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18:00–19:30 Uhr

Hannah Arendts Worte für die heutige Welt

Diskussion|Buchpräsentation mit Marie Luise Knott, Olga Shparaga und Simas Čelutka

  • VU TSPMI, Vilnius

  • Sprache Die Diskussion findet auf Deutsch und Englisch statt und wird simultan ins Englische und Belarusische übersetzt.
  • Preis kostenlos

Diskussion „Hannah Arendts Worte für die heutige Welt“ Foto: FernUni in Hagen, Jonny Soares, LRT/E. Blažys

Diskussion „Hannah Arendts Worte für die heutige Welt“ Foto: FernUni in Hagen, Jonny Soares, LRT/E. Blažys

Fünfzig Jahre nach dem Tod von Hannah Arendt sind ihre Gedanken aktueller denn je und wirken, als wären sie geradezu dafür geschaffen, unsere Gegenwart kritisch zu hinterfragen. Die Diskussion „Hannah Arendts Worte für die heutige Welt“ lädt dazu ein, die Ideen dieser bedeutenden politischen Philosophin im Kontext des zeitgenössischen Europas neu zu betrachten.

Während der Diskussion werden wir untersuchen, wie Arendts Worte, die in einer anderen Zeit und politischen Realität entstanden sind, heute nachhallen und uns dabei helfen, über die Vergangenheit und Gegenwart unserer Gesellschaften sowie über die Bedingungen der heutigen Welt zu sprechen. Wir laden Arendts Leser*innen sowie das Publikum ein, ihre Fragen zu Freiheit, Verantwortung und Entscheidungsfindung angesichts der Herausforderungen unserer Zeit neu zu reflektieren. Was bedeutet es heute, im Geiste Arendts zu denken und zu handeln?

Den Anstoß zur Diskussion gab ein neuer, auf Belarusisch erschienener Sammelband „Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten“ (Verlag Pflaŭmbaŭm, 2025) mit Arendts Essays, der in engem Zusammenhang mit der aktuellen Situation in Belarus steht. Er eröffnet die Möglichkeit, Arendts politische Theorie neu zu überdenken, um sie auf die Bedingungen der heutigen Welt anzuwenden und daraus Handlungsperspektiven abzuleiten.

An der Diskussion nehmen teil: die deutsche Literaturkritikerin und Journalistin sowie Arendt-Expertin Marie Luise Knott und die bekannte belarusische Philosophin und Oppositionsaktivistin Olga Shparaga. Die Veranstaltung wird vom Philosophen Simas Čelutka moderiert und begleitet.

In Kooperation mit Pflaŭmbaŭm

  • Marie Luise Knott (geb. 1953 in Köln) lebt als freie Essayistin, Herausgeberin und Kuratorin in Berlin. Seit 1986 forscht sie zu Hannah Arendt und hat zahlreiche ihrer Schriften ediert. Zuletzt erschien ihr Essay-Band „370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive. Hannah Arendt und Ralph Ellison“ (Matthes & Seitz 2022), der mit dem Tractatus-Preis für philosophische Essayistik ausgezeichnet wurde. 2024 erhielt sie für ihr Gesamtwerk den Johann-Heinrich-Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Zuletzt gab sie den Band „Barbara Köhler, Schriftstellen. Gedichte und andere Texte“ (Suhrkamp Verlag 2025) heraus. Im Juli 2026 erscheint „Die Gesänge der Tagigall. Kolumnen zur Poesie“ (Matthes & Seitz).

  • Olga Shparaga (geb. 1974 in Minsk) ist Philosophin im Exil. Bis 2021 lehrte sie Philosophie am European College for Liberal Arts (ECLAB) in Minsk, das sie 2014 mitbegründet hatte. Ihr zweites Buch Soobščestvo-posle-Cholokosta: na puti k obščestvu inkljuzii  (Minsk, ECLAB books 2018, dt. „Gemeinschaft-nachdem-Holocaust. Auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft“) wurde vom Internationalen Kongress der Belarus-Forschung 2018 als bestes philosophisches Werk ausgezeichnet. Ihr drittes Buch Die Revolution hat ein weibliches Gesicht erschien 2021 auf Deutsch (Übersetzung: Volker Weichsel) bei Suhrkamp Verlag. Es wurde ebenfalls in russischer und litauischer Sprache veröffentlicht und 2021 mit dem Alieś-Adamovič-Preis des PEN Belarus ausgezeichnet. 2024 erhielt Olga Shparaga den Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz der Universität Potsdam. Im Wintersemester 2024/25 war sie Käthe-Leichter-Gastprofessorin an der Universität Wien, seit Anfang 2025 ist sie Gastwissenschaftlerin am Institut für Philosophie der Fernuniversität Hagen.

  • Dr. Simas Čelutka ist Assoziierter Professor am Institut für Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften der Universität Vilnius und arbeitet in den Bereichen politische Theorie, Moralphilosophie und Ideengeschichte. Er gilt als ausgewiesener Hannah-Arendt-Forscher und beschäftigt sich in jüngerer Zeit verstärkt mit Phänomenen wie Selbstaufopferung und Spiel. Kürzlich hat Dr. Čelutka eine philosophische Monografie mitverfasst (Politics and Morality: An Ontological Perspective) und Hannah Arendts Schrift On Violence (Verlag Hubris) ins Litauische übersetzt. Gemeinsam mit Kolleg*innen arbeitet er derzeit an einem Forschungsprojekt zu kollektiver Handlungsfähigkeit und kollektiver Identität.