Aufgaben und Ziele

Als das global tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland setzen wir uns für die Verständigung zwischen Deutschland, Europa und der Welt ein. Die Grundlage dafür bildet der Rahmenvertrag mit dem Auswärtigen Amt. Weltweit informieren wir über die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands und Europas. 158 Goethe-Institute in 98 Ländern bilden zusammen mit zahlreichen Partnereinrichtungen unser globales Netzwerk. Das Auswärtige Amt fördert unsere Arbeit institutionell. Als eingetragener Verein agieren wir eigenverantwortlich, parteipolitisch ungebunden und rechtlich selbstständig. Rund ein Drittel unseres Budgets erwirtschaften wir durch Erlöse aus Sprachkursen und Prüfungen selbst. Darüber hinaus unterstützen uns die Europäische Union, weitere Bundesministerien sowie Stiftungen und Unternehmen im In- und Ausland.

Wir tragen zur Verankerung der deutschen Sprache in den Bildungssystemen der Gastländer bei. Mehr als 100.000 Schulen weltweit unterstützen wir bei der Durchführung eines hochwertigen Deutschunterrichts und fördern die Weiterbildung und Qualifizierung von Deutschlehrenden. Darüber hinaus bieten wir Sprachkurse an, die von allgemeinen Deutschkursen über berufsvorbereitende Sprachkurse bis hin zu Seminaren der gesellschaftlichen und kulturellen Sensibilisierung reichen. Online-Kurse und Selbstlern-Programme sind Teil unseres Angebots. Pro Jahr legen weltweit mehr als eine halbe Million Menschen eine Deutschprüfung an einem Goethe-Institut oder bei unseren Kooperationspartnern ab. Mit einem breiten Lern- und Informationsangebot unterstützen wir insbesondere Studierende und Fachkräfte aus dem Ausland auf ihrem Weg nach Deutschland.  

Wir vertrauen auf das Potenzial des internationalen Kulturaustausches. Unsere rund 20.000 Kulturveranstaltungen im Jahr entstehen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit staatlichen und außerstaatlichen Institutionen und zivilgesellschaftlichen Initiativen in unseren Gastländern. Wir qualifizieren, beraten und vernetzen Kreative und unterstützen den Aufbau nachhaltiger Strukturen in der Kultur- und Kreativwirtschaft, etwa durch Weiterbildungsmaßnahmen für Kulturunternehmer*innen oder die Internationalisierung von Kreativunternehmen. Mit unseren Residenzprogrammen, Kooperationen und Koproduktionen fördern wir die globale Vernetzung von Kulturschaffenden. Akteur*innen der Zivilgesellschaft bieten wir Schutz- und Freiräume, um einen offenen Meinungsaustausch zu ermöglichen. Den demokratischen Dialog lassen wir auch in schwierigen Zeiten nicht abreißen. Wir orientieren uns in unserer Arbeit an den Werten einer demokratischen, freiheitlichen und rechtsstaatlichen Gesellschaftsordnung.

Über unsere digitalen Informations- und Lernangebote in mehr als 60 Sprachen und ein Netzwerk mit 95 Bibliotheken bieten wir Orte des Lernens, der Begegnung und der Partizipation. Wir nutzen innovative Technologien, ergreifen die Chancen der Digitalisierung und reflektieren gleichermaßen ihre Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft. Durch vielfältige Formate wie Informationsreisen für Multiplikator*innen, den fachlichen Austausch zwischen Expert*innen, Jugendaustauschprogramme und internationale Festivals ermöglichen wir weltweite Begegnungen.

Das Goethe-Institut in Indien - Über Max Müller

„Würde man mich fragen, unter welchem Himmel der menschliche Geist seine auserlesensten Eigenschaften entwickelt, am tiefgründigsten über die größten Probleme des Leben nachgedacht und Lösungen für einige von ihnen gefunden hat, welche sehr wohl die Aufmerksamkeit derer verdienen, die Plato und Kant studiert haben, so würde ich auf Indien zeigen.“ - Max Mueller

Der deutsche Indologe und Sanskritgelehrte Max Mueller war unter den europäischen Intellektuellen ein Pionier, der auf seiner spirituellen, romantischen und philosophischen Suche die gemeinsamen Spuren der indo-europäischen Zivilisation bis zur altertümlichen vedischen Kultur Indiens verfolgte. Max Mueller wurde am 6. Dezember 1823 in Dessau, einer kleinen Stadt im Osten Deutschlands, geboren. Er begann sein Studium im Alter von 18 Jahren an der Universität Leipzig und beendete seine Doktorarbeit über Spinozas ethische Philosophie 1843. Während seines Studiums entwickelte er nicht nur eine Begabung für klassische Sprachen wie Latein und Griechisch, sondern auch für Arabisch, Persisch und Sanskrit. Nach seinem Studium in Leipzig ging er nach Berlin, wo er unter seinem Tutor, dem Philosophen Schelling, die Upanishaden übersetzte. Unter Einfluß des französischen Gelehrten, Eugene Burnouff, übersetzte er später auf die Manuskripte der Bibliothek der British East India Company zurückgreifend die Vedas.

Nach 1860 begann er mit der Übersetzung der Rigvedas. Er verfasste nebenher Aufzeichnungen und Kommentare zu Themen der vergleichenden Philosophie und Mythologie, um seine esoterischen Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Während der letzten dreißig Jahre seines Lebens lag der Schwerpunkt seiner Studien der vergleichenden Theologie und Philosophie auf der Indologie. Im Jahr 1868 wurde Mueller zum ersten Professor des Lehrstuhls für Vergleichende Philologie an die Oxford Universität berufen. Es folgte die Veröffentlichung Einführung in die Religionswissenschaft im Jahr 1873. Er führte seine Vorlesungen zu diesem Thema am Royal Institute und dem Westminister Abbey fort und eröffnete dort 1878 die Hibbert-Vortragsreihe. 

Seine Pionierarbeit in der Forschung vedischer Schriften fiel mit einem zunehmenden Trend westlicher Gelehrter zusammen, die Entwicklung von Sprache und Kultur nicht als parallele Verläufe zu betrachten, sondern vielmehr als Einheit mit gemeinsamen Wurzeln. Mueller unterstützte das Bemühen der indo-europäischen Sprachgruppe, indem er die Ursprünge dieser Zivilisationen bis zur vedischen Kultur in Indien erforschte. Nach der Veröffentlichung der Sechs Systeme der hindischen Philosphie (1899), starb Max Mueller im darauffolgenden Jahr in Oxford.

Für sein Bestreben, die Seelenverwandtschaft, die die indo-eurpopäische Familie über ihre gemeinsame Herkunft vereint, auf zu zeigen, erfährt Mueller bis in die Gegenwart in beiden Kulturkreisen große Wertschätzung. Vor diesem Hintergrund wurden die Goethe-Institute in Indien, die 1957 gegründet wurden, nach Max Mueller, dem Begründer der Sankritforschung benannt. In einer globalisierten Welt, in der die Notwendigkeit von gegenseitigem Verständnis zwischen den Kulturen zunehmende Bedeutung erlangt, vermag niemand besser diese Botschaft zu vermitteln als Friedrich Max Mueller mit seinem Leben und Wirken in der Geschichte indo-germanischer Beziehungen.

Unter seiner Leitung erschienen The Scaced Books of the East, eine 50-bändige Reihe von englischen Übersetzungen asiatischer heiliger Bücher sowie zahlreiche Einzelveröffentlichungen: A History of Ancient Sanskrit Literature So Far As It Illustrates the Primitive Religion of the Brahmans (1859), Lectures on the Science of Language (1864, 2 vols.), Chips from a German Workshop (1867-75, 4 vols.), Introduction to the Science of Religion (1873), India, What can it Teach Us? (1883), Biographical Essays (1884), The Science of Thought (1887), Six Systems of Hindu Philosophy (1899), four volumes of Gifford Lectures (Collected Works, vols. 1-4): Natural Religion (1889), Physical Religion (1891), Anthropological Religion (1892), und Theosophy, or Psychological Religion (1893), seine beiden Bände biographischer Reflexionen Auld Lang Syne (1898), My Autobiography: A Fragment (1901) und The Life and Letters of the Right Honourable Friedrich Max Mueller (1902, 2 Bde) 
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