Konzert
Rekord

Eine Funkoper von Ludwig Abraham und dem Ensemble Mocrep

Die Funkoper kombiniert eine theatrale Aufführung mit der gleichzeitigen Produktion eines im Radio übertragenen Stücks. In Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Komponisten Ludwig Abraham und dem amerikanischen Ensemble Mocrep, werden die Potentiale der verschiedenen eingesetzten Medien und möglichen Wahrnehmungsformen getestet. Das Ensemble besteht aus vier Musikern auf der Bühne und einem Erzähler, bzw. Disc Jockey der hauptsächlich in der Radioübertragung zu hören ist und als Bindeglied zwischen theatraler Aufführung und Hörstück funktioniert.
Die beteiligten Künstler agieren über das klassische Bild des Musikers hinaus als Performer. Die transatlantische Kollaboration ist im Hinblick auf eine Funkoper besonders interessant, wenn man die bekanntesten Werke dieser Gattung betrachtet – wie den Lindberghflug oder später Ozeanflug – und den Umstand, daß sie von Kurt Weill, Bert Brecht und Paul Hindemith entwickelt wurden, allesamt in Deutschland geborene Künstler, die zumindest temporär in den USA lebten und Einfluss auf die Stärke und Qualität des kulturellen Feedbacks zwischen Europa und Nordamerika hatten.
Die Recherche für dieses Stück konzentriert sich auf bereits bestehende künstlerische popkulturelle Verbindungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten, wie zum Beispiel den heute noch spürbaren musikalischen Fingerabruck verschiedener Flüchtlingsbewegungen in die USA – etwa von 1848 oder während des Dritten Reichs – die nostalgischen Songs zurückgekehrter GIs nach dem zweiten Weltkrieg oder die deutsche Aneignung von Phänomenen wie Skateboarding oder Rock sowie die Entwicklung von elektronisch geprägter Tanzmusik als konstante Unterhaltung mittels Schallplatten, Kassetten und digitaler Medien zwischen Düsseldorf, München, Berlin, Chicago, Detroit, New York. Eine weitere Fragestellung ist die nach Exil und Flucht und wie Flüchtlinge aufgenommen oder abgewiesen werden, abhängig von ihrem sozialen oder kulturellen Status.
Um die Arbeit in Chicago im April 2016 einem Test zu unterziehen und um dem utopischen Anklang historischer Funkopern Rechnung zu tragen – man denke zum Beispiel an Edgar Varèse's Idee eines weltweit live übertragenen Musiktheaters mit Beteiligten in mehreren Ländern –, wird Rekord nicht nur in den USA, sondern Ende Juli 2016 auch in München aufgeführt.

Ludwig Abraham lebt in Deutschland und entwickelt Aktionen, Musik, Texte und Bilder. Produziert und performed in Konzertsälen, Theatern und Galerien in Europa und Amerika. Fokus auf Musik als performative Kunstform, Strategien des Pop, die Idee von Noise und Störung. Studierte Kunst, Musik und Medien an der Philipps-Universität Marburg, instrumentale und elektronische Komposition an der Folkwang Universität der Künste. Seit 2012 Teil von NEUER TANZ als Komponist und Performer.

Mocrep ist ein in Chicago ansässiges Ensemble, das sich der Präsentation von radikaler Musik des 21. Jahrhunderts, die sich mit zeitgenössicher Kultur im ästethischem, sozialen und politischen Kontext verschrieben hat. Spezialisiert auf Arbeiten, die Musik, Theater und Performance Kunst synthetisieren ohne jedoch die Unterschiede zwischen diesen Medien zu verwischen und damit innovative Möglichkeiten der darstellenden Künste bloss zu legen und zu erforschen. Dieses Programm besteht aus US- und Weltpremieren von Arbeiten zweier junger deutscher Komponisten.

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