Mittwoch 2. März 2022, 17 Uhr

Elektronische Musik in Rom. Retrospektive

  • Auditorium des Goethe-Instituts, Rom

  • Preis kostenlos, auf Anmeldung, nur mit Super Green Pass

Elektronische Musik in Rom. Retrospektive Grafik (Detail): © MetaDiaPason

Retrospektive Franco Evangelisti Grafik (Detail): © MetaDiaPason

Am 2. März 1962 fand im römischen Theater Eliseo erstmals ein Konzert des berühmten Studios für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks Köln (WDR) statt. Damals hatte Franco Evangelisti, der dort mit seinen „Incontri di Fasce Sonore” die erste italienische Komposition im Genre der elektronischen Musik realisiert hatte, in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibliothek Rom – dem heutigen Goethe-Institut – und der Vereinigung Nuova Consonanza ein Konzert organisiert, auf dessen Programm ausschließlich akusmatische Stücke standen, die in eben jenem Studio sowie in den Münchner Siemens-Studios entstanden waren.

Mit Ausnahme der zweiten Komposition H. Eimerts wurden die folgenden Stücke in streng chronologischer Reihenfolge ihres Entstehens dargeboten:
Herbert Eimert, Studio 1 und 4 aus Fünf Stücke (1954)
Herbert Eimert, Selection (1960)
Karlheinz Stockhausen, Studie II (1954)
Gottfried Michael König, Klangfiguren II (1955-56)
Franco Evangelisti, Incontri di fasce sonore (1956-1957)
György Ligeti, Artikulation (1958)
Herbert Brün, Epigraphe (1958)
Mauricio Kagel, Transicion I (1960)
Josef Anton Riedl, Kommunication (1961)

Genau 60 Jahre später laden das Kollektiv MetaDiapason und die Produktion Chirale zu einer Retrospektive dieser Veranstaltung ein, die zwei Performances, einen Runden Tisch und eine Ausstellung umfasst.
 
In zwei Performances, in die Erkenntnisse sowohl der historischen als auch der jüngeren musikwissenschaftlichen Forschung einfließen, sollen diese Stücke nun erneut dem Publikum dargeboten werden: Die LP Session umfasst Livesets der seinerzeit auf Vinyl realisierten Original-Aufnahmen des elektronischen Repertoires und vereint so die Tradition mit einem heute weit verbreiteten Konzept des Musikhörens. In der AV Session hingegen werden live Audio- und Videoperformances präsentiert, die unter Mitwirkung der Studenten des 1. Jahres des Masterstudiengangs „Multimedia Arts and Design” der RUFA (Rome University of Fine Arts) entstanden waren und ihre Inspiration aus drei der Original-Kompositionen beziehen.

In der historischen Einführung kommen die italienischen Musikwissenschaftler und Komponisten elektronischer Musik Agostino Di Scipio und Francesco Galante sowie die deutsche Musikwissenschaftlerin Miriam Akkermann zu Wort, die anschließende Debatte wird von Walter Branchi eingeleitet.

In der Ausstellung sind Exponate des Evangelisti-Archivs der Stiftung Fondazione Isabella Scelsi zu sehen, darunter eine faszinierende 9 Meter lange auf Stoff gedruckte Reproduktion der Partitur zu Franco Evangelistis „Incontri di fasce sonore”, und – aus der Zeit des ersten Konzerts – der Briefwechsel mit verschiedenen Komponisten, eine Reihe von Fotografien, verschiedene Schallplatten, sowie Werbematerial zu dieser Veranstaltung.

Es moderiert Leonardo Zaccone, Kurator der Retrospektive.

Mit Unterstützung von Nuova Consonanza, Fondazione Isabella Scelsi und Goethe-Institut Rom