Ausstellung, Konzert, Gespräch und Film GENIALE DILLETANTEN

Geniale Dilletanten © aus der privaten Fotosammlung von Klaus Maeck

Fr, 09.06.2017 –
Sa, 17.06.2017

Stara Ciglana

im Rahmen des Festivals Dev9t

Durchführung: Goethe-Institut
Idee und Konzept: Mathilde Weh und Leonard Emmerling
Kuratorin: Mathilde Weh

Die Tourneeausstellung des Goethe-Instituts Geniale Dilletanten präsentiert die Kunstszene im geteilten Deutschland in den frühen 80er Jahren und ermöglicht somit einen Einblick in die Vielfalt der Netzwerke und den zeitgleichen Umbruch auf dem Gebiet von Kunst, Film, Mode und Design. Gezeigt werden ein für die Ausstellung produzierter Interviewfilm, Videos und Fotos, Tonaufnahmen, Magazine, Plakate, aber auch andere Ausstellungsstücke, die die deutsche Subkultur der 80er Jahre in bisher nie dagewesenem Umfang präsentieren. Die Ausstellung findet im Rahmen der 3. Ausgabe des Festivals Dev9t „Licht und Schatten“, Stara Ciglana, in Belgrad statt.
 
Geniale Dilletanten ist der absichtlich falsch geschriebene Titel eines Konzerts, das 1981 im Berliner Tempodrom stattfand. Dieser Titel avancierte zum Synonym einer kurzen Epoche des künstlerischen Aufbruchs in Deutschland. Die intensivierte kulturelle Aktivität dieser Zeit entfaltete sich vor allem in einzelnen Kunsthochschulen sowie in ihrem Umfeld und war gekennzeichnet durch genreübergreifendes Experimentieren und den Einsatz neuer Elektronikgeräte. Die Gründung neuer Plattenlabels, Zeitschriften, Galerien und Clubs sowie eine Vielzahl von unabhängigen Produktionen von Schallplatten, Musikkassetten und Konzerten weist auf eine Zeit der intensivierten Selbstorganisation und einen do-it-yourself-Ansatz hin.
 
In der Ausstellung werden 7 Bands, verschiedene Künstler, Filmemacher und Designer aus impulsgebenden Städten/Regionen West- und Ostdeutschlands präsentiert, die durch ihren lautstarken Protest und Provokationen darauf eingewirkt haben, dass die deutsche alternative Kunstszene auch international erfolgreich und einflussreich wurde.
Bei der Ausstellung wird unter anderem auch die Band Einstürzende Neubauten vorgestellt – ein Projekt, bei dem die Grenzen zwischen Musik und Lärm erforscht wurden, unter Einsatz eines Instrumentariums aus Schrott und Alltagsgegenständen. Die Band Die Tödliche Dosis experimentiert mit verschiedenen Kunstformen wie Musik, Film, Fotografie, Objektkunst und Malerei. Die Band Der Plan, die unmittelbar nach einer Produzenten-Galerie gegründet wurde, war für Auftritte in surrealen Kostümen und für ironisch-sarkastische Songtexte bekannt. Die Band Freiwillige Selbstkontrolle (F.S.K.) wurde von den Redaktionsmitgliedern des Underground-Magazins Mode & Verzweiflung gegründet, die sich vor allem für kulturelle Brüche interessierten und „Authentizität“ ablehnten. Eine berühmte Losung lautete: „Heute Disco, morgen Umsturz, übermorgen Landpartie. Dies nennen wir Freiwillige Selbstkontrolle.“ (1980). Die Musik der Band Palais Schaumburg zeichnete sich vor allem durch die Kombination zwischen Synthesizer und Sampler aus, ergänzt durch Trompeten und bizarre atonal-rezitierendem Gesang. Trotz widriger Bedingungen bringen sich Künstler und Musiker aus dem Osten Berlins in das avantgardistische Bandprojekt Ornament und Verbrechen ein, das unter dem Einfluss von Jazz, Industrie- und Elektroklängen stand. Der Sound der westdeutschen Band Deutsch-Amerikanische Freundschaft (D.A.F.) war geprägt von provokativen Texten und kompromisslosen Schlagzeugrhythmen, gepaart mit Synthesizer-Effekten und einer Bühnenshow, die irgendwo zwischen Ekstase und Chaos angesiedelt ist.
Teil der Ausstellung ist auch das Kurzfilmprogramm des Kurators Florian Wüst. Diese Filmauswahl besteht aus sechs experimentellen Filmen, die uns einen Einblick in die künstlerische Arbeit mit Super-8-Filmen und Videos im geteilten Deutschland der 80er Jahre ermöglichen.
 
 
Zur Ausstellung gehört auch ein vielfältiges Begleitprogramm:
Am Freitag, dem 9. Juni ab 23 Uhr ist im Rahmen des Programms Dis-patch Throwback der Auftritt von Kreideler im Drugstore-Club geplant, einer Post-Krautrockband aus Düsseldorf, und zwar wenige Wochen nach der Veröffentlichung ihres neuen Albums European Song. Zusammen mit ihnen werden auch lokale Musiker und Produzenten auf der Bühne stehen, die in den letzten Jahren auf diese oder jene Weise zu den Aktivitäten des Dispatch-Festivals beigetragen haben.
 
Für Sonntag, dem 11. Juni um 20 Uhr ist ein Gespräch vorgesehen mit Koja, dem Bandleader der legendären Belgrader Postpunk-Band Disciplin A Kitschme, und Schorsch Kamerun, dem Frontman der politisch engagierten Kultband aus Hamburg Die Goldenen Zitronen. In den letzten Jahren ist Schorsch auch als Regisseur aktiv und inszeniert Theaterstücke in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Koja hat seine revolutionäre Mission nie wirklich aufgegeben, sodass er, stets der Gegenwart vorauseilend, auch das Drum-and-Bass-Genre überholt hat, und dies ausgerechnet in London.
 
Das Gespräch wird von Branko Rosić moderiert. Nach dem Gespräch werden Koja und Schorsch ihre DJ-Sets haben, die von Nostalgie weit entfernt sind, und die Dezibel aus den Lautsprechermembranen werden zeigen, dass die Revolte aus den 80ern nicht vorhat, sich konservieren und als Museumsstück einer besseren Vergangenheit servieren zu lassen, sondern auch heute noch überaus aktuell ist.
 
Am Donnerstag, dem 15. juna wird das Publikum zudem zwei Filme sehen können:
Um 21 Uhr den Film: Keine Atempause Düsseldorf, der Ratinger Hof und die neue Musik des Regisseurs Oliver Schwabe, der zu diesem Anlass nach Belgrad kommen wird. Es handelt sich um einen Dokumentarfilm, in dem bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen, Musik und Interviews über den „Sound“ von Düsseldorf vereinigt sind, der auch heute noch auf die deutsche Musikszene einwirkt. Nach dem Film findet ein Gespräch mit dem Regisseur statt, das von Stefan Arsenijević moderiert wird.
Um 21h wird der film B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979-1989 gezeigt, ein Dokumentarfilm über Musik, Kunst und Chaos in Westberlin.

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