Strategien für Schule und Beruf
Deutsch in Italien
In einer zunehmend globalisierten Welt sind Fremdsprachenkenntnisse von grundlegender Bedeutung. Die Kenntnis der deutschen Sprache öffnet die Türen zu einer der größten Volkswirtschaften Europas und bietet auch in Italien zahlreiche kulturelle und berufliche Möglichkeiten. Darüber sprechen wir mit Ferdinand Krings, zuständig für Sprach- und Bildungskooperationen am Goethe-Institut Rom, anlässlich des Runden Tisches zu diesem Thema, den das Goethe-Institut gemeinsam mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Palermo organisiert hat.
In Palermo fand kürzlich ein runder Tisch in Kooperation mit der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland statt. Welche Hauptziele hatte das Treffen, um die Verbreitung der Deutschen Sprache in Sizilien zu fördern?
Die Konferenz in Palermo hatte ein klares Ziel: Wir wollten herausfinden, wie wir die deutsche Sprache in Sizilien besser fördern können. Es ist klar, dass wir neue Wege finden müssen, um Schüler*innen für Deutsch zu begeistern - und dabei spielen Exzellenzmodelle wie die PASCH-Schule Marco Polo eine große Rolle. Mehrere konkrete Maßnahmen wurden diskutiert. Zum einen müssen Schulen, Unternehmen und Institutionen enger zusammenarbeiten, um die beruflichen Chancen der deutschen Sprache zu vermitteln. Außerdem brauchen wir eine stärkere Präsenz in den Medien, um das Image der Sprache zu verbessern. Ein weiteres wichtiges Thema war der Ausbau von Austauschprogrammen mit Deutschland und Österreich, denn solche Erfahrungen motivieren die Schüler*innen enorm.
Ein wichtiger Partner ist dabei das Goethe-Institut, das die Schulen aktiv unterstützt - sei es durch Materialien für die Orientierungsphase oder für die Open Days, durch Lehrerfortbildungen mit Stipendien für Deutschlandaufenthalte oder durch den Aufbau von Schulpartnerschaften und die Organisation von Austauschprogrammen. Darüber hinaus ermöglicht es in Zusammenarbeit mit dem italienischen Bildungsministerium den Erwerb anerkannter Sprachzertifikate. Und nicht zuletzt: wenn wir erfolgreiche Schulen wie die Marco-Polo-Schule sichtbarer machen, können sie als Vorbild für andere Schulen dienen.
Trotz des steigenden Handelsaustauschs zwischen Deutschland und Süditalien (insbesondere in Sizilien, Kampanien und Apulien) sinkt die Zahl der Deutschlernenden in Sizilien kontinuierlich. Welche Ansätze wurden bei der Konferenz vorgeschlagen, um diesen Trend umzukehren?
Das ist eine sehr besorgniserregende Entwicklung. Um den Rückgang der Deutschlernenden zu stoppen, müssen wir neue Strategien entwickeln. Eine davon ist die stärkere Vernetzung von Schule und Wirtschaft. Wenn Unternehmen klar machen, dass Deutschkenntnisse gefragt sind und Praktika oder PCTO-Programme für Schüler*innen anbieten, kann das die Motivation enorm steigern.
Ein weiteres Thema war die Zertifizierung. Sprachzertifikate wie das DSD oder Goethe-Zertifikate sollten noch stärker in den Schulalltag integriert werden. Hier kann das Goethe-Institut helfen, indem es vom Bildungsministerium akkreditierte Prüfungen anbietet.
Eine besonders spannende Idee ist es, ehemalige Schüler*innen als Botschafter*innen für die deutsche Sprache einzusetzen. Junge Menschen lassen sich oft leichter von anderen jungen Menschen inspirieren. Wenn sie sehen, dass frühere Schüler*innen durch Deutsch interessante berufliche Chancen erhalten haben, könnte das die Wahrnehmung verändern. Nicht zuletzt müssen wir das Image der deutschen Sprache verbessern. Sie gilt als schwierig, aber mit kreativen Marketingkampagnen wie zum Beispiel Destinazione Deutsch (eine Art digitaler Deutschwagen) kann man zeigen, dass Deutsch nicht nur nützlich, sondern auch spannend sein kann.
Welche Bedeutung hat die deutsche Sprache im wirtschaftlichen Austausch zwischen Sizilien und Deutschland?
Deutschland ist zweifellos einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Siziliens. Mit einem Handelsvolumen von 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2023 sind die wirtschaftlichen Verflechtungen sehr stark.
Gerade in Bereichen wie Tourismus, Exporthandel und Nahrungsmittelindustrie sind Deutschkenntnisse ein echter Vorteil. Doch leider haben viele junge Menschen in Sizilien kaum Berührungspunkte mit der deutschen Sprache oder Kultur - sie sehen oft nicht, welche Chancen ihnen Deutsch bietet. Hier können wir ansetzen, indem wir in den Schulen deutlicher machen, dass Deutsch ihre beruflichen Perspektiven deutlich erweitern kann. Wenn sich Schulen und Unternehmen stärker vernetzen und Praktika oder Austauschprogramme gefördert werden, kann das langfristig dazu beitragen, dass mehr junge Menschen Deutsch lernen und dies als Karrierevorteil begreifen.
Welche konkreten Maßnahmen ergreift das Goethe-Institut, um Schulen in ganz Italien bei der Förderung der deutschen Sprache zu unterstützen, und welche neuen Initiativen wurden bei dem Fachgespräch vorgestellt?
Das Goethe-Institut ist ein zentraler Akteur in diesem Bereich. Wir unterstützen die Schulen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen helfen wir während der Orientierungsphase oder den Open Days. Viele Schüler*innen und Eltern wissen nicht genau, welche Vorteile Deutsch hat - hier stellen wir Materialien wie die neue interaktive Webseite Destinazione Deutsch bereit und stehen den Schulen für Beratungen zur Verfügung. Es gibt zahlreiche italienweite Wettbewerbe und Projekte für Schüler*innen, bei denen es attraktive Preise zu gewinnen gibt, sowie Beratung über zahlreiche Jugendbegegnungsformate zwischen Italien und Deutschland. Dann gibt es ein kontinuierliches Angebot an hochwertigen didaktischen Fortbildungen für Lehrkräfte. Und das Beste: Es gibt Stipendien für Fortbildungen in Deutschland, damit die Lehrkräfte ihre methodischen und sprachlichen Kompetenzen direkt vor Ort verbessern können.
Was kann eine Schule tun, die Deutsch in ihr Bildungsangebot aufnehmen möchte, und in welcher Form kann das Goethe-Institut sie dabei unterstützen?
Die endgültige Entscheidung, Deutsch als zweite Fremdsprache an einer Schule anzubieten, liegt bei der Schulleitung. Wir können eine Schule, die Deutsch anbietet, durch unser großes Netzwerk in Italien aber auch bei der Prüfungsabnahme und mit dem kulturellen Angebot der über 20 Kulturgesellschaften in ganz Italien unterstützen.