von Vani Bablani
Heimweh bei Expats und wie man damit umgeht
Jedes Jahr verlassen Millionen von Menschen ihre Heimat und ziehen in ein anderes Land. Manche tun es wegen ihrer Arbeit, andere wollen dort studieren. Manche machen es vor allem deshalb, um ihr Leben zu ändern und ein neues Zuhause zu finden. Solche Menschen nennt man Expatriates, kurz Expats.
Neue Länder sind schön und spannend. Sie bringen neue Erfahrungen, neue Menschen und viele neue Erlebnisse mit sich. Aber meistens ist es so: Wenn man einmal von zu Hause weg ist, kann man nicht anders, als traurig zu sein. Was ist diese seltsame Traurigkeit? Dieses Gefühl ist Heimweh – und die Traurigkeit ist nur ein Aspekt davon. Heimweh besteht auch aus Einsamkeit, Herzschmerz und vor allem der Sehnsucht nach Sprache, Essen und Wetter - Dinge, die für viele sehr prägend sind. Wenn die Heimat der Ort ist, an dem man alles lernt, was man über das Leben wissen muss und wenn man so sehr an ihr hängt, dann sollte die Frage gestellt werden: Warum wollen so viele von uns in ein anderes Land ziehen?
Meistens lautet die Antwort: ein besseres Leben, besseres Studium, bessere Arbeitsplätze, besserer Lebensstil. Aber sollte uns dieser Neuanfang dann nicht eigentlich glücklich machen? Warum bekommt man meist trotzdem Heimweh? Dafür gibt es viele Gründe. Einige mögen klein erscheinen, aber keiner davon ist trivial. Es ist kein Kinderspiel, sich in einem neuen Land und in einer neuen Kultur zurechtzufinden. Man muss ständig eine Sprache sprechen, die schwer und fremd ist, und sich in eine Kultur einleben, die völlig anders ist. Der Alltag ist nicht mehr wie vorher, und es braucht Zeit, eine neue Routine zu entwickeln. Das Schlimmste ist oft die Einsamkeit. Die alten Freundschaften bleiben zwar erhalten, aber neue Freundschaften zu schließen - das ist eine ganz andere Herausforderung.
Aber es gibt eine Lösung für all diese Schwierigkeiten: Geduld und Respekt. Wenn man in der neuen Sprache unsicher ist, braucht man nur ein bisschen Geduld. Um die neue Kultur zu verstehen, sind Respekt und ein offener Geist nötig. Die neue Routine entsteht ganz von selbst, sobald man die Sorgen loslässt und sich Zeit gibt, anzukommen. Plötzlich hat man die Leichtigkeit, nach der man sich sehnt. Natürlich h abe ich recherchiert – aber eine wirkliche Heimweh-Erfahrung kann das nicht ersetzen. Deshalb habe ich einen echten Expat interviewt, der mir seine Gedanken über das Leben im Ausland erzählt hat. Im Folgenden möchte ich diese mit euch teilen.
Für Prayrit Singh, der seit fast zwei Jahren in Deutschland lebt und studiert, war der Umzug von Indien nach Deutschland zunächst eine spontane Entscheidung. Als es dann losging, war er voll und ganz bereit für die Veränderung, die dieser Schritt mit sich bringen würde. Er konnte fließend Deutsch sprechen und hatte vorher schon mit ein paar Indern in Deutschland gesprochen. Trotzdem erlebte er einen Kulturschock, sobald er im Land war. Die Bürokratie, das neue Universitätssystem und die Schwierigkeit, Freunde zu finden – all das verstärkte seine mentalen Kämpfe. Aber hatte er Heimweh? Da ist er sich bis heute nicht sicher. An Festen wie Diwali vermisst er Indien und die Möglichkeit, mit Familie und Freunden zu feiern. Aber wäre er zu Weihnachten in Indien, könnte er mit Sicherheit sagen, dass er Deutschland und seine Weihnachtsmärkte vermissen würde.
Er denkt, dass Deutschland, genau wie Indien, jetzt auch eine Art Heimat für ihn ist. Aber natürlich vermisst er immer noch seine Familie und Freunde, die in Indien sind. Um die damit einhergehende Traurigkeit zu bekämpfen, hat er eigene Rituale entwickelt, die sicher hilfreich sind für Menschen, die Heimweh haben. Regelmäßige Telefon- oder Videoanrufe mit Familie und Freunden zu Hause, Gespräche mit Freunden im neuen Land über seine Gefühle und das Eintauchen in die neue Kultur gehören dazu. Man kann auch an Expat-Veranstaltungen teilnehmen oder sich Gruppen anschließen, um das Zugehörigkeitsgefühl wiederherzustellen – bis man seine neue Komfortzone gefunden hat. Man kann neue Hobbys entdecken, denn an einem neuen Ort gibt es viel Neues zu erleben. Und das Beste, was man tun kann, ist, freundlich zu sich selbst zu sein. Mit Heimweh umzugehen erfordert viel Geduld, Freundlichkeit zu sich selbst und einen Geist, der offen ist für alle Möglichkeiten, die das fremde Land mit sich bringt.
Abschließend möchte ich sagen: Wer Heimweh hat, sollte nicht in der Vergangenheit schwelgen, sondern sich liebevoll an sie erinnern. Es bringt nichts, Zeit in sozialen Medien zu verbringen und sich Fotos und Videos von zu Hause anzusehen. Stattdessen sollte man alles entdecken, was das neue Land zu bieten hat, und es als ein Abenteuer betrachten. Denn wer weiß – vielleicht entdeckt man dabei etwas ganz Neues und Schönes, nicht nur in seiner Umgebung, sondern auch in sich selbst.
Heimweh ist keine Hürde und keine Herausforderung. Es kann vielmehr ein echter Motivator sein. Man merkt, wie sehr man seine Heimat liebt und dass man auch im neuen Land Gründe findet, es zu lieben. Und wie Prayrit gesagt hat: „Heimat ist kein fester Ort.“ Mit dieser Erkenntnis, auch wenn ich selbst kein Expat bin, stimme ich vollkommen überein. Zuhause ist dort, wo man verstanden wird, Unterstützung findet und sich wohlfühlt. Und vor allem ist es der Ort, an dem man sich gerade befindet. Denn das wahre Zuhause trägt man immer in sich, wenn man nur lernt, die Veränderungen des Lebens anzunehmen.