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9:30 Uhr

Claude Lanzmann: Shoah

Film |Filmvorführung zum Holocaust Gedenktag

  • Preis Fee but registration is required via Eventbrite

Shoah © Shoah, Arsenal – Institute for Film and Video Art

Shoah © Shoah, Arsenal – Institute for Film and Video Art

2005 ernannten die Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.  Die Erinnerung an die Ermordung von sechs Millionen jüdischen Männern, Frauen und Kindern und weiterer Millionen Menschen im Holocaust während der nationalsozialistischen Herrschaft ist dem Goethe-Institut ein zentraler Auftrag. Anlässlich der Ausstellung Claude Lanzmann: Die Aufzeichnungen im Jüdischen Museum in Berlin und des 100. Geburtstag des berühmten französischen Journalisten, Filmemachers und Chronisten der Shoah im November des vergangenen Jahres zeigen das Institut Français und das Goethe-Institut Lanzmanns bedeutenden Film Shoah zum Holocaust Memorial Day 2026. Wir zeigen den Film am Samstag nach dem Gedenktag, um die Vorführung auch für diejenigen zugänglich zu machen, die unter der Woche nicht teilnehmen können.

Genauere Details zum Zeitplans für die Vorführung des über neunstündigen Films folgen in Kürze.

Mit der Ausstellung, die noch bis 12.  April 2026 läuft, macht das Jüdische Museum zum ersten Mal bisher unbekannte Audioaufnahmen aus dem Archiv von Claude Lanzmann zugänglich. Sie dokumentieren die zahlreichen Gespräche, die Lanzmann und seine Mitarbeiterinnen Corinna Coulmas und Irena Steinfeldt-Levy in den 1970er-Jahren während einer mehrjährigen Recherchephase vor Beginn der Dreharbeiten führten – mit Überlebenden, Tätern und Dritten. Diese bisher unbekannten Audiomitschnitte vermitteln, mit wie vielen Aspekten der Schoa sich der Regisseur beschäftigte. Gleichzeitig ermöglichen sie einen Einblick in das Erinnern drei Jahrzehnte nach Kriegsende. Die Sammlung Lanzmann im Jüdischen Museum Berlin umfasst etwa 220 Stunden Tonaufzeichnungen in acht Sprachen. Seit 2023 ist dieser Bestand zusammen mit dem Film Shoah in das Register des UNESCO-Weltdokumentenerbes eingetragen.

Über den Film

Shoah (das hebräische Wort für "Vernichtung") entstand über einen Zeitraum von über elf Jahren (1974 – 1985) und  bringt Zeugenaussagen sowohl der Opfer der nationalsozialistischen Vernichtung der Juden in Europa als auch von Tätern und Beobachtern des Völkermords an den europäischen Juden zusammen. Viele von ihnen erzählen zum ersten Mal seit 30 Jahren ihre Geschichte. Laut Claude Lanzmann ist Shoah kein Film über das Überleben, sondern ein „Zeugnis des Todes“. Er bittet die Zeugen nicht nur, sich an ihre Erfahrungen zu erinnern; seine Fragetechnik veranlasst die Befragten, die vergangenen Ereignisse noch einmal zu erleben. Seine Fragen beziehen sich auf Ereignisse an den Orten, an denen Juden ermordet wurden - Helmno, Treblinka, Auschwitz-Birkenau und das Warschauer Ghetto. Sie legen den bürokratischen Mechanismus der Vernichtung offen, der in den Ghettos begann und schließlich in den Konzentrations- und Vernichtungslagern weiteführt wurde. In seinen neuneinhalb Stunden verwendet der Film nur ein Archivdokument. Ansonsten stützt es sich ausschließlich auf Zeugenaussagen und neu aufgenommenes Filmmaterial der Todesorte, das diese in ihrem Zustand am Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre zeigt. Dies war ein radikal neuer Ansatz, und die starke Wirkung des Films resultiert aus der Montage von Zeugenaussagen und den Aufnahmen der Orte, auf die sich die Erinnerungen der Zeugen beziehen. „Ich bin alleine zu den Orten gereist und habe festgestellt, dass man beide Aspekte kombinieren muss. Man muss wissen und sehen und man muss sehen und wissen. Deshalb ist das Problem mit den Orten so groß. Es ist ein bodenständiger Film, ein topografischer und geografischer Film. “(Lanzmann)
 
Shoah, Frankreich 1974 – 1985, Farbe, DCP (16mm), ca. 566 Minuten, mit englischen Untertiteln.
Regie: Claude Lanzmann, Kamera: Dominique Chapuis, Jimmy Glasberg, William Lubtchansky, Schnitt: Ziva Postec, Anna Ruiz, Ton: Bernard Aubouy, Michel Vionnet.


 

Über Claude Lanzmann

 Claude Lanzmann wurde 1925 in Paris geboren und erlebte als Teenager den Einmarsch deutscher Truppen nach Frankreich. 1943 schloss sich der Gymnasiast dem Widerstand in Clermont-Ferrand an und ging in den Untergrund gegen die Nazis. Nach dem Krieg schloss er ein Studium der Philosophie ab, promovierte 1947 und begann 1948/49 an der Freien Universität Berlin zu lehren. 1953 wurde Lanzmann, der zum Kreis von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir gehörte, ständiger Mitarbeiter der legendären politischen und literarischen Zeitschrift Les Temps Modernes. 1970 unternahm er erste Streifzüge in die Welt des Filmemachens, die auch sein politisches Engagement gegen die französische Politik in Algerien dokumentieren. Gegen Ende des Algerienkrieges unterzeichnete Lanzmann das „Manifeste des 121“ gegen französische Kriegsverbrechen. In seinem Film Pourquoi Israel? Von 1973 erkundete Lanzmann seine eigene jüdische Identität. Ein Jahr später begann er mit der Arbeit an Shoah. Er starb am 5. Juli 2018.