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5 deutsche Ostertraditionen
Ein Hase mit Eiern im Gepäck

Dekorierte Ostereier hängen von Ästen herab.
Foto (Detail): © picture alliance/dpa | Matthias Bein

Der Schnee schmilzt, die Sonnenstrahlen tanzen wieder am Himmel und aus den Knospen kämpfen sich die ersten Blüten hervor – es wird Frühling in Deutschland. Mit Beginn der neuen Jahreszeit ist auch eines der beliebtesten Langohren Deutschlands nicht weit: der Osterhase. Mit ihm ziehen weitere Traditionen und Bräuche in deutsche Haushalte ein, um Ostern zu feiern.

Von Jennifer Engl

Eine runde Sache: Ostereier

Zwar nicht in allen Formen, aber in allen Farben präsentieren sich die Ostereier. Sie werden entweder zum Verzehr hart gekocht und abgekühlt mit Lebensmittelfarbe eingefärbt oder in Dekoration umgewandelt. Für die Dekovariante werden rohe Eier ausgeblasen, sodass nur die Schale übrigbleibt. Diese wird dann gefärbt oder kunstvoll bemalt. Fertig verziert hängt man die Eier zum Beispiel an Bäume im Garten oder kleine Sträucher im Haus. Der Profitrick für den perfekten Glanz für die gefärbten Eier? Einmal rundum mit Speiseöl einreiben. Warum ausgerechnet Eier zur Osterzeit verschenkt und verzehrt werden, ist nicht ganz klar. Die frühen Christ*innen färbten Eier zu Ostern traditionell rot, ein Symbol für die Auferstehung Jesu, die an Ostern gefeiert wird. Tatsächlich wurden Eier aber schon lange vor der Erfindung des Christentums bemalt, zum Beispiel im alten Ägypten. Wer keine Zeit zum selbst färben hat, kann die fertigen Ostereier rund um die Osterzeit auch in jedem beliebigen deutschen Supermarkt kaufen – oder man hofft darauf, dass der Osterhase am Ostersonntag welche im eigenen Garten versteckt.
Ein Tisch mit verschiedenen Farben in verschiedenen Schüsseln. Daneben frisch gefärbte Eier, die auf Zeitungspapier trocknen.

Häufig eine Familientradition zu Ostern in Deutschland: gemeinsames Eier Färben. | Foto (Detail): © picture alliance/dpa | Matthias Bein

Stups, der kleine Osterhase,

fällt andauernd auf die Nase. Ganz egal wohin er lief, immer ging ihm etwas schief, lautet der Text eines berühmten deutschen Kinderlieds von Rolf Zuckowski. Ob tollpatschig oder nicht, der Osterhase prägt das deutsche Osterfest wie keine andere Tradition. Sobald der letzte Schokoladenweihnachtsmann verkauft ist, füllen sich die Supermarktregale mit den Schokohasen. Jedes Jahr werden über 200 Millionen Schokohasen in Deutschland hergestellt. Ursprünglich brachten laut Erzählung auch andere Tiere wie Kuckuck, Fuchs und Hahn die Ostereier, doch der Hase setzte sich durch. Seit Jahrhunderten ist er ein Symbol für Fruchtbarkeit und den Neubeginn im Frühling. Früher stand er symbolisch für Jesus Christus und galt wohl in heidnischen Kulturen als ein heiliges Tier der germanischen Frühlingsgöttin Ostara. Schon 1682 wurde der Hase in Zusammenhang mit Eiern erwähnt. Warum genau jedoch ein Mümmelmann die runden Geschenke bringt, ist nicht endgültig geklärt.
Eine Palette gold verpackter Schokohasen.

Oft stehen die Schoko-Osterhasen schon ab Februar in den Supermarktregalen, um den Frühling einzuläuten. | Foto (Detail): © picture alliance / Winfried Rothermel | Winfried Rothermel

Das Osterlamm

Eine weitere Fell-Nase, die an Ostern nicht fehlen darf, ist das Lamm. Es ist eines der bekanntesten christlichen Ostersymbole und steht als Opfertier für den Tod Jesu am Kreuz und sein Opfer, das er damit für die Menschen brachte. Gleichzeitig ist die Tradition eine Anknüpfung an das jüdische Pessachfest, das an die Befreiung der Israelit*innen und den Auszug aus Ägypten erinnert. Hier wurde ein Opferlamm genutzt, um zu symbolisieren, dass man zu den Israelit*innen gehörte. Auch außerhalb der Religionen gelten die im Frühjahr geborenen Lämmer – wie der Hase und die Eier – als Symbole für Fruchtbarkeit und Neubeginn. Zu Ostern holen sich deutsche Familien zwar kein Schaf ins Haus, dafür gibt es aber Kuchen in Lammform.
Ein Osterlamm in Kuchenform mit Ostereiern in einem Osternest. Im Hintergrund Wiese und Osterglocken.

Umgeben von Osterglocken und Ostereiern fühlt sich dieses Osterlamm in Kuchenform sicherlich in guter Gesellschaft. | Foto (Detail): © picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Von Feuer und Licht

Ein weiterer Brauch, der christlich geprägt ist, aber seine Wurzeln im Heidentum hat, sind die Osterfeuer. Sie werden in Dörfern entzündet und bringen die Menschen dort zusammen. Das heidnische Frühlingsritual sollte symbolisch die bösen Geister des Winters vertreiben und den Frühling begrüßen, die christlichen Osterfeuer symbolisieren wiederum die Auferstehung Jesu. Oft werden am Osterfeuer auch die Osterkerzen entzündet, die die zuvor dunklen Kirchen erleuchten sollen. Wer beeindruckende Osterfeuer erleben möchte, kann diese an verschiedenen Orten Deutschlands finden, doch in Norddeutschland sind sie besonders verbreitet.
Ein loderndes Osterfeuer in der Abenddämmerung.

Ein Grund zum Feiern: In vielen Dörfern bringen große Osterfeuer Menschen zusammen. | Foto (Detail): © picture alliance / Fotostand | Fotostand / Reiss

Auferstehung live: Das Passionsspiel

Wer sich für die christliche Geschichte hinter dem Osterfest interessiert, kommt beim Passionsspiel auf seine Kosten. Ähnlich wie das weihnachtliche Krippenspiel wird hier die biblische Geschichte des Festes nachgespielt: die letzten Tage Jesu, seine Kreuzigung und Auferstehung. Die Theateraufführungen verbinden Glauben, Kultur und Schauspiel. Sie waren im Mittelalter in ganz Europa verbreitet und werden in Deutschland heute vor allem im katholischen Bayern aufgeführt. Die Aufführung dauert meist mehrere Stunden, manchmal sogar Tage, die ältesten Aufzeichnungen gehen zurück bis ins 13. Jahrhundert. Weltberühmt sind die Passionsspiele im bayerischen Oberammergau, die seit dem 17. Jahrhundert stattfinden und seit 2014 zum Immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehören. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen sie lange in der Kritik wegen negativer und antisemitischer Darstellung von Jüdinnen*Juden als „Verantwortliche für den Tod Jesu“. Die Passionsspiele in Oberammergau werden nur alle zehn Jahre aufgeführt, der nächste Termin steht für 2030 an. Wer das Spektakel miterleben möchte, hat also noch Zeit, eine Osterreise nach Deutschland zu planen!
Kreuzigungsszene bei den Passionsspielen Oberammergau 2022.

Die Passionsspiele in Oberammergau werden von den Dorfbewohner*innen aufgeführt. | Foto (Detail): © picture alliance / SZ Photo | Sebastian Beck

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