Julien Dallaire Charest

Julien Dallaire Charest © Julien Dallaire Charest

widmet sich in Vollzeit der Illustration, dem Comic-Zeichnen und dem Rock’n’Roll. Unter anderem gestaltet er die Comic-Interviews für den Plattenladen Knock Out und entwirft Cover für Kinderromane (L'abomination du Lac Crystal). Dabei ist er sowohl in Kollektiven als auch im Selbstverlag tätig (Copinet Copinot, Serge, Pogneurs de spectres). Derzeit arbeitet eran einem Solo-Comic-Album und engagiert sich in der Kulturszene von Quebec City.

Julien Dallaire Charest: Versöhnung © Julien Dallaire Charest

Deutsche Übersetzung


Ich komme aus Côte-de-Beaupré.

Einer unserer Hauptattraktionen ist die Basilique Sainte-Anne. In jedem Sommer findet die „Neuvene“ statt, das Fest von St. Anne.

Es pilgern viele Menschen dorthin, um ihren Glauben zu bezeugen.

Viele von ihnen stammen aus autochtonen Nationen, darunter die Innus.
Ich habe es immer seltsam gefunden, dass diese Menschen kommen, um eine katholische Heilige zu feiern.
Ich habe es nicht verstanden, aber auch niemals Nachforschungen darüber angestellt.

Im Geschichtsunterricht war von so genannten „Pensionaten“ die Rede.
Da dämmerte mir allmählich, was diese Menschen und ihre Vorfahren durchgemacht haben.

Und so wird einem schnell klar, dass das, was man über die autochtonen Kanadier weiß, hauptsächlich seit langer Zeit verbreitete Stereotype sind.

Und dass man eigentlich nichts über ihre Geschichte weiß, die auch unsere Geschichte ist.

Diese Stereotype sind selten sehr schmeichelhaft. Es reicht, wenn ich daran denke, was die Leute um mich herum seinerzeit über die „Indianer und ihr Camping bei Ste. Anne“ gesagt haben.

Was ich heute sehe, sind starke Menschen, die täglich darum kämpfen, ihre Identität und ihr kulturelles Erbe zu bewahren.

Und so hoffe ich, dass wir weiterhin in die richtige Richtung gehen, alle beteiligten Gruppen involvieren und vor allem miteinander reden. Das haben wir viel zu lange Zeit nicht getan.

 

Viele Probleme resultieren aus Missverständnissen

Kannst du uns sagen, was du mit deinem Werk vermitteln wolltest? Was waren die Inspirationen und Ideen, die bei der Schaffung des Werkes ausschlaggebend waren?

Beim Thema Versöhnung musste ich sofort an das Unwissen über Kanadas indigene Bevölkerung denken, das in anderen Bevölkerungsgruppen weit verbreitet ist. In meinen Comic-Arbeiten konzentriere ich mich normalerweise auf Fiktion. Jetzt hatte ich Lust, versuchsweise Erfahrungen aus meiner Kindheit an der Côte-de-Beaupré zur Sprache zu bringen – darunter die besondere Verbindung, die wir während der Novenen zu den Besuchern hatten.

Warum ist das Thema der Versöhnung für dich wichtig? 

Ich denke, viele Probleme resultieren aus Missverständnissen. Der Mensch ist eigentlich ein soziales Wesen, aber manchmal hat er Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder bringt einfach nicht die Energie auf, um seinem Gegenüber wirklich zuzuhören.

In meinem Privatleben versuche ich alles um sicherzugehen, dass alle gut miteinander auskommen. Versöhnung im weiten Sinn ist also eine ganz entscheidende Sache. Wenn jemand etwas Blödes anstellt, dann sollte er keine Mühen scheuen, es wieder gut zu machen oder zumindest den Schaden zu begrenzen.

Wie war der kreative Prozess beim Schaffen dieses Kunstwerks? Planst du viel im Voraus, und entsteht erst der Text oder die Illustration oder umgekehrt? Welche Medien und Methoden hast du angewendet?

Ich habe meine Arbeitsweise hier ein bisschen auf den Kopf gestellt. Da war die Idee, die Basilika Sainte-Anne ganz groß auf die Seite zu setzen, und danach hat sich der Rest meiner Komposition ein Stück weit aus den Elementen ergeben, die ich noch zeigen wollte. Ich habe nach jeder Menge Referenzfotos gesucht, die mir bei der Zeichnung helfen sollten. Dann habe ich meinen Text geschrieben, die Kästen platziert und am Schluss die Bilder nochmal angepasst, damit sich alles gut und stimmig liest. Dieses Projekt ist komplett digital an meinem Graphiktablet entstanden.

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