Ausstellung Slobodan Trajković: Die Inkarnation des Körpers

Sinnenworkshop Slobodan Trajković © N. Babić

Do, 04.04.2019 -
Di, 30.04.2019

Goethe-Institut Belgrad

Knez Mihailova 56
11000 Belgrad

Schaufensterausstellung

Ausstellungeröffnung: 04.04.2019 um 19:30 Uhr

Kunstcafé: 16.04.2019 um 20:00 Uhr
Mit Prof. Dr. Jelena Stojanović (Kunsthistorikerin) und Slobodan Trajković (Künstler)


Ausstellung „Die Inkarnation des Körpers” von Slobodan Trajković in der Wechselstube-Galerie im Goethe-Institut Belgrad, April 2019. Mit der Vorstellung des gleichnamigen Buches.


Ein paar Ideen von der Idee

Die Idee besitzt keinen Körper, aber sie besitzt ein Abbild unseres Geistes. Dieses Abbild spiegelt unser Inneres wieder, das sich ständig verändert. Wir können sie nicht betreten aus Angst vor der Ausbreitung der Krankheit im delikaten Gewebe unseres Körpers, aber auch aus Angst vor der Versuchung, in die wir geraten würden, wenn wir die Hierarchie der Organe und des Bewusstseins von der Welt, in der wir leben, und von unserer Rolle darin ändern würden. Wegen dieser Ungewissheiten wird uns der Zutritt zum eigenen Inneren verwehrt. Stattdessen können wir nur dessen Abbild sehen, obwohl wir wissen, dass unsere Augen durchaus in der Lage wären, nicht nur die Außenwelt, sondern auch die Welt in unserem Inneren zu sehen.

Die Ideen sind dieses zerbrechlichen Zustands, in dem sich die Menschen befinden, durchaus bewusst und genau aus diesem Grund behaupten sie, sie würden genau wissen wohin sie gehen, welche Bedeutungen sie mit sich tragen und was sie verändern wollen. Trotzdem sind sie oft schwach und leben in der Regel nicht lange. Selbst wenn sie länger überleben, müssen sie sich ständig erneuern und ändern, und zwar oft in etwas vollkommen anderes. Manchmal scheinen sie traurig zu sein, wie eine unerwiderte Liebe, und sie leben unverstanden und isoliert, in Unkenntnis und im Zweifel. Aber wenn sie sich befreien und aktiv werden, dann sind sie keine bloßen Ideen mehr, sondern Brücken, die uns mit den neuen Erkenntnissen und mit neuen Lebensprinzipien verbinden. Damit wird bestätigt, dass die Ideen gezwungen sind, wie gefangene Anarchisten zu leben, auf die Chance wartend, die bestehende Ordnung zu stürzen und eine neue aufzubauen, indem sie einen plötzlichen Durchbruch erzwingen, oder aber indem sich durch einen kleinen Spalt zwängen. Indem sie die Lebenswirklichkeit ändern, befreien sie auch das (Ab)bild des Lebens.

Die Ideen sind überlegen und kreativ und sie bewegen sich gnadenlos mit hoher Geschwindigkeit. Dabei verändern sie alles, was ihnen begegnet oder was ihnen im Wege steht. Aber manchmal sind sie doch nicht so groß und so schnell und sie können nur wenig bewirken, gerade genug, um zu einer Konfliktlösung beizutragen oder um den Wunsch nach etwas Anderem, Besseren und Inhaltsreicherem neu zu entfachen. Trotzdem können wir nicht ohne sie, selbst dann, wenn sie so klein sind. Natürlich bedeutet das nicht, die Ideen wären immer einfach und deutlich und sie würden die „objektive Realität” widerspiegeln. Ganz im Gegenteil, oft sind sie unverständlich und unbrauchbar für Erkenntnisse oder Enddeckungen. Deswegen kommen uns oft irrelevante Gedanken auf – wobei wir ja wissen, dass denken und leben ein und dasselbe ist. Nicht desto trotz, immer wenn wir keine Idee haben und uns wünschen, eine zu haben, ist das nichts anderes als das Unbewusste, das angestrengt denkt, ohne zu wissen, wie es das Gedachte zum Ausdruck bringen könnte. Die Hoffnung bleibt jedoch bestehen, wir würden doch auf eine Idee kommen, vielleicht durch eine unerklärliche Kraft unseres Bewusstseins. Es ist bekannt, dass die Ideen oft nur ein kreatives Chaos darstellen, das eine Katharsis braucht, um einen Sinn zu bekommen. Unter bestimmten Umständen hängen jedoch die Folgen, die Resultate von Ideen von ihnen selbst ab, wie im Falle von Platos Höllengleichnis, mit dem uns der große Philosoph den Blick von Innen und ohne Abstand bildlich nahegebracht hat.

Slobodan Trajković

 
Slobodan Trajković (geb. 1954) ist multidisziplinärer Künstler, Architekt, Autor, Pädagoge und unabhängiger Kurator. Sein Studium an der Kunstakademie Belgrad schloss er 1980 mit einem Diplom- und 1984 mit einem Magisterabschluss ab. Als Stipendiat der französischen Regierung lebte er 1982–1983 in Paris und besuchte dort l’Ecole Nationale Superieure des Beaux Arts. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Museen und Galerien in Europa, Asien und in den Vereinigten Staaten von Amerika ausgestellt und befinden sich heute in vielen Museen und privaten Sammlungen. Für seine künstlerische Leistung wurde er bereits mehrfach mit renommierten Preisen ausgezeichnet. Slobodan Trajković lebt und arbeitet in Belgrad und London.

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