09.06.21
11.00 Uhr EST

Das Verzerrungsfeld des Traumas

Diskussion|Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Vorprogramms des Kultursymposium Weimar 2021 statt.

Trauma’s Field of Distortion © Marvin Ruppert, Elena Seibert, Nina Subin, Sarah Shatz

Walter Benjamin bemerkte, "Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen, wie es denn eigentlich gewesen ist". Und wirklich, die Geschichte mag von den Siegern geschrieben werden, doch die Gegenwart und die jüngste Vergangenheit werden ständig in vielerlei Hinsicht umgeschrieben oder umgebildet. Die indische Schriftstellerin Megha Majumdar, die äthiopisch-amerikanische Autorin und Fotografin Maaza Mengiste und der deutsch-libanesische Romancier und Poetry-Slammer Pierre Jarawan diskutieren mit der Moderatorin Tess Lewis über ihre neuesten Romane und die Verzerrungseffekte, die Traumata auf individuelle und kollektive Identitäten haben können.

Jarawans The Storyteller (Am Ende bleiben die Zedern), Mengistes The Shadow King (Der Schattenkönig) und Majumdars A Burning (Eine Verbrennung) erkunden den hohen Preis sowohl des Widerstands als auch der Kompromissbereitschaft gegenüber politischer Gewalt. Die Tendenz, den bezahlten Preis kleinzureden, ist sehr stark. In welchem Ausmaß kann Literatur ein Korrektiv zu den dominanten Narrativen von Gesellschaften darstellen, die in Konflikten verstrickt sind?

Pierre Jarawan wurde 1985 als Sohn eines libanesischen Vaters und einer deutschen Mutter in Amman, Jordanien, geboren, nachdem seine Eltern den Libanon wegen des Bürgerkriegs verlassen hatten. Im Alter von drei Jahren kam er nach Deutschland. 2012 wurde er internationaler deutschsprachiger Meister im Poetry Slam. Sein Romandebüt Am Ende bleiben die Zedern wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ist heute, übersetzt in viele Sprachen, ein internationaler Bestseller.  Im Frühjahr 2020 erschien sein zweiter Roman Ein Lied für die Vermissten.

Megha Majumdar ist in Kolkata, Indien, geboren und aufgewachsen. Sie zog in die USA, um ihr Studium an der Harvard University aufzunehmen, gefolgt von einem Masterstudium in Sozialanthropologie an der Johns Hopkins University. Sie arbeitet als Redakteurin bei Catapult und lebt in New York City. Ihr Debütroman A Burning wurde im Juni 2020 veröffentlicht.

Maaza Mengiste ist die Autorin von The Shadow King, das mit dem American Academy of Arts & Letters Award in Literatur ausgezeichnet wurde, auf der Shortlist für den Booker Prize 2020 stand und Finalist des LA Times Books Prize ist. Es wurde von der New York Times, NPR, Time, Elle und anderen Publikationen zu einem der besten Bücher des Jahres 2019 gekürt. Unter den Augen des Löwen (2010), ihr Debütroman, wurde vom Guardian als eines der zehn besten zeitgenössischen afrikanischen Bücher ausgezeichnet.

Tess Lewis ist Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie übersetzte unter anderem Werke von Peter Handke, Walter Benjamin, Jonas Lüscher und Philippe Jaccottet vom Französischen oder Deutschen ins Englische. Zu ihren jüngsten Auszeichnungen gehören der PEN-Übersetzerpreis und ein Guggenheim-Stipendium. Ihre Essays und Rezensionen sind in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen erschienen. Sie ist Advisory Editor für The Hudson Review und Co-Kuratorin des Festival Neue Literatur, New York Citys jährlichem Festival für deutschsprachige Literatur in englischer Sprache.

Das Goethe-Institut veranstaltet am 16. und 17. Juni 2021 zum dritten Mal das Kultursymposium Weimar, diesmal mit Fokus auf das Thema »Generationen«. Das diskursive Festival für neue Netzwerke und Ideen bringt alle zwei Jahre Teilnehmende aus der ganzen Welt zusammen. Pandemiebedingt findet die bevorstehende Ausgabe im digitalen Raum statt, begleitet von ausgewählten Veranstaltungen in Weimar und an den Goethe-Instituten weltweit. Ab dem 19. Mai findet jeden Mittwoch um 11 Uhr EST (17 Uhr CEST) die Premiere eines neuen Beitrags der Goethe-Institute weltweit statt.