Boston
Everywhere you look
Bauhaus in Neuengland - Form und Landschaft
Zum Bauhaus Jubiläum zeigt das Goethe-Institut Boston die ganz besondere Verbindung und gegenseitige Anziehung zwischen Bauhaus und Neuengland durch eine photographische Erkundung der wenig bekannten Kolonien in Wellfleet, Lincoln und Lexington. Dem Fotografen Mark Römisch gelingt es mit seinem künstlerischen Fotoessay, die Essenz dieser Gebäude in ihrer unmittelbaren Umgebung einzufangen.
Tief versteckt in den Wäldern der Halbinsel Cape Cod im Südosten von Massachusetts bauen die emigrierten Architekten um Walter Gropius und Marcel Breuer mit einfachsten Mitteln Sommerhäuser für ihre Familien und Freunde. Die Grenze zwischen Innenraum und Außenraum verwischend, tritt die moderne, klare Linienführung der Bauhausarchitektur in einen Dialog mit der Ruhe der rauen Natur auf dem Cape.
Gleich einem Bewohner des umgebenden Waldes, beginnt die Annäherung mit der Kamera an diese halbvergessenen Spuren der Bauhaus Bewegung vorsichtig, abstandhaltend, mit wachen Sinnen, und erkundet die unmittelbare Begegnung von Architektur und Landschaft, von Mensch und Natur.
Der Blick von außen auf die großflächigen Glasfronten von Hayden Wallings Halprin House lädt die üppige Natur New Englands als ihre eigene Spiegelung zum Eintritt ein. Aus dem formalen, funktionalen Innenraum des Kugel/Gips House heraus offenbaren sich dem Betrachter die barocken Verzierungen der umliegenden Bäume und Sträucher. Von der holzbeschlagenen Veranda herabzusteigen erscheint wie ein Schritt auf einen fernen Planeten.
Auf der Flucht vor den Unruhen Nazi-Deutschlands, finden Gropius und die Armada an Bauhaus-Künstlern, die ihm folgt, in New England die von ihnen ersehnte geistige und physische Freiheit vor.
Eine Freiheit, die sich zusammen mit dem Wunsch einer Verbundenheit mit der freien Natur und der Wertschätzung lokaler architektonischer Traditionen im Design des Gropius House sowie den Häusern der Kolonie Six Moon Hill spiegelt.
Die Bauhaus Schule beschenkte das 20. Jahrhundert mit einer neuen Selbsterfahrung in bezug zur unmittelbaren Umgebung. Die Begegnung zischen diesen neuen Ideen und der einzigartigen Landschaft im Osten der Vereinigten Staaten wird durch das Erbe der Bauhaus-Bewegung in New England in erfühlbarer Weise lebendig gehalten.
Der Fotograf
Neben seiner Arbeit als Schauspieler am Staatstheater spezialisierte er sich auf Portrait- und Theaterfotografie.
Nach seinem Umzug 2011 in die Vereinigten Staaten nahm er in New York City an Meisterklassen von Joe McNally, Brian Smith und Robert Seale teil, belegte Kurse für Fotografie an der New England School of Photography und erweiterte sein professionelles Portfolio um Architekturfotografie.
Römischs künstlerische Arbeiten thematisieren häufig Kommunikation zwischen Mensch und Natur, aktuelle Politik und Menschenrechte sowie abstrakte Themen wie die Darstellung von Abwesenheit und die Erinnerungen von Räumen und Orten.
Dabei hat die langjährige Arbeit als Schauspieler und Theaterregisseur einen prägenden Einfluss auf die narrative und abstrahierende Bildsprache in seinen fotografischen Arbeiten, die sich zwischen dokumentarischen und fiktionalen Ansätzen bewegen.
Seine Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Nordamerika, Europa und Japan gezeigt. Er erhielt Stipendien durch das Kulturprogramm der Europäischen Union (2007-2009) sowie zweifach den Merit Award des Vermont Studio Centers, Johnson, VT (2015, 2016).
Mark Römisch lebt in Boston und unterrichtet am Massachusetts Institut of Technology.