem künstlerischen Format der Wissensvermittlung, teil und kamen im Espacio Teatral Corporación A Ver Teatro zusammen, um mit den Bewohner*innen der Region über verschiedene Möglichkeiten zu sprechen, wie man den tiefgreifenden Ungleichheiten, unter denen das Land leidet, begegnen kann.

71 der 144 Gespräche des zweiten “Marktes für nützliches Wissen” sind sowohl auf der Plattform Acontracorriente: estelas del mercado del conocimiento y no-conocimiento útil (Gegen den Strom: Im Kielwasser des Markts für nützliches Wissen und Nicht-Wissen) als auch auf YouTube und Spotify abrufbar.

  • Mercado clandestino © Fausto Díaz, Bogotá

    Der zweite Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen in Kolumbien fand in Barrancabermeja statt, nach einer ersten Ausgabe des künstlerischen Formats im November 2019 im Teatro Faenza in Bogotá.

  • Mercado clandestino © Fausto Díaz, Bogotá

    Der Markt für nützliches Wissen versteht sich als einen szenischen Raum des Zuhörens und für Gespräche, der einladend und offen ist und Agora genannt wird: ein öffentlicher Raum für den Dialog. Dort werden individuelles und kollektives Wissen auf Erfahrung und Forschung beruhend, in gleichzeitigen Zweiergesprächen ausgetauscht.

  • Mercado clandestino © Fausto Díaz, Bogotá

    Im temporären Schauraum der Agora bieten Fachleute ihr spezifisches Wissen in einem getakteten und zeitlich begrenzten Ablauf an, im Rhythmus der Gleichzeitigkeit und des Kollektivs.

  • Mercado clandestino © Fausto Díaz, Bogotá

    Der Titel „Gegen den Strom der Ungerechtigkeiten. Schwankend durch die Gegenwart in Richtung (anderer) möglicher Zukünfte“ bezieht sich auf das Verb bogar, ein Wort, das "rudern" bedeutet, dessen Etymologie jedoch von dem lateinischen Wort vocare stammt, das "rufen" bedeutet.

  • Mercado clandestino © Fausto Díaz, Bogotá

    Eine Auswahl der Dialoge zwischen Bewohner*innen der Region und Personen aus verschiedenen Teilen Kolumbiens ist auf der Plattform "Gegen den Strom: Im Kielwasser des Markts für nützliches Wissen und Nicht-Wissen" archiviert.

Schwankend durch die Gegenwart in Richtung (anderer) möglicher Zukünfte

Barrancabermeja, am Ufer des Magdalena-Flusses gelegen und von üppiger Vegetation umgeben, war ein Epizentrum des bewaffneten Konflikts Kolumbiens. In dieser Stadt treffen Bergbau, Fischerei, Diversitäten, Mobilisierung und soziale Kämpfe aufeinander und stellen vielfältige und unterschiedliche Erinnerungen nebeneinander.

Der Markt für nützliches Wissens und Nicht-Wissen wurde von der deutschen Künstlerin Hannah Hurtzig zusammen mit einer Gruppe von Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Architekt*innen, die Teil der Mobilen Akademie Berlin -MAB- sind, ins Leben gerufen und seit 2004 in 23 Ausgaben in 20 Städten auf der ganzen Welt aufgeführt. Der Markt bietet einen szenischen Raum des Zuhörens und der Gespräche,  offen und einladend, die sogenannte Agora: ein öffentlicher Raum für den Dialog. Dort werden über mehrere Stunden in gleichzeitig stattfindenden 30minütigen Zweiergesprächen akademisches und überliefertes Wissen, individuelle und kollektive Kenntnisse und Überlebensstrategien, die Früchte von Erfahrung und Forschung, ausgetauscht. Es entsteht ein Gewimmel, Gewusel und Gemurmel, eine Vielstimmigkeit, die von den Stimmen erzählt, die sich der Herausforderung stellen, miteinander zu leben, ohne sich mitreißen zu lassen.

Dirección y realización: Mónica Torregrosa Gallo Sonido directo, diseño sonoro y mezcla: Pablo Rincón Díaz Segunda Cámara: Camila Malaver Garzón Corrección de color: Fausto Díaz Pasmiño
Dirección y realización: Mónica Torregrosa Gallo Sonido directo, diseño sonoro y mezcla: Pablo Rincón Díaz Segunda Cámara: Camila Malaver Garzón Corrección de color: Fausto Díaz Pasmiño
Ende 2021 wird die kolumbianische Wahrheitskommission ihre Untersuchungen beenden. In den darauf folgenden Monaten wird sie der Gesellschaft einen Bericht, zur Verfügung stellen mit Empfehlungen und dem gesammelten Wissen, den Botschaften und Erfahrungen - sowohl den individuellen als auch kollektiven -, um zum Verständnis dessen beizutragen, was in den vielen Jahren des Krieges in Kolumbien geschehen ist. Die Übergabe des Vermächtnisses, so hat die Wahrheitskommission diesen Prozess genannt. Zu diesem Zweck wurden Räume der Begegnung und des Dialogs geschaffen, um in der Gesellschaft tiefgreifende Überlegungen sowohl zu den Gründen wie für das Fortbestehen des bewaffneten Konflikts, als auch zu den verschiedenen Vorschlägen für Versöhnung und Frieden zu ermöglichen.

In diesem Rahmen  lädt die Wahrheitskommission zum zweiten Markt des nützlichen Wissens und Nicht-Wissens und zur Beteiligung an diesem Prozess ein, um damit anzuerkennen, dass dieser Raum für Dialoge aus unterschiedlichen und sich ergänzenden Perspektiven eröffnet, die es uns ermöglichen, die Probleme der Ungleichheit und Ungerechtigkeit sowie die möglichen Antworten der Gemeinschaft darauf anzusprechen und mögliche Veränderungen vorzuschlagen, um eine gerechtere Gesellschaft und damit die Voraussetzungen für Frieden zu erreichen. Dies ist eine Aufgabe, zu der wir alle beitragen können. 

Ohne die Beteiligung der Einwohner*innen von Barrancabermeja und des Gebiets des mittleren Abschnitts des Magdalenaflusses hat dieser Raum keine Bedeutung. Wir laden Sie ein, Gespräche zu vereinbaren und Teil des Vermächtnisses der Wahrheitskommission zu sein. Es wird auch möglich sein, virtuelle zuzuhören.
 

Über das Projekt

Ein Projekt für die Wahrheitskommission Kolumbiens der Mobilen Akademie Berlin, adaptiert und umgesetzt von Mapa Teatro in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Finanziert aus Mitteln des Auswärtigen Amts und des Goethe-Instituts.

Organisiert von






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