Vorträge und Diskussion Beuys will be Beuys #5

Beuys will be Beuys #5 © Eugen Korda

Do, 29.04.2021

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Schutzgebiete und Tourismus


Der Druck von Informationen über den Zustand der Öko-Systemen, die immer heißer  Situation des „climate change“, die geringe Effektivität der internationalen Verträge, kurz: die Komplexität der Umwelt übersteigt die Ohnmacht unserer Systemlösungen und  Kommunikation. Wenn es in Beuys Oeuvre ein Aspekt ist, der einer Aktualisierung bedürfte, dann ist es sicher sein ökologisches Engagement. Nicht nur 7000 Eichen – Die Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung (documenta 7 – 8), sondern auch sein Thematisieren der Bienenproblematik, machen aus ihm einigermaßen einen „pilot-ökologischen Künstler“. Weil wir aber der Meinung sind, dass mit den sieben tausend Bäumen in Kassel ein schon genug voluminöser künstlerischer Zeichen und Signal zur Öffentlichkeit gesetzt worden ist, laden wir diesmal nicht „ökologische Künstler“, sondern „ökologische Aktivisten“ ein, die im lokalen Terrain arbeiten und gegen die ungeheure Verstöße gegen Naturschutzgesetze kämpfen. Mit dieser Geste wollen wir die Frage akzentuieren, ob heute die engagierte Kunst effektiv im Terrain der spezialisierten Probleme wirken kann oder wirken soll, oder, ob sie nicht lieber die Agenda den Spezialisten überlassen sollte.

Schutzgebiete und Tourismus
 
Im Rahmen dieser Veranstaltung werden wir uns der Thematik Tourismus aus einer eher unkonventionellen Sicht nähern. Am Beispiel von Demänovská dolina werden wir einerseits auf die Probleme hinweisen, die durch den Tourismus verursacht werden und andererseits auf die Möglichkeiten und die Notwendigkeit, uns alle in die Entscheidung über die Zukunft solcher Bereiche einzubeziehen. Des Weiteren werden wir versuchen herauszufinden, warum wir uns über den Bau neuer Einrichtungen in den Schutzgebieten so ärgern. Diskussionsthemen werden zum einen die Werte des Landes sein sowie der Zustand, ab dem es erforderlich wird, (konkret) ausgewählte Schutzgebiete zu errichten und zu erhalten. Und zum anderen werden wir uns mit den gegenwärtigen bürgerlichen Initiativen befassen, die versuchen ein Umdenken in Orten wie Štrbské pleso oder Demänovská dolina zu erreichen.

Die Diskussion mit geladenen Gästen wird von Pavel Herich moderiert.
Gäste:
Juraj Rizman
Iveta Ňiňajová


Pavel Herich (Liptovský Mikuláš, 1987) ist ein slowakischer Aktivist,  professioneller Höhlenforscher, Umweltschützer und künstlerischer Töpfer, der in Liptovský Mikuláš lebt. Seit 2007 beteiligt er sich an umfangreichen Entdeckungen und Dokumentationen der unterirdischen Räume von Štefanová, die heute eine der größten Höhlen der Slowakei ist. Er leitet den Klub der Höhlenforscher von Demänovská dolina und arbeitet seit einiger Zeit an der Monographie über die Höhlen Demänovské jaskyne. Er steht hinter der „Pre Dolina“ -Initiative, die darauf abzielt, die Verwüstung des ökologisch wichtigen Demänovská-Tals umzukehren. Er untersucht auch die Möglichkeiten des Aufbaus von nachhaltigen Gemeinden in Vorstadt-Milieus als eine mögliche Antwort auf die die gegenwärtige Umweltkrise. Derzeit studiert er Umweltwissenschaften und Landschaftsbau in Banská Bystrica und in Prag.

Juraj Rizman ist seit 1993 in der Umweltbewegung aktiv. Er ist ehemaliger Koordinator des Ekofórum-Netzwerks und langjähriges Mitglied des Regierungsrates für nichtstaatliche gemeinnützige Organisationen. In den Jahren 2008-2013 war Rizman Direktor von Greenpeace Slowakei.
Er arbeitete mit der Organisation Via Iuris zusammen, in der er eine erfolgreiche Kampagne zur Abschaffung der sogenannten Mečiars Amnestien und das Programm zur Verteidigung des zivilen Sektors leitete. Er war Umweltberater von Präsidentin Zuzana Čaputová und später auch Berater des stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalrats der Slowakischen Republik, Juraj Šeliga. Derzeit arbeitet er als unabhängiger Berater.

Iveta Niňajová ist seit 2003 als Expertin für Regionalentwicklung und Tourismus tätig. Sie promovierte an der Fakultät für Management der Comenius-Universität in Bratislava mit ihrer Dissertation "Strategische Entwicklung des Tourismus auf der Grundlage der Entwicklung der Regionen". Sie ist Autorin mehrerer Entwicklungspläne und Tourismusstrategien. Seit 2008 setzt sie sich für  nachhaltigen Tourismus in der Slowakei ein und ist Initiatorin des Liptov-Clusters, der ersten Organisation für Destinationsmanagement in der Slowakei. In den Jahren 2016 - 2018 arbeitete sie im Expertenteam des Bevollmächtigten der Regierung der Slowakischen Republik als Expertin für Tourismus. In den Jahren 2018 - 2020 war Niňajová  Beraterin des Vorsitzenden der BBSK (Selbstverwaltete Region Banská Bystrica) und führte das regionale Entwicklungsmanagementsystem und das Zielmanagement im Büro der  ein. Sie ist die Präsidentin der Assoziation für Natur-Tourismus  (Asociácia prírodného turizmu) und eine der Initiatoren von Wir sind Wald (My sme les).


www.goethe.de/slowakei/beuys2021 
 

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