Umweltschutz in Kirkuk: Wo die Politik der Kunst folgt

Dargestellt ist die wie Erdgas innerhalb von Erdölanlagen verbrannt wird in Kirkuk.
© Goethe-Institut Irak / Ako Rasheed

Das Thema Umwelt stand lange nicht auf der Agenda der politischen Entscheidungsträger in Kirkuk. Obwohl es innerhalb der Stadt zahlreiche umwelttechnische Herausforderungen gibt, wurde zum Thema Umwelt bisher wenig getan. Hier geht die Kunst voran und stellt das Thema Umwelt in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten. So geschehen ist dies im Rahmen eines Projektes von Spotlight Irak, einem Programm des Goethe-Instituts Irak, gefördert vom Auswärtigen Amt im Rahmen der Ta’ziz Partnerschaft, in dem das Thema Umwelt über Installationskunst behandelt wird.

Von Schluwa Sama


 Dargestellt ist eine Holzbank mit Schrift zum Thema Umwelt im Rahmen der Ausstellung „Die Umwelt ist der größte Freund der Kunst“ in Kirkuk

Politik und Umwelt in Kirkuk

Kirkuk gehört zu den Städten des Irak, in der das Thema Umwelt aufgrund einer komplexen, politischen Lage meist nur am Rande vorkommt. Politisch gesehen ist der Status der Stadt bis heute umstritten. In der irakischen Verfassung wurde unter dem Artikel 140 festgelegt, dass ein Referendum 2007 entscheiden soll, ob die Stadt nun zur autonomen Region Kurdistan oder zum Zentralirak gehört. Bis dies geregelt wird, versuchen die verschiedenen Parteien in Kurdistan und dem Irak ihre Kontrolle in Kirkuk zu festigen und erweitern. Dabei spielt auch der Ölreichtum in Kirkuk eine entscheidende Rolle. Zudem gibt es nach dem Ende des Krieges gegen den IS bis heute immer wieder Warnungen vor Anschlägen von Schläferzellen des IS.

Für die Mehrheit der Bewohner*innen Kirkuks sind die politischen Auseinandersetzungen und Konkurrenz der Parteien Themen, die sie müde gemacht haben. Die Bevölkerung Kirkuks ist eine sehr diverse Bevölkerung, in der die Mehrheit dreisprachig aufwächst: Kurdisch, Turkmenisch und Arabisch spricht oder versteht der größte Teil der Kirkukis. „Die Politik hat ihre eigenen Themen, die nicht so viel mit der Gesellschaft zu tun haben. Wir müssen in einer Stadt mit Müll leben. Daher haben wir, als Menschen, andere Themen, die wir angehen müssen, so erzählt Ayeda Al-Rubayi. Sie leitet das Umweltprojekt in Kirkuk im Rahmen von Spotlight Irak.

sss

Als bekannte ölreiche Stadt des Irak, kann man in Kirkuk schon von weitem Erdgas riechen und sehen, wie es in den Erdölanlagen in Kirkuk verbrannt wird. Dabei erhöht diese Form der Erdölgewinnung die Treibhausgase in der Luft und ist somit schädlich für die Umwelt und die Menschen. Das bestätigt auch Al-Rubayi „Ich lebe am Rande der Stadt und kann das Gas bis hierhin riechen. Offiziell wird bekundet, dass es keine Umweltverschmutzung gibt. Aber wir sehen es ja. In den Straßen liegt überall Müll herum. Es wird nicht richtig entsorgt.“

Dargestellt ist ein Wohnviertel in Kirkuk und das Feuer, das durch die Verbrennung von Erdgas entsteht.


Installationskunst als Mittel um die Gesellschaft zu schockieren

Ayeda Al-Rubayi und ihre Studierenden haben die Installationskunst gewählt um das Thema Umwelt für die Gesellschaft Kirkuks zugänglicher zu machen. Dabei ist es wichtig für Al-Rubayi junge Künstler*innen zu involvieren: „Ich werde irgendwann nicht mehr da sein und setzte meine Hoffnung daher in die Arbeit mit jungen Menschen. Außerdem ist Umwelt ein Zukunftsthema.“ Die Kunstausstellung an sich schockiert und wirft unterschiedliche Fragen bei den Besucher*innen auf.

Dargestellt sind Kunstobjekte im Rahmen der Ausstellung „Die Umwelt ist der größte Freund der Kunst“ in Kirkuk.

So werden Materialen, wie Plastik in der Form von Müllsäcken, verrostete Metallstücke und Elektroschrott genutzt um für das Thema Umwelt zu sensibilisieren. Obwohl der Gouverneur Kirkuks die Zitadelle von Kirkuk als Ausstellungsort angeboten hat, haben sich die Künstler*innen entschieden die Ausstellung in der Shopping Mall von Kirkuk zu machen da es ein Ort ist, den die Menschen auch besuchen. So seien ca. 7000 Menschen, sowie irakische Medien erschienen, die über die Ausstellung berichtet haben. „Die Menschen haben viele Fragen gestellt und das hat mir Mut gegeben, dass das Thema Umwelt innerhalb der Gesellschaft viel Anklang findet. Unterschiedliche Personen haben berichtet, dass wir als Bewohner*innen von Kirkuk das Thema selbst angehen müssen da wir uns nicht auf die Politik verlassen können“, berichtet Al-Rubayi. Umweltschutz wird damit in Kirkuk und auch im Irak ein immer größeres Thema für die Menschen, da es nicht nur ein abstraktes Thema des globalen Klimawandels ist sondern eine Realität in ihrer unmittelbaren Umgebung geworden ist.

Dargestellt sind Kunstobjekte im Rahmen der Ausstellung „Die Umwelt ist der größte Freund der Kunst“ in Kirkuk.

Interessanterweise scheint die Arbeit der Künstler*innen auch einen großen Einfluss auf die lokale Politik in Kirkuk gehabt zu haben. Kurz nach der Ausstellung gab es zwei Initiativen der Regierung. Zum einen wurde Müll aus der Stadt entfernt und zum anderen sind 500 gespendete Bäume in Kirkuk gepflanzt worden. Und so scheint bei allen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in Kirkuk, die Politik auch manchmal der Kunst zu folgen.

Mehr zu Spotlight Irak (goethe.de)
 

Top