CasaTinta und das Goethe-Institut werden in Zusammenarbeit mit dem Medellín Buch- und Kulturfestival und der Universität Antioquias in dieser Ausgabe des Festivals eine Sonderausstellung »Heimat« mit zeitgenössischen kolumbianischen und deutschen Illustrationen zeigen. Die Ausstellung wird vom 15. September bis 9. Oktober in der Galerie des Edificio de Extensión der Universität Antioquias zu sehen sein.
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Die Macht eines Wortes liegt in seiner Auslösefähigkeit, die es uns wie eine Kettenreaktion ermöglicht, unendlich viele Bedeutungen hervorzurufen, von denen viele unlogisch und unerwartet erscheinen. So kann zum Beispiel das Wort 'gelb' ein Bild von der Sonne hervorrufen, uns aber gleichzeitig an eine schlechte Erfahrung erinnern. Das Gedächtnis ist von diesem komplexen und undefinierten Prozess nicht ausgenommen, wenn wir es als eine Sammlung von Ereignissen verstehen, die in diesem Leben oder in anderen vergangenen Leben stattgefunden haben und die sich als eine Abfolge von Schichten darstellen, die nebeneinander gestellt, kombiniert, verschmolzen und miteinander verwechselt werden. Gedächtnis und Sprache bilden ein kreatives Paar in unserer Konstruktion von uns selbst und unseren Beziehungen.
Die Ausstellung geht von diesem Prinzip aus und versammelt die Perspektiven von 100 Illustratoren aus Deutschland und Kolumbien auf das deutsche Wort Heimat, das ein Konglomerat von Begriffen wie "Vaterland" und "Heimat" umfasst, deren Konnotationen von politisch bis utopisch reichen. Im Spanischen wird es gewöhnlich mit patria übersetzt, aber es bezieht sich allgemein auf den Ort, aus dem wir kommen, auf die Heimat. Im Spanischen ist das Wort "hogar" dasselbe Wort für "Haus" und für das in einem Raum entzündete Feuer. Das Anzünden eines Feuers im Kamin ist zum Teil eine Maßnahme, um einen Raum zu erwärmen und ihn sowohl für die Bewohner als auch für ihre Gäste angenehm zu gestalten. Es geht darum, einen Ort in einen gemütlichen Ort zu verwandeln, der einen gewissen Komfort bietet und vor allem ein Gefühl von Freiheit vermittelt.
Das Interessante daran ist, dass ein Haus nicht unbedingt ein Zuhause ist. Ein Mensch kann viele Häuser haben und sich in keinem von ihnen zu Hause fühlen, aber er kann sein Zuhause in einer Bibliothek oder in einem geliehenen Zimmer haben. Für die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler kann diese "Heimat" in der Straße vor der katholischen Schule, in den Bergen des Kaffeeanbaugebiets, in volkstümlichen Ausdrücken wie Sprichwörtern, Witzen oder Neologismen, im Erdbeerdessert am Straßenrand, in Großvaters Willys Jeep oder "Jipao" oder in Gegenständen des täglichen Lebens liegen. All dies passt als anschauliche Antwort auf die Definition von Heimat, denn es ist ein Aufruf zur Freiheit, die sich aus dem Gefühl von Heimat ergibt und die auch die Möglichkeit bietet, den Ort zu transzendieren und ihn neu zu definieren, sei es mit kritischem Sinn, mit Humor oder mit einfacher Melancholie durch die Erinnerung oder das Unterbewusstsein, das letztlich der Ort ist, an dem jeder von uns sein Feuer entzündet und der uns zum Bleiben einlädt.
Ort
Edificio de Extensión Universidad de Antioquia
calle 70 52-21 Kolumbien
Ort
Edificio de Extensión Universidad de Antioquia
calle 70 52-21 Kolumbien