Perruche-SCREENING & ARTIST TALK mit Clemens von Wedemeyer

Transformation Scenario © Clemens von Wedemeyer

Do, 03.10.2019

Cinéma Galeries

Galerie de la Reine |
Koninginnegalerij 26
1000 Brüssel

03.10 - 19:00 Cinema Galeries

 
Die Videoarbeiten von Clemens von Wedemeyer thematisieren gesellschaftliche Entwicklungen und Wandlungen von Machtstrukturen im Spiegel von Architektur, Stadt und Raum. Am 3. Oktober spricht der Künstler über seine jüngsten Videoarbeiten wie Faux Terrain (2019) und Transformation Scenario (2018):
 
Statist*innen im Hintergrund von Blockbuster-Filmen sind in der Postproduktion schon längst durch Algorithmen ersetzt worden. Wir sind inzwischen an Szenen gewöhnt, in denen Massen automatisierter Charaktere die Leinwand füllen, animiert von Algorithmen, die es ihnen ermöglichen, ähnlich wie Avatare in Computerspielen und in der Computersoziologie zu interagieren. Diese künstlichen Massen treten hier in den Vordergrund. Das simulierte Leben nahm in Filmen und Videospielen seinen Anfang und beeinflusst heute Bereiche wie Architektur, Stadtplanung und Verkehrsführung, aber auch Vorhersagen von Finanzmärkten und Handel. Virtuelle Szenarien verändern Leben und Gesellschaft. Die Spekulation von Transformation Scenario über den Einfluss emulierten Gruppenverhaltens auf Gesellschaften scheint ebenso beeinflusst von Godards Die fröhliche Wissenschaft (1969) als auch von Elias Canettis „Masse und Macht“ (1960) und lenkt den Blick auf gesellschaftliche Bildwelten, die Kontrolle von Menschenmengen und das Potential der Masse. In Zeiten des Populismus, wenn Zahlen zum Machtmittel werden und Demonstrationen und Massenereignisse Momente des Widerstands bilden, erfährt dies eine besondere Relevanz.

Clemens von Wedemeyer, geboren 1974 in Göttingen, lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte zunächst Fotografie und Medien an der Fachhochschule Bielefeld (1996–1998), später Bildende Kunst an der HGB Leipzig (MFA 2005), wo er derzeit als Professor in der Klasse expanded cinema lehrt. Seine Arbeiten wurden weltweit auf zahlreichen Festivals und in Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert, u.a. auf der 4. Berlin Biennale (2006), den Skulpturen Projekten Münster 2007 und der  dOCUMENTA (13) (2012). Einzelausstellungen (u.a.) im MoMA PS1, New York, ARGOS Centre for Art and Media, Brüssel, dem Frankfurter Kunstverein und dem Museum of Contemporary Art, Chicago.
 
 

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