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18:00 Uhr

Von Instabilität zu Solidarität: Wie mobilisiert Kultur zum gemeinsamen Handeln?

Diskussion|Im Rahmen des Projekts „Aspekte der Anwesenheit“

Ausstellungsansicht „Glocken und Kanonen“: Foto: Andrej Vasilenko

Ausstellungsansicht „Glocken und Kanonen“: Foto: Andrej Vasilenko

Die jüngsten geopolitischen Konflikte, Kriege und Krisen haben nicht nur die Fragilität der internationalen Sicherheit offengelegt. Diese Umstände haben dazu angeregt, neu zu überdenken, was uns verbindet und zusammenführt, mit wem wir uns identifizieren, wie wir Koalitionen bilden und Freundschaften pflegen, worüber wir erzählen wollen und was wir nicht in Vergessenheit geraten lassen, wer unsere Verbündeten sind. Dieses Zusammenrücken zur Bewältigung bedeutender Herausforderungen wird meist mit dem Begriff der Solidarität beschrieben. Wir solidarisieren uns mit Forderungen nach einem Waffenstillstand, nach kompetenter und ethischer Repräsentation, nach Garantien sozialer Sicherheit und der Menschenrechte, nach einer Stärkung der Verteidigung und dem Schutz der Natur. Der Reflex der Solidarität kann manchmal blitzschnell einsetzen und sich in unterschiedliche Richtungen für Gerechtigkeit einsetzen. Andererseits muss Solidarität nicht zwangsläufig ausschließlich auf Gerechtigkeit abzielen, um als Solidarität zu gelten. Was bedeutet sie also hier und jetzt, wenn in Litauen Proteste von Vertreter*innen aus Kultur und Medien, ausgelöst durch politische Instabilität und Misstrauen gegenüber übereilten Entscheidungen, von Tausenden unterstützt werden?

In dieses vieldeutige und immer wieder neu zu definierende Verständnis von Solidarität fallen Widerstand und Fürsorge, die Bereitschaft, gemeinsam Risiken einzugehen und Verantwortung zu übernehmen. Sie ist eine zentrale Stütze sozialer Bewegungen, ohne die Initiativen in vereinzelte Gesten zerfallen und langfristige Veränderungsperspektiven an Kraft verlieren würden. Mit wem solidarisieren wir uns? Wann wählen wir einen bequemen Neutralitätsstandpunkt, und wann beginnt der Zweifel zu wirken? Können Kultur und Kunst angesichts dieser Spannungen zu einer Infrastruktur der Solidarität werden – und wie prägt diese Zeit die Identitäten und Positionen von Kulturinstitutionen, Künstler*innen und Gemeinschaften? Reicht es aus, in einer bestimmten Frage solidarisch zu sein, und wann bedarf es Handlungen, die über deklarative Unterstützung hinausgehen? Wenn Solidarität tatsächlich aus Instabilität entsteht – sind wir dann in instabilen Zeiten am solidarischsten?

Moderation:
Jogintė Bučinskaitė – Kulturjournalistin, Kunstkritikerin und Kunsthistorikerin, Autorin von Texten sowie Radio und Fernsehsendungen zu Kultur und Kunst.

Teilnehmer*innen

Agnė Bagdžiūnaitė – Künstlerin, Kuratorin und Forscherin, Doktorandin an der Universität Vilnius. In ihrer Arbeit greift sie auf feministische und queere Ethnografie zurück: Sie untersucht Erfahrungen weiblicher Arbeit, kollektives Gedächtnis und deren Bedeutung im postsowjetischen Kontext Litauens sowie den Einfluss sowjetisch geprägter Landschaften auf die Gegenwart. Durch Ausstellungen, Schreiben und kollaborative Initiativen verbindet sie Kunst und Forschung. Ihr langfristiges Engagement in selbstorganisierten Initiativen – dem sozialen Zentrum Emma, der Gewerkschaft zum 1. Mai und der Gewerkschaft der Kunstschaffenden – spiegelt ihr Interesse an den Arbeitsbedingungen kreativer Arbeit und deren historischem Kontext wider.

Assoc. Prof. Dr. Laurynas Peluritis – Historiker und Philosoph. Derzeit lehrt er politische Philosophie und Ideengeschichte an den Fakultäten für Philosophie und Geschichte der Universität Vilnius und ist Prodekan der Philosophischen Fakultät (Bereiche Strategie und Kommunikation). Peluritis ist Vorsitzender der Vereinigung kultureller Periodika, Mitglied des Rats des Medienförderfonds und Vorsitzender des Medienrats beim Kulturministerium. 2025 veröffentlichte er das Buch „Profesorius S. ir Vilniaus Baziliskas“ (Illustrationen von Živilė Žvėrūna, Phi knygos).

Dr. Gintautė Žemaitytė – Semiotikerin, Kunsthistorikerin, Leiterin des CAC-Standorts Sapiegų rūmai, Mitglied der Initiativgruppe der Kulturversammlung (Kultūros asamblėjos).

Eglė Grėbliauskaitė – zeitgenössische Künstlerin mit offiziellem Status einer Kunstschaffenden der Republik Litauen, Dozentin am Institut für Internationale Beziehungen und Politikwissenschaft der Universität Vilnius sowie an der Kunstakademie Vilnius; sie lehrt außerdem an der Vilnius Tech. 2022–2024 führte sie ein Postdoc-Forschungsprojekt mit dem Titel „Institutionelle Aufsicht über die Autonomie der Kunst: Kunst und Kulturpolitik Litauens“ durch, das auf künstlerischer Praxis und der Analyse realer Fälle institutioneller Kontrolle basierte. 2026 wird sie an der Vytautas-Magnus-Universität das Forschungsprojekt „Protokolle existenzieller Autonomie“ beginnen, das sich mit Formen von Autonomie, Solidarität und ethischem Handeln unter Bedingungen politischer und kultureller Instabilität befasst.

„Aspekte der Anwesenheit“ ist ein Projekt des Goethe-Instituts in Litauen, des Contemporary Art Centre (CAC), Vilnius, und der Akademie der Künste, Berlin.