Das Residenzprogramm „La Bottega“ bietet Künstler*innen aus Deutschland und Frankreich einen Forschungsaufenthalt in engem Kontakt mit der Kunst- und Kulturszene Palermos. Den Resident:innen steht ein 115 m² großes Atelier innerhalb der „Cantieri Culturali alla Zisa“ als gemeinsamer Arbeitsraum zur Verfügung.
Die Teilnahme an der Residenz ist über die jährlichen Ausschreibungen für Künstler:innen bis maximal 35 Jahre möglich. Etablierte Persönlichkeiten aus der Kunst- und Kulturwelt können auf Einladung an der Residenz teilnehmen.
Förderbedingungen
Bewerben können sich Künstler:innen aus Deutschland, Frankreich und Italien unten 35 Jahr. Die Teilnahme von Künstlerduos wird besonders begrüßt. Besonderes Augenmerk gilt Projekten, die den künstlerischen Austausch zwischen den beiden Programmländern (Frankreich und Deutschland) und Palermo, Sizilien und Italien fördern.
Künstler:innen, die älter als 35 Jahre sind, werden gebeten, ihr Portfolio einschließlich des Projektvorschlags per E-Mail einzureichen.
Eine Hin- und Rückreise zwischen Deutschland oder Frankreich und Palermo. Reisen mit dem Zug und/oder Schiff werden, wenn möglich, besonders gefördert
Stipendium in Höhe von 1.500 Euro pro Person und Monat
Unterkunft in einer unabhängigen Wohnung oder bei einem institutionellen Partner
Budget von bis zu 500 Euro für Recherche-, Kreations- und Produktionskosten des Projekts; Ausgaben aus diesem Budget müssen im Voraus abgesprochen werden. Zugang zu einem gemeinsamen Arbeitsraum in der Bottega, ein 115 Quadratmeter großes Künstleratelier auf dem Gelände der Cantieri Culturali alla Zisa
Unterstützung, um Kontakte zur lokalen Kunst- und Kulturszene zu knüpfen sowie bei der Recherche und Umsetzung von Projekten
Ermäßigte Teilnahmegebühren für einen Italienischkurs an der Universität Palermo
Die Teilnehmer:innen des Residenzprogramms für junge Künstler:innen unter 35 Jahren werden von einer Jury ausgewählt, die sich aus Vertreter*innen des Goethe-Instituts Palermo und des Institut français Palermo sowie aus Fachleuten der italienischen Kunst und Kultur zusammensetzt. Die Auswahlkriterien sind in der Ausschreibung aufgeführt und umfassen:
Projekt mit Bezug zu Palermo, Sizilien oder dem Mittelmeerraum
Bereitschaft zur Teilnahme an mindestens zwei pädagogischen Aktivitäten (Präsentation der Arbeit, Workshop mit Schulen in Palermo etc.). Möglichst Ausschluss anderer beruflicher Verpflichtungen
Künstler:innen, die älter als 35 Jahre sind, können auf Einladung an der Residenz teilnehmen.
Für Künstler*innen unter 35 Jahren sind alle erforderlichen Unterlagen in der Ausschreibung aufgeführt. Dazu gehören:
Nachweis einer im Ausland gültigen Haftpflichtversicherung für die Dauer der Residenz
Ansässigkeitsbescheinidung, falls der Wohnsitz nicht in Italien liegt
Lebensläufe (max. zwei Seiten pro Person) aller am Projekt beteiligten Personen mit Angabe der Kontaktdaten und des Geburtsdatums
Projektbeschreibung
Portfolio (max. fünf Seiten), in dem die künstlerische Praxis und/oder Forschung der Bewerber*innen vorgestellt wird
Alle Dokumente sind in einer einzigen PDF-Datei zusammenzufassen. Die Bewerbungen sind in zweifacher Ausfertigung, eine auf Deutsch oder Französisch, die andere auf Englisch einzureichen.
Künstler:innen, die älter als 35 Jahre sind, werden gebeten, ihr Portfolio einschließlich des Projektvorschlags per E-Mail einzureichen.
Nächster Bewerbungsschluss
Die Bewerbungsfrist für die Residenzen 2026 für Künstler:innen unter 35 Jahre ist am 28. Februar abgelaufen. Die nächsten Ausschreibungen werden hier zwischen Dezember 2026 und Januar 2027 veröffentlicht.
Künstler:innen, die älter als 35 Jahre sind, können auf Einladung an der Residenz teilnehmen.
Kontakt
Bianca Bozzeda
Beauftragte für das Deutsch-Französisches Kulturinstitut Kultur Ensemble Palermo
Die Schriftstellerin Annabelle Hirsch studierte sowohl in München als auch in Paris Kunstgeschichte, Theaterwissenschaft und Philosophie. Mit deutsch-französischen Wurzeln, nach einiger Zeit in Rom lebt sie gerade in Berlin und arbeitet als freie Journalisten für DIE ZEIT, FAS/FAZ und Weltkunst. Gleichzeitig ist sie als Autorin von Kurzgeschichten und Büchern, wie auch als Übersetzerin beschäftigt.
Ihr Buch Die Dinge. Eine Geschichte der Frauen in 100 Objekten (Kein & Aber, 2022) zeichnet anhand von hundert Objekten die Geschichte und Rolle der Frauen nach, vom Papyrus von Sappho aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. bis zu den Handschuhen von Caterina de’ Medici; von der Münze gegen die Sklaverei, die Sojourner Truth gewidmet ist, die Ende des 18. Jahrhunderts als Sklavin in einem Vorort von New York geboren wurde, bis hin zur Verfassung der Italienischen Republik und der Rolle der „Madri Costituenti” (Verfassungsmütter). Das Buch wurde in 15 Sprachen übersetzt, darunter Italienisch beim Verlag Corbaccio, Englisch und Amerikanisch bei Canongate und Crown Publishing sowie Französisch beim Verlag Les Arènes. Im Jahr 2025 wurde ihr Buch Der Teller (Residenz Verlag, 2023) vom Verlag Corbaccio auf Italienisch veröffentlicht.
Derzeit arbeitet die Autorin an ihrem nächsten Werk, das sich mit dem Zusammenhang zwischen weiblichen Körpern und Essen, Appetit und dem Streben nach Selbstbestimmung befassen wird. Dieses Werk wird auch die Essgewohnheiten von Frauen im Laufe der verschiedenen Epochen untersuchen, die physische Beziehung zur Spiritualität, insbesondere bei Frauen im Christentum, Heiligen, Mystikerinnen und frühen Märtyrerinnen.
Con la gentile autorizzazione di M. Éric RondepierreDas Projekt Inferno Kabarett besteht darin, eine Kabarettvorstellung zu realisieren, die auf der Erzählung des Tages vom 22. März 1933 basiert, den der italienische Archäologe Ranuccio Bianchi Bandinelli in Gesellschaft von Wilhelm II. verbrachte, eine Erfahrung, die im persönlichen Tagebuch des Professors Diario di un borghese festgehalten ist.
Eine erste Präsentation der sich in Entwicklung befindlichen Arbeit findet am 16. April 2026 in der Bottega statt.
Nach Intermezzo agli inferi / Incontro col Kaiser von Ranuccio Bianchi Bandinelli in Diario di un borghese (Editori Riuniti, 1962, zweite Auflage).
Adaption und Regie: Noël Casale. Mit: Ernesto Tomasini. Bühnenbild und Kostüme: Cecilia Galli.
Vorstellung in italienischer und deutscher Sprache.
Das Projekt Inferno Kabarett besteht darin, eine Kabarettvorstellung basierend auf dem Bericht über den 22. März 1933 zu realisieren, den der italienische Professor Ranuccio Bianchi Bandinelli in Gesellschaft von Wilhelm II. verbrachte. Wilhelm II. lebte seit 1920 im Exil in den Niederlanden. Ziel war es, mit ihm über Kunst und Archäologie zu sprechen.
Am Vortag, dem 21. März, weniger als einen Monat nach dem Reichstagsbrand, übernahmen Hitler und der Nationalsozialismus in Berlin die Macht.
Heute, in Palermo, beginnt Ernesto Tomasini, sich an der Interpretation von Bandinelli zu versuchen.
Spuren der Vergangenheit. Taktile Palimpseste von Palermo
Mit der Unterstützung vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW/OFAJ).
In Palermo zeugen Fassaden, Pflastersteine und sogar Wörter von der langen Geschichte menschlicher Wanderungsbewegungen im Mittelmeerraum. Der sizilianische Dialekt bewahrt beispielsweise noch immer Fragmente des normannischen Wortschatzes, die aus dem heutigen Französisch verschwunden sind.
Das Projekt schlägt vor, Palermo als ein Palimpsest zu erkunden, in dem Architektur, Sprache und Alltag miteinander verschmelzen. Das Künstler-Duo interessiert sich für Örtlichkeiten, an denen alltägliche Gesten – Gehen, das Berühren einer Wand, das Überschreiten einer Schwelle – auf die materiellen Spuren der jahrtausendealten Geschichte der Stadt treffen.
MARGAUX COMPTE-MERGIER
Margaux Compte-Mergier ist Bildhauerin, Performerin und Autorin und arbeitet zwischen Paris und Berlin. In den letzten zehn Jahren hat sie eine bildhauerische Praxis entwickelt, in der sie Materialien wie Harz, Latex, Holz, Metall und Silikon verwendet. Ihre Arbeit erforscht Prozesse der Metamorphose und Hybridisierung und bringt vieldeutige Figuren hervor, die sich aus Fragmenten menschlicher, tierischer und pflanzlicher Formen sowie aus Objekten und architektonischen Elementen zusammensetzen. Diese in Zuständen der Verwandlung eingefangenen Formen erinnern an Science-Fiction, Mythologie und zeitgenössische Reflexionen über die Definition des Lebendigen. Ausgehend von alltäglichen Motiven und der Ästhetik digitaler Fehler schafft Margaux Compte-Mergier sanfte Atmosphären, die von einem Gefühl „vertrauter Fremdheit“ geprägt sind und sowohl das intime Leben als auch aufkommende kollektive Vorstellungen vom Zusammenbruch heraufbeschwören.
Sie studierte an der EHESS in Paris, wo sie einen Master-Abschluss in Theorie und Praxis von Sprache und Kunst erwarb. Sie nimmt regelmäßig an Gruppenausstellungen in Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien teil. Sie war Mitglied des in Berlin ansässigen Kollektivs „Her Studio“ und hatte 2022 und 2023 ein Residenzstipendium im Centquatre-Paris. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen „(Ordinary) Metamorphoses“ im Centre d’Art Contemporain Tignous (Montreuil, Frankreich, 2023) und in der Exgirlfriend Gallery (Berlin, Deutschland, 2024), „Antes el después“ in der RÍO & MEÑAKA Gallery (Madrid, Spanien, 2025) sowie eine Präsentation auf der Arco Lisboa (Lissabon, Portugal, 2025) und „Matière Survivante“ mit Studio Orma in Rom. In Spanien wird sie von der RÍO & MEÑAKA Gallery vertreten.
PAVLOS IOANNIDES
Pavlos Ioannides (geb. 1995 in Nikosia, Zypern) ist ein in Berlin lebender Künstler, der in den Bereichen Zeichnung, Installation, Fotografie und Text arbeitet. In seiner künstlerischen Praxis untersucht er Bedingungen von Freiheit und Verboten – sowohl auf persönlicher als auch auf kollektiver Ebene – durch eine fortwährende Auseinandersetzung mit Grenzen, räumlichen Strukturen und deren Auswirkungen auf menschliches Verhalten und Wahrnehmung. Das Aufwachsen in der geteilten Stadt Nikosia hat seinen Ansatz tief geprägt und rückt in den Vordergrund, wie politische und architektonische Systeme Körper, Erinnerung und Bewegung regulieren. Mit Materialien wie Kohle, Metall und Textilien konstruiert er Installationen, die an Mauern, Einfriedungen und Schwellen erinnern.
Seine aktuelle Arbeiten beinhalten Kooperationen mit Familienmitgliedern und Materialien, die mit bestimmten Orten auf Zypern verbunden sind, wodurch persönliche und kollektive Geschichten in die Werke eingebettet werden. Ioannides setzt sich mit Fragen der Vertreibung, Queerness und des Widerstands auseinander und betrachtet Freiheit nicht als gegeben, sondern als eine materielle und räumliche Praxis. Seine Arbeiten wurden unter anderem im NiMAC, Nikosia, in der Zilberman Gallery, Berlin, in der AOA;87 Gallery, Berlin, und in der Villa Arson, Nizza, präsentiert. Er hat einen MFA der Villa Arson, Nizza.
Resident:innen 2025
Um uns das Meer
Das Projekt von Katharina Ziemke und Mélodie Richard erforscht den Zustand der marinen Lebensräume, die Ausbeutung der Ressourcen (insbesondere durch die Fischerei) und Vergangenheit und mögliche Zukunft des Mittelmeers. Dabei bringen sie zwei unterschiedliche Arten der Beziehung zur Welt zusammen, die künstlerische und die wissenschaftliche. Ihre Recherche umfasst Interviews mit Forschern der Stazione Zoologica Anton Dohrn (unter besonderer Mitwirkung der Leiterin der Forschungstelle Sylvaine Giakoumi), Managern von Meeresschutzgebieten und Fischern sowie Tonaufnahmen und Zeichnungen, die vor Ort angefertigt wurden. Das Ergebnis ihrer Forschung wird in Form einer Videoinstallation Anfang März präsentiert.
Das bewegte Bild, fließend und immer in Veränderung, wurde von der bildenden Künstlerin Katharina Ziemke mit pigmentierter Tinte auf Reispapier erstellt. Durch eine Glasscheibe gefilmt, dehnen sich die Zeichnungen aus, scheinen lebendig zu sein und erinnern an die Bewegungen des Meeres. Es wird von einer Klanginstallation begleitet, in der sich wissenschaftliche und persönliche Aussagen mit der Stimme der Schauspielerin Mélodie Richard mischen, die das Publikum in die Tiefen der Meereswelt führt. Die ökologischen Herausforderungen werden so aus einer ungewöhnlichen und poetischen Perspektive angegangen. Durch die Verbindung von Wissenschaft und bildender Kunst versucht das Künstlerduo, die emotionale Tragweite von Phänomenen im Zusammenhang mit dem Meer zu erfassen. Sie wollen die Verbreitung wissenschaftlicher Entdeckungen zu unterstützen, um die Öffentlichkeit für diese Themen zu sensibilisieren.
Dies ist die zweite Zusammenarbeit zwischen Katharina Ziemke und Mélodie Richard. Ihre erste gemeinsame Arbeit konzentrierte sich auf Marie Phisalix, die erste Wissenschaftlerin, die am Naturhistorischen Museum in Paris arbeitete. Die Residenz dauert von Anfang Januar bis Anfang März 2025.
1979 in Kiel geboren, studierte Katharina Ziemke Bildende Kunst an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-arts in Paris. Zunächst als Malerin ausgebildet, beschäftigt sie sich heute mit verschiedenen künstlerischen Formen, wie Performance, Videokunst und Theater. Sie ist Mitglied des in Berlin ansässigen interdisziplinären feministischen Künstlerkollektivs AGOSTO, der Station urbaner Kulturen Hellersdorf der nGbK Berlin und des von Wolff/Ziemke art & science collective.
Als bildende Künstlerin mit dem Schwerpunkt Kunst und Wissenschaft beschäftigt sich Ziemke seit 2019 mit den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit und seit 2020 mit Frauen in der Wissenschaft. Sie arbeitete mit wissenschaftlichen Einrichtungen wie der Humboldt-Universität zu Berlin (2023) und mit dem Musée National d’Histoire Naturelle in Paris (2023) zusammen.
Ziemke arbeitet regelmäßig mit dem Intendanten der Schaubühne, Thomas Ostermeier, zusammen, für den sie Live-Malerei-Performances entwickelt, wie für „Professor Bernhardi“ 2017 und „Die Möwe“ 2013, 2016 und 2024. Ihre Theatererfahrungen haben sie dazu gebracht, eine Methode zu entwickeln, um Aquarellbilder vor dem Publikum „aufzuführen“; die Entwicklung des Bildes wird auf Film festgehalten.
International hatte Katharina Ziemke Einzelausstellungen an der Humboldt Universität (Berlin, 2023), Espace d’art plastique Madeleine Lambert (Vénissieux, 2017), Schaubühne (Berlin, 2016), Zürcher Gallery (New York, 2009) und Musée de l’Abbaye Sainte-Croix (Les Sables d’Olonne, 2008). Zu ihren Gruppenausstellungen zählen Quartier général (La Chaux-de-Fonds, 2022), Centre d’Art Contemporain (Meymac, 2019), Kunstquartier Bethanien (Berlin, 2015) und Printemps de Septembre (Toulouse, 2008). Ihre Arbeiten sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, darunter der Fonds national d’art contemporain (Frankreich), die Collection de la Ville de Vénissieux (Frankreich) und die Danske Bank (Dänemark). Im Jahr 2023 wurde ihr eine Residenz in der Cité internationale des arts verliehen. Katharina Ziemke wird von der Galerie Isabelle Gounod in Paris vertreten.
Mélodie Richard ist Schauspielerin und Musikerin. Nach ihrem Abschluss an der nationalen Schauspielschule in Paris (Conservatoire National Supérieur d’Art dramatique) im Jahr 2010, lernte Mélodie Richard Krystian Lupa kennen. Sie spielte mit ihm in seinen drei französischsprachigen Stücken, bis zum letzten, „Die Ausgewanderten“.
Es folgten weitere wesentliche Begegnungen mit Christophe Honoré, Thomas Ostermeier, George Lavaudant, Denis Podalydès und Célie Pauthe, die ihr einige der spannendsten Frauenrollen des Repertoires anboten, darunter Louise Miller, Die Möwe, Bérénice, Kleopatra, Electre, Katia Kabanova oder Célimène.
Sie vertiefte ihre Praxis, indem sie an der Seite von besonders inspirierenden Schauspielerinnen wie Nada Strancar, Anne Alvaro, Nathalie Richard, Dominique Reymond und Valérie Dréville spielte. Derzeit ist sie mit einer freien, zeitgenössischen und feministischen Adaption von Jack Londons Martin Eden der Autorin und Regisseurin Alice Zeniter auf Tournee.
Als Musikerin – Pianistin und Sängerin – inszenierte und vertonte sie Éric Reinhardt in einer Adaption seines Romans „L’Amour et les Forêts“ (nicht übersetzt). Sie singt ihr erstes Rezital im Odéon-Theater in Paris. Sie vertonte eine Adaption des Lebens der deportierten Malerin Charlotte Salomon und eine weitere Adaption von Rohmers „Vollmondnächte“, über Pascale Augier. Regelmäßig beschäftigt sie sich mit Klanggestaltung, wie zB. in einer von ihr erdachten und gespielten Telefon-Science-Fiction während des Lockdowns. Zu der Videoinstallation der Berliner Künstlerin Katharina Ziemke über Marie Phisalix, die erste Wissenschaftlerin, die im Naturkundemuseum in Paris arbeitete, schuf Richard die Klangwelt.
Ihre Liebe zu Autorinnen - insbesondere zu wegweisenden Schriftstellerinnen wie den Brontë-Schwestern, Jane Austen, George Eliot oder George Sand - teilt sie in ihrer Arbeit für Hörbücher oder auf öffentlichen Lesungen. Sie ist auch regelmäßig im Fernsehen und im Kino zu sehen, in Filmen von Nina Companeez, Arnaud Desplechin, Abdellatif Kechiche, Christophe Honoré und Olivier Assayas.
Im Rahmen ihrer Künstlerresidenz von Kultur Ensemble Palermo setzen Lorraine Hellwig und Maxime Leleux ihre künstlerische Zusammenarbeit rund um die zeitgenössische Identität fort. Durch die Kombination von Fotografie, Schrift, visueller Sprache und urbaner Erkundung lädt das Projekt jeden Teilnehmer ein, sein eigenes "privates Manifest" zu formulieren: ein kurzer Gedanke über die eigene Art, die Welt zu bewohnen.
Ausgehend von dadaistisch inspirierten Fragenbögen, werden diese Ausdrucksformen in Bilder übersetzt: fotografische Porträts von Lorraine Hellwig und grafische Kompositionen von Maxime Leleux.
Ein offenes Atelier, das in der Bottega 1 in den Cantieri Culturali alla Zisa eingerichtet ist, wird zum Ort dieser kollektiven Erkundung. Es verbindet Produktion, Dialog, Beobachtung und Begegnung miteinander. Das Projekt bietet jungen Sizilianer*innen eine Plattform, um ihre persönlichen Geschichten zu teilen, ihre Identität zu hinterfragen und ihren Blick auf eine sich wandelnde Welt festzuhalten, durch die sensible Auseinandersetzung mit ihrer urbanen Umgebung.
Durch das Verweben individueller Erzählungen und kollektiver Erinnerungen hinterfragt das Projekt die europäische Jugend angesichts der vielfältigen existentiellen sozialen, ökologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Krisen.
Entstanden im Buro Stedelijk in Amsterdam unter dem Namen Manifesto Room, soll diese Arbeit durch mehrere europäischen Städte reisen, um die festgefahrenen Vorstellungen der Jugend zu dekonstruieren und ein vielfältiges, lebendiges Porträt zu bieten, das durch die Erfahrung der jeweiligen Stadt und der Begegnung genährt wird.
Das Projekt wurde von einer Jury ausgewählt, die sich aus Jérémy Rossignol (OFAJ-DFJW), Stefan Koppelkamm (Künstler, Sizilien/Deutschland) und Philippe Terrier-Hermann (Künstler, Sizilien/Frankreich) zusammensetzte. Die Residenz wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk unterstützt.
Durch eine interdisziplinäre Praxis erforscht die Fotografin und bildende Künstlerin Lorraine Hellwig soziale Strukturen. Mit einem intimen Blick hinterfragt sie gesellschaftliche Veränderungen und deren Auswirkungen auf das Individuum. Sie beleuchtet den Einfluss sozialer Systeme auf Identität und soziale Beziehungen, insbesondere im Angesicht wirtschaftlicher, ökologischer und identitätsbezogener Herausforderungen sowie dem Umgang mit Technologie.
Mithilfe von Fotographie, Videos, großformatigen Collagen und Texten untersucht sie diese Themen und regt den Zuschauer zu einer kritischen Überlegung an. Mit ihrem radikalen und polarisierenden ästhetischen Vokabular fordert sie zu Reaktionen, Interaktionen und Engagement auf und bietet gleichzeitig eine immersive ästhetische Erfahrung.
Sie hat an der Hochschule München Fotodesign studiert und wurde 2018/19 für ihr Projekt Y A MANIFESTO, das in den Deichtorhallen Hamburg ausgestellt wurde, mit dem Preis Gute Aussichten – Junge deutsche Fotografie ausgezeichnet. 2024 erhielt sie den Förderpreis für Fotografie der Landeshauptstadt München und stellte vor kurzem im Bureau Stedelijk in Amsterdam aus. Ihre Arbeiten werden regelmäßig in internationalen Ausstellungen präsentiert, insbesondere in Deutschland, Frankreich, Italien, der Türkei und Vietnam.
Seit 2020 arbeitet sie mit dem Grafikdesigner Maxime Leleux an einem gemeinsamen künstlerischen Projekt zusammen. Derzeit nehmen sie an einer Künstlerresidenz im Rahmen von Kultur Ensemble Palermo teil, und beschäftigen sich sich mit der Identität der Stadt durch die sizilianische Jugend.
Der Grafikdesigner Maxime Leleux beschäftigt sich mit urbanen und sozialen Themen und erforscht Formen visueller Ausdrucksweisen im öffentlichen Raum, in dem er sich ihnen kontextuell annähert. Er interessiert sich dafür, wie eine Stadt bildlich festgehalten wird und welche sozialen und kulturellen Dynamiken sich durch jene, im öffentlichen Raum vorhandene Inschriften offenbaren, gleich ob sie spontan oder willentlich entstehen. Er bietet eine neue Interpretation jener Sprachen an, die die visuelle und imaginäre Landschaft von Städten bilden.
Er studierte an der École nationale supérieure des arts visuels de La Cambre in Brüssel, und setzte seine Forschungen an der ENSAD Paris fort. Dort vertiefte er seine Überlegungen zum urbanen Design, insbesondere zur Kartografie des Verkehrs und dessen Einfluss auf die Darstellung und Wahrnehmung des öffentlichen Raums. Diese Arbeite führte zur Gründung der Forschungsgruppe Oriented Design, die sich der kartografischen und narrativen Praxis im urbanen Raum widmet.
In den letzten Jahren hat er mit mehreren von Designer Ruedi Baur geleiteten Strukturen zusammengearbeitet, darunter dix-milliards-humains, Integral Designers und Civic City. Dort hat er zu Projekten beigetragen, die die Bürgerschaft und das soziale Engagement neu denken. Seine Tätigkeit als Designer erstreckt sich auch auf verschiedene Bereiche der visuellen Kommunikation: Beschilderung, Szenografie, visuelle Sprachen, pädagogische Projekte, urbane und künstlerische Installationen.
Seit 2024 leitet er sein eigenes Forschungsbüro, das sich auf den soziokulturellen Bereich, Design und Architektur spezialisiert hat.
Seit 2020 arbeitet er mit der Fotografin und bildende Künstlerin Lorraine Hellwig an einem gemeinsamen künstlerischen Projekt zusammen. Derzeit nehmen sie an einer Künstlerresidenz im Rahmen von Kultur Ensemble Palermo teil, und beschäftigen sich mit der Identität der Stadt durch die sizilianische Jugend.
Während ihrer Künstlerresidenz entwickeln Nicola Baratto und Magdalena Mitterhofer ein filmisches Szenario aus Traumfragmenten, nachgestellt, performativ durchschritten und auf 16mm aufgezeichnet. Ausgangspunkt sind Aufzeichnungen von Träumen unter autoritären Regimen, inspiriert von Das Dritte Reich des Traums (Beradt) und durchdrungen von den Texten Favole della dittatura (Sciascia).
Im Atelier entsteht ein reduziertes Bühnenbild, das als Ort für Wiederholung, Projektion und Versuchsanordnungen dient. Die Künstler*innen sammeln taktiles, körniges und zeitversetztes Film- und Tonmaterial, das sie in einem hybriden Format zwischen Filmprojektion und Performance präsentieren. Die Arbeit entsteht in engem Austausch mit dem Schauspieler Maziar Firouzi sowie mit lokalen Archiven und Institutionen.
Das Projekt wurde von einer Jury ausgewählt, die sich aus Jérémy Rossignol (OFAJ-DFJW), Stefan Koppelkamm (Künstler, Sizilien/Deutschland) und Philippe Terrier-Hermann (Künstler, Sizilien/Frankreich) zusammensetzte. Die Residenz wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk unterstützt.
Magdalena Mitterhofer (geb. 1994, San Candido) arbeitet zwischen Theater, Film und Zeichnung, oft in kollaborativen Konstellationen und ortsspezifischen Kontexten. Ihre Projekte setzen sich mit Architekturen als Bühnen – sowohl gebauten als auch symbolischen – auseinander, um gesellschaftspolitische Strukturen und Zuschauer*innen-Dynamiken zu untersuchen.
Ihre Arbeiten nehmen die Form von Performances, Videos, Installationen und Texte an und wurden unter anderem im Kunstverein München, dem KW Institute for Contemporary Art, Tanzquartier Wien, Volksbühne Berlin, Longtang Zurich, Museion Bozen, Brücke Museum Berlin und anderen Orten gezeigt. Seit 2021 entwickelt sie gemeinsam mit Shade Théret die nomadische Performance- und Videoserie Lament.tv.
Nicola Baratto (Italien, 1989) arbeitet mit Film, Skulpturen und Installationen. Seine Arbeit entwickelt sich durch Erforschungen von Traumpraktiken, Alchemie, Mythen und historischen Imaginationen. Er ist Teil des Künstlerduos Baratto & Mouravas, dessen “Archaeodreaming”-Methode die Überschneidungen zwischen sensorischer Archäologie und traumähnlicher Erfahrung erforscht. Zu seinen jüngsten Austellungen zählen Tears of Fog, LE18 Marrakech; Una Boccata d’Arte bei der Elpis Foundation, Sizilien, Italien; A Rave Down Below, in Elevsis, Europäische Kulturhauptstadt, Elefsina, Griechenland.
Resident:innen 2024
Dialoghi in Movimento
Dialoge in Bewegung/Dialogues en mouvement
@ Mathia Coco
Eine performative Reflexion über das kulturelle Erbe Palermos, im Dialog zwischen dem Museo RISO für moderne und zeitgenössische Kunst und dem Archeologisches Regionalmuseum A.Salinas.
Kultur Ensemble lädt die in Berlin lebende Kuratorin Carolin Brandl ein, ihr neuestes Projekt Dialoge in Bewegung in Palermo zu entwickeln, zu dem sie Choreograf*innen und eine Soundkünstlerin einlädt, gemeinsame Arbeiten zu schaffen. Das Format von Carolin Brandl wurde speziell konzipiert, um die Beziehungen zwischen zwei der bedeutendsten Museen der Stadt – dem Museo RISO für moderne und zeitgenössische Kunst und dem Archäologischen Regionalmuseum Antonino Salinas – zu erforschen und Konnotationen sichtbar zu machen. Durch Performance kommen in die Sammlungen neue Formen des Ausdrucks.
Was verraten Museen über die Gesellschaften, deren kollektives Gedächtnis sie bewahren?
Die kuratorische Arbeit von Carolin Brandl versteht die zwei Museen in Palermo nicht nur als Kulisse, sondern als Dialogpartner in der Auseinandersetzung mit vielschichtigen europäischen Identitäten. Die eingeladenen Künstler*innen leben alle in Frankreich und Italien, aber die unterschiedlichsten Hintergründe fließen in ihre Arbeiten. Lenio Kaklea, die in Griechenland geborene und in Frankreich lebende Künstlerin arbeitet mit einem feministischen Schwerpunkt und hinterfragt ein vereinfachtes Verständnis von Identität. Sie trifft auf Leila Bencharnia, italienische Musikerin mit marokkanischen Wurzeln,die in ihren zeitgenössischen Kompositionen versucht traditionelle Einflüsse aus dem Atlasgebirge miteinzuweben. Sie versucht, eine aktive Rolle bei der Entkolonialisierung des Zuhörens zu spielen. Der Choreograf Benjamin Kahn entwickelt mit dem Tänzer Théo Aucremanne eine Arbeit für das Museo Salinas. Sie beschäftigen sich damit, wie die Konstruktion und Dekonstruktion unserer individuellen und kollektiven Körperwahrnehmung entsteht. Alle beteiligten Künstler*innen sind junge zeitgenössische Stimmen, die bereits internationale Anerkennung gefunden haben und zum ersten Mal in Palermo in einer besonderen Kuration aufeinandertreffen.
Daloge in Bewegung wird von Carolin Brandl kuratiert und ist ein Projekt von Kultur Ensemble Palermo, unterstützt vom Deutsch-Französischen Kulturfonds 2024. Carolin Brandl entwickelte bereits eine Vielzahl von Formaten mit unterschiedlichen Partnern und wichtigen deutschen Museen und Kunstorten. Ihre Projekte untersuchen die Verbindungen von Choreografie, Sound, Architektur, bildender Kunst und Forschung.
Zu den bisherigen Projekten von Carolin Brandl zählen:
-Unfinished Portrait of Roedelius Today, Haus der Kulturen der Welt, Berlin
-Minimal Studies, vorgestellt in den KW Institute for Contemporary Art,
Als Kuratorin und künstlerische Leiterin:
-SCULPTURE Festival, Georg-Kolbe-Museum, 2021/22
-Die Serie Choreographing Politics, Bode-Museum, Staatliche Museen zu Berlin 2022/23
-(Re)Frame, Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, 2023
-Das Format Female Gaze, Schinkel Pavillon, Berlin, 2024
Carolin Brandl ist Kuratorin und konzipierte bereits eine Vielzahl von Formaten für einige der wichtigsten Museen und Kunstorte Deutschlands an der Schnittstelle von Choreografie, Performance und Bildender Kunst. Wie dem Bode-Museum, die Staatlichen Museen zu Berlin, dem Georg-Kolbe-Museum Berlin, dem Albertinum, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, den Schinkel Pavillon Berlin und andere. Sie arbeitete sowohl mit international renommierten als auch mit jungen Künstler*innen zusammen, die zum großen Teil neue Arbeiten für den jeweiligen Kontext entwarfen.
Die von ihr entwickelten Formate sind speziell auf die jeweiligen Museen und Kunstorte zugeschnitten. Sie nehmen oftmals Bezug auf deren Geschichte, Architektur und Konnotationen oder stehen im direkten Dialog mit den Ausstellungen und Sammlungen und beschäftigen sich mit aktuellen Fragestellungen. Dabei untersucht sie das soziale Potenzial von Choreografie sowie reflektiert Verbindungen von kulturellem Erbe, Vergangenheit und Gegenwart durch zeitgenössische Positionen und Diskurse, oftmals unter Einbezug von Sound. Sie arbeitet oftmals im Überschneidungsfeld der Künste, auch der Theorien, mitfeministischen Ansätzen, verhandelt Fragen nach Körperrepräsentation oder Blickdispositionen.
Die Formate sind Teil einer Untersuchung des Verhältnisses Choreografie bzw. Tanz und Bildender Kunst, Performance im Museumskontext, sowie von sich bewegenden Körpern, sowohl individuell als auch gesellschaftlich.
In der jüngsten Vergangenheit SCULPTURE Festival- Skulpturale Konzepte in Musik und Sound, Georg Kolbe Museum, Berlin, unter Beteiligung von Künstlerinnen wie Meg Stuart, Sasha Waltz mit Nicola Mascia, Claudia de Serpa Soares, Takako Suzuki, William Forsythe und jungen Künstlerinnen (2020/21). Die Serie CHOREOGRAPHING POLITICS, Bode-Museum (2022/23), Staatliche Museen zu Berlin, mit Jérôme Bel, Kat Válastur, Sofia Jernberg, Erna Ómarsdóttir, das Format (Re)Frame, Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, sowie Female Gaze, Schinkel Pavillon (2023), mit Alexandra Bachzetsis; Ula Sickle, Oona Doherty u.a..
LEILA BENCHARNIA
@ Isabella Castellano
Leila Bencharnia, geboren in Marokko, ist Klangkünstler*in, deren Kompositionen im Hören von Materialien wie Textilien, Naturelementen und der Tamazight-Symbolik verankert sind. Derzeit in Berlin ansässig, Leilas Arbeit nimmt die Form von Klanginstallationen, akusmatischen Stücken, grafischen Partituren und Klangperformances. Als Kind eines traditionellen marokkanischen Musikers begann Leilas Dialog mit dem Klang in einem Dorf in der Nähe des Atlasgebirges, wo Leilas Kindheit verbracht wurde. Die Klangarbeit besteht aus Aufnahmen und analogem Material wie Magnetbändern, Schallplatten und Synthesizern. Leila erkennt radikale Formen des Hörens als eine Modalität der Wissensvermittlung an. Leilas Praxis versucht, eine aktive Rolle bei der Dekolonisierung des Hörens als Mittel zur Auseinandersetzung mit sozialer und politischer Komplexität zu spielen.
LENIO KAKLEA
@ Karen Paulina Biswell
Lenio Kaklea ist eine Tänzerin, Choreografin, Regisseurin und Künstlerin, die in Athen, Griechenland, geboren ist. Sie lebt und arbeitet in Paris.
Sie studierte am Nationalen Konservatorium für Zeitgenössischen Tanz in Athen (SSCD), wo sie sowohl im klassischen Ballett als auch in modernen amerikanischen Techniken und Repertoires wie Martha Graham, Merce Cunningham und Jose Limon ausgebildet wurde. 2005 erhielt sie den Preis der Pratsika-Stiftung und zog nach Frankreich, wo sie am CNDC in Angers unter der Leitung von Emmanuelle Huynh studierte. Anschließend begann sie, mit Künstler*innen der europäischen Szene wie Alexandra Bachzetsis, Boris Charmatz, Claudia Triozzi, François Chaignaud und Cecilia Bengolea zusammenzuarbeiten. 2011 schloss sie das SPEAP-Programm ab, ein von Bruno Latour geleitetes Masterprogramm über Experimente in Kunst und Politik an Sciences Po in Paris.
Seit 2009 arbeitet Lenio Kaklea mit verschiedenen Medien: Choreografie, Text und Video. Ihre künstlerische Praxis ist vom Feminismus und postkolonialem Denken inspiriert. In ihre Arbeit erforscht sie die Herstellung von Subjektivität durch die organisierte Übertragung von Bewegungen und enthüllt intime Räume, in denen wir unsere Identität konstruieren.
Ihre Arbeit wurde von verschiedenen Institutionen und Festivals in ganz Europa gezeigt, darunter das Centre Pompidou, die Bourse de Commerce-Collection Pinault, Palazzo Grassi-Collection Pinault, ImPulsTanz Festival, Onassis Foundation, Athens and Epidaurus Festival,die Nationale Oper von Griechenland,CND Pantin, Lafayette Anticipations, Triennale von Mailand, documenta 14/Programmes publics, und Les presses du réel. Ihre Performances wurden in öffentliche und private Sammlungen aufgenommen, darunter das CNAP-Centre National des Arts Plastiques und die KADIST-Stiftung.
Parallel zu ihrer persönlichen choreografischen Arbeit engagiert sie sich in der Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen. 2013 setzt sie eine Solo-Kollaboration mit der amerikanischen Choreografin Lucinda Childs zur Musik von Ryoji Ikeda fort. 2022 arbeitet sie mit dem Haute-Couture-Haus Bottega Veneta zusammen und kreiert eine Performance an der Punta della Doganamit den Kreationen von Matthieu Blazy.
2019 erhält sie den Tanzpreis der Stiftung Hermès Italia und der Triennale von Mailand und kreiert das autobiografische SoloBallad. 2021 choreografiert sieAge of Crime, ein Stück für neun Tänzer*innen im Rahmen des 200-jährigen Jubiläums des griechischen Unabhängigkeitskriegs beim Festival von Athen und Epidauros. Im selben Jahr choreografierte sie John Cages ikonisches Werk für präpariertes Klavier, Sonates et Interludes, und wurde dabei auf der Bühne von dem Pianisten Orlando Bass begleitet. 2024 wird sie für den 25. Preis der Stiftung Pernod Ricard nominiert und kreiert den Film An Alphabet for the Camera. Im selben Jahr kreiert sie Chemical Joy, eine Aufführung für fünf Interpret*innen des Ensembles BODHI PROJECT.
BENJAMIN KAHN
@ Sophie Soukias
Benjamin Kahn ist Tänzer und Choreograf. Er studierte Dramaturgie und Theater an der Universität von Aix en Provence und am Konservatorium von Rennes und ist Absolvent der ESAC (École Supérieure des Arts du Cirque) in Belgien. Nach seinem Studium arbeitete er mit Choreograph*innen wie Philippe Saire, Benjamin Vandewalles, Nicole Beutler, Ben Riepe, Frédéric Flamand, Maud Le Pladec, Egle Budyytyte und Alessandro Sciaronni zusammen. Er ist außerdem als Beobachter und Dramaturg tätig (Cuir/Cie Un loup pour l’homme, Darkmatter/Cherish Menzo unter anderem) und unterrichtet Tanz am CNAC, an der ESAC und am Konservatorium. Seit 2019 kreiert er eigene Projekte.
Da er Tanz und Choreografie als mächtige politische Instrumente betrachtet, interessiert er sich besonders für die Konstruktion und die Dekonstruktion der Art und Weise, wie wir individuelle und kollektive Körper betrachten. Aus der Interdisziplinarität seines Werdegangs und dem Reichtum der Begegnungen im Studio mit einzigartigen Interpret*innen schöpfend, schlägt er Stücke vor, die Texte, präzise choreografische Schriften und kraftvolle Klang- und Lichtlandschaften miteinander verbinden, um gesellschaftliche Herausforderungen zu hinterfragen.
Zwischen 2019 und 2023 kreiert er eine Trilogie von Solostücken: « Sorry, But I Feel Slightly Disidentified… » (2019), « Bless the Sound that Saved a Witch like me » (März 2023) und The Blue Hour (Juni 2023), in denen er die Projektionen auf die Körper, Blick und die Verbindung zwischen dem Intimen und dem Kollektiven hinterfragt.
Théo begann als Kind mit Ballett, Jazz und dann zeitgenössischem Tanz. Schon früh interessierte er sich für verschiedene Tänze, so probierte er Stepptanz, Flamenco und Breakdance aus. Mit 18 Jahren trat er in das CNDC (Centre National de la Danse Contemporaine) in Angers ein, das er 2020 mit einem Diplom abschloss.
Während seiner Ausbildung konnte er Werke aus dem Repertoire wie die von Pina Bausch, Trisha Brown, Merce Cunningham, Odile Duboc, Bastheva Dance Company einstudieren. Im Rahmen seiner Ausbildung konnte er auch mit Choreografen wie Ambra Senatore, Alban Richard an Kreationen arbeiten. Er hatte auch die Gelegenheit, Praktika in Kompanien von Choreografen wie François Chaignaud zu absolvieren. Da er immer neugierig ist, neue Praktiken zu entdecken, studierte er einige Monate lang im Rahmen eines Erasmus-Programms Operngesang an der Haute École de Musique in Lausanne.
Im Anschluss an sein Studium wird Théo Interpret bei der Kompagnie La bazooka. Zur gleichen Zeit begegnet er Benjamin Kahn für eine Recherche rund um den Schrei. Darüber hinaus wird er dramaturgischer Assistent bei „Bless the sound that saved a witch like me“, und interpretiert den Solo „The Blue Hour“ von Benjamin Kahn. Parallel zu seiner Tätigkeit als Interpret entwickelt Théo weiterhin seine Arbeit als Assistent und seinen Blick von außen, den er mit dem Solo „Bless the Sound that Saved a Witch like me“ von Benjamin Kahn begonnen hat. Er konnte mehrere Künstler*innen wie Nach, Flora Détraz begleiten. 2025 wird Théo die Künstler*innen Sylvain Huc und Mathilde Olivares bei ihrer neuen Kreation „la vie nouvelle“ unterstützen, die für Montpellier dance geplant ist.
NEW FOLK
@ G. Marascia
New Folk - Rosa, la voix d'un peuple (Rosa, die Stimme eines Volkes) ist ein Klangporträt in Form eines inszenierten Hörspiels, eine Hommage an die Frau und Künstlerin Rosa Balistreri, die die harten Bedingungen ihres Landes (Sizilien) und ihres Lebens durch Gesang interpretierte. Ein klanglicher und visueller Faden folgt dem Leben und der Karriere der sizilianischen Sängerin, in einer akustischen Immersion durch den Klang der Orte, die Stimmen der Menschen, das Soundwriting und die Interpretation der Lieder.
New Folk schafft eine lebendige, zeitgenössische Musik auf der Grundlage traditioneller Wurzeln. Durch sizilianische Volkslieder und Melodien aus dem Repertoire von Rosa Balistreri identifiziert sich New Folk mit dieser vokalen Matrix als Identität und kulturellem Erbe.
Von und mit:
Nicolò Terrasi - Konzept und Komposition, Gitarren und Klangerzeugung
Serena Ganci - Stimme, Schauspiel und Synthesizer
Salvatore Meccio - Stimme, Schauspiel, Gitarre, Rahmentrommel
Laurent Charles - Saxophone
Bastien Boni - Kontrabass
Marie Lelardoux - Regisseurin, aufgenommene Stimme
Geno Lechner - Bildgestaltung, aufgenommene Stimme
Eine Produktion von Compagnia Risonanze, Marseille (Frankreich)
Mit der Unterstützung von:
Kultur Ensemble Palermo
Pic - Pôle Instrumental Contemporain, Marseille
Gmem - cncm, Marseille
Théatre l'R de la Mer, Marseille
Stadt Marseille
DRAC/PACA
Curva Minore
Carlotta Wachotsch wurde 1994 in Berlin geboren und ist aufgewachsen zwischen den Karibikstaaten und Berlin und Paris. Bevor sie Geschichte und evangelische Theologie studierte, war sie Praktikantin bei Mia Hansen-Løves Film „Eden. Lost in Music“ in der Abteilung Scripte/Continuity. Seit 2017 studiert sie Filmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München.
2020 gründete sie mit Sarah Ellersdorfer das Filmmagazin „Revü- Flugblatt für Film“. Seitdem ist sie Herausgeberin und Redakteurin und das Filmmagazin entwickelte sich zu einem Kollektiv. Revü erscheint zweimal im Jahr und widmet sich der subjektiven, essayistischen Auseinandersetzung mit dem Medium Film, der Konservierung und den Orten des Rezipierens. 2023/2024 studiert sie auch an der Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film Wien und fokussiert sich mehr auf experimentelle Arbeiten. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten abendfüllenden Film.
Carlotta Wachotsch wird ihren Aufenthalt nutzen das Drehbuch zu ihrem ersten Langfilm „Ich höre dich, aber du bist nicht da“ zu schreiben und weiterzuentwickeln, in dem es um eine Freundschaft zweier Frauen geht, die zu unterschiedlichen Epochen leben. Sie lernen sich über einen fälschlich zugestellten Brief kennen und beginnen sich in handgeschriebenen Briefen einander mitzuteilen, wobei eine in Deutschland der Gegenwart und die andere zu Beginn des 20. Jahrhunderts autark auf dem sizilianischen Land zu leben versucht. Es geht ihr dabei um die Recherche vor Ort, in den Archiven und die Weiterentwicklung ihres filmischen Konzeptes. Goliarda Sapienzas Leben und Werk dient ihr als eine der feministischen Ausgangspunkte für diese Geschichte.
Diese Künstlerresidenz entsteht mit der Unterstützung des Deutsch-Französischen Jugendwerks.
ALMA PALACIOS UND MANON PARENT
@ Kultur Ensemble Palermo
Autobiographie der Widersprüche ist die erste theatralische Zusammenarbeit zwischen Alma Palacios und Manon Parent. Sie nehmen verschiedene Fragmente aus dem Werk der sizilianischen Schriftstellerin Goliarda Sapienza (1924-1996), Autorin - neben vielen anderen faszinierenden Werken - des 1998 posthum veröffentlichten Romans L'arte della gioia (Die Kunst der Freude), und übersetzen es choreografisch, theatralisch, musikalisch und visuell. In einem live geschaffenen elektroakustischen Universum leihen sich die beiden Darsteller verschiedene Stimmen und Körper, um sich mit Komplizenschaft und Humor zu emanzipieren. Sie feiern die brüderliche Freundschaft, die sie seit 25 Jahren verbindet, und reagieren auf die Lebenskraft, die sie von Sapienzas Büchern erhalten haben. Sie erforschen die Art und Weise, wie diese Bücher in ihnen selbst und in den meisten Menschen, die sie gelesen haben, einen solchen Umbruch ausgelöst haben, und versuchen, tiefer zu verstehen, was mit der „Kunst der Freude“ gemeint ist, die eine echte Disziplin zu sein scheint, eine Suche, die Schmerz und Zwang mit sich bringt, und ihr auf der Bühne Gestalt zu geben. Das Stück wird im Herbst 2024 im Théâtre Le Colombier in Bagnolet uraufgeführt.
ALMA PALACIOS
@ Gyung Moo Kim
Nach einem Studium in zeitgenössischem Tanz am CNSMDP setzte Alma Palacios ihr Studium an der P.A.R.T.S. (Brüssel) fort. Von 2008 bis 2011 erhielt sie den Migros-Studienpreis für zeitgenössischen Tanz. Im Mai 2012 kreierte sie mit Frank Vercruyssen (cie Tg STAN) Fräulein Else, einen Text von Arthur Schnitzler. Sie trifft Frank Vercruyssen im November 2013 wieder, als sie Interpretin in Nusch ist. Sie arbeitete für die Choreografen und Regisseure Mathilde Monnier, Guillaume Guilherme, Emmanuelle Pépin, Thomas Fourneau, Jacinto Lucas Pires und Hélène Rocheteau. Von 2016 bis 2018 spielte sie in Bovary ein Stück von Tiago Rodrigues und war Teil des Projekts Occupation Bastille am Théâtre de la Bastille. Zwischen 2018 und 2019 hat sie einen langen Wohnsitz im Château de Monthelon, um ihr Solo Comme une sauterelle zu kreieren. Sie ist Sängerin in der Gruppe Danger Dragon, die in Burgund ansässig ist. Derzeit arbeitet sie mit Manon Parent an der Uraufführung des Stücks Autobiographie des contradictions, Premiere im Oktober 2024. Sie ist Darstellerin in den Stücken Chœur des amants von Tiago Rodrigues, Lettres non-écrites von David Geselson und Des femmes qui nagent von Émilie Capliez, die derzeit auf Tournee sind.
MANON PARENT
@ Gyung Moo Kim
Manon stammt aus Paris. Sie schloss 2009 ihr Studium des zeitgenössischen Tanzes am CNSMDP ab und erhielt 2010 auch ein Diplom in klassischer Violine. Im Jahr 2011 schloss sie sich dem Ballet Junior de Genève an und erhielt 2012 ein Stipendium der Fulbright-Kommission, um in New York Body Mind Centering zu studieren. Seit 2013 lebt sie in Berlin und arbeitet seit einigen Jahren hauptsächlich für szenische Arbeiten mit Ioannis Mandafounis (Sing the Positions, One One One, Scarbo, A la Carte... ), Margot Dorléans (Embody collective, Confier), Kareth Schaffer (Unheard of, Cassandra has turned 2, Question of belief), Roni Katz (A Matter of One's own, The End is not an Option), Sergiu Matis (Hopeless, Extinction Room, Unruhe) und Stephanie Thiersch (Hello to Emptiness ), als Tänzerin, Choreographin, Sängerin, Musikerin und Komponistin. Seit 2014 produziert Manon auch Musik für Theater, Film und Fernsehen. Mit Jean P'ark gründet sie das experimentelle Popmusik-Duo Machines for calm living, auf den Spuren von Red Monky, ihrem vorherigen Projekt einer hybriden, feministischen kollaborativen Performance, die auf Improvisationspraktiken basiert. Im Jahr 2020 ist Manon Gewinnerin des Tanzpraxis-Stipendiums des Berliner Senats. Seit September 2023 arbeitet sie als Gastkünstlerin und Solistin bei der Dresden Frankfurt Dance Company.
ÜBERSETZUNGSKOLLEKTIV
MARTINA BENGERT, DANIEL GRAZIADEI, CLIO NICASTRO
@ Mathia Coco
MARTINA BENGERT
@ Sebastian Weiland
Daniel Graziadei
@ Martin Geier
Clio Nicastro
@ Claudia Peppel
Das Übersetzungskollektiv besteht aus der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Martina Bengert, der Philosophin und Dichterin Clio Nicastro sowie dem Literaturwissenschaftler und Dichter Daniel Graziadei. Unser Ziel ist es, ausgewählte Gedichte der italienischen Denkerin und Dichterin Carla Lonzi einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen und diese Gedichte innerhalb ihres Schaffens als Kunstkritikerin und feministische Aktivistin zu situieren. Neben der gemeinsamen Übersetzungsarbeit, die im Band Carla Lonzi: Durchdachtes Schach. Gedichte der Jahre 1958 bis 1963 (in Vorbereitung bei b_books 2024) ihren Ausdruck finden wird, ist das Kollektiv durch unterschiedliche wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen und Vorträge in Erscheinung getreten. Wir organisierten im Juni 2022 den Workshop „Das unerwartete Subjekt. Authentizität, autocoscienza und Aktivismus bei Carla Lonzi“ in Berlin und Clio Nicastro organisierte zusammen mit Max Walther den Workshop „Form insistiert – Anordnungen der An- und Absprache bei Carla Lonzi“ im Februar 2023 in Leipzig.
Im April 2023 arbeiteten wir im Kontext der geplanten Publikation im Carla-Lonzi-Archiv in Rom und stellten im Mai 2023 das Projekt und unsere Überlegungen zum kollaborativen Übersetzen bei der Tagung „Politiken der Übersetzung: Aneignung, Kritik, Gastfreundschaft“ am Centre Marc Bloch in Berlin einem internationalen Kreis von Übersetzer*innen und Forscher*innen vor. Dieses Übersetzungs- und Herausgeberprojekt wurde u.a. durch die Humboldt-Universität zu Berlin und das Übersetzerstipendium „Residenza per Traduttori“ des „Centro per il libro e la lettura“ des italienischen Kulturministeriums gefördert.
Sven Keromnes
@ Mathia Coco
Sven Keromnes stammt aus Nancy und hat einen Master-Abschluss in Germanistik von der ENS in Lyon. Sein Forschungsgebiet liegt zwischen zeitgenössischer deutschsprachiger und mehrsprachiger Literatur und einer philosophischen Annäherung an den Text. Seine Arbeit konzentriert sich auf die intersubjektive Erfahrung der Stimme in den Werken von Yoko Tawada, deren poetisches Schreiben den westlichen Blick herausfordert und hinterfragt. Sven Keromnes spezialisiert sich in diesem Jahr auf Übersetzungen am Centre de Traduction Littéraire (CTL) in Lausanne. Gleichzeitig arbeitet er an einem PhD-Projekt. Neben seiner Forschungstätigkeit widmet er sich seit kurzem auch der literarischen Übersetzung. Im Rahmen des deutsch-französischen "Georges-Arthur Goldschmidt"-Programms für junge Übersetzer (Jahr 2023) arbeitete sie an Niemands Frau (2007) der Dichterin Barbara Köhler, einer polyphonen Neufassung der Odyssee von Homer. Seine musikalische Praxis (Jazz-Piano, Folk-Gitarre, Perkussion und Gesang) fließt auch in dieses Werk ein.
Während seiner Residenz wird sich Sven Keromnes seinem aktuellen Übersetzungsprojekt widmen. Dabei handelt es sich um eine Neufassung der Odyssee durch die deutsche Lyrikerin Barbara Köhler mit dem Titel Niemands Frau (Suhrkamp, 2007), in der der Platz von Frauenfiguren im Epos im Modus eines zweideutigen Texttumults hinterfragt wird. Es handelt sich um ein Zwischenwerk, da es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von einer CD begleitet wird, auf der man Barbara Köhlers stimmliche Interpretation einiger Passagen hören kann. Schon der Untertitel des Werks weist in diese Richtung: Es handelt sich um "Gesänge", was diese hypermoderne Odyssee unter anderem auch in den Sog von Dantes Commedia stellt.
Malo Patron wurde 1995 in Paris geboren. Während seines Literaturstudiums gründete er 2016 das multimediale Poesiekollektiv PAN!21. 2019 fiel der Abschluss seines Studiums mit seinem Umzug nach Arles zusammen. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit persönlicheren Themen wie männlichen Freundschaften und dem Leben auf der Straße, die seit seiner Jugend Teil seiner Vorstellungswelt sind. Auf Sardinien entdeckt er die Kunst der Murale, Graffiti, die lokale Bräuche an den Wänden der Dörfer darstellen: Von diesem Moment an widmet er sich den Grenzen zwischen Schrift und bildender Kunst, vertieft diesen Aspekt in seiner Praxis im öffentlichen Raum und macht ihn zu einer Identität, die es zu verteidigen gilt. Neben seiner performativen Arbeit schreibt er Theaterstücke und beteiligt sich an Gemeinschaftsprojekten, darunter die für September 2024 geplante Initiative „Plonger“, bei der zehn Künstler von Besançon nach Marseille radeln und Workshops sowie Aufführungen anbieten werden, die sich mit Vegetation und dem Reisen befassen. Malo Patron lebt seit 2020 in Marseille.
Malo Patron wurde 1995 in Paris geboren. Während seines Studiums
wird sich Malo Patron in seinem Residenzaufenthalt der Erkundung der Stadt durch die Praxis des vergänglichen und wandernden Schreibens widmen. Diese Beobachtungen nehmen in Performances mit Kreide Gestalt an: Die Präsenz der geschriebenen Sprache auf den Straßen ermöglicht es, Mauern als Seiten und Bürgersteige als Ränder zu betrachten und das Schreiben und Lesen, beides durch Einsamkeit und Stille geprägt, in eine gemeinsame ästhetische Erfahrung unter freiem Himmel zu verwandeln. Es wird Begegnungen geben, insbesondere mit Italienisch, Französisch und Deutsch, aber auch Recherchen zu Schreibmaterialien, Anspielungen auf Werke der Land Art und Arte Povera in der Region sowie spontane Kooperationen, um diese transdisziplinäre künstlerische Erkundung an der Schnittstelle von schriftlicher und bildender Kunst auszuweiten.
Resident:innen 2023
Mandolino Variabile
Workshop, Konzert und Masterclass anlässlich einer neuen Komposition von Vincent Trollet, aufgeführt von Florentino Calvo, Caterina Lichtenberg und den Studierenden des Konservatoriums "A. Scarlatti" in Palermo unter der Leitung von Emanuele Buzi.
@ Roberto Boccaccino
Im Rahmen seiner Programmplanung für das Jahr 2023, das die deutsche Musikwelt der Mandoline widmet,realisierteKultur Ensemble Palermoein Residenzprogramm zur Mandoline in italienisch-französisch-deutscher Zusammenarbeit in zwei Teilen. Anlass dafür wareine neue Komposition für Plektrum-Orchester mit dem Namen "Notturno", die derfranzösische Komponist Vincent Trollet speziell für Palermo geschrieben hat.
Vom 13. bis 15. Februar fand der erste Teil der Residenz in Form eines dreitägigen Workshops statt, den Vincent Trollet und Florentino Calvo für die Studierenden des Konservatoriums "A. Scarlatti" in Palermo unter der Leitung von Professor Emanuele Buzi, Inhaber des Lehrstuhls für Mandoline, veranstalteten.
Vom 2. bis 4. Mai wurde der zweite Teil des Projekts unter Beteiligung der deutschen Mandolinistin Caterina Lichtenberg durchgeführt. Am 2. und 3. Mai fanden die Proben für das Abschlusskonzert statt, das am Mittwoch, den 3. Mai aufgeführt wurde. Bei diesem Konzert wurden abwechselnd Stücke für Plektrum-Orchester, Solostücke und Stücke für das italienisch-französisch-deutsche Trio von international renommierten Mandolinenspieler*innen gespielt. Auf diese Weise sollte zunächst den traditionellen Ursprüngen der Mandoline nachgegangen werden, bevor anschließend einem weniger bekannten zeitgenössischen Repertoire Raum gegeben wurde.
Den Abschluss der Residenz bildete eine Masterclass von Caterina Lichtenberg für die Studierenden der Mandolinenklasse des Konservatoriums von Palermo am Donnerstag, den 4. Mai.
Biografien der Dozent*innen und Mandolinist*innen
Caterina Lichtenberg ist eine der führenden klassischen Mandolinenspielerinnen der Welt. Aufgewachsen in Deutschland, absolvierte sie ihr Studium an der Musikhochschule in Köln. Derzeit ist sie Professorin für klassische Mandoline/Sopranlaute an dieser renommierten Hochschule. Seit über 20 Jahren macht Caterina Lichtenberg Aufnahmen, unterrichtet und tourt durch Europa, Japan, Taiwan, Südamerika, Kanada und die USA. Bisher hat Caterina Lichtenberg 13 Alben veröffentlicht.
Emanuele Buzi, Enkel des Virtuosen Giuseppe Anedda, ist Absolvent des Konservatoriums von L'Aquila. Er arbeitet mit den wichtigsten italienischen Opernhäusern zusammen (Mailänder Scala, Teatro La Fenice in Venedig, Teatro Massimo in Palermo). Seit 2008 hat er den Lehrstuhl für Mandoline am Conservatorio di Musica A. Scarlatti in Palermo inne.
Florentino Calvo studierte am Konservatorium von Argenteuil, dem wichtigsten Zentrum für Mandolinenunterricht in Frankreich. Er lernte bei den Meistern Mario Monti und Ugo Orlandi. Als Konzertkünstler tritt er regelmäßig als Solist in Kammermusikensembles und mit Orchestern auf (TrioPolycordes, Orchestre National du Théâtre de Paris, Orchestre Philharmonique de Radio France). Indem er zahlreiche führende Konzertinterpret*innen und Pädagog*innen ausbildet, trägt er zur Weiterentwicklung und zu einer größeren Bedeutung seines Instruments in Frankreich und im Ausland bei.
Vincent Trollet begann ein Klavier- und später ein Kompositionsstudium, das er am Pariser Konservatorium fortführte. Im Jahr 2010 wurde er für den Studiengang Musikinformatik am IRCAM in Paris zugelassen. Diese Ausbildung gab seiner Arbeit eine neue Richtung, die ihn dazu brachte, sich dem Experimentieren zu nähern.Aus seinen zahlreichen Begegnungen mit Komponist*innen seiner Generation entstand das Ensemble Regards, ein Ensemble, das sich der zeitgenössischen Musik widmet.
Lea Letzel
@ Frederike Wetzels
Lea Letzel schafft Räume, Konzertsituationen, Konzert-Installationen, Performances und Videoarbeiten, die sowohl in der „Black Box“ des Theaters, als auch im „White Cube“ der bildenden Kunst gezeigt werden. Ihr Studium am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen hat sie mit einem Projekt in Zusammenarbeit mit der Internationalen Ensemble Modern Akademie abgeschlossen. Das Studium der Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln beendete Letzel mit dem „Konzert für Orgel und Pyrotechnik“ in Zusammenarbeit mit dem Organisten Dominik Susteck in der Kölner Kunst-Station St. Peter. Seit 2015 ist sie zur staatlich geprüften Pyrotechnikerin ausgebildetund seit 2020 zur Großfeuerwerkerin.Den Herbst 2019 verbrachte sie als Stipendiatin des Goethe–Instituts der Villa Kamogawa in Kyoto, Japan, um sich mit japanischer Pyrotechnik auseinandersetzen. Ihre Zeit als Stipendiatin in Palermo will sie maßgeblich der Recherche und Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen, politischen, historischen und künstlerischen Perspektive der italienischen Feuerwerkerei widmen. Lea Letzel lebt und arbeitet heute in Köln.
Yolenn Farges
@ Mathia Coco
Yolenn Farges ist eine vielseitige Künstlerin aus Frankreich. Im Jahr 2020 absolvierte sie ihren Abschluss an der Beaux-Arts de Nantes und lebt und arbeitet nun zwischen Marsiglia und Belle-île-en-mer. Auf langen Wanderungen und Tauchgängen macht sie sich auf die Suche nach Materialien sowie Geheimnissen und Geschichten, die sie sammelt und durch ihre Kreationen wiedergibt. Ihre künstlerischen Ansätze sind sowohl mit der Metamorphose von Ökosystemen als auch der mündlichen Verbreitung von Wissensgut verbunden. Mit der Hilfe von Installationen, Performance und Video hinterfragt Yolenn die Porosität der Beziehungen zwischen den Lebewesen. Weiterhin leitet sie künstlerische und pädagogische Workshops und betrachtet diese Momente des kollektiven Schaffens als wirksame Mittel, um sich die Zukunft vorzustellen. In Palermo konzentriert sich ihre Untersuchung auf Lebensmittel und auf sizilianische Rezepte, die aus der Perspektive der Mikrobiologie und Fermentation betrachtet werden.
Victor Missud
@ Mathia Coco
Victor Missud ist Filmregisseur, stammt aus Toulouse und lebt zurzeit zwischen Frankreich und Palermo. Seine Arbeiten befassen sich auf poetische Weise mit geographisch und gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen, die in seinen Filmen zu Schauspieler*innen werden. Der Vorschlag, das eigene Leben für die Dauer einer Fiktion zu spielen, soll ihnen helfen, ihre Erfahrungen und Wirklichkeiten klarer auszudrücken als im gelebten Alltag.
Für seinen ersten Film, die Dokufiktion "La forêt de l'espace"(2019, Sonderpreis der internationalen Jury beim Festival Visions du Réel, IFF Rotterdam, Hors Pistes Centre Pompidou), lud Victor Missud Menschen ein, vor allem Obdachlose,die tagtäglich auf den Straßen von Paris von Ausgrenzung betroffen sind. Sie stellten sich ein Leben auf dem Mond vor und erzählten davon. Sein jüngster Film "À qui le monde" (2023, gemeinsame Regie mit Marina Russo Villani) ist eine dokumentarische Fabel, die in Benin spielt. Darin werden die Körper von Fabrikarbeiter*innen nach und nach von Wasserhyazinthen überwuchert, derinvasivenPflanze, die ihnen Arbeit verschafft. Die Pflanzewurdeursprünglich für ihreBlumen zur Dekoration von Touristenhotels in Benin eingeführt und angebaut.
In Palermo arbeitet Victor Missud an einem Spielfilm in italienischer Gebärdensprache, angesiedelt zwischen Dokumentarfilm und Fiktion. "Die Insel verlassen" (Arbeitstitel) setzt zwei taubstummeLaienschauspielerin Szene, die ihre eigenen Rollen innerhalb eines fiktionalen Rahmens interpretieren. Palermo wird als dritter Hauptdarsteller des Films betrachtet. In dieser Stadt, in der barocke Paläste von Gebäudeblöcken aus der Nachkriegszeit umzingelt sind, erkundet Victor Missud architektonische Kontraste im Bild. Die Recherche zum Sounddesign geht in Richtung tiefer Töne, insbesondere Schlagzeug und Sound-Vibrationen.
Annika Katja Boll und Renaud Mundabi Muyanunu
@ Mathia Coco
Das Residenzprogramm von Kultur Ensemble Palermo nimmt im Herbst 2023 ein deutsch-französisches künstlerisches Duo auf: Annika Katja Boll und Renaud Mundabi Muyanunu. Die Beiden schließen sich für dieses Projekt zum ersten Mal seit ihrem gemeinsamen Studium an der Villa Arson (Nizza) zusammen.
Während der Residenz werden sie an einem interaktiven Videospiel arbeiten.Die Rahmenhandlung des Spiels wird durch die Inselerfahrung Siziliens inspiriert. Akustisch sammeln sie für das Videospiel Klänge und O-Töne, visuell Landschaftsfotografien, die gescannt und in 3D umgewandelt werden.
Im Projekt verbindet sich die Ästhetik einer durch Digitalisierung abstrahierten Realität mit der metaphorischen Sprache des Märchens. Es soll die Erfahrung ständiger Bewegung, Desorientierung und Nichtzugehörigkeit entstehen.
Das künstlerische Duo wurde bei der Ausschreibung vom Frühjahr 2023 durch eine Jury ausgewählt. Diese setzte sich zusammen aus: Jérémy Rossignol, stellvertretender Referatsleiter -Berufliche Bildung, Hochschulaustausch und Freiwilligendienste- DFJW (Deutsch-Französisches Jugendwerk), Hélène Kelmachter, Kulturattaché der Französischen Botschaft in Italien und Rosina Franzé, Kulturabteilung Goethe-Institut Mailand). Die Residenz wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) unterstützt.
Renaud Mundabi MuyanunU
Muyanunu arbeitet multidisziplinär mit Installationen, Musik und performativen Lesungen. Er studierte an der Kunsthochschule Marseille und machte2023 seinen Masterabschluss an der Villa Arson (Nizza). In seinen Klangarbeiten mischt er Field Recordings, Erzählungen, Gesang und Debatten. Diese poetische Vorstellungswelt ist von Fragen multipler Identitäten durchzogen. Renaud schreibt und rezitiert Märchen. Ihre scheinbare Leichtigkeit ermöglicht es ihm, ihm wichtige soziale und politische Fragen anzusprechen. Seine Praxis kann aus dem "white cube" ausbrechen und an öffentliche Orte wie Bibliotheken treten.
Annika Katja Boll
AnnikaBollist eine visuelle Künstlerin aus dem Westerwald. Sie studierte zunächst Anthropologie und Psychologie in Göttingen und Ahmedabad, dann an der Kunsthochschule Kassel. Dieses Studium schloss sie an der Villa Arson in Nizza ab. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen der virtuellen Welt und der visuellen Realität die uns umgibt. Annika Katja Boll verschmilzt beide Welten, indem sie das Digitale in den realen Raum rekontextualisiert. Sie interessiert sich für die wechselhafte Bedeutungen eines Objekts, durch das Verändern von Kontext und Materialien. Sie stellt digitale Gärten zusammen, in denen Fragmente von 3D-Scans von teilweise verschwundenen Pflanzen zu neuem Leben erwachen. Diese digitalen Spaziergänge, eine Art "Cyber-Flanieren" in künstlicher Natur, konfrontieren die ästhetische Freude mit der Realität einer sterbenden Natur.
Noam Brusilovsky und Tobias Purfürst arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen. Ihr aktuelles Projekt ist die Entwicklung einer Techno-Oper, in der die dramaturgischen Mittel der historischen Oper wie Gesang und Erzählung mit Techno-Musik und Techno-Kultur verbunden werden. Ihren Residenzaufenthalt wollen sie vor allem zum Schreiben (Noam) und Komponieren (Tobias) des narrativen Techno-Sets nutzen.
Theater- und Hörspielmacher Noam Brusilovsky wurde 1989 in Israel geboren. Nachdem er die Thelma Yellin High School of the Arts besuchte, zog er 2012 nach Berlin. Dort studierte er Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Schon während seines Studiums inszenierte er seine ersten Hörspiele für den Deutschlandfunk und den SWR und erhielt 2017 den Deutschen Hörspielpreis der ARD für seine Produktion "Broken German". Im selben Jahr schloss er sein Studium mit der autobiografischen Solo-Performance "Orchiektomie rechts", ab. Im folgenden Jahr wurde diese Inszenierung zu den Festivals "Radikal Jung" und "Fast Forward" eingeladen und führte zu einer Nominierung als "Nachwuchsautor des Jahres" in der Kritiker*innenumfrage von Theater heute. Seit dem arbeitet Brusilovsky als freier Autor und Regisseur für diverse deutsche Rundfunksender (Deutschlandfunk, SWR, WDR und rbb). Seine Hörspiele wurden in allen ARD-Sendern ausgestrahlt, mehrfach ausgezeichnet und für mehrere Preise nominiert. Neben seiner radiofonischen Tätigkeit inszeniert Noam Brusilovsky am Theater. Seine dokumentarischen Theaterprojekte, die zu zahlreichen Festivals eingeladen wurden, wurden am Münchner Volkstheater, am Konzerttheater Bern, in den Berliner Sophiensaelen und am Stadttheater Klagenfurt realisiert.
Tobias Purfürst ist Musikproduzent und Klangkünstler aus Berlin. Klassisch ausgebildet am Klavier, gilt sein Interesse einer Vielzahl kreativer Prozesse. Er begann zunächst ein Architekturstudium an der UdK in Berlin. Nach einem Austauschjahr in Island, einschließlich eines Praktikums in den Greenhouse Music Studios (Valgeir Siruðsson), fokussierte er seine Arbeit auf Sounddesign, experimentelle und Filmmusikkomposition. 2011 studierte er an der Fakultät Kunst und Medien (UdK) in der Klasse für Computational Arts (Prof. Alberto de Campo), wo er hauptsächlich an generativen Klanginstallationen und Performances arbeitete. Während seiner Zeit an der UdK wurden seine Arbeiten in mehreren Gruppenausstellungen und auf Festivals ausgestellt, darunter: Ars Electronica (2012); EMAF (2013); Transmediale (2013); Addicted to Random Festival, Halle (2013), u.a. 2015 schloss Tobias sein Studium als Meisterschüler ab und arbeitet seit dem, neben dem Ausbau seiner eigenen künstlerischen Expertise und Karriere, als Freelancer für Agenturen, Lehrbeauftragter und in Kooperation mit verschiedenen Künstler*innen in den Bereichen experimentelle elektronische Musik, Multimedia-Installationen sowie Kompositionen und Sounddesign für Film, Videokunst und Performance.
Projekt “WOMEN'S VOICES IN PALERMO"
Die Anthropologin Charlotte Koch aus Deutschland, die französische Soziologin Ségolène Bulot sowie die italienische Soziologin Daria di Bello lernten sich an der Universität in Leipzig kennen. Bei dem Zusammenkommen der drei Wissenschaftlerinnen vereinten sich zudem ihre Kenntnisse hinsichtlich des Orients, Lateinamerikas, Südasiens und Afrikas.
Mit ihrem gemeinsamen Projekt Women’s voices in Palermo konzentrieren sie sich auf die kulturellen Praktiken Nordafrikanischer Frauen in der sizilianischen Hauptstadt und ihre Zugänglichkeit zu lokalen Kultureinrichtungen.
Palermo spielt dabei als historischer Treffpunkt vieler Nationalitäten und Religionen eine entscheidende kulturelle Die Durchführung von Interviews ermöglicht den Wissenschaftlerinnen, die Erfahrungen der Nordafrikanischen Frauen bezüglich ihres Lebens und Schaffens in Palermo zu analysieren, um das Bild der multikulturellen und offenen Stadt differenziert zu reflektieren. Weiterhin ermöglichen ihre Ergebnisse die Eröffnung neuer Perspektiven, welche als Impulse für zukünftige kulturelle Projekte und inklusive Praktiken dienen sollen.
Ziel ihrer Arbeit ist es, einen Raum für diese Frauen zu schaffen, in welchem sie ihre Stimmen erheben können. Dementsprechend streben sie danach, bisherige Machtstrukturen mit einem intersektionalen Ansatz zu hinterfragen.
Aufbauend auf den bereits vorhandenen Erfahrungen der Wissenschaftlerinnen in der Vertonung von Untersuchungsergebnissen, gewonnen bei der Leipziger Podcast-Ethnografie der Universität, werden ihre jüngsten Resultate gleichermaßen als Podcast veröffentlicht – somit verleihen sie den Frauen nicht nur im übertragenden Sinne eine Stimme.
@ Kultur Ensemble Palermo
Das Trio aus Geisteswissenschaftlerninnen traf sich an der Universität Leipzig, wo sie den Podcast als partizipatives Mittel zur Verbreitung ihrer Arbeit entdeckten.
CHARLOTTE KOCH
@Luisa Koch
Die gebürtige Deutsche Charlotte Koch lebt in Leipzig. Dort absolvierte sie ihr Master-Studium in Kulturwissenschaften mit einem Bachelor in den Regionalstudien von Lateinamerika. Neben dem Feminismus beschäftigt sie sich auch mit der Soziologie des Islams. Die Kulturwissenschaftlerin zeigt zusätzlich freiwilliges Engagement bei der Unterstützung von Immigranten in Deutschland und sammelte im Rahmen von Praktika und einem Freiwilligendienst viele Erfahrungen im Ausland. Sie arbeitete zudem an einem Podcast an der Universität Leipzig, wo sie auch auf ihre derzeitigen Partnerinnen des Projektes „Women’s voices in Palermo“ traf.
SÉGOLÈNE BULOT
@ Ségolène Bulot
Ségolène Bulot ist eine gebürtige Französin, welche jedoch in Leipzig lebt. Dort erreichte sie auch ihren Masterabschluss in Kulturwissenschaften. Die Soziologin engagiert sich für Migranten in Deutschland und hat durch ihre Arbeit und Planung von Festivals und Theater auch Bezugspunkte zur Kunst-Szene. Aufgrund ihrer Tätigkeit am Goethe-Institut und Institut français ist ihr der Kulturaustausch über die Grenzen hinweg nicht fremd. Sie hatte bereits Erfahrungen mit dem Podcast-Format an der Universität Leipzig, wo sie auch ihre derzeitigen Partnerinnen des Projektes „Women’s voices in Palermo“ kennenlernte.
DARIA DI BELLO
@ Daria di Bello
Die in Tarent geborene Italienerin Daria di Bello lebt in Leipzig. Dort bestand sie mit ihrer Arbeit zur Immigration im Mittelmeerraum auch ihren Master in Kulturwissenschaften. Neben ihrer Tätigkeit als Aktivistin ist die Soziologin zusätzlich eine Sprach- und Kulturvermittlerin sowie Italienischlehrerin. Sie befasst mit Migration und der Soziologie des Islams. An der Universität Leipzig, wo sie auch schon an einem Podcast arbeitete, traf sie auf ihre derzeitigen Forschungspartnerinnen. Gemeinsam nutzen sie die Residenz für ihre Recherche im Rahmen des Projektes „Women’s voices in Palermo“.
Resident:innen 2022
Das erste Jahr wurde das Projekt von zwei führenden Persönlichkeiten im Bereich der internationalen zeitgenössischen Kunst begleitet: Chiara Parisi, Direktorin des Centre Pompidou-Metz, und Andrea Lissoni, künstlerischer Leiter des Hauses der Kunst in München.
Flaka Halti
@ Alexandra Bertels_Europalia
Flaka Haliti wurde in Prishtina, Kosovo geboren und lebt in München. Sie hat an der Städelschule, der Hochschule für Bildende Künste in Frankfurt am Main studiert.
Die künstlerische Praxis von Flaka Haliti umfasst Mischtechniken, Skulpturen und Rauminstallationen mit einem dezidiert ortsspezifischen Ansatz. Aneignung und Neuanordnung sind durchgehende Linien in ihren Arbeiten, wodurch neue ästhetische Muster geschaffen werden.
2015 vertrat Flaka Haliti ihr Heimatland Kosovo auf der Biennale in Venedig. Darüber hinaus war die Künstlerin 2017 Stipendiatin der Villa Romana in Florenz und erhielt den Ars Viva Prize und den Henkel Award. Ihre Werke präsentierte sie bereits in Einzelausstellungen im mumok – Museum Moderne Kunst in Wien, im S.A.L.T.S. Kunstverein Birsfelden, in der Kunsthalle Lingen und im Kunsthaus Hamburg. In Form von Gruppenausstellungen wurden ihre Arbeiten im Museum Ludwig Köln, in der Kunsthalle Wien, im Museum Lenbachhaus München und dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin gezeigt.
Die Künstlerin schafft einen Dialog zwischen den Begriffen der Neuanordnung und der Aneignung. Auf der einen Seite wird der Standard der systematischen Ordnung abgelehnt - und auf der anderen, eine Anpassung vorgenommen. Infolgedessen eröffnet Flaka Haliti ein poetisches Feld für ein fortwährendes Dazwischen in einem dialektischen, hybriden, performativen Raum.
PEROU-Kollektiv
@ Tara Ivanisevic
Das vor zehn Jahren von dem Politikwissenschaftler Sébastien Thiéry und dem Landschaftsarchitekten Gilles Clément gegründete PEROU-Kollektiv (Pôle d'Exploration des Ressources Urbaines, Zentrum zur Erforschung der städtischen Ressourcen) befasst sich mit Fragen der Geflüchteten-Aufnahme, reflektiert und reagiert auf die ausgrenzenden Maßnahmen der öffentlichen Politik und schafft Projekte, die den Dialog und die Gemeinschaft fördern.
NAVIRE AVENIR ("Schiff der Zukunft") ist das bisher weitreichendste Projekt des Kollektivs. Ziel ist der Bau eines europäischen Flaggschiffs zur Rettung von Menschenleben im Mittelmeer, das als erstes aus einer europäischen Flotte von zehn Schiffen konzipiert ist. An dem Projekt sind mehr als tausend Menschen aus verschiedenen Ländern und Disziplinen beteiligt, und es bringt 57 Partner*innen zusammen, darunter Wissenschaftler*innen, Schulen, Universitäten, Künstlerkollektive, Designer*innen, Grafiker*innen, Performer*innen, Architekten, Politiker*innen, Soziologen, Anthropologen und Ingenieur*innen. Das Projekt wird hauptsächlich in Marseille entwickelt und vom MUCEM (Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums, Marseille) und dem Centre Pompidou Metz unterstützt. Der Stapellauf des AVENIR-Schiffs ist für das Jahr 2024 geplant. Parallel dazu arbeitet das PEROU-Kollektiv an der Bewerbung für die Aufnahme in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes.
Während des Aufenthalts in Palermo wird sich das Kollektiv auf einige spezifische Aspekte im Zusammenhang mit der Realisierung des Schiffes konzentrieren. Darunter fallen die rechtlichen Aspekte (Begriff des Empfangs und die Schaffung eines europäischen maritimen Pavillons für das Schiff), die mit der Architektur und dem Design des Schiffes zusammenhängenden Aspekte (Innenausstattung und Typografie), das Design der Flagge und das, was die PEROU-Mitglieder als "therapeutische Aspekte" bezeichnen, die mit der Vermittlung von Erste-Hilfe-Gesten und persönlicher Pflege zusammenhängen. Sébastien Thiéry macht Platz für die anderen Mitglieder des Kollektivs: Nina Chalot & Gabriel di Battisti (Textildesigner*innen), Charlotte Cauwer (Architektin und Designerin), Sina Fakour (Typografin), Marie-José Ordener (Köchin), Elsa Ricq-Amour (Therapeutin). Die Treffen des Kollektivs mit den verschiedenen Realitäten in Palermo werden eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Palermo und Marseille rund um NAVIRE AVENIR in Gang setzen.
"Die Avenir ist ein bahnbrechendes Instrument der Seenotrettung, das erste Schiff, das speziell für die Massenrettung konzipiert wurde; sie ist ein Zufluchtsort auf hoher See, ein Gebäude, das mit allen notwendigen Einrichtungen für die Aufnahme und Betreuung von Überlebenden ausgestattet ist; sie ist ein öffentlicher Platz im Mittelmeer, ein Raum des kollektiven Lebens, in dem die Brüderlichkeit bekräftigt wird; sie ist ein Laboratorium für die Suche nach wünschenswerten Zukünften, ein Ort, von dem aus die Schiffe und die Zukunft geschaffen werden, die weiter bestehen werden."
NKISI - Melika Ngombe Kolongo
@ Mathia Coco
Melika Ngombe Kolongo wurde in Kinshasa, in der Demokratischen Republik Kongo geboren und ist in Belgien aufgewachsen. Nach ihrem Bachelor in Audiovisuellen Techniken am Narafi in Brüssel machte sie an der Birkbeck, University of London ihren Master in Psychosocial Studies mit einem Fokus auf Kultur, Diaspora und Ethnologie.
Als Musikerin, Produzentin und visuelle Künstlerin bezieht sich NKISI in ihrer Arbeit auf ihre persönliche Biographie, indem sie pan-afrikanische Rhythmen mit hartem Techno und einer gewissen Punk-Sensibilität mischt sowie einer politischen Widerstandshaltung gegen Konformität.
Auch NKISIs Künstlername stellt eine Verbindung zu ihrem kulturellen Hintergrund her, meint das Wort "NKISI" doch einen Geist oder ein von einem Geist bewohntes Objekt, das in den Religionen im zentralafrikanischen Kongobecken als Mittel zur Kommunikation mit den Ahnen dient. Inspiriert von der Kosmologie des Volkes der Bakongo versteht NKISIs Werk Musik als eine Art der Kommunikation jenseits von Sprache und ergründet dabei die Vorstellung von "hören ist sehen und sehen ist reagieren/fühlen" (K. Kia Bunseki Fu-Kiau, African Cosmology of the Bantu-Kongo, 1980).
2015 gründete sie als eine von dreien das Musikkollektiv NON Worldwide, ein unabhängiges Musiklabel und Kunstprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, afrikanische Musiker*innen in der Diaspora zu vernetzen, diesen oftmals marginalisierten Künstler*innen eine Stimme zu geben und letztlich Macht umzuverteilen.
NKISI ist in verschiedenen Locations aufgetreten wie der Tate Modern in London, Berlin Atonal, HAU2 in Berlin, Palais de Tokyo in Paris und dem Haus der Kunst in München.
Morgane Tschiember
@ MORGANE LAY X JONNY COCHRANE FOR PARFUMS CHRISTIAN DIOR
Morgane Tschiember wurde in Brest, Frankreich geboren. Sie studierte Kunst an den Beaux-Arts in Quimper und anschließend an den Beaux-Arts in Paris. Sie lebt in Paris und arbeitet in einer "factory", die sie 2011 gegründet hat.
Morgane Tschiembers Arbeit zeichnet sich durch einen sowohl physischen als auch metaphysischen Ansatz aus. Mit Überlegungen, die von der Philosophie von Jacques Derrida beeinflusst werden, entsteht eine Synthese, die als "romantischer Minimalismus" bezeichnet werden kann.
Ihre Werke sind vom körperlichen Einsatz geprägt, der für ihre Umsetzung notwendig ist. Von Morgane selbst als Rituale bezeichnet, machen sie sowohl die Produktionsprozesse, als auch die Spuren des Tuns, der Geste und des Atems sichtbar. Morganes Serien durchlaufen mit dem Feuer verbundene Transformationsstadien und werden so zur "Opfergabe".
Morgane modelliert Räume, um deren intrinsische Charakteristiken (Licht, Bewegung) zu enthüllen. In einem Spiel mit visueller und physischer Wahrnehmung, öffnet sie Räume in Form von monumentalen Installationen, als Einladungen zum Umherwandern.
Jede Residenz ist für Morgane Tschiember eine Gelegenheit, sich mit einem bestimmten Material zu beschäftigen (Glas in Marseille im Cirva, Keramik im Veneto, Nuove/ Residency). Sizilien, Palermo und seine Bucht, die Conca d'Oro, knüpfen stark an Morgane Tschiembers vorherige Werke an. Die Künstlerin wird während ihres Aufenthalts an Wachs- und Keramikskulpturen weiter arbeiten.
Resident:innen 2021
caner teker
@ Agustin Farias
caner teker wurde 1994 in Duisburg-Marxloh, Deutschland, geboren. Absolvent* der Kunstakademie Düsseldorf 2019 und ab 2019 Postgraduiertenstudent* an der SNDO – School for New Dance Development in Amsterdam. Es folgten das Debüt bei den Tanztagen Berlin mit der Performance Kirkpinar (Koproduktion Sophiensaele), die Einladung zur Teilnahme am Programm Disappearing Berlin am Schinkel Pavillon in Berlin und dem Festival Radikal Jung am Volkstheater in München. Darüber hinaus die Einladung als Künstler* im Rahmen des Favoriten Festivals 2020 in der Stadt Dortmund und am Neumarkt Theater in Zürich. caner hat Performances im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Museum Abteiberg Mönchengladbach, tanzhaus NRW realisiert und erfreut sich eines Stipendiums der Norbert Janssen Stiftung in München. Im Jahr 2020 kamen dann der Preis für Bildende Kunst der Stadt Düsseldorf und die Einladung zum Studium am Choreografischen Zentrum PACT Zollverein in Essen.
Juliette Minchin
@ Grégoire de Gaulle
Juliette Minchin, Jahrgang 1992, lebt in Paris, wo sie sich den Gebieten Skulptur, Installation, Video und Design widmet. Sie hat einen Abschluss als Bühnenbildnerin an der Ecole Supérieure des Arts Décoratifs und der Akademie der Schönen Künste in Paris. Sie schafft ihre Werke im Zusammenspiel von Materie, Licht, olfaktorischer Dimension und Klang.
In ihrer Arbeit erforscht sie Konzepte im Zusammenhang mit dem Thema Transformation. Als Zeugen des Vergehens der Zeit dekliniert sie ihre Werke in Serien und präsentiert sie unter unterschiedlichen Bedingungen und in verschiedenen Zuständen, wobei sie mit einer grundlegenden Zweideutigkeit spielt: Geburt der Materie oder Tod der Form, Anfang und Ende geraten durcheinander. Die Verwendung natürlicher Materialien (wie Erde oder Wachs) verleiht ihren Skulpturen eine unbestreitbar lebendige Dimension, bei der die Oberfläche an das Aussehen von Haut erinnert.