Buchbesprechung LitHAUS: Das Provisorium

LitHAUS © Goethe-Institut

Do, 21.04.2022

18:30 CST

Online

Diesen Monat liest der LitHAUS-Lesekreis Das Provisorium (2000) von Wolfgang Hilbig. Die Buchbesprechung findet am 21. April um 18:30 Uhr statt. Bitte melden Sie sich vorher für die Veranstaltung an und nehmen Sie an der Diskussion teil.
 
Die Teilnehmer*innen müssen die Bücher selbst erwerben und es wird erwartet, dass sie den zu besprechenden Titel vor der Sitzung gelesen haben. Lesen Sie den Roman gerne auf Englisch oder Deutsch; die Diskussion findet auf Englisch statt.
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Buchumschlag: The Interim © Two Lines Press Das Provisorium (2000)

Der Schriftsteller C. aus Leipzig darf in den achtziger Jahren die DDR vorübergehend mit einem Visum verlassen. In der Bundesrepublik verliebt er sich in eine Westdeutsche, doch die gegensätzlichen Erfahrungen und Prägungen der beiden Partner zermürben ihr Verhältnis. Obwohl sich C. im Westen nach wie vor unwohl und fremd fühlt, obwohl er immer mehr in Alkoholexzessen und in Schreibhemmungen versinkt, läßt C. den Termin für seine Rückreise verstreichen, wodurch der Osten für ihn unerreichbar wird.

Wolfgang Hilbigs außerordentliches literarisches Talent, eine Atmosphäre der Bedrohung, des Abgründigen und Ungewissen zu schaffen, bewährt sich in seinem neuen Roman zum ersten Mal an einem westlichen Schauplatz und - nach seinem erfolgreichen Roman „Ich“ - erneut an einem politischen Thema. Seine Hauptfigur C. gerät in eine Lage, in die sich viele Menschen aus der DDR nach der Wiedervereinigung versetzt sahen: Auch wenn sie sich einst nach dem Leben im Westen sehnten, spüren sie nun, wie schwer es ist, unter den veränderten Bedingungen Fuß zu fassen - doch das ehemals vertraute Leben ist endgültig ins Unerreichbare entschwunden.

Hilbigs literarische Kunst, ganz gewöhnliche Situationen in überaus unbehagliche, dämonische Szenerien zu verwandeln, entzündet sich stets an alltäglichen Details. Ein paar Werbeschriftzüge, hektisch durcheinanderwuselnde Passanten oder merkwürdige Schaufensterauslagen genügen ihm, um aus einer scheinbar vertrauten Einkaufsstraße oder einem Bahnhof einen Ort tiefer existentieller Verunsicherung zu machen. Sein Held C. verliert mehr und mehr den Boden unter den Füßen; und alles, was ihm am Ende bleibt, ist der Stoff für ein neues Buch: die Geschichte einer krisengeschüttelten Liebe.

Zusammenfassung von S. Fischer Verlage

Wolfgang Hilbig © 3:AM Magazine Wolfgang Hilbig (1941-2007) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit. Obwohl er in Ostdeutschland aufgewachsen war, erwies er sich den Behörden als so lästig, dass ihm 1985 die Erlaubnis zur Auswanderung in den Westen erteilt wurde. Als Autor von mehr als zwanzig Büchern erhielt er praktisch alle wichtigen deutschen Literaturpreise, gekrönt durch den Georg-Büchner-Preis 2002, Deutschlands höchste literarische Auszeichnung.

Isabel Fargo Cole ist eine in den USA geborene, in Berlin lebende Autorin und Übersetzerin. Zu ihren Übersetzungen zählen fünf Bücher von Wolfgang Hilbig, darunter Old Rendering Plant, für die sie den Helen- und Kurt-Wolff-Übersetzerpreis erhielt. Außerdem erhielt sie ein renommiertes PEN/Heim Translation Grant und ihr Roman Die grüne Grenze war Finalistin des Preises der Leipziger Buchmesse 2018.

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