Romuald Karmakar
Ausstellung „Techno Worlds“

Romuald Karmakar, Denk ich an Deutschland in der Nacht, 2017, Dokumentation, 105 Min, Film-Still © © Romuald Karmakar Romuald Karmakar, Denk ich an Deutschland in der Nacht, 2017, Dokumentation, 105 Min, Film-Still © Romuald Karmakar

Denk ich an Deutschland in der Nacht

Fünf DJs/Producer im Studio, im Club, auf der Bühne. Außerdem: Persönliche Reflexionen ihrer Karriere und die Welt der elektronischen Musik. Dazwischen: Leere Clubs im Tageslicht, gefüllte Tanzflächen in der Nacht, flüchtige Blicke hinter die Kulissen und das tägliche Leben. Das sind die Komponenten, die sich in Denk ich an Deutschland in der Nacht zusammenfügen. Romuald Karmakars Dokumentation zeichnet ein Porträt von Ricardo Villalobos, Sonja Moonear, Ata, Move D und Roman Flügel, doch sie ist mehr als das: Der Film gibt einen Einblick in die europäische Techno Musik allgemein und Clubmusik im Besonderen, häufig dabei aus einer sehr persönlichen Perspektive.

Für den gebürtigen Heidelberger Move D beispielsweise setzte eine Kindheitserinnerung – das Geräusch eines Luftzuges unter einer Tür hindurch – eine Entdeckungsreise in eine ganze Kosmologie der Musik in Gang. Die DJ Sonja Moonear mit Sitz in Genf erklärt anhand ihrer eigenen Erfahrungen als Club-Besucherin, wie die gemeinschaftsstiftende Kraft der elektronischen Tanzmusik Nationalitäten und Generationen überschreitet. Ata aus Frankfurt erinnert sich, wie er geprägt wurde durch die Musik von Kraftwerk sowie jene Platten, die ihm sein Nachbar, ein Schwarzer GI, geliehen hatte – und wie sich Deutschland und die USA gegenseitig beeinflusst haben in der Entwicklung von House und Techno.

Seit den 90er-Jahren aktiv, berichten die Protagonist*innen des Films von Ihren Erfahrungen, ihrer Subkultur und deren Entwicklung. Die historiografischen, soziologischen und philosophischen Aspekte werden durch die praktische Tätigkeit der Künstler*innen geerdet – ob allein im Studio, vor Menschenmengen am DJ-Pult oder beim Improvisieren mit anderen Musiker*innen auf der Bühne. Denk ich an Deutschland in der Nacht ist Romuald Karmakars vierte Dokumentation über Techno und damit verwandte Musikstile. Nach 196 BPM (2002), Between the Devil and the Wide Blue Sea (2005) und Villalobos (2009) liefert der Regisseur in diesem Film die umfassendste Aufarbeitung einer sich ständig wandelnden Subkultur.

Biografisches

Romuald Karmakar wurde in Wiesbaden geboren, er lebt und arbeitet in Berlin. Er ist sowohl im Spielfilm (Der Totmacher, Manila, Die Nacht singt ihre Lieder) als auch Dokumentarfilm (Warheads, Das Himmler-Projekt, Hamburger Lektionen, Villalobos) tätig.

Seine Arbeit wurde im Rahmen von großen internationalen Filmfestivals geehrt (Venedig, Berlin, Locarno, Toronto) und in zahlreichen Retrospektiven gezeigt (Österreichisches Filmmuseum; BAFICI, Buenos Aires; Jeonju IFF, Südkorea; Cinéma du Réel, Paris). 2013 wurde Karmakar eingeladen, Deutschland zusammen mit Ai Weiwei, Santu Mofokeng und Dayanita Singh bei der 55. Kunstbiennale in Venedig zu repräsentieren (Deutscher Pavillon). 2014 erhielt er den Preis der DEFA-Stiftung für „herausragende Leistungen im deutschen Film“. 2017 wurde er eingeladen, an der documenta 14 teilzunehmen. Romuald Karmakar ist ein Harvard Alumnus und Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

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