Logo Goethe-Institut

Griechenland Athen

|

20:30 Uhr

Ghosts – Episode 1

Filmvorführungen|History Projected 2025: Archaeologies of Movement. In Zusammenarbeit mit Ethnofest

History Projected. Archaeologies of Movement Typical Organization

HISTORY PROJECTED 2025
Geschichte als Projektion 

Archaeologies of Movement

Filmvorführungen in Zusammenarbeit mit Ethnofest
Kuratiert von Geli Mademli

Episode 1: Ghosts [Geister]
Nach dem ersten newtonschen Gesetz bleibt ein Körper in Ruhe oder in gleichförmiger Bewegung, solange keine äußere Kraft auf ihn einwirkt. Die Filme dieser Episode stellen dieses Trägheitsprinzip infrage: Sie führen uns vom Nahen Osten bis nach Australien – an die gegenüberliegenden Enden der Welt – und zeigen, wie aus scheinbarer Bewegungslosigkeit intensive Dynamik und Handlung entstehen kann.

20:30
Jocelyn Saab, Le Bateau de l’exil [Das Exilschiff]

Libanon-Frankreich, 1982, 12΄

Le Bateau de l'exil Association Jocelyne Saab

In den Gewässern des größten Binnenmeeres befindet sich der umherziehende palästinensische Anführer. Auf der Suche nach individueller und kollektiver Befreiung wird der Kai eines Schiffs zu einer friedlichen Zwischenstation. Der Vorsitzende der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat, lebte im Exil in Beirut – nun muss er den Libanon verlassen, nachdem er unter Druck gesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern seiner Gruppe befindet er sich an Bord des griechischen SchiffsAtlantis, das vom griechischen Ministerium für Handelsschifffahrt gechartert wurde und unter griechischer sowie UN-Flagge fährt. Ziel ist ein neues Exil, diesmal in Tunis, am anderen Ende des Mittelmeers. Arafat spricht über sein Schicksal, seine Reise und die Zukunft der PLO. Die einzige Journalistin, die ihn auf dieser Fahrt begleiten durfte, ist Jocelyne Saab – mit ihrer Kamera.

Jocelyne Saab (1948–2019) war Filmemacherin und Fotografin. Sie wurde in Beirut geboren und wuchs dort auf. Nach dem Abschluss ihres Wirtschaftsstudiums an der Sorbonne in Paris arbeitete sie zunächst beim Musikprogramm des libanesischen Nationalradios. Auf Einladung der Dichterin und Künstlerin Etel Adnan wechselte sie in den Journalismus. Ab 1973 berichtete sie als Kriegsreporterin aus dem Nahen Osten. Zwei Jahre später drehte sie ihren ersten DokumentarfilmLebanon in Turmoil.

Im Laufe ihrer Karriere realisierte Saab über 50 Spiel- und Kurzfilme sowie multimediale Installationen, die auf internationalen Festivals und in Museen gezeigt wurden – darunter die Directors’ Fortnight in Cannes, das Kairoer Filmfestival, das Nationalmuseum von Singapur, das Sundance Film Festival, die Art Fair Dubai und DocLisboa. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Arab Critics Prize, einen Jurypreis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und den Provinz-Mailand-Preis beim Mailänder Filmfestival.

1992 begann ihr langjähriges Engagement für die Wiederherstellung der Libanesischen Kinemathek. Im Rahmen dieses Projekts organisierte sie 1993 am Institut du Monde Arabe in Paris die Filmreihe Beirut, Tausend und ein Bild, bei der über 200 Filme gezeigt wurden. Für diese archivarische Leistung wurde sie 1995 von der französischen Regierung mit dem Orden Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres ausgezeichnet.

2013 gründete sie das International Cultural Resistance Film Festival im Libanon, das sie auch künstlerisch leitete. Zudem unterrichtete sie am Institut für Film- und audiovisuelle Studien in Beirut. Nach ihrem Tod wurde 2019 die Association Jocelyne Saab gegründet, um ihr Werk zu bewahren und weiter bekannt zu machen.

20:45
Gabrielle Brady, Island of the Hungry Ghosts [Insel der hungrigen Geister]

Großbritannien-Australien-Deutschland, 2018, 98΄

Island of the Hungry Ghosts, Gabrielle Brady Autlook Filmsales GmbH

Auf Christmas Island, einer abgelegenen Insel im Indischen Ozean und australischem Außengebiet, begegnen sich Krabben, Geflüchtete und Geister – alle drei verbindet eine gemeinsame Sehnsucht: ein Ort, an dem sie sich zugehörig fühlen. Jedes Jahr wandern Millionen roter Landkrabben vom dichten Dschungel hinunter zum Meer. Ihre Wege werden von Freiwilligen begleitet, die den natürlichen Fortpflanzungszyklus der Tiere respektieren.

Zur gleichen Zeit leben im Inneren der Insel Tausende von Geflüchteten – isoliert in einem Hochsicherheitslager, oft auf unbestimmte Zeit. Eine Traumatherapeutin ist ihre einzige Verbindung zur Außenwelt. Immer wieder scheinen Geister die Insel heimzusuchen oder in anderen Gestalten zu erscheinen – als Ausdruck des Unausgesprochenen, des Verdrängten, das keinen festen Ort findet. Island of the Hungry Ghosts ist ein poetischer Dokumentarfilm, der sich zwischen Gegensätzen bewegt: zwischen Naturbeobachtung und politischer Realität, zwischen Schönheit und Härte. Er macht die unsichtbaren Kräfte spürbar, die auf dieser Insel wirken – in der Natur wie in den gesellschaftlichen Strukturen.

Gabrielle Brady ist eine australische Regisseurin, die Dokumentar- und Hybridfilme realisiert. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Internationalen Filmschule in Kuba (EICTV), wo sie drei Jahre lebte und arbeitete. Danach entschied sie sich für ein nomadisches Leben und drehte Filme in Kuba, Indonesien, der Mongolei, der zentralen australischen Wüste und in Europa.

Ihr Langfilmdebüt Island of the Hungry Ghosts (2018) wurde auf über 80 internationalen Festivals gezeigt und in mehreren Ländern im Kino ausgewertet, darunter in den USA, Großbritannien, Deutschland und Australien. Der Film erhielt über 30 Auszeichnungen, darunter den Preis für den besten Dokumentarfilm beim Tribeca Film Festival, den Byens-Chagoll-Preis bei Visions du Réel, den Menschenrechtspreis beim IDFA, den Großen Jurypreis beim Mumbai Film Festival sowie den Preis für den besten Dokumentarfilm beim Adelaide Film Festival. Zudem war er für einen Independent Spirit Award nominiert.
 
Visual Identity: Typical Organization