Deutsch lernen Von Varanassi nach Wien

Suraj Kumar Rajak
Suraj Kumar Rajak | © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan New Delhi

In der German Bakery hat alles angefangen: das Interesse für Deutschland, seine Sprache und seine Kultur. Suraj Kumar Rajak ist 23, kommt aus Varanassi und hat sich gerade sein A-1 Zertifikat am Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan New Delhi abgeholt. Jetzt will er in Europa weiter studieren.
Surajs Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte. Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. Denn der junge Mann kommt aus einer Großfamilie vom Land, in der es in erster Linie ums tägliche Überleben geht. Und in der viel Wert auf Tradition und weniger auf Bildung gelegt wird.

Wie hat Deine Familie auf Deine Pläne reagiert, Deutsch zu lernen?

Sie waren nicht gerade begeistert. Sie müssen wissen, dass meine Eltern einfache Menschen sind: Mein Vater ist Bauer, meine Mutter Hausfrau. Ich habe sieben Geschwister. Die Vorstellung von guter Bildung ist da eher eine abstrakte. Auch meinen Wunsch, nach draußen, in die Welt zu gehen, verstehen meine Eltern nicht. Das ist nicht ihre Lebenswelt. Dazu kommt, dass sie Ausländern gegenüber sehr misstrauisch sind.

Haben Sie Dich unterstützt?

Sie haben mir keine Steine in den Weg gelegt. Und ich durfte zur Schule gehen. Als einer von dreien. Dort wurde mein Ehrgeiz geweckt. Ich wollte dann unbedingt aufs College gehen. Meinen Bachelor machen.

Und?

Ich bin in die Stadt gezogen und habe mir einen Job gesucht. Ich brauchte ja dringend Geld. In der German Bakery in Varanassi habe ich einen gefunden. Und dort ging dann alles los.

Was ging los?

Ich habe dort viele Deutsche getroffen. Mein Chef kam aus Deutschland. Alles war neu und aufregend. Die Sprache, die Kultur, der Umgang miteinander, die Arbeitseinstellung, die Feste, die sie gefeiert haben. Ich hatte Blut geleckt. Bin viel mit meinen neuen Freunden gereist, habe sie und ihre Kultur besser kennengelernt.

Und deshalb wolltest Du gleich Deutsch lernen?

Ja. Ich fand das alles sehr spannend und aufregend. Langsam aber sicher war ich so gefesselt, dass ich unbedingt weiter gehen, mehr wissen wollte. Ich bin nach der Arbeit ins Internet und habe alles gelesen und aufgesogen, was ich finden konnte.

Was wusstest Du denn bis dahin über Deutschland?

Ehrlich gesagt, nicht viel. Nur ein bisschen Geschichte. Weltkrieg, Ost und West…

Und über die Deutschen?

Auch nicht mehr. Aber was ich kennengelernt habe, gefällt mir sehr.

Zum Beispiel?

Ihre Feste beispielsweise. Natürlich das Essen: Brezeln und Bier. Ihre Verbindlichkeit in allen Lebenslagen. Oder ihre Einstellung zum Thema Zeit.

Wie sehen Deine Pläne aus?

Ich bin nach Delhi gezogen, um am Goethe-Institut Deutsch zu lernen. Gerade habe ich mein A-1 Zertifikat abgeholt.

Herzlichen Glückwunsch!

Danke. Ich hatte großes Glück. Auch hier arbeite ich in der German Bakery, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das passt natürlich alles wunderbar.

Findest Du die Deutsche Sprache schwierig?

Eigentlich nicht. Die Grammatik ist nicht ohne. Und die Aussprache ist ziemlich herausfordernd. Vor allem für uns Inder. Aber ich mag die Sprache sehr. Und deshalb fällt mir das Lernen leicht.

Was kommt nach A-1?

Ich habe gerade ein Visum für Österreich beantragt. Ich will dort weiter Deutsch lernen. Und Sozialwissenschaften studieren. Ich merke immer mehr, dass wir all die Probleme um uns herum im Sozialen lösen müssen.