Anaesthesia of the Heart
Humor als kulturelle Praxis
2025 und 2026 widmete das Goethe-Institut Brüssel dem Humor als kultureller Ausdrucksform ein transdisziplinäres Programm. Eingeladen wurden Kulturschaffende aus Kunst, Theater, Illustration, Literatur, Musik, Film, Wissenschaft und Philosophie, um gemeinsam die Aporien des Humors zu untersuchen.
Teilnehmende
Über das Projekt
Humor kann als soziales Bindemittel wirken – oder alte Verkrustungen aufbrechen: Weit über Satire, Karikatur oder Ironie hinaus, tritt Humor häufig in Kontexten von künstlerischem Aktivismus, als Strategie des Widerstands oder des zivilen Ungehorsams auf. Queere, BIPoC oder indigene Künstler*innen z.B. zeigen, wie humoristische Kunst nicht nur Ausflucht aus einer hoffnungslosen Lage sein kann, sondern resilient und resistent machen kann, insbesondere in illiberalen Kontexten.
„Humorvolle” Äußerungen können allerdings auch das Gegenteil bewirken: Sie können ausgrenzen, verletzen und unterminieren. So beobachten wir derzeit, wie insbesondere neue rechte Bewegungen mit angeblich amüsanten Beiträgen im Internet demokratische Prozesse kontinuierlich untergraben. Humor birgt als Form des kulturellen Ausdrucks daher oft starke Ambivalenzen in sich. Das Programm "Anaesthesia of the Heart" rückt genau diese Spannungen in den Fokus.
Spannungsfelder
- Kann Humor dazu beitragen, die Welt in ihrer Widersprüchlichkeit zu ertragen?
- Was sagt uns Humor als kulturelle Strategie über die momentane Weltlage?
- Können wir in polarisierten Gesellschaften überhaupt noch scherzen?
- Und wenn es – durch neue Technologien wie künstliche Intelligenz – schwierig wird, Menschlichkeit zu erkennen, sollten wir dann Humor als einer zutiefst menschlichen Form der Kommunikation mehr Beachtung schenken?
Projektpartner
Hawah Bunduka
Workshop | On foot: sensing carnival @ Africa is/in the Future
Dem Karnevalesken - als Aspekt des Humors als Kulturpraktik - wohnen seit jeher freiheitliche, anti-hierarchische Tendenzen inne. Im westlichen Kanon wird das Karnivaleske speziell in Literatur- und Ästhetikdiskursen besprochen. Das Brüsseler Festivals Africa is/in the Future widmete sich am ersten Tag der Edition 2025 Traditionen des Schwarzen Karnevals als dekoloniale und befreiende Soma-Praxis.
© Goethe-Institut Belgien
Nadine Redlich
Festival | Grafixx Festival Eröffnung 2025
Zusammen mit dem Grafixx-Festival und dem KULTURforum Antwerpen hat das Goethe-Institut Belgien die Düsseldorfer Comic-Zeichnerin Nadine Redlich für eine Ausstellung eingeladen. Sie zeigte im Rahmen des Festivals neue Arbeiten, die sich mit der Figur des Giant Babys auseinadersetzen.
© Goethe-Institut Belgien
Yael Ronen
Theater | Bucket List
Ein Mann wacht an einem Samstagmorgen auf und die Welt um ihn herum hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert. Seine Wirklichkeit ist zerlegt. Was er glaubte zu wissen und woran er glaubte zu glauben, erscheint zertrümmert. Nichts ist mehr, wie es war.
In dieser musikalischen Halluzination über eine überwältigende Gegenwart nutzen Songwriter Shlomi Shaban und Regisseurin Yael Ronen, gemeinsam mit dem Ensemble und einer dreiköpfigen Band, die Musik als Mittel, um in Abgründe vorzudringen, die unsere Körper möglicherweise besser erinnern als unsere vergesslichen Gehirne.
Film © Goethe-Institut Belgien, Image Credits of Bucket List © prospero.tv & Théâtre de Liège