Anaesthesia of the Heart
Über das Projekt
Humor als kulturelle Praxis.
In einem Text über Komik aus dem Jahr 1900 beschreibt der französische Philosoph Henri Bergson das Lachen als eine „anesthésie momentanée du cœur“, als Flexibilität angesichts von Starre und als etwas zutiefst Menschliches.
Humor kann als soziales Bindemittel wirken – oder alte Verkrustungen aufbrechen: Weit über Satire, Karikatur oder Ironie hinaus, tritt Humor häufig in Kontexten von künstlerischem Aktivismus, als Strategie des Widerstands oder des zivilen Ungehorsams auf. Queere, BIPoC oder indigene Künstler*innen z.B. zeigen, wie humoristische Kunst nicht nur Ausflucht aus einer hoffnungslosen Lage sein kann, sondern resilient und resistent machen kann, insbesondere in illiberalen Kontexten.
„Humorvolle” Äußerungen können allerdings auch das Gegenteil bewirken: Sie können ausgrenzen, verletzen und unterminieren. So beobachten wir derzeit, wie insbesondere neue rechte Bewegungen mit angeblich amüsanten Beiträgen im Internet demokratische Prozesse kontinuierlich untergraben. Humor birgt als Form des kulturellen Ausdrucks daher oft starke Ambivalenzen in sich. Das Programm "Anaesthesia of the Heart" rückt genau diese Spannungen in den Fokus.
Spannungsfelder
- Kann Humor dazu beitragen, die Welt in ihrer Widersprüchlichkeit zu ertragen?
- Was sagt uns Humor als kulturelle Strategie über die momentane Weltlage?
- Können wir in polarisierten Gesellschaften überhaupt noch scherzen?
- Und wenn es – durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz – schwierig wird, Menschlichkeit zu erkennen, sollten wir dann Humor als einer zutiefst menschlichen Form der Kommunikation mehr Beachtung schenken?