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18:00–20:00 Uhr
Cemetery of the Nameless
Ausstellungseröffnung (in Anwesenheit der Künstlerin) | Eine Ausstellung von Pınar Öğrenci
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Goethe-Institut Boston, Boston, MA
- Preis Eintritt frei, bitte anmelden
- Teil der Reihe: Cemetery of the Nameless
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG (mit Pınar Öğrenci)
Donnerstag, 15. Oktober
18.00-20.00 Uhr
ÖFFNUNGSZEITEN (20.–25. Oktober)
Dienstag, 20. Oktober, 12–18 Uhr
Mittwoch, 21. Oktober, 12–18 Uhr
Donnerstag, 22. Oktober, 12–20 Uhr
Freitag, 23. Oktober, 12–20 Uhr
Samstag, 24. Oktober, 12–16 Uhr
Sonntag, 25. Oktober, 12–16 Uhr
Für die Präsentation im Goethe-Institut Boston passt die Künstlerin Pınar Öğrenci ihre Einzelausstellung „Cemetery of the Nameless“ an das kunstvolle 19. Jahrhundert Interieur des Back-Bay-Brownstone-Gebäudes des Goethe-Instituts an, um eine ortsspezifische Installation zu schaffen, die die Landschaft an der türkisch-iranischen Grenze mit dem europäischen Migrationsregime verbindet. Öğrenci greift Geschichten des Verschwindens auf – sowohl von Gewässern als auch von Menschen - als Teil einer Rückkehr in ihre Heimatstadt und einer fortlaufenden künstlerischen Untersuchung, mit der sie sich seit 2021 beschäftigt.
Der Klimawandel hat den Wasserstand des Van-Sees dramatisch gesenkt und dabei außergewöhnliche Strukturen freigelegt, die zuvor in den Tiefen des Sees verborgen lagen: Mikrobialite, bizarre Sedimentformationen, die Korallen und Stalagmiten ähneln. Diese Mineralablagerungen sind das Ergebnis einer jahrtausendelangen Anreicherung von Kalzium, Karbonat, Phosphat und Magnesium. Bei diesen Elementen handelt sich um eben jene, aus denen auch menschliche Knochen bestehen. Damit spielen sie eine zentrale Rolle in Öğrencis eindringlicher Allegorie.
Die Ausstellung hat ihren Namen von den Friedhöfen in der Region, auf denen die vielen begrabenen Flüchtlinge und Kurden – abgesehen von den forensischen Registriernummern auf ihren Grabsteinen – namenlos bleiben. Öğrenci stellt eine beunruhigende Parallele zwischen dem Verlust von Wasser und dem Verlust von Menschenleben her: Der See dient als Massengrab, und diese gespenstischen Formationen könnten durchaus Denkmäler für die unzähligen Opfer sein, die in der Region ohne Bestattung ums Leben kamen – Armenier, die im Völkermord von 1915–1916 getötet wurden, kurdische Dorfbewohner, die an der iranischen Grenze erschossen wurden, afghanische Flüchtlinge, die sich in den nahegelegenen Bergen verirrten. Doch ihre Hypothese hat noch eine weitere Ebene: Könnten die Mineralien, die im Laufe der Jahrhunderte aus den im Van-See versunkenen Leichen freigesetzt wurden, zur Bildung der Mikrobioliten beigetragen haben?
Durch diese miteinander verwobenen Erzählungen von Vertreibung, Verfolgung und Flucht hinterfragt die Ausstellung die Verflechtung von Umweltkatastrophe und menschlichem Leid. Der Van-See erscheint nicht bloß als Gewässer, sondern als Archiv traumatischer Ereignisse – als Aufbewahrungsort, an dem sich die Geschichten der Lebenden und der Toten, sowohl menschlicher als auch nicht-menschlicher Natur, in Schichten des kollektiven Gedächtnisses ablagern.
Die Künstlerin
Pınar Öğrenci
Die Künstlerin und Filmemacherin Pınar Öğrenci (1973, Van, Türkei) lebt in Berlin. Vertreibung, Migration, Überleben und Widerstand sind zentrale Themen in Pınar Öğrencis Filmen und Installationen. Ihre Arbeiten sind dekoloniale und feministische Interpretationen, die an der Schnittstelle von sozialer und politischer Forschung, alltäglichen Praktiken und menschlichen Geschichten entstehen und Menschen begleiten, die von erzwungener Migration betroffen sind. Öğrenci setzt sich mit Ort, Stätte und Architektur als Materialisierung von Gewalt auseinander. Ihre Praxis dient als Antwort auf eine kollektive Vergangenheit, die oft verschwiegen wird, und fordert ihr Publikum dazu auf, sich eine Zukunft vorzustellen, die auf Gerechtigkeit, Gleichheit und kollektiver Heilung basiert. Indem sie lokale Archive durchforstet, initiiert sie einen Prozess des kollektiven Erinnerns, bezieht Gemeinschaften mit ein, und hinterfragt, was in Erinnerung geblieben, ausgelöscht oder übersehen wurde. Ihre Werke wurden vielfach in Museen und Kunstinstitutionen ausgestellt, darunter die Manifesta 16 (2026), das HKW (2025), die Biennale von Venedig (2024), das Harvard Art Museum (2024), die documenta fifteen (2022), die 12. Biennale von Gwangju (2018), die 6. Biennale von Athen (2018), der 13. Sharjah-Biennale (2017), im MAXXI-Museum in Rom (2016) und im SALT Galata in Istanbul (2015–2016) ausgestellt. Sie hatte Einzelausstellungen im Harvard Art Museum (2026), im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG, 2025), im Frac Bretagne (2024), in der Berlinischen Galerie (2023), im Kunst Haus-Hundertwasser Museum in Wien (2017) und im Depo İstanbul (2017).
Ihre Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen wie der Neuen Galerie Kassel, Fraq Bretain in Frankreich, dem Harvard Art Museum, dem Stadtmuseum Berlin und dem Istanbul Modern Museum. Im Jahr 2024 wurde sie mit dem Villa-Romana-Kunstpreis ausgezeichnet und für das Humboldt-Stipendium 2026–27 ausgewählt.
Ort
170 Beacon Street
Boston, MA 02116
USA