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21:00 Uhr

Hidden Strata – Episode 2

Filmvorführungen|History Projected 2025: Archaeologies of Movement. In Zusammenarbeit mit Ethnofest

©Typical Organization ©Typical Organization

HISTORY PROJECTED 2025
Geschichte als Projektion

Archaeologies of Movement

Filmvorführungen in Zusammenarbeit mit Ethnofest
Kuratiert von Geli Mademli


Wie spiegelt die Kunst des bewegten Bildes die Facetten heutiger globaler Mobilität und Immobilität wider? Welche Pfade beschreiten Dokumentarfilmer*innen, um durch Raum und Zeit zu reisen und dabei Mikrogeschichten und große Erzählungen einzufangen? Wie viele Grenzen überwindet eine Kamera, wenn sie Dystopien erkundet oder uns von Utopien träumen lässt? Der zweite Teil der Filmreihe History Projected vereint verschiedene Ansätze der „Archäologie der Bewegung“: von Flüchtlingsströmen und den vielfältigen Formen von Vertreibung über gewaltsame Gefangenschaft bis hin zu Übertourismus und modernem Nomadentum. Die Filme zeichnen die geopolitischen und emotionalen Folgen jeder Reise nach – in die gemeinsame Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Planeten.


Episode 2: Hidden Strata (Verborgene Schichten)
Nach dem zweiten Newtonschen Gesetz bestimmt die Masse eines Objekts zusammen mit der Stärke der einwirkenden Kraft seine Beschleunigung. Die Filme des Programms nehmen uns mit in verschiedene Welten. Gebiete, in denen die Kräfte von Natur und Mensch aufeinanderprallen, verwandeln sich in Traum- und Katastrophenlandschaften.

11.6.2025, 21:00 
La Soufrière, Werner Herzog
Deutschland, 1977, 30΄

Optimism, Deborah Stratman
USA–Kanada, 2018, 15΄

Aequador, Laura Huertas Millán
Kolumbien–Frankreich, 2012, 19΄

Sublunary, Mariangela Ciccarello, Philip Cartelli
Italien-Malta-USA, 2019, 21΄
In Anwesenheit der Filmmacherin 

Mit griechischen und englischen Untertiteln


21:00
La Soufrière

© WernerHerzogFilmGmbH © WernerHerzogFilmGmbH

Ist es akzeptabel,  das eigene Leben im Namen der Kunst zu gefährden – und das des gesamten Teams? Ganz im Einklang mit seiner Natur tut Werner Herzog genau das: Auf seiner Reise nach Guadeloupe, um dort die BewohnerInnen zu interviewen, die sich weigerten, ihre Häuser angesichts des unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs des Vulkans La Soufrière zu verlassen. Was er und Kameramann Ed Lachman fotografisch festhalten ist ebenso atemberaubend wie unvorstellbar: verlassene Häuser, geplünderte Geschäfte, leere Straßen, in denen nur noch streunende Hunde und wilde Tiere umherirren, und bedrohlich dampfende Berghänge. Wenn man sieht, wie sich das Filmteam dem Vulkan gefährlich nähert, fragt man sich unweigerlich, was um alles in der Welt sie dort überhaupt tun – mitten in einem Gebiet, das bald zur Katastrophenzone werden könnte. Man fragt sich unweigerlich, ob sie tatsächlich auf jene verbliebenen und unbeugsamen BewohnerInnen treffen werden – und fürchtet das Schlimmste: dass die Insel vom drohenden Ausbruch ausgelöscht wird. La Soufrière ist erfüllt von einer fesselnden Spannung, die jegliches Vorstellungsvermögen übersteigt und die Naturgesetze selbst infrage stellt. (Frédéric Savard)

21:30
Optimism

Image copyright of the artist, courtesy of Video Data Bank, the School of the Art Institute of Chicago. Image copyright of the artist, courtesy of Video Data Bank, the School of the Art Institute of Chicago.

Dawson City im kanadischen Yukon-Territorium ist reich an Goldminen – und arm an Sonnenlicht. Der Film zeichnet ein vielschichtiges Porträt der Stadt: eine audiovisuelle Collage über die Suche nach Sonne und Gold, über Geschichte und das alltägliche Leben der Menschen dort. Die kalte, verschneite Atmosphäre Kanadas durchdringt die Stimmung des Films und verleiht ihm eine düstere Atmosphäre, die an Twin Peaks erinnert.

21:45
Aequador

Image copyright of the artist, courtesy of Video Data Bank, the School of the Art Institute of Chicago. Image copyright of the artist, courtesy of Video Data Bank, the School of the Art Institute of Chicago.

Aequador entwirft eine alternative Geschichte in Form eines wortlosen Reiseberichts: eine äquatoriale Dystopie, die die Exzesse eines fortschritts- und modernitätsgläubigen Traums in Lateinamerika des 20. Jahrhunderts heraufbeschwört. Der Film entwirft das Bild einer vergangenen Epoche, in der eine extremistische Ideologie versucht, das Amazonasgebiet zu erobern. In bewusst fragmentierter Erzählweise entsteht eine parallele Gegenwart, in der digitale Ruinen und fiktive Relikte utopischer Architektur in 3D mit traditionellen Bauwerken und dem Alltag der Menschen koexistieren. Der Film gehört zu einer Reihe von Arbeiten, die zwischen 2009 und 2012 entstanden sind und sich mit dem Thema „Exotismus“ beschäftigen. Dabei hinterfragt er koloniale Geschichten über „das Andere“ und rassistischer Unterdrückung. Mit Elementen aus Science-Fiction, spekulativer Fiktion und Lo-Fi-Fantasy übt der Film zugleich auch eine scharfe Kritik an der klassischen Anthropologie.


22:05
Sublunary 

 ©Mariangela Ciccarello, Philip Cartelli ©Mariangela Ciccarello, Philip Cartelli

Kalkstein ist ein einladendes Gestein – sanft und warm in seiner Beschaffenheit, über Jahrhunderte hinweg durch Ablagerungen aus dem Meer geformt. Er spiegelt unsere irdischen Leidenschaften wider und bleibt offen für Verwandlungen: zu bleibenden Monumenten oder flüchtigen Inschriften – von Marmor bis Kreide. Die Mittelmeerinsel Malta, deren jüngste Geschichte untrennbar mit der Flüchtlingskrise verbunden ist, ist aus Globigerina-Kalkstein gebaut – einem goldschimmernden Gestein, das einst die wichtigste Ressource der Insel war, lange bevor sie sich in einen sicheren Hafen des modernen Kapitalismus verwandelte. Die Spurensuche einer jungen Forscherin verbindet sich mit den Geschichten von Geflüchteten – in einem porösen filmischen Sediment, das Gefühle von Entwurzelung ebenso reflektiert wie absorbiert. (Geli Mademli)


DIE FILMMACHERINNEN

Werner Herzog wurde am 5. September 1942 in München geboren. Er wuchs in einem abgelegenen Bergdorf in Bayern auf und studierte später Geschichte und Germanistik in München und in Pittsburgh. Im Alter von 19 Jahren (1961) drehte er seinen ersten Film. Seitdem hat er über sechzig Spiel- und Dokumentarfilme produziert, geschrieben, und inszeniert, wie zum Beispiel Auch Zwerge haben klein angefangen (1970), Aguirre der Zorn Gottes (1972), Nosferatu Phantom der Nacht (1978), Fitzcarraldo (1982), Lektionen in Finsternis (1992), Little Dieter Needs to Fly (1997), Mein liebster Feind (1999), Invincible (Unbesiegbar, 2000), Grizzly Man (2005), Encounter at the End of the World (Begegnungen am Ende der Welt, 2007). Werner Herzog hat außerdem über ein Dutzend Prosabände veröffentlicht und ebenso viele Opern inszeniert. Er lebt in München und Los Angeles. 

Deborah Stratman ist Filmemacherin und bewegt sich an der Schnittstelle von experimentellen und dokumentarischen Genres. In ihren Filmen sowie in zahlreichen Arbeiten in anderen Medien – darunter Zeichnung, Skulptur, Sound, Fotografie und Kleinverlagswesen – erkundet sie verschiedenste Landschaften: ihre Geschichte, Nutzung, Mythologien und Formen der Kontrolle – von muslimisch gesprägten Regionen in Xinjiang (China) bis zu den Vororten Südkaliforniens. Ihre neueren Arbeiten setzen sich mit dem amerikanischen Konstrukt von Freiheit, der Beziehung zwischen Technologie und Glaube sowie mit zeitgenössischen Erscheinungsformen des Übernatürlichen auseinander. Stratman lehrt an der School of Art & Design der University of Illinios in Chicago. Eine umfassende Werkschau widmete ihr 2013 das Museum of Modern Art in New York unter dem Titel The Thing Unnamed.

Laura Huertas Millán ist Künstlerin, Filmemacherin und Autorin aus Kolumbien und lebt in Frankreich. Sie promovierte an der PSL University im Rahmen des SACRe-Programms und absolvierte ihre Forschung am Sensory Ethnography Lab der Harvard University. International wurden bereits mehr als zwanzig Retrospektiven ihres filmischen Schaffens gezeigt. Ihre Filme liefen auf bedeutenden Filmfestivals weltweit und wurden mit Preisen bei Veranstaltungen wie dem Locarno Film Festival, FIDMarseille, Doclisboa und Videobrasil ausgezeichnet. Einzelausstellungen widmeten ihr unter anderem das MASP São Paulo, die Maison des Arts de Malakoff und das Museum für Moderne Kunst Medellín. Ihre Arbeiten wurden außerdem im Centre Pompidou, Jeu de Paume, Guggenheim Museum in New York, Times Art Center Berlin gezeigt und in internationalen Biennalen präsentiert – darunter die Liverpool Biennale, die FRONT Triennale, Videobrasil, Videonale und die Sharjah Biennale.


Mariangela Ciccarello ist eine Filmemacherin und bildende Künstlerin. Ihre Werke wurden u.a. auf dem Locarno Film Festival, dem Edinburgh International Film Festival, dem Torino Film Festival, dem Ji.hlava International Documentary Festival, im Harvard Art Museum sowie bei Film at Lincoln Center gezeigt. An der Mason Gross School of the Arts an der Rutgers University erhielt sie den Titel Master of Fine Arts (MFA), an der Universität der Provence den Master of Arts (MA) und den Bachelor of Arts (BA) in Philosophie an der Universität Bologna. Als ehemalige Teilnehmerin am Whitney Independent Study Programm unterrichtete sie Film an der School of Visual Arts, der Rutgers University und dem American College of Athens in Griechenland. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Spielfilm, der den Titel Inner Sea trägt.

Philip Cartelli ist Künstler im Bereich des bewegten Bildes und wissenschaftlicher Forscher. Seine Filme und Videoinstallationen wurden beim Locarno Film Festival, Edinburgh International Film Festival, Visions du Réel, Torino Film Festival, FID Marseille sowie im Rahmen von Art of the Real am Film at Lincoln Center in New York gezeigt. Er promovierte im Rahmen eines Doppelstudiums an der Harvard University – wo er  Mitglied des Sensory Ethnography Lab war – und an der École des hautes études en sciences sociales in Paris. Darüber hinaus war er Teilnehmer des renommierten Whitney Independent Study Program. Heute lehrt er als Associate Professor im Department of Visual Arts am Wagner College in New York City.



Visual Identity: Typical Organization