Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Kapitel 3
Berlin-Alexanderplatz - Live im DDR-Fernsehen

Alexanderplatz-Demonstration, Berlin, 4. November 1989
Alexanderplatz-Demonstration, Berlin, 4. November 1989 | Foto: Thomas Wiesenack © wir-waren-so-frei.de

„Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen“, sagt der Schriftsteller Stefan Heym und trifft damit die Stimmung der 500.000, die am 4. November auf dem Berliner Alexanderplatz die DDR-Führung zu einer politischen Neuorientierung auffordern. 

Von Regine Hader und Dr. Andreas Ludwig

Die Künstler*innen verschiedener Ost-Berliner Theater rufen zu dieser Demo auf, warten auf die Demonstrant*innen. Währenddessen stehen die Menschen dicht aneinander in den Gängen der U-Bahnen – zwischen ihren Knien: die noch eingerollten Transparente und nach unten gehaltenen Plakate. Wie schon in den Wochen zuvor in Leipzig und anderswo sind sie fantasievoll, ironisch und drücken die unterschiedlichsten politischen Forderungen nach einer Reform des Sozialismus in der DDR aus. Mit Parolen wie „Mit dem Gesicht zum Volk“ und „130000 Stasiknechte haben keine Sonderrechte“ richten sich die Demonstrierenden direkt an die DDR-Führung. Bei der ersten genehmigten regimekritischen Demonstration erobern die Bürger*innen die Straße zurück – und der Staat erlaubt diesen Akt. Freiheit und Veränderung ziehen die Menschen in ihren Bann. Mehr als 20 Redner*innen, darunter auch offizielle Vertreter der DDR-Politik, analysieren die Lage ihres Landes und stellen ihre Forderungen. Es ist ruhig: Wohl niemals hörten Demonstrant*innen in der DDR auf einer Kundgebung so aufmerksam zu.

Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989 in Berlin Alexanderplatz-Demonstration am 4. November 1989 in Berlin | Foto: Merit Schambach © wir-waren-so-frei.de Die kritischen Gedanken klingen über den Platz hinaus bis zu den Klappsofas der Republik: Das DDR-Fernsehen sendet live, präsentiert damit die Dialogbereitschaft der Regierung. Wir wissen nicht, ob es am Ende zu diesem Dialog gekommen wäre und die DDR sich zu einem demokratischen Land entwickelt hätte, denn fünf Tage später fiel die Berliner Mauer. Die nach innen gerichtete Forderung nach Reformen stand nun unter dem Druck der offenen Grenze. Während Hunderttausende in den Westen gingen, löste sich die DDR gleichsam von innen auf.

Demonstration in Berlin am 4. November 1989 Demonstration in Berlin am 4. November 1989 | Foto: Hubert Link © Bundesarchiv / Wikimedia Wie bewusst sie sich dem politischen und historischen Wert ihrer Handlungen sind, zeigt ein Kreis inmitten der Menschenmenge: Sie sammeln am Ende der Kundgebung die Plakate ein und legen sie schließlich vor dem Museum für Deutsche Geschichte ab, dem offiziellen Geschichtsmuseum der DDR.

Weiterlesen in Kapitel 4

Top