Charlotte J. Rauth

Charlotte & Jo @ BIC © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore
Die Kulturabteilung des Goethe-Instituts / Max Mueller Bhavan Bangalore (GI / MMB), Indien, hatte ich aus zwei Gründen bewusst für mein Pflichtpraktikum im Rahmen des Masterstudiums Kulturvermittlung an der Stiftung Universität Hildesheim ausgewählt: Zum einen, um einen Einblick in die konkrete Arbeit einer der Mittlerorganisationen der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik vor Ort mit Blick auf strukturelle, organisationale und kulturpolitische Aspekte zu erhalten; zum anderen, um Inhalt und Organisation einer, international für ihre dezentrale Struktur angesehenen, Künstlerresidenz persönlich kennen- und gestalten zu lernen.

Charlottes Geburtstag © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore Und so flog ich voller Vorfreude ein paar Tage nach meiner Masterarbeitsverteidigung Ende September nach Bangalore, um das Praktikum am 1. Oktober am GI / MMB zu beginnen. Der erste Arbeitstag fiel zusammen mit meinem Geburtstag und daraufhin erlebte ich die wärmste Begrüßung durch das dortige Team, die ich mir an einem neuen Arbeitsplatz hätte vorstellen können – mit Kuchen und Gesang!

Während der ersten zwei Wochen bereiteten wir die bangaloREsidency 2019 Season II vor, im Rahmen derer insgesamt 9 Künstler*innen vom 20. Oktober bis zum 14. Dezember 2019 nach Bangalore kommen sollten. Vor Ankunft der Künstler*innen wurden nach dem Buddy-Prinzip bereits Ansprechpartner*innen festgelegt, die für die Zeit der Residenz für alle persönlichen und zum Teil auch projektspezifischen Belange der ‚zugeteilten‘ Künstler*innen zuständig waren. Voller Neugierde blickte ich so der Ankunft von insbesondere ‚meinen‘ zwei Künstler*innen-Duos – Magdalena Emmerig & Yana Thönnes von der Performance-Gruppe The Agency und den Sound-Künstler*innen Jo Wanneng & Lukas Fütterer – entgegen, die wir am 20. Oktober gemeinsam mit allen diesjährigen Resident*innen am Flughafen abholten. Nach einer intensiven Einführungswoche, die wir vorab mitorganisiert hatten, starteten die Künstler*innen ihre Projekte in Kooperation mit ihren entsprechenden Hosts.
Die Begleitung ihrer Projekte war für mich besonders lehrreich: Die Tätigkeiten reichten von der Betreuung bei persönlichen Fragen während ihres Aufenthaltes bis zur inhaltlichen Zuarbeit und Produktionsassistenz. Besonders spannend war die Organisation ihrer Abschlusspräsentationen, bei denen die Künstler*innen den derzeitigen Stand ihrer Recherchen performativ darstellten. Den Verlauf ihrer Projekte und die anschließende Durchführung so nah mitzuerleben und begleiten zu dürfen war für mich auf persönlicher und professioneller Ebene sehr bereichernd.

Daneben bestand der Praktikumsalltag aus projektübergreifenden Aufgaben wie allgemeiner Büroorganisation, diversen Übersetzungsarbeiten sowie weiterer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Form von der Erstellung und Aktualisierung von Social Media-Einträgen, von Veranstaltungsseiten und dem wöchentlichen Newsletter im Content Managament System des Goethe-Instituts. Zusätzlich waren meine Mitpraktikantin und ich mit der Aufgabe betreut, die gesamte bangaloREsidency 2019 Season II in Form eines mehrteiligen Blogs zu dokumentieren und so deren Verlauf für die Öffentlichkeit aufzubereiten. Auch wenn wir bei dieser Aufgabe zeitweise aufgrund von Zeitmangel nicht unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden konnten, war es sehr spannend, die Künstler*innen auf diese Weise vertiefend kennenzulernen und nebenbei eine eigenständige und zugleich kreative Aufgabe im Rahmen des Praktikums zu erhalten.

Während also die Zeit am GI / MMB praktische Kenntnisse und Erfahrungen in Struktur, Organisation und Inhalt der Künstlerresidenz bangaloREsidency vermittelte, ermöglichten zahlreiche Gespräche mit dem Institutsleiter, Herrn Dr. Heimes, sowie die Teilnahme an mehreren offiziellen Veranstaltungen des deutschen Konsulats in Bangalore einen praktischen Einblick in die Rolle und Funktion des Goethe-Institutes als deutsche Mittlerorganisation. Bei der vollsten Erfüllung meiner anfänglichen Erwartungen an das Praktikum möchte ich zugleich an dieser Stelle retrospektiv mit Blick auf die flexiblen und ausgiebigen Arbeitszeiten während des Praktikums und auf die Lebenshaltungskosten vor Ort, die derzeit nur in Kombination mit einem Stipendium leistbar sind, eine Erhöhung der Aufwandsentschädigung von 300 Euro monatlich für zukünftige Praktikant*innen anregen.

Durch zahlreiche weitere Kulturveranstaltungen und die Partnerorganisationen des GI / MMB sowie durch meinen Unterricht in Kalari Payattu (die indische Form der Martial Arts) erhielten meine Mitpraktikantin und ich daneben einen anfänglichen Eindruck des pulsierenden und bunten Lebens Bangalores – ein anfänglicher Eindruck, der mir nachhaltig bewusst machte, wie viel mehr es bei meinen weiteren, zukünftigen Besuchen in Indien und Bangalore noch zu entdecken gibt. Bis es so weit ist, blicke ich auf eine intensive und bereichernde Zeit zurück, die von herzlichsten Kolleg*innen und neuen Freundschaften, spannender Arbeit und einem unfassbar bunten und berührenden Umfeld geprägt ist.
 
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