Circus: Acts of Assembly –
Unruly Kinships
Kuratorische Einführung
CIRCUS: Acts of Assembly – Unruly Kinships interpretiert die Manege neu als lebendigen, reindigenisierten Raum der Zusammenkunft, Performance und Fürsorge. Anstelle eines Ortes des Spektakels wird die Manege zu einem Rahmen für Begegnung. Eine Arena, in der Kunst ein Akt der Zusammenkunft ist und Zusammenkunft zu einem Akt der Erneuerung wird. Dieser kreisförmige Raum bietet Künstler*innen, Publikum und Institutionen Möglichkeiten des Wiederkehrens, Zuhörens und gemeinsamen Schaffens.
CIRCUS stützt sich auf Re-Indigenisierung als kuratorische Methode und entfaltet sich eher als ein sich entwickelndes Netzwerk denn als feste Ausstellung. Re-Indigenisierung, verstanden als eine Praxis des Wiederkehrens, Reparierens und Wiederverwurzelns, lädt zu zyklischen Ansätzen des Schaffens und Denkens ein. Diese Methodik steht im Einklang mit dem interdisziplinären Ethos von CIRCUS, das Performance, Klang, Archivforschung, Bewegung und soziale Praxis miteinander verbindet und dabei Affekt, Verkörperung und Verortung in den Vordergrund stellt.
Das Programm bringt Künstler*innen aus Schottland und Deutschland zusammen, darunter die schottische Malerin Tilda Williams-Kelly und die in Berlin lebende bildende Künstlerin Mirae Kh Rhee. Ihre Praktiken, die diasporische Performance, kolonialen Widerstand, Klima-Trauer und interkulturelle Bewegungen umfassen, regen einen grenzüberschreitenden Dialog an und positionieren die Arena als translokale Plattform für radikales Zusammenkommen.
Der kuratorische Rahmen umfasst drei Schwerpunkte:
2. Ritual und Erneuerung: Untersuchung, wie Performance koloniale, ökologische und institutionelle Wunden heilen kann.
3. Materielle Intelligenz: Kostüm, Klang und Geste als lebendige Archive, die kulturelles Gedächtnis verkörpern.
Acts of Assembly entsteht durch diskursive Labore, partizipative Workshops, Künstlerresidenzen, Prozessausstellungen und eine sich weiterentwickelnde digitale Publikationsplattform, die das Projekt als offenes Archiv in Bewegung erweitert.
CIRCUS betrachtet die Manege als einen re-indigenisierten Ort der Beziehung und verwandelt Performance in Methode, Zusammenkunft in Forschung und Fürsorge in eine gemeinsame Ethik. Durch die Verbindung der lebendigen Kunstszene Glasgows mit deutschen und karibischen Kontexten wird das Projekt zu einem Laboratorium für Imagination, Wechselseitigkeit und Erneuerung.
(Text von Dr. Cat Dunn)