Labor für Performative Praxis
Open Call

Tanzlabor Bachmann © Foto: Alexander Chromow

Das Goethe-Institut Nowosibirsk lädt zur Teilnahme an einem interdisziplinären, praxisorientierten Forschungslabor für performative Praktiken ein. Es ist dem 100. Geburtstag der Dichterin und Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gewidmet und findet vom 13. bis 19. Juni 2026 in Novosibirsk statt. Bewerbungen sind bis zum 5. Juni möglich.

Ingeborg Bachmann (1926–1973) zählt zu den zentralen Stimmen der deutschsprachigen Literatur der Nachkriegszeit. Ihr früher Erfolg innerhalb der „Gruppe 47“ begründete ihren Ruf als lyrische Stimme einer Generation, die versuchte, die Folgen des Krieges und den Zusammenbruch traditionellen Wertsystems zu begreifen.

In ihren Studienjahren setzte sie sich intensiv mit zeitgenössischer Philosophie auseinander. 1950 schloss sie ihr Studium mit einer Dissertation über kritische Aufnahme der Existentialphilosophie Martin Heideggers ab. Ende der 1950er Jahre wandte sich Bachmann bewusst von der Lyrik ab und suchte nach einer neuen Sprache, die die Widersprüche der Epoche und das Erleben des Verlusts weltanschaulicher Gewissheiten – sowohl im privaten als auch im gesellschaftlichen Leben – auszudrücken vermochte.

In ihrer Prosa untersucht sie, wie Menschen sich Illusionen erschaffen, nämlich fragile Schutzkonstruktionen, die ihnen helfen, ein Gefühl von Geborgenheit in einer traumatisierenden Realität aufrechtzuerhalten. Soziale Rollen, feste sprachliche Formeln, mythologische Bilder und idealisierte Erinnerungen bieten vorübergehend Sicherheit, beginnen jedoch unweigerlich zu bröckeln.

Bachmann zeigt, wie schmerzhaft der Zerfall solcher Illusionen sein kann – und zugleich, wie notwendig er für die Suche nach einem „eigenen Wahrsein“ ist, einem Begriff, der auch bei Martin Heidegger vorkommt, bei ihr jedoch eine eigene literarische Prägung erhält. Der Übergang zur Authentizität bedeutet kein Trost, sondern ein ungeschütztes, ehrliches Dasein im eigenen Erleben. Dieser Prozess bildet den thematischen Kern des Labors und die Grundlage für körperliche und performative Forschung.

Über das Labor „Vom Zerfall der Illusionen zum eigenen Wahrsein“

Die Kurzprosa Ingeborg Bachmanns, die sich um den Zerfall von Illusionen und die Suche nach Authentizität gruppiert, dient als Ausgangspunkt für die Erforschung von Spannungen, Konflikten und Zuständen. Diese können in Bewegung, körperliches Erleben, szenische Präsenz und performative Praktiken übersetzt werden – vom physischen Theater bis zu interdisziplinären Projekten.

Das Labor umfasst verschiedene Phasen der Projektentwicklung: Analyse des künstlerischen Materials, psychophysisches Training sowie Arbeit mit Körper, Bild, Klang, Raum und visueller Komposition.

Jede:r Teilnehmer:in kann als Regisseur:in einer eigenen Performance auftreten und sich zugleich mit anderen für gemeinsame Arbeiten zusammenschließen. Das Labor endet mit einer öffentlichen Präsentation der Performances und szenischen Skizzen.

Struktur des Labors

  • Sieben Tage praktische Arbeit mit der Kuratorin Ksenia Zhukova
  • Vorträge über Leben und Werk Ingeborg Bachmanns
  • Gemeinsame Diskussion der Prosatexte
  • Körper- und Performancepraktiken, Workshops zum Tanztheater
  • Abschlusspräsentation der Ergebnisse

Wer kann teilnehmen?

Das Labor richtet sich an alle, die neue Formen des künstlerischen Ausdrucks suchen. Wir laden junge Kunstschaffende ab 18 Jahre aus Nowosibirsk ein, die bereit sind zu experimentieren: Tänzer:innen, Choreograf:innen, Performer:innen, Dramatiker:innen, Komponist:innen sowie interdisziplinäre Künstler:innen im Bereich der zeitgenössischen Kunst.

Professionelle Erfahrung im Performance- oder Theaterbereich ist nicht zwingend erforderlich. Wichtig sind Interesse an der Arbeit mit Text, Bereitschaft zum Forschungsprozess und Offenheit für die kollektive Zusammenarbeit. Geplant ist eine heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Erfahrungen und künstlerischen Hintergründen.

Bewerben Sie sich
Die Teilnahme am Labor ist kostenlos. Das Projekt ist auf die Zusammenarbeit mit der lokalen Kunst- und Kulturszene ausgerichtet. Reise- und Unterkunftskosten für nicht ortsansässige Teilnehmende können nicht übernommen werden.

Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgt durch das Organisationsteam des Labors aus allen eingegangenen Bewerbungen. Bitte füllen Sie das Bewerbungsformular unter dem Link  bis spätestens 5. Juni 2026 aus.

Die Ergebnisse der Auswahl werden spätestens am 9. Juni 2026 per E-Mail bekannt gegeben.

Kuratorin des Labors