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Mumbai
INTERKULTURELLES FOTOPROJEKT

Photoworkshop
Photoworkshop | © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Mumbai

Was macht die Stadt aus, in der wir leben? Was ist das Besondere? Und wie lässt sich die Atmosphäre einfangen und jemandem vermitteln, der in einer anderen Stadt, einem anderen Land, einer ganz anderen Kultur lebt?
Mit diesen Fragen startete das interkulturelle Fotoprojekt, zu dem Beata Weber, Leiterin der Sprachabteilung am Goethe-Institut Mumbai, im August 2017 Schüler*innen aus den Partnerstädten Stuttgart und Mumbai eingeladen hatte. In Mumbai nahmen 15 Jugendliche im Alter von 14-17 Jahren aus sieben verschiedenen Schulen, die vom Goethe-Institut betreut werden, an dem Projekt teil. In Stuttgart beteiligten sich zwölf etwa gleichaltrige Schüler*innen des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, das eine Partnerschule in der indischen Metropole hat.

Von Juliane Schöning

Spritzer „Plötzlicher Monsunregen sorgt für zusätzliches Geschäft bei den Rikscha-Fahrern. Ich habe dieses Foto geschossen, weil die Menschen in Mumbai den Regen lieben.” | © Dhruv Bangera

Sehen lernen

Sechs Monate lang trafen sich die Schüler*innen aus Mumbai alle 4-6 Wochen zu einem intensiven Arbeitswochenende, an denen sie zu einem den professionellen Umgang mit der Kamera und zum anderen „das Sehen“ lernten. Angeleitet und unterstützt wurden sie dabei von Gaurav Juyal, der sich als Animationskünstler einen Namen gemacht hat (bekannt wurde er durch die Fernsehsendung „Walt Disney's Art Attack”) sowie Jochen Weber, ein in Mumbai lebender Fotograf aus Stuttgart, der sich auf Dokumentarfotografie und das „Erzählen von Geschichten“ spezialisiert hat.

Auf dem Programm standen zunächst die Grundlagen der Fotografie wie Belichtungszeit, Blende und ISO sowie Themen wie Bildaufbau, Wirkung des Lichts und verschiedene Techniken wie z.B. bewusste Bewegungsunschärfe und „Mitzieher“. Aber auch interkulturelle Themen wie Sehgewohnheiten und Herangehensweisen bei der People-Fotografie waren Teil des Workshops.

In der Gruppe erforschten die Teilnehmer*innen zunächst die nähere Umgebung des Kursortes und stellten bei dieser einfachen Übung schon fest, wie verschieden dieselben Motive wahrgenommen und dargestellt bzw. „ins rechte Licht gerückt“ werden können. Zwischen den Workshoptreffen zogen die Teilnehmenden dann individuell los, auf der Suche, mithilfe des neuerworbenen Wissens das Typische und das Geheimnisvolle ihrer Stadt einzufangen.
 
Burden of Happiness ”Burden of happiness” von Mihika Bendarkar (14): „Straßenhändler sind typisch für Mumbai und man kann sie auf jedem Markt finden. Gewöhnlich transportieren sie ihre Produkte in einem Korb.“ | © Mihika Bendarkar

Als Tourist in der eigenen Stadt unterwegs

Die so entstandenen Bilder wurden im Laufe des Projekts immer fokussierter und die Bild-gestaltung immer kreativer. Doch nicht nur die handwerklichen Fähigkeiten entwickelten sich weiter, auch die Betrachtungsweise des Alltäglichen hat sich für viele verändert. „Es ist, als wäre ich ein Tourist in Mumbai geworden und konnte so die alltäglichen Dinge aus einer neuen Perspektive betrachten“, sagt Sanika Nayak, eine Teilnehmerin des Projekts. Und genau dieser „Sichtwechsel“ war die Ausgangsidee für das Projekt.

Durch „das Auge des Anderen“ veränderte sich die eigene Sichtweise. Die jungen Fotograf*innen mussten eine neue Perspektive einnehmen, im Hinterkopf behalten, welches Motiv für eine fremde Person aus einer anderen Kultur in ihrer Stadt interessant oder faszinierend sein könnte. Gerade die alltäglichen Dinge bekamen so einen ganz anderen Wert. „Das Projekt hat mich gelehrt, meine Stadt noch mehr zu lieben“, fasst Avan Hathi, eine der jungen Fotograf*innen, ihre Erfahrungen zusammen.
 
Gateway to the City that never sleeps The Gateway ist ein Wahrzeichen Mumbais. Nachts ist es beleuchtet und viele Menschen wollen es bestaunen. Ich war da und hatte ein Stativ dabei. Deshalb habe ich es fotografiert. | © Uditi Joshi
Doch die Arbeit für die Teilnehmenden war mit dem Fotografieren noch nicht getan. Nach der Auswahl der besten Fotos ging es darum, kreative Titel zu finden und einen kleinen Beschreibungstext für ihre Fotos zu verfassen. Auch hier war wieder wichtig, die kulturellen Besonderheiten gut zu erklären, was sich als gar nicht immer so einfach erwies.
Durch die Bildbesprechungen, die teilweise auf Deutsch liefen, hatten die Schüler*innen ihre Deutschkenntnisse schon gut trainiert, was einzelne auch dazu anspornte, die Beschreibungstexte trotz Anfängerkenntnisse auf Deutsch zu formulieren. Entstanden sind nicht nur faszinierende Fotos, die interessante Geschichten erzählen, sondern sehr lesenswerte und teilweise auch sehr persönliche und poetische Texte.
 
Empyreal - Himmlisches Paradies Die Seebrücke verbindet die Stadtteile Bandra und Worli miteinander. Sie ist eine der großartigsten Konstruktionen, nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Indien. Jede Metropole braucht diese eine Ikone, dieses unverwechselbare Symbol. Der Grund, weshalb ich dieses Bild geschossen habe, ist, dass ich die Struktur dieser Schrägseilbrücke und die Art und Weise, in der sie sich über die Mahim Bucht erstreckt, sehr faszinierend finde. | © Tanisha Malekar

50 Jahre Städtepartnerschaft

Seit 50 Jahren besteht nun die Partnerschaft zwischen Mumbai und Stuttgart. Vier Schulen aus Stuttgart und Umgebung haben Partnerschulen in Mumbai und einige laden ihre Schüler*innen regelmäßig zu Austauschprogrammen ein. Durch dieses Projekt machen sie den Partner-schüler*innen ihre Stadt auf besondere Weise zugänglich – auch denen, die nicht reisen können.
Die Ausstellung „Mumbai: Ansichten einer Stadt“ versammelt nun die Ergebnisse des Projekts in Mumbai. Sie wird vom 04.-20.07.2018 im Stuttgarter Rathaus gezeigt. Die Eröffnung findet am 03.07. statt. Die Ausstellung „Stuttgart: Ansichten einer Stadt“, die von Antonino Zambito, einem Stuttgarter Fotokünstler begleitet wird, ist in Vorbereitung und wird im Herbst 2018 im Goethe-Institut Mumbai gezeigt.

 

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