Sonntag, 19. November 2023 - 12:00 Uhr

Sicilia!

Film|Im Rahmen von Efebo d'Oro 2023

von Danièle Huillet, Jean-Marie Straub

Italien / Frankreich / Deutschland 1999
66 Min., Originalfassung mit ital. UT, Hommage an Jean-Marie Straub ein Jahr nach seinem Tod.

Drehbuch: Danièle Huillet, Jean-Marie Straub
Nach dem Roman Conversazione in Sicilia von Elio Vittorini
Kamera: William Lubtchansky  
Schnitt: Danièle Huillet, Jean-Marie Straub
Ton: Jacques Ballay, Jean-Pierre Duret, Louis Hochet
Mit Gianni Buscarino, Angela Nugara, Carmelo Maddio, Vittorio Vigneri, Angela Durantini
Produktion: Straub-Huillet, Pierre Grise Productions, CNC, Alia Film, Istituto Luce

Nach vielen Jahren der Abwesenheit kehrt Silvestro auf das sizilianische Land seiner Kindheit zurück, um seine Mutter zu besuchen. Auf seiner Reise unterhält er sich mit Fremden in einem Hafen, mit Mitreisenden in einem Zug, mit seiner Mutter und einem Messerschleifer.
Paolo Spaziani bemerkt: "Über Sizilien zu schreiben bedeutet, eine mineralische Stille zu erforschen, eine Gelassenheit der Umgangsformen, eine unbewegliche Explosion der Sonne, kurzum eine reine, vitale Immanenz, die an sich revolutionär ist. [...] Dieser solare Luxus wird durch Straub-Huillets schwarz-weiße Aufnahmen noch verstärkt: Einfälle oder Gesichter im Gegenlicht, die zeigen, dass die bloße Tatsache des Lebens eine gewisse Noblesse in sich trägt: die extreme Schönheit dieser sizilianischen Gesichter. Alles ist unmittelbar vor den Augen. Die Tiefe wird eliminiert, indem die Interpreten an Kalkwänden, in Eisenbahnwaggons oder auf den Kasematten der Mole von Messina platziert werden. Oder die Sonne sorgt für sie [...]".

Jean-Marie Straub (1933-2022) wurde in Metz geboren. Nach seinem Studium an den Universitäten von Straßburg und Nancy zog er nach Paris, wo er 1954 Danièle Huillet (1936-2006) kennenlernte. Mit ihr verband ihn eine lebenslange emotionale und berufliche Beziehung. Straub arbeitete als Assistent für Regisseure wie Robert Bresson, Abel Gance, Jean Renoir und Jacques Rivette.
Sein Debüt in Deutschland hatte das Paar 1963 mit Machorka-Muff, einem Kurzfilm nach einer Erzählung von Heinrich Böll. Dieser Film stellt durch die philologisch strenge Umsetzung eines literarischen Originaltextes das erste Beispiel für einen Stil dar, der für ihr gesamtes Schaffen charakteristisch sein wird. Ihr erster Spielfilm, Chronik der Anna Magdalena Bach, stammt aus dem Jahr 1968. Seitdem haben sie etwa 30 Filme gedreht, in denen sie sich mit Autoren wie Friedrich Hölderlin und Cesare Pavese auseinandersetzen. 2006 wurden sie in Venedig mit einem besonderen Preis für Innovation in der Filmsprache geehrt.