Social Design
Wunderschön anders
Social Design kann viel mehr als nur schön sein: Mit den richtigen Konzepten schaffen es Werkstätten heute, hochwertige Produkte von körperlich, geistig oder sozial benachteiligten Menschen fertigen zu lassen. Drei Beispiele für gelungene Inklusion.
Es ist einer jener Designentwürfe, die auf Anhieb überzeugen: Zwei Edelstahlfedern umschließen 900 Holzstäbchen zu einem runden „Messerblock“, unterlegt von einer Kunststoffplatte. Spielerisch und durchdacht, eine Art Kolumbus-Ei also. Ebenso der Brotkasten, dessen Deckel zugleich als Schneidbrett fungiert, inzwischen ein Klassiker im Portfolio des Labels Side by Side. Was die Entwürfe verbindet? Sie sind so simpel wie intelligent gelöst, optisch gelungen und nachhaltig erzeugt – dieser Dreiersprung zeichnet jedes der Produkte des Labels aus. Dass sie von Werkstätten für Menschen mit körperlicher Behinderung stammen, sorgt darüber hinaus für Erstaunen.
Erstklassige Entwürfe
Schon 2002 präsentierte das Label erste Entwürfe auf großen Interieurmessen wie Ambiente in Frankfurt oder imm in Köln. Statt auf Mitleid setzt Side by Side auf erstklassige Entwürfe von inzwischen rund 30 Designern. Ihre Aufgabe ist es, Modelle zu entwickeln, deren Herstellung in viele einzelne Arbeitsschritte geteilt werden kann, teils auf eigens umgerüsteten Maschinen. Die Strategie ging auf: Die Produkte waren konkurrenzfähig auf dem Markt, ohne den karitativen Aspekt zu sehr zu betonen.„Neben dem Lohn ist es für die Mitarbeiter wichtig, eine Tagesstruktur, Anerkennung und einen Arbeitsstatus zu haben“, erklärt Sabine Meyer. Viele der rund 70 Produkte sind aus heimischen Hölzern wie Esche, Eiche und Ahorn gefertigt.
Weltweiter Onlineverkauf
Kooperationen von Designern und Behindertenwerkstätten sind in Deutschland nichts Neues: Bereits in den 1950er-Jahren verfolgten Gestalter diesen Gedanken. Umgesetzt wurde er jedoch erst in den vergangenen Jahren. Hilfsorganisationen wie Caritas oder Pfennigparade unterhalten bundesweit Werkstätten zur Produktfertigung. Onlinekaufportale wie Entia bieten inzwischen rund 1.300 hochwertige und nachhaltige Produkte aus über 100 Werkstätten an.
So entstehen Gartenlichter, Windlichter oder Büroartikel, deren Gestaltung freie Designer übernehmen, die laut Stiftungsphilosophie namentlich nicht in Erscheinung treten. Verkauft werden die Produkte weltweit über ein Netz von Händlern.