Das 30. Internationale Thomas-Mann-Festival

Festival|Die Zeit ist aus den Fugen. Die Hoffnung

  • Nida

  • Sprache Litauisch und Deutsch mit Übersetzung

Thomas-Mann-Haus in Nidden Foto: Gintautas Beržinskas

Thomas-Mann-Haus in Nida Foto: Christian Ettl

Das Internationale Thomas-Mann-Festival lädt vom 11. bis 18. Juli 2026 zum 30. Mal nach Nida ein und eröffnet damit eine weitere Ausgabe seines traditionsreichen Sommerprogramms auf der Kurischen Nehrung.

Das Festival bietet ein vielseitiges Programm aus Diskussionen, Konzerten klassischer und zeitgenössischer Musik, Filmvorführungen, Ausstellungen, Führungen. Die Veranstaltungen finden vor allem im Thomas-Mann-Museum, in der lutherisch-evangelischen Kirche von Nida sowie im Historischen Museum der Kurischen Nehrung statt. Seit vielen Jahren verbindet das Thomas-Mann-Festival Literatur, Musik, Film und visuelle Kunst mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen und schafft einen Ort des Austauschs zwischen Kulturschaffenden, Intellektuellen sowie einem interessierten Publikum.

Neben den inhaltlichen Impulsen lädt die besondere Atmosphäre der Kurischen Nehrung dazu ein, neue Eindrücke zu sammeln und die Festivalwoche in einer einzigartigen Landschaft zu erleben.

In diesem Jahr freuen wir uns besonders auf die Teilnahme des Historikers Karl Schlögel, der Leiterin des Feuilletons der F.A.Z. Sandra Kegel und des Journalisten und Autors Jochen Buchsteiner, die das Wortprogramm mit ihren Perspektiven bereichern werden.

Der Themenzyklus des Festivals 2025–2027 steht unter dem Leitgedanken „Die Zeit ist aus den Fugen“. Nachdem im vergangenen Jahr das Thema „Der Glaube“ im Mittelpunkt stand, widmet sich das Festival 2026 dem Schwerpunkt „Die Hoffnung“. Irena Vaišvilaitė, die Vorsitzende des Kuratoriums des Festivals, führt aus: 

"Hinter den alltagsnahen Bedeutungen der drei großen Tugenden – Glaube, Hoffnung und Liebe – eröffnen sich Haltungen des Überlebens und des inneren Standhaltens in radikalen Umbrüchen, in denen die Konturen der vertrauten Welt zu verschwimmen oder einzustürzen beginnen.
Im alltäglichen Sprachgebrauch und Verhalten wird Hoffnung meist psychologisch und emotional verstanden – als Synonym für eine optimistische Erwartung, die auf das Beste hofft. Noch vor nicht allzu langer Zeit wählte eine politische Partei in Litauen den Slogan „Alles wird gut“ für ihre Wahlkampagne.
Das Symbol der Tugend der Hoffnung ist jedoch der Anker, denn die Hoffnung ist in der westlichen Kultur untrennbar mit der Tugend des Glaubens verbunden und bedeutet ein Feststehen in der Gegenwart gegenüber Verzweiflung, Orientierungslosigkeit und Sinnverlust.
Hoffnung ist nicht der Glaube, dass sich „alles irgendwie fügen wird“ oder dass Wünsche und Träume in Erfüllung gehen. Sie ist ein Blick in die Tiefe einer komplexen und oft feindlichen Wirklichkeit – durch das eigene Dasein in der Welt, durch die geistige Tiefe, die im Menschen selbst liegt. Hoffnung ist daher kein Gefühl, sondern eine willentliche und aktive Haltung der Geduld und der Standhaftigkeit.
Man kann sagen, dass Hoffnung eine Tugend menschlicher Reife ist, ohne die selbstlose und opferbereite Entscheidungen in kritischen Situationen, Solidarität und Mitgefühl nicht möglich wären. Menschen, die Hoffnung haben und aus ihr leben, sind gleichsam die Anker des Menschlichen in einer Gemeinschaft und Gesellschaft. Sie ermöglichen es, ohne Angst in eine unvorhersehbare oder bedrohliche Zukunft zu blicken."

Das Festival wird vom Thomas-Mann-Kulturzentrum in enger Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut organisiert.