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Max Mueller Bhavan | Indien

Dina Weber & Cyriac Thomas

Dina Weber und Cyriac Thomas
© Dina Weber und Cyriac Thomas

Stollen trifft auf indische Weihnachtstraditionen, Spätzle auf Zutaten aus Mysore und deutsche Erziehungsvorstellungen auf indische Familiengewohnheiten. Für Dina Weber und Cyriac Thomas sind solche Unterschiede Teil ihres gemeinsamen Alltags. Dabei geht es nicht darum, Unterschiede zu überwinden, sondern darum, einen gemeinsamen Alltag mit ihnen zu gestalten.

Von Prathap Nair

Als Dina Weber vor fast zehn Jahren zum ersten Mal nach Indien kam, hatte sie nicht vor zu bleiben. Was als Rucksackreise nach dem Abitur begann, führte zu freiwilliger Arbeit auf Permakultur-Farmen und schließlich zu einem Leben in Indien. Heute betreibt sie Sapa, eine der bekanntesten Bäckereien in Mysore.

Ihren Partner Cyriac Thomas lernte sie bei der Arbeit kennen. Der Kombucha-Brauer aus Pune kontaktierte Dina zunächst in der Hoffnung, seine Marke Umami Brew in ihrer Bäckerei anbieten zu können. Dina erinnert sich daran, dass seine Nummer damals unter dem Eintrag „Lieferant – Sapa“ in ihrem Telefon gespeichert war. Aus den beruflichen Gesprächen entwickelte sich nach und nach eine Beziehung. Seit zwei Jahren sind die beiden ein Paar und leben in Mysore, Karnataka, wo sie im Gastgewerbe arbeiten und eine Beziehung führen, die durch Essen, Arbeit und Kultur geprägt ist.

Die Welt des anderen kennenlernen

Dina, die bereits mit einem indischen Partner verheiratet war, hatte zunächst Zweifel an einer weiteren Beziehung in Indien. Während ihrer Scheidung fragte sie sich, ob sie irgendwann nach Europa zurückkehren müsste, um einen Partner zu finden. „Viele Männer hier sind sehr von den Erwartungen ihrer Eltern abhängig“, meint sie. Doch Cyriac veränderte diese Vorstellung. „Er macht es mir sehr leicht, seinen Blickwinkel zu verstehen – und er ist neugierig auf meinen. Es ist ein ständiger Austausch.“

Diese Neugier beruht auf Gegenseitigkeit. Cyriac wuchs in den 1990er-Jahren in Indien auf und fand Dinas Hintergrund faszinierend. „Ihre deutsche Kindheit, die deutsche Erziehung, selbst den deutschen Humor“, sagt er lachend. „Der ist sehr trocken. Manchmal macht sie einen Scherz und ich weiß, dass es ein Scherz ist – aber ich kann sehen, wie sie darauf wartet, dass alle anderen ihn auch verstehen.“

Das Essen wurde zu einer der ersten Verbindungen zwischen ihnen. Cyriac räumt ein, dass sein Verständnis der deutschen Küche vor der Begegnung mit Dina vor allem auf Bier und Bratwurst beschränkt war. Das änderte sich durch ihr gemeinsames Leben. Spätzle, Rouladen, Gulasch und Weihnachtsplätzchen – Gerichte aus Dinas süddeutscher Kindheit – fanden ihren Weg in die Küche des Paares in Mysore. In Dinas Elternhaus wurde Marmelade selbst gemacht, die Früchte stammten aus dem eigenen Garten und Kuchen wurde nur selten gekauft. Diese Geschmäcker in Indien nachzubilden, bestimmte Fleischsorten zu finden und Rezepte mit lokalen Zutaten anzupassen, sind für sie Herausforderung und gemeinsames Ritual zugleich.

Erziehung über Kulturen hinweg

Cyriac, Dina und ihre Tochter © Dina Weber und Cyriac Thomas Eine der größten Veränderungen in Cyriacs Leben kam durch Dinas Tochter Marta, die sechs Jahre alt war, als die beiden ein Paar wurden. „Ich wollte nie Kinder“, gibt er offen zu. „Aber Dina mit ihrer Tochter zu sehen, veränderte etwas in mir.“

Die Erziehung in Deutschland basiert seiner Erfahrung nach stark auf Vertrauen und Selbstständigkeit. Er erinnert sich daran, wie überrascht er war, als Dina Marta beiläufig ein Messer reichte, um Gemüse zu schneiden. „Indische Eltern würden ihrem Kind dabei ständig über die Schulter schauen“, meint er. „Bei ihr hieß es: ‚Hier ist das Messer, hier das Gemüse – finde dich zurecht.‛“

Für Dina hatte einer der Momente, in denen sie sich Cyriac besonders nahe fühlte, wenig mit kulturellen Unterschieden zu tun, sondern vielmehr mit emotionaler Nähe. Während sie mit der Belastung von Begriffen wie „Scheidung“ und „alleinerziehende Mutter“ kämpfte, erinnert sie sich an einen behutsamen Scherz, mit dem er die Schwere der Situation auflockerte. „Er brachte mich zum Lachen, ohne meine Gefühle abzuwerten“, meint sie. „Das war mir wichtig.“

Alltägliche kulturelle Unterschiede

Kulturelle Unterschiede zeigen sich weiterhin im Alltag. Dina findet Indiens starke sozialen Netzwerke – sich an Geburtstage zu erinnern, Behälter mit Essen gefüllt zurückzugeben und nie mit leeren Händen zu Besuch zu kommen – schön, aber nicht immer selbstverständlich. „In Deutschland funktioniert das Zwischenmenschliche anders. Man muss sich nicht Hunderte Details von Hunderten von Leuten merken.“ Cyriac hingegen muss noch immer darüber lachen, wenn Dina auf der Couch ihre Beine hochlegt.

Darüber hinaus sagt Dina, sie habe verstanden, wie wichtig Loyalität für Cyriac ist – nicht nur in einer romantischen Beziehung, sondern auch im sozialen und beruflichen Umfeld. „Er setzt sehr klare Grenzen“, sagt sie. „Manchmal denke ich, jemand gehört zum inneren Kreis, während er es nicht so sieht.“ Cyriac hingegen sagt, Dinas Sanftheit habe ihn beeinflusst. „Sie hört zu, denkt nach und spricht erst dann. In dieser Hinsicht ist sie mir ein Vorbild.“

Ein deutsches Weihnachten in Mysore

Dina Weber und Cyriac Thomas © Dina Weber und Cyriac Thomas

Ihre gemeinsamen Traditionen werden besonders an Weihnachten sichtbar. Keiner der beiden ist besonders religiös, aber die Adventszeit ist Dina sehr wichtig. In Mysore ist Weihnachten im öffentlichen Leben weniger präsent als in Deutschland. Deshalb schafft Dina zu Hause ihre eigene Festtagsstimmung: mit einem Adventskranz, selbstgebasteltem Weihnachtsschmuck, einem echten (Mini-)Weihnachtsbaum, deutschen Plätzchen und Stollen. Ihr Stollen ist inzwischen so beliebt, dass ihre Bäckerei Sapa ihn jeden Dezember in ganz Indien verschickt.

Cyriacs Familie hat diese Traditionen ganz und gar angenommen – wegen des Essens, aber auch wegen des Gefühls von Zusammengehörigkeit. „Sie erleben so ein ganz anderes Weihnachten“, meint er. „Und wir sind alle glücklich darüber.“

Gemeinsam ein Zuhause finden

Obwohl sie seit fast zehn Jahren in Indien lebt, sagt Dina, sie habe sich selten als Außenseiterin gefühlt. „Indien fühlt sich an wie mein Zuhause“, sagt sie. Wenn sie Deutschland besucht, vermisst sie Indiens Straßenleben, den Lärm und die Spontaneität. Als Ausländerin, fügt sie hinzu, erlebt sie manchmal unerwartete Freiheiten, da soziale Erwartungen nicht immer auf dieselbe Weise für sie gelten.

Am Ende des Tages kehrt das Paar zu einfachen gemeinsamen Momenten zurück. Nachdem Marta zu Bett gegangen ist, sitzen die beiden auf dem Balkon oder im Garten, rauchen eine Zigarette oder trinken ein Glas Wein und unterhalten sich. „Wir sprechen über unseren Tag“, sagt Cyriac, „nachdem wir beide lange gearbeitet haben.“

Ihre Beziehung zeigt, dass ein gemeinsames Zuhause nicht bedeutet, kulturelle Unterschiede auszulöschen. Stattdessen schaffen sie Raum für beide Traditionen in ihrem Alltag.

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