Lesung und Gespräch Manfred Winkler: „Noch hör ich deine Schritte“

offenes Buch © Colourbox

Mi, 30.11.2022

19:00

Goethe-Institut Jerusalem

Grafik © IKGS-Archiv Eine „über Länder und Zeiten hinweg Sehnsucht erweckende Stimme“ erklingt in der Lyrik Manfred Winklers, weckt Neugier, wirbt um Verständnis. Aus Czernowitz – Geburtsstadt von Paul Celan und Rose Ausländer – verschlug es den Dichter nach Schoa, Deportation und bleiernen Nachkriegsjahren im kommunistischen Rumänien ins „Altneuland“ Israel, wo er vor dem Hintergrund der Intifada deutsche und hebräische Lyrik schrieb.
Winklers Verse schöpfen aus seiner reichen verinnerlichten Lebenserfahrung wie aus dem Arsenal zahlreicher Kulturen und Literaturen. Erinnerung und Abwehr des Vergessens, Krieg und politische Wirren, Ortswechsel und das unruhige Suchen nach Orientierung, Nähe und Gemeinsamkeit, menschliche Endlichkeit und immer wieder: die Grenze als kritische Größe des Lebens – das sind Themen, denen sich der Lyriker mit unerbittlicher Aufrichtigkeit stellt.

Geboren wurde der zweisprachige, hebräisch und deutsch dichtende Bildhauer, Maler und Übersetzer Manfred Winkler am 27. Oktober 1922 in Putila in der heute ukrainischen Bukowina und verstarb am 12. Juli 2014 in Jerusalem. Er veröffentlichte zu Lebzeiten fünf hebräische und acht deutsche Gedichtbände; seine Skulpturen wurden in verschiedenen Ausstellungen in Israel gezeigt. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählt der Preis des israelischen Ministerpräsidenten für Lyrik (1999). Winkler gilt als der erste maßgebliche Übersetzer Celans ins Hebräische sowie als literarischer Brückenbauer zwischen den deutschsprachigen Kulturen Mittelosteuropas, insbesondere der Bukowina, und Israels.  

Buchcover: Noch hör ich auf deine Schritte © editionfaust Manfred Winklers von ihm selbst ins Deutsche und Hebräische übersetzte Lyrik wurde nun aus Anlass seines 100. Geburtstages erstmals in einem Band ediert, ergänzt durch eine Auswahl unveröffentlichter Gedichte aus dem Nachlass. Umrahmt wird der deutschsprachige Abend mit zweisprachigen Lesungen der selbstübersetzten Gedichte, sowie vom Gespräch der Herausgeber Monika Tempian und Jan Kühne mit dem Schweizer Literaturwissenschaftler und Winkler-Experten Prof. Hans-Jürgen Schrader sowie der preisgekrönten israelisch-schweizerischen Künstlerin Yvonne Livay, die zuletzt den deutschsprachigen Jerusalemer Literatursalon LYRIS leitete, zu dessen Gründungsmitgliedern Winkler gehörte. Der Abend markiert zugleich die Abschlussveranstaltung eines vorausgegangenen, zweitägigen Symposiums zu Winklers Leben und Werk am Franz-Rosenzweig-Minerva-Forschungszentrum der Hebräischen Universität.

Teilnehmer*innen: 

Jan Kühne, affiliated Researcher am Franz-Rosenzweig-Minerva Forschungszentrum für deutsch-jüdische Literatur und Kulturgeschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er auch unterrichtet und die Kritische Gesamtausgabe der Schriften Sammy Gronemanns herausgibt, sowie zu deutsch-hebräischer Mehrsprachigkeit forscht. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, darunter "Die zionistische Komödie im Drama Sammy Gronemanns – Über Ursprünge und Eigenarten einer latenten Gattung" (2020).
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Monica Tempian, geboren 1972 in Neumarkt (Rumänien), lebt in Wellington (Neuseeland). Studium der Germanistik und Anglistik in Klausenburg. Promotion 2002 im Rahmen eines internationalen Austauschs mit der Université de Genève. Seit 2006 Dozentin für Deutsche und Europäische Studien an der Victoria University of Wellington. Forschungsschwerpunkte: deutsch-jüdische Literatur und Kultur; Exilforschung; deutschsprachige Literatur des osteuropäischen Raumes. Zahlreiche akademische Publikationen, zuletzt: Maria Dronke. Glimpses of an Acting Life (2020). Herausgeberin (mit Hans-Jürgen Schrader) der deutschsprachigen Lyrik Manfred Winklers in der kommentierten Ausgabe Haschen nach Wind. Die Gedichte (2018).

Hans-Jürgen Schrader, geb. 1943 in Bad Harzburg, Studium in Saarbrücken, Wien und Göttingen, ist em. ord. Professor für deutsche Literatur an der Univer­sität Genf. – Mit Manfred Winkler befreundet und Mitherausgeber seiner deutschen Gedichte („Haschen nach Wind“, 2017), hat er wiederholt im Goethe-Institut Jerusalem über ihn und den Lyris-Kreis referiert.

Yvonne Livay, geb. 1942 in Zürich, Musiktherapeutin und bildende Künstlerin mit Ausstellungen in Israel und Europa. Dichterin deutscher und hebräischer Sprache, seit 2000 Mitglied sowie zuletzt Gastgeberin des deutschsprachigen Jerusalemer Dichterkreis „LYRIS“. Zu ihren letzten Veröffentlichungen zählt der Gedichtband „Rostige Zeiten“ (2011) und die Dokumentation „Die Frau mit der Lotosblume“ (2020). Zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt der Stiftung Kreatives Alter Zürich (2022).

Lesung und Moderation: Monika Tempian und Jan Kühne


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