Im legendären Kino Babylon in Berlin
„Nosferatu“: Eine Zeitreise

Nosferatu : un voyage dans le temps au mythique Kino Babylon de Berlin
Nosferatu : un voyage dans le temps au mythique Kino Babylon de Berlin | © Stéphanie Boutin

Am 20. Februar dieses Jahres haben wir im Babylon-Kino in Berlin die Vorführung von „Nosferatu“ (1922), einem Spielfilm von F. W. Murnau erleben können, der von einem etwa zwanzigköpfigen Orchester begleitet wurde.

Von Rafael Barrette-Iraola und Maeva Chiarore

Das Babylon ist derzeit das einzige Kino mit einem Hausorchester, das noch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es vermittelt wirklich das Gefühl einer Zeitreise in die Vergangenheit und bietet uns ein eindringliches Erlebnis in der Welt der Anfänge des Kinos. Dieses Orchester lässt uns den Film auf eine andere Art und Weise bewundern und vollständig in seine Welt eintauchen. Das Babylon bietet uns einen außergewöhnlichen Saal mit einem prächtigen Balkon, der uns in dieser Atmosphäre einer anderen Epoche versetzt. Übrigens: Wenn man die Türen dieses prächtigen historischen Theaters durchschreitet, wird man von einer gigantischen Statue des berühmten Roboters aus Fritz Langs Metropolis empfangen, einer weiteren Hommage an den deutschen Expressionismus. Eine Sequenz aus diesem Film wird übrigens ununterbrochen an die Wände des Kinoeingangs projiziert, wo Kinoliebhaber bei einem Drink und Popcorn verweilen können. Zudem bietet das Babylon während der Berlinale-Woche jeden Tag eine Vorstellung mit Orchesterbegleitung an, die der Dirigent als „Babylonales“ bezeichnet hat – eine schöne Möglichkeit, während eines Festivals, das das Neue in den Vordergrund stellt, zu den Wurzeln des Kinos zurückzukehren.

Ein flexibles und vielfältiges Programm

Das Kino Babylon, das als eines der symbolträchtigsten Kinos Berlins gilt und im berühmten Stadtteil Mitte liegt, zeichnet sich nicht nur durch seine Architektur und Geschichte aus, sondern auch durch seine seit den späten 1920er Jahren andauernde Rolle im Berliner Kinoleben. Das Gebäude wurde 1928–29 vom Architekten Hans Poelzig im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet, einer funktionalen und schlichten architektonischen Strömung, die die Zeit der Weimarer Republik prägte. Es wurde am 11. April 1929 offiziell als Stummfilmkino eröffnet, mit einem Orchestergraben sowie einer Orgel, die die Vorführungen begleitete. Leider wurde der Saal während des Zweiten Weltkriegs teilweise beschädigt, was 1948 zu Renovierungsarbeiten führte, um ihn wiederherzustellen. Nach dem Krieg, zunächst in der sowjetischen Zone und später in der DDR gelegen, entwickelte sich das Kino Babylon zu einem Programmkino, das sich auf die Vorführung von Arthouse-Filmen konzentrierte. Während es bei seiner Gründung nur einen einzigen Saal gab, verfügt das Babylon heute über drei Säle mit 500, 68 bzw. 43 Plätzen, was ein flexibles und vielfältiges Programm ermöglicht. Zwischen 2008 und 2010 fanden dort unter anderem Vorführungen für die Berlinale statt, ein Festival, das zahlreiche Säle in der ganzen Stadt nutzt, um seine Filme zu zeigen.

Verzerrte Silhouetten und malerische Bildkompositionen

In Nosferatu verlässt Thomas Hutter seine Frau Ellen, um ein Immobiliengeschäft mit dem mysteriösen Grafen Orlok abzuschließen, der sich als Vampir entpuppt, der Tod und Pest in der Stadt Wisborg verbreitet. Der Film besticht durch seine expressionistische Ästhetik: eindrucksvolle Licht- und Schattenspiele, verzerrte Silhouetten und fast malerische Bildkompositionen, zu denen insbesondere der berühmte Schatten von Nosferatu gehört, der die Treppe hinaufsteigt. Und obwohl er aus dem Jahr 1922 stammt, beeindruckt er noch heute durch seine verblüffende Modernität, wie der Einsatz von Zeitlupe und Zeitraffer, von Stop-Motion und – ganz zu schweigen von dieser furchterregenden Sequenz, in der Murnau sich dafür entschied, das Negativ des Films zu verwenden. Obwohl der Film in natürlichen Kulissen gedreht wurde, verwandelt der Einsatz des Lichts den Raum in eine psychologische Landschaft und erzeugt ein starkes Gefühl von Beklemmung und Angst. Der Rhythmus des Stummfilms mit seinen Zwischentiteln, seiner stilisierten Gestik sowie seiner sich steigernden Spannung verleiht dem Film, zusätzlich zur live gespielten Orchestermusik, einen einzigartigen und eindringlichen Charakter. Darüber hinaus ist die vom Orchester gespielte Komposition dieselbe, die Nosferatu bereits bei seiner Uraufführung im Jahr 1922 begleitete. Dieses Werk im legendären Kino Babylon, einem zeitgenössischen Saal für Stummfilme, zu sehen, verleiht ihm eine immersive Dimension, die bei Filmen dieser Epoche selten genutzt wird: Es vermittelt uns das Gefühl, in die Vergangenheit zurückzukehren, eine Art Zeitkapsel, die uns direkt in den Beginn des 20. Jahrhunderts und zum Höhepunkt des expressionistischen Kinos führt.

Top