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19:00 Uhr

Rohre und Mauern. Wege und Irrwege Europas. Gespräch mit Prof. Vytautas Landsbergis und Eva Quistorp

Gespräch|Im Rahmen des Projekts „Aspekte der Anwesenheit“ und der Ausstellung „Glocken und Kanonen“

Frauenfriedenskette am Brandenburger Tor mit Eva Quistorp (ganz rechts im Bild) als Rednerin und Initiatorin und Luftballons über die Mauer, die von der Stasi aufgesammelt wurden © Eva Quistorp/Privatarchiv

Frauenfriedenskette am Brandenburger Tor mit Eva Quistorp (ganz rechts im Bild) als Rednerin und Initiatorin und Luftballons über die Mauer, die von der Stasi aufgesammelt wurden © Eva Quistorp/Privatarchiv

Im Rahmen der Ausstellung „Glocken und Kanonen. Zeitgenössische Kunst im Angesicht der Militarisierung“ diskutieren Prof. Vytautas Landsbergis, erster Staatschef des wieder unabhängigen Litauens, und Eva Quistorp, Mitbegründerin der deutschen Partei Die Grünen (zusammen mit u.a. Petra Kelly und Joseph Beuys), Friedensaktivistin und ehemalige Europaabgeordnete, über Europas politische und kulturelle Entwicklung von den 1980er Jahren bis heute. Das Gespräch wird von der Kunsthistorikerin und Schriftstellerin Laima Kreivytė moderiert.

Die Gesprächsschwerpunkte reichen von der Einheit Europas, den Folgen geopolitischer Abhängigkeiten – wie Nord Stream 2 –, über den Stellenwert gesellschaftlichen Engagements bis hin zur aktuellen Lage in der Ukraine. Zudem wird thematisiert, welche Rolle Kunst und künstlerische Strategien – wie die ikonischen Menschenketten der Friedensbewegung in Deutschland sowie des Baltischen Wegs – im politischen Diskurs spielen: Was können Politiker*innen von Künstler*innen lernen? Das Gespräch führt durch zentrale Fragen europäischer Identität, Solidarität und Verantwortung – und fragt abschließend: Was können wir als Bürger*innen Europas, Deutschlands und Litauens heute konkret tun?

Eva Quistorp (geb. 1945 in Detmold) ist ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments (1989–1994) und vertrat dort die deutschen Grünen. Derzeit ist sie Mitglied der Ukraine-Lobbygruppe des Europäischen Parlaments und Senior Advisor des World Future Council. Seit den frühen 1970er Jahren engagierte sich Eva Quistorp in der Frauen- und Umweltbewegung. 1979 gründete sie gemeinsam mit u.a. Petra Kelly und dem Künstler Joseph Beuys die Partei Die Grünen. Später unterstützte sie Solidarność und die Charta 77. Inspiriert von Greenham Common Women Chain begann sie im März 1983, Menschenketten gegen Atomwaffen zu organisieren, und ermutigte Friedensgruppen in Süddeutschland, während der Aktionswoche am 22. Oktober 1983 eine Menschenkette zu bilden, an der sich 250.000 Menschen beteiligten. Sie ist außerdem Mitbegründerin von Women for Peace, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Global Women's Climate Justice Network.

Vytautas Landsbergis (geb. 1932 in Kaunas) ist ein litauischer Politiker und Musikwissenschaftler. Er war von 1978 bis 1990 Professor an der Litauischen Musik- und Theaterakademie in Vilnius. Als Vorsitzender des provisorischen Parlaments war er Staatsoberhaupt Litauens nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1990. Später war er Parlamentvorsitzende und von 2004 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments. Landsbergis wurde mit dem Ehrendoktortitel mehrerer Universitäten in Europa und den USA ausgezeichnet.

Laima Kreivytė (geb. 1972 in Vilnius) ist eine Dichterin, Kunstkritikerin und Kuratorin, Menschenrechtsaktivistin. Sie hat Bildbände über das Werk von Kęstutis Zapkus und Marija Teresė Rožanskaitė herausgegeben. Kreivytė moderiert die LRT-Radiosendung „Iš balkono“. Sie ist Mitglied des Litauischen Verbands der interdisziplinären Kunstschaffenden, der Internationalen Vereinigung der Kunstkritiker sowie des Schriftstellerverbands. Sie ist Trägerin des Regierungspreises für Kultur und Kunst sowie des Nationalpreises für Kultur und Kunst.

Im Bild: 1983 Frauenfriedenskette am Brandenburger Tor mit Eva Quistorp (ganz rechts im Bild) als Rednerin und Initiatorin und Luftballons über die Mauer, die von der Stasi aufgesammelt wurden.

„Aspekte der Anwesenheit“ ist ein Projekt des Goethe-Instituts in Litauen, des Contemporary Art Centre (CAC), Vilnius, und der Akademie der Künste, Berlin.