Ausstellung Slavko Bogdanović: Ars substantiae & irrealia - Der freie Fall aus der Welt der Dogmen

Slavko Bogdanović © Slavko Bogdanović

Do, 08.07.2021 -
Fr, 20.08.2021

Goethe-Institut Belgrad

Knez Mihailova 56
11000 Belgrad

Schaufensterausstellung

 
Ausstellungseröffnung: 08.07.2021 um 19:30 Uhr
Die Eröffnung findet vor dem Goethe-Institut statt. In der Galerie sind maximal 5 Besucher gleichzeitig erlaubt. Wir bitten Sie, Abstand zu halten und Ihre Mundmaske zu tragen.

Kunstcafé: 19.08.2021 um 20:00 Uhr
Online-Streaming über Facebook und YouTube
Mit: Svetlana Rajičić Perić und Slavko Bogdanović

Slavko Bogdanović ist einer der Angehörigen der avangardistschen Kunstszene des sozialistischen Jugoslawiens vom Ende der 60-er bis zum Anfang der 70-er Jahre, die als „Neue künstlerische Praxis“ bezeichnet wird. Er war einer der Begründer der Novosader konzeptuellen Gruppe KÔD (1970-1971) und Mitarbeiter in der Kultzeitung der Novosader Studenten INDEX (1968-1970). Er hat ein Studium an der Jura-Universität in Novi Sad absolviert, wo er auch seinen Magister- und Doktortitel erlangte.

Slavko Bogdanović © Slavko Bogdanović Nach lokalen politischen und medialen Verurteilungen der Künstler der Avangarde in Novi Sad (besonders in den Manifestationen der Gruppe Januar/Februar, 1971) wegen ihrer künstlerischen Aktivitäten und nach Strafverfolgungen, die darauf folgten, wirkte Bogdanović während der 70-er Jahre des 20. Jahrhunderts innerhalb der künstlerischen Underground Szene, die in der Vojvodina spontan als alternative Antwort auf die Unmöglichkeit einer normalen Teilnahme am jugendlichen öffentlichen Kultur- und Kunstleben entstand. Wegen einem, der Underground Kultur gewidmeten Text in dem Belgrader Blatt Student (Dezember 1971), in dem im Fokus seiner künstlerischen Überlegungen das oppressive dogmatische politische Ambient in der Kultur von Novi Sad stand, das von seiten der sog. Liberalen der Vojvodina gestaltet wurde und von Bogdanović als anachronistisches Relikt des Stalinismus betrachtet wurde, wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Die Kunst von Slavko Bogdanović kontextualisiert sich innerhalb der Erscheinung der konzeptuellen Kunst in Jugoslawien und in der Vojvodina, im Textualismus und der politischen Kunst von Novi Sad. Seine individuellen Arbeiten umfassen Objekte, Installationen, Performances, audio-visuelle und Filmprojekte (DVD) u.a. Er veröffentlichte mehrer Bücher: Moor (1970); Politik des Körpers (1997), Dingo liebt Dingač (1998); Final Shot – Final Cut (2007); Vae victis (2008); Symptome der Singularisierung – der Fall des Serbentums: Wesen und Menschen (Ko-Autor mit Gera Grozdanić) (2008); Inventar der Diszernierung (2018); Inter Vivos (2018). Im Moment arbeitet er an der Monographie - Gruppe KÔD in Dokumenten und durch die Zeit.

Im Rahmen dieser Ausstellung ist Bogdanović´ anfänglicher referentieller Ausgangspunkt die Doktrin des Reismus der slowenischen Gruppe OHO und Gipsabgüsse von Plastikflaschen und anderer Objekte von Marko Pogačnik (Mitte der 1960-er Jahre), die, mit dem Wunsch, auf die Alienierung und Reifizierung des Menschen im konsumistischen Umfeld des sozialistischen Marktes hinzuweisen, eigentlich den Eckstein eines neuen Kunstverständnisses darstellte, dass nicht die Funktion der Instandhaltung (& der Interpretierung, des Überbaus) bekannter humanistischer Bilder der Welt innehatte, sondern (in einer ewigen Gegenwart) lediglich die (zenartige; homologe/inkompetitive/nicht-dualistische) Wahrnehmung von materiellen Phänomenen (Phänomene aus der Kategorie der supstantiae). Auf der gleichen Ebene bewegt sich auch der zeitgenössische Text von Slobodan Tišma WIE JEMAND (Kao neko – 1970), in dem sich der Autor mit der Hinterfragung der ontologischen Natur der Worte innerhalb des Konzepts des semantischen Reismus befasst.

Von einem so konzipierten reistischen Forschungsraum ausgehend, interessiert sich Bogdanović für die ontologische und kognitive Natur der Kunst (und demzufolge der neuen Figur des Künstlers) im Fall, in dem (das humanistische Deskript des Weltbildes gänzlich außerhalb des Fokus lassend) der dogmatisch umrahmte sozialistische Modernismus durch andere Phänomene außerhalb der Welt der realia (außerhalb der Kategorie der substantiae), durch Phänomene ausgetauscht wird, die den zahlreichen Subkategorien der irrealia zuzuordnen sind. Diese Forschungen werden Bogdanović zur Konzipierung und Realisierung neuer Arbeiten (küntlerischer Projekte) in unterschiedlichen Medien und in einer erkennbaren eigenen Sprache führen.

Neben referentiellen Arbeiten von Pogačnik (Gipsnachbildungen plastischer Verpackungsobjekte) und einer Seite aus dem INDEX Nr. 207-8 mit Tišmas Text Wie jemand (1970) sind in dieser Auswahl gemeinsam mit dem Statement des Künstlers folgende Werke von Bogdanović ausgestellt: Umsatzsteuer (1970); Offener Brief an Jaša Zlopac, die beiden letzten Seiten (1971); Horizont der Ereignisse, eines der ca. 30 bedruckten Panele (2008) und Life vector of Mr. Snowden (2018).

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