Jugend Debattiert in Zeiten der Pandemie
SCHÜLER*INNEN AUS ITALIEN UND FRANKREICH DEBATTIEREN ONLINE

Jugend debattiert
© Colourbox

Eigentlich sollte es ein großes Finale werden: unter Beteiligung von fünf Ländern der Goethe-Region Südwesteuropa, zu Gast in der deutschen Botschaft in Brüssel. Doch die Corona-Pandemie hat viele beteiligte PASCH-Schüler*innen ins Homeschooling geschickt und die gesamte Projektarbeit auf eine harte Probe gestellt.

Von Klaus Dorwarth

DIE LÖSUNG: DIGITAL UND "ABGESPECKT"

Zwei Mal wurde das geplante Finale in Präsenz verschoben. Schließlich war klar: Zu retten war es nur noch digital und in einer vereinfachten Form. So entstand die Idee von getrennten binationalen Begegnungen, ohne länderübergreifendes Qualifikationsverfahren und intensives Beratungsprozedere der Jury. Italien und Frankreich fanden sich schnell zusammen. Belgien und Malta bildeten das andere Tandem, für Spanien waren die Hindernisse für eine Teilnahme zu groß gewesen.

DAS TANDEM ITALIEN - FRANKREICH

Carlo Bosdachin aus Triest und Remus Besliu aus Brescia bildeten das italienische Team. Carlo besucht das Sprachgymnasium Francesco Petrarca an der Grenze zu Slowenien, Remus das naturwissenschaftliche Gymnasium Nicolò Copernico unweit des Gardasees in der Lombardei. Sie kannten sich vorher nicht und hatten zwei Wochen Zeit, sich online kennen zu lernen und auf ihr Finale mit Frankreich am 15. Dezember 2020 vorzubereiten. Unter denselben Bedingungen ging auch die französische Seite an den Start: Mathilde Foucault aus Montpellier und Caroline Parizot aus Lille.

Carlo Bosdachin aus Triest
Carlo Bosdachin aus Triest | Foto: Privat
Remus Besliu aus Brescia
Remus Besliu aus Brescia | Foto: Privat


 













DIE THEMEN

Debatten sind eine Form der Diskussion, in der gesellschaftlich relevante Themen miteinander verhandelt werden. Dabei stehen sich die PRO-Position und die CONTRA-Position gegenüber. Es kommt darauf an, ein beiwohnendes Publikum von der eigenen Sicht auf das Thema zu überzeugen und dabei Sachkenntnis und Respekt gegenüber der Gegenseite unter Beweis zu stellen.
Da wegen Corona das Debattentraining an den Schulen erheblich gelitten hatte, lockerten die Organisatoren des Goethe-Instituts das sonst übliche Reglement: Die vier Schüler*innen durften die Themen für ihr Finale ausnahmsweise selbst bestimmen und sich vierzehn Tage vorher darauf vorbereiten – eine Erleichterung, die nicht zuletzt auch den erschwerten Bedingungen eines Finale in digitaler Form geschuldet war.
 

Debatte Runde 1 – Thema (Vorschlag Italien):
Soll man Kindern im Grundschulalter die Nutzung von Handys verbieten?

Debatte Runde 2 – Thema (Vorschlag Frankreich):
Soll man das Filmen der Polizei bei ihrem Einsatz verbieten?

NEUE FREUNDSCHAFTEN

Mit einem gespannten Schülerpublikum und ihren Lehrkräften im Rücken tauschten die vier Protagonist*innen über Zoom ihre Argumente aus, sprachlich beeindruckend, sachorientiert und fair. Nach der 1. Runde in nationalen Teams wechselte man die Aufstellung. Die Idee stammte von den französischen Schülerinnen. Sie hatten schon früh angeregt, die 2. Runde in gemischten Teams auszutragen. Carlo und Remus waren von der Idee begeistert. So sind in den vierzehn Tagen der gemeinsamen Vorbereitung jenseits des Debattentrainings auch neue Freundschaften entstanden.

Debattieren: Kontrovers, sachorientiert, fair
Debattieren: Kontrovers, sachorientiert, fair | © Colourbox.de

ES HAT SICH GELOHNT

Die Skepsis der Vormonate war nicht gering gewesen. Wie konnte ein Projekt gerettet werden, das komplexe nationale und übernationale Qualifikationsrunden durchlaufen musste, coronabedingt aber Federn gelassen hatte? Am Ende waren es die Schüler*innen selbst, die den Abschluss möglich und sogar zu einem Überraschungserfolg gemacht haben. Die länderübergreifende Vorbereitung der Jugendlichen, der respektvolle Umgang miteinander oder vielleicht auch die persönliche Art eines jeden Einzelnen – etwas hatte diese Online-Debatte zu einer Begegnung gemacht, die von einem besonderen Geist getragen war.

Marialuisa Brambilla, die Deutschlehrerin von Remus, beschreibt es so: "Ich habe eine tolle Überraschung erlebt, und zwar, dass man trotz Corona doch noch für die Schüler interessante übernationale Initiativen veranstalten kann. Mich hat die Debatte wirklich beeindruckt."
Und Adriana Sulli, Deutschlehrerin aus Triest und stolz auf ihren Carlo, bestätigt: "Ich bin von den Leistungen der Schüler begeistert. Man kann wirklich sagen, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat."
Beide Lehrerinnen hatten im September 2019 an einer Schulung am Goethe-Institut Brüssel teilgenommen und das Projekt anschließend in ihre Klassen getragen – so gut, wie es die Pandemie-Umstände vor Ort zuließen.

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