Diskursiver Filmklub

Filmreihe |Gesellschaft, Identität und Widerstand

  • MaMa – Multimedia Institut, Zagreb

  • Preis kostenlos, mit Voranmeldung

Teaser-Bild © Grimm

Teaser-Bild © KSG GRIMM

Der Diskursive Filmklub ist eine Reihe von Abendtreffen, die die Vorführung eines ausgewählten Films mit einem moderierten Gespräch mit dem Publikum verbinden. Film ist nicht nur Kunst, sondern auch ein Ausgangspunkt für Diskussionen über Gesellschaft, Identität, Aktivismus und generationelle Fragen. Das Publikum ist nicht passiv – alle Teilnehmenden haben die Möglichkeit, ihre Meinungen und Erfahrungen in einem sicheren und inklusiven Raum zu teilen.

Veranstalter: Goethe-Institut Kroatien, Fade In, Germanistik-Studierendenklub Grimm, Multimedijalni institut MaMa.

Kommen Sie vorbei, sehen Sie zeitgenössisches deutsches Kino, das mit renommierten Preisen ausgezeichnet wurde, nehmen Sie an moderierten Gesprächen teil, entwickeln Sie kritisches Denken zu gesellschaftlichen Themen und lernen Sie andere junge Menschen kennen, die sich für Film und Aktivismus interessieren.

Termine: 

Donnerstags, jeweils um 18:00 Uhr:
05.03. | 09.04. | 07.05. | 18.06. | 03.09. | 01.10. | 05.11. | 10.12.2026

Bevorstehende Filme im Programm

Karla

Karla ist ein deutscher Spielfilm der Regisseurin Christine Tournatzés, der auf einer wahren Begebenheit basiert und sich mit dem Thema sexueller Gewalt gegen Kinder sowie institutionellem Schweigen im Nachkriegsdeutschland auseinandersetzt. Die Handlung spielt im Jahr 1962 und folgt der zwölfjährigen Karla, die nach jahrelangem Missbrauch durch ihren eigenen Vater beschließt, das Schweigen zu brechen und die Tat bei der Polizei anzuzeigen.
Der Film begleitet ihre Begegnung mit dem Untersuchungsrichter Lamy, der versucht, ihr in einem System zu helfen, das nicht darauf vorbereitet ist, der Stimme eines Kindes Gehör zu schenken. Durch Karlas Entschlossenheit und ihren allmählichen Prozess der Selbstermächtigung eröffnet der Film Fragen nach Macht, Verantwortung und gesellschaftlicher Repression – ebenso wie nach der Möglichkeit von Veränderung, die mit einem individuellen Akt des Mutes beginnt.
Karla feierte seine Premiere 2025 beim Filmfest München in der Wettbewerbsschiene Neues Deutsches Kino und wurde dort für Beste Regie und Bestes Drehbuch ausgezeichnet. Die Jury hob insbesondere die außergewöhnliche Sensibilität und das zurückhaltende Erzählen hervor, mit dem der Film Trauma und Gewalt ohne Sensationalismus behandelt und Raum für Empathie, Reflexion und Diskussion lässt.

 

Tandem – In welcher Sprache träumst du? 

Tandem – In welcher Sprache träumst du? ist eine europäische Koproduktion (Frankreich, Deutschland, Belgien) der Regisseurin Claire Burger, die 2024 auf der Berlinale gezeigt wurde. Der 105-minütige Film vereint französische, deutsche und englische Dialoge und thematisiert die Erfahrungen junger Menschen im Spannungsfeld unterschiedlicher Kulturen und Identitäten.
Im Zentrum steht die 15-jährige Fanny aus Straßburg, die für einen Schüleraustausch nach Deutschland reist und dort die gleichaltrige Lena kennenlernt. Aus einer anfänglichen Freundschaft entwickelt sich eine romantische Annäherung, während Fanny – um Lena zu beeindrucken – beginnt, ihre eigene Lebensgeschichte zu überhöhen oder zu verändern. Der Film beleuchtet Fragen des Erwachsenwerdens, der Identitätsfindung und emotionalen Ausdrucksfähigkeit durch die Perspektive von Freundschaft, Verliebtheit und Selbstentdeckung.
Der Film bietet jungen Zuschauer*innen vielfältige Anknüpfungspunkte für Gespräche über Identität, kulturelle Vielfalt, erste Liebe und Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen – und eignet sich daher besonders für moderierte Diskussionen im Rahmen des Filmklubs.

 

Gotteskinder 


Gotteskinder ist ein deutscher Spielfilm der Regisseurin Frauke Lodders, der die Geschichte der Jugendlichen Hannah und Timotheus erzählt, die in einer streng religiösen, evangelikalen Familie aufwachsen. Hannah lebt konsequent nach den Glaubensregeln und hält an einem Keuschheitsgelübde fest, während ihr Bruder Timotheus versucht, seine Homosexualität zu unterdrücken, da er sie als Sünde gegen den Willen Gottes empfindet.
Als Timotheus gemeinsam mit seinem Freund Jonas an einem umstrittenen Seminar zur sogenannten „Heilung“ von Homosexualität teilnimmt, kommt es zu einer Tragödie: Timotheus nimmt sich das Leben. Der Film setzt sich eindringlich mit dem Konflikt zwischen Glauben, familiären Normen und persönlicher Identität auseinander und zeigt die tiefgreifenden traumatischen Folgen, die rigide Moralvorstellungen und gesellschaftlicher Druck auf junge Menschen haben können.
Hannah wird mit der Wahrheit über ihren Bruder, ihrem Glauben und ihren eigenen unterdrückten Wünschen konfrontiert und steht vor der Herausforderung, zwischen Tradition und individueller Selbstbestimmung ihren eigenen Weg zu finden.
Frauke Lodders zeichnet ein sensibles Porträt des Innenlebens einer evangelikalen Familie und der emotionalen Komplexität der Adoleszenz, wobei der Fokus auf der Stärkung junger Menschen durch kritisches Hinterfragen von Regeln und eigenen Gefühlen liegt.
Der Film wurde beim Max Ophüls Preis 2024 mit dem Publikumspreis der jungen Jury ausgezeichnet und erhielt mehrere nationale und internationale Ehrungen.
 

Victoria


Victoria ist ein deutscher Spielfilm von Sebastian Schipper, der vollständig in einer einzigen, ununterbrochenen Einstellung von 140 Minuten gedreht wurde und damit die Grenze zwischen filmischer Zeit und der realen Dauer einer Nacht aufhebt. Der Film feierte seine Premiere im offiziellen Wettbewerb der 65. Berlinale, wo Kameramann Sturla Brandth Grøvlen mit dem Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung ausgezeichnet wurde. Bei den Deutschen Filmpreisen erhielt der Film mehrere Auszeichnungen, darunter für Bester Film und Beste Regie.
Die Handlung folgt Victoria, einer jungen Spanierin, die während einer Nacht in Berlin vier junge Männer kennenlernt und sich – getrieben von Neugier und dem Wunsch nach Nähe – auf ein spontanes Abenteuer einlässt. Was als unbeschwerter Ausflug beginnt, entwickelt sich schrittweise zu einer Kette riskanter Entscheidungen, die schließlich in einen kriminellen Akt, eine Flucht und eine Tragödie münden.
Der Film vermittelt eindrucksvoll Gefühle von urbaner Entfremdung, dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit und emotionaler Verletzlichkeit und untersucht zugleich Fragen von Freiheit, Verantwortung und Zufälligkeit. Durch seine formale Konsequenz und die intensive schauspielerische Leistung zieht Victoria das Publikum in ein unmittelbares, spannungsgeladenes Erleben hinein und macht es nicht nur zu Beobachter*innen, sondern zu Mitbeteiligten des Geschehens.
 

Roter Himmel

Der große Regisseur Christian Petzold hat einen sanften Sommerfilm entworfen, der vier junge Menschen in einem Ferienhaus an der Ostsee zusammenführt. Sie arbeiten, baden, drei von ihnen haben beste Laune, nur Leon, der vierte, ist durchgehend genervt. Er schreibt ein Buch, das ihm nicht gefällt, er ist verliebt in Nadja, der er nichts davon sagt, er schmollt, weil er Außenseiter ist, obwohl er gern dazugehören würde. So erzählt Petzold höchst nachvollziehbar über Selbstreflexion und Gruppenpsychologie – bis der Wald rundherum anfängt zu brennen. Erst das beendet Leons Larmoyanz, denn jetzt sind alle mit realer Gefahr konfrontiert.

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