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Aktuelle Musik aus Deutschland
Popcast

Rock, Pop, Hip-Hop, Electro: jeder Monat beginnt mit einem Schlaglicht auf die Studios und Clubs zwischen Kiel und Weilheim. Gemeinsam mit Zündfunk, dem Szenemagazin des Bayerischen Rund­funks, präsentieren wir Neues abseits der Charts. Qualitäts-Pop made in Germany, auch im Abo zum Herunter­laden.

Vaovao Foto (Ausschnitt): Vaovao © Anna Jaissle

Aktuelle Ausgabe

Diesen Monat mit Musik von: 

Abu Ama | Accidental Meetings
Die Cigaretten | Aodiolith
KARL HECTOR presents JOHNNY | Now- Again
ROBERT GÖRL & DAF | Grönland
Vaovao | Staatsakt

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer


  Der Münchner Gitarrist und Produzent Jan Weissenfeldt gehört zu den spannendsten Persönlichkeiten der Karl Hector presents JOHNNY! Karl Hector presents JOHNNY! | © Now Again deutschen Musikszene. Seit vielen Jahren schafft er rauhen, ungeschliffenen Funk, zum Beispiel mit seinem Project Poets of Rhythm oder den Whitefield Brothers. Und jetzt präsentiert er unter dem neuen Pseudonym Karl Hector sein neues, international besetztes Afro-Rock Projekt Johnny, dessen Basis Rock aus Sambia ist. Im Interview erklärt er, wie Rock und Afro-Beat zu diesem großartigen Genre verschmelzen konnten.
Vaovao Vaovao | © Anna Jaissle
Auch irgendwie verschmolzen, und auch mit irgendwie afrikanischen Wurzeln das Projekt Vaovao der Kölner Musikerin Hanitra Wagner und ihrem Mitstreiter Oliver Bersing. Hanitra Wagner ist ein Teil von Die Heiterkeit, wodurch sie sicherlich vielen bereits ein Begriff ist. Bei Vaovao kommen vielfältige Einflüsse zur Geltung, es herrschen elektronische Instrumente aller Art und insgesamt bleibt die Stimmung ruhig und kontrolliert.

Das kann man auch von dem mysteriösen Abu Ama Abu Ama | © Abu Ama Bielefelder Abu Ama behaupten, dessen analoger Dubsound eine derart intensive Ruhe ausstrahlt, dass man beim Hören buchstäblich die Rauchschwaden durch das Wohnzimmer ziehen sieht. Er erklärt sich im Interview wie seine Produktionen mit Teppichen zu vergleichen sind. Wenn sie überhaupt existieren – denn wenn, wie immer wieder behauptet wird, die Stadt Bielefeld tatsächlich eine Täuschung ist, wäre vielleicht auch Abu Ama eine Illusion. Auch das würde gut zu seinem Sound passen.
Die Cigaretten Die Cigaretten | © Katja Ruge
Da ist es gut, dass uns eine Band mit dem sehr konkreten Namen Die Cigaretten wieder sicher in die Wirklichkeit holt. Ihr neues Album Emotional Eater reflektiert laut ihrer eigenen Aussage wie eine gute Therapie die kollektiven Gefühle der Band, die sich, so die Band, auf magische Weise in Kompositionen verwandeln. Veröffentlicht wird es auf dem genialen Hamburger Label Audiolith, das regelmäßigen Hörer*innen des Popcasts sicherlich ein Begriff sein wird. In diesem Zusammenhang möchten wir euch das Bandporträt Wildes Herz empfehlen, in dem es um die Band Feine Sahne Fischfilet geht, die ebenfalls auf Audiolith veröffentlicht. Ihr könnt es euch derzeit noch kostenlos in unserer Filmreihe Im Zeichen des Widerstands auf Goethe on Demand ansehen.
Robert Görl Robert Görl | © Rick Burger
Mittlerweile wird es schon zur Tradition als letzten Popcast-Beitrag einen wiederbelebten Klassiker zu präsentieren, aber dieses Mal geht es vielmehr um neue Musik eines klassischen Acts. Robert Görl, Gründungsmitglied von DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) meldet sich zurück, mit einem vermutlich letzten Werk unter diesem Namen nach dem Ableben seines Bandkollegen Gaby Delgado-Lopez. Das Werk besteht in weiten Teilen aus bereits vor Jahren produzierten Spuren, aus denen Görl jetzt mit Nur Noch Einer den Abgesang auf ein wichtiges Kapitel deutscher Musikgeschichte gemacht hat.
 


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Weitere Ausgaben


Popcast November 2021

mit Musik von: 

Gewalt | Clouds Hill
Isolation Berlin | Staatsakt
Maria Portugal | Fun in the Church
Niklas Wandt | Bureau B
Sam Shackleton | Woe To The Septic Heart

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

Der Popcast im November hält einmal mehr Neues aus der deutschen Musikszene bereit, mit viel Musik und Interviews, in denen die Musikschaffenden ausführlich zu Wort kommen. Eine der interessantesten Isolation Berlin Isolation Berlin | © Noel Richter Neuerscheinungen des Monats ist das dritte, Geheimnis betitelte Album von Isolation Berlin. Sänger Tobias Bamborschke geht auf eine Reise ins Innere, das Album behandelt persönliche Krisen und psychische Probleme. Was das Album, und auch den hier vorgestellten Titel gleichen Namens von der Konkurrenz abhebt, sind die schlauen Texte, in denen imaginäre Figuren einzelne Aspekte einer Person repräsentieren. Hierzu mehr im Interview.

Ich werd' mich ändern, werd' mich ändern, irgendwann

Tobias Bamborschke, Isolation Berlin


Eine Welt für sich ist auch der Schlagzeuger, Perkussionist, Produzent, Radiojournalist und DJ Niklas Wandt, den Niklas Wandt Niklas Wandt | © Harriet Meyer man auch von seiner Band Stabil Elite kennt. Sein neues Album Solar Müsli ist eine spannende, teils herausfordernde Mischung aus Synthesizern, akustischen Instrumenten und diversen Samples. Die Basis ist aber immer der Rhythmus, das ist Niklas Wandts sicherer Ort. Wie sein elektronisches Projekt und die Jazzszene zusammenpassen, das erklärt er im Interview.
 

Ein Klang, ein Bett und eine Armee

Patrick Wagner, Gewalt


Sam Shackleton Sam Shackleton | © Sam Shackleton
Introspektiv, meditativ und vielschichtig – diese Attribute passen auch zu Sam Shackeltons psychoaktiven Klangcollagen (ritueller Trance steht auf seiner Seite, und das ist sehr treffend). Angenehme Erinnerungen an den düsteren Dub der 90er Jahre werden wach. Definitiv Musik für die After Hour.

Nicht zum Chillen taugt hingegen der polternde Sound von Gewalt (nicht zu verwechseln mit All Diese Gewalt). Zentrale Figur des Projektes ist der Berliner Szeneveteran, Sänger und Gitarrist Patrick Wagner, von dessen Gewalt Gewalt | © Magnus Winter Selbstbewusstsein man sich im Interview überzeugen kann. Musikalisch sind Gewalt recht brutal, aber stets diszipliniert. Kein Ton ist zuviel, alles wirkt durchdacht und abgeklärt.Seit einigen Jahren haben Gewalt jetzt schon auf unzähligen Shows eine eingeschworene Fangemeinde aufgebaut, so dass man bei dem jetzt erscheinenden Debutalbum Paradies ohne Übertreibung von einer lang erwarteten Veröffentlichung sprechen kann.

Abschließend stellen wir die brasilianische Experimentalmusikerin Mariá María Portugal María Portugal | © Kristina Zalesskaya Portugal vor, die mittlerweile in Deutschland lebt. Letztes Jahr war sie auf das tolle Moers Festivals eingeladen, das einigen sicherlich aus unserem Dossier zu Musikfestivals in Deutschland bekannt ist. In Moers ist auch ihr neues Album Erosão entstanden, ein spannendes, einfallsreiches und herausforderndes Werk, das man am besten unter Jazz einordnen kann, wobei es noch sehr viel mehr zu entdecken gibt.


 


Popcast Oktober 2021

Mit Musik von: 

Glasgow Coma Scale | Tonzonen Records
Gudrun Gut und Mabe Fratti | Umor Rex Records
Keshavara | Papercup Records
Faust | Bureau B
Thala | Duchess Box

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

Das bisher nur Insidern bekannte Kölner Duo Keshavara lassen es ruhig angehen. Ihr Manjula Mantra, das wir Keshavara Keshavara | © Niclas Weber in unserem Oktober-Popcast vorgestellt haben, mäandert gekonnt zwischen Kulturen, Epochen und Stilen. Doch das Beste an der gewagten, aber stimmigen Mischung ist eine gewisse allgegenwärtige Funkyness. Die sparsamen Texte, vor allem wenn sie auf Deutsch vorgetragen werden, sind aufgrund ihrer dadaistischen (oder weisen?) Qualitäten ein weiterer Faktor, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein wirklich faszinierendes Stück Musik, das die beiden Musiker im Interview näher erläutern. Das aktuelle Album Kabinett der Phantasie ist gerade erschienen, falls Sie mehr hören möchten.

Unter den Palmen liegt ein Geheimnis

Keshavara

Musik aus Deutschland zeichnete sich noch nie in erster Linie durch Entspanntheit aus. Umso erstaunlicher ist Thala Thala | © Celestecall es, dass wir in diesem Monat noch in ein verträumtes Stück Musik in der Auswahl haben. Thala, deren Konzeptalbum Adolescence vom Prozess des Erwachsenwerdens handelt, erinnert in ihren besten Momenten an Angel Olsen. Ein gewichtsloses Werk mit einigem Tiefgang. Im Interview erzählt sie die leicht hippieske Geschichte ihres künstlerischen Werdegangs.
 
Das Frankfurter Trio Glasgow Coma Scale will auf den ersten Blick nicht Glasgow Coma Scale Glasgow Coma Scale | © GCS so recht in die deutsche Musiklandschaft passen. Zumindest ist es das erste Mal, dass instrumentaler Stoner Rock im Popcast zu hören ist. Aber ihre unbändige Energie und der technische Perfektionismus, den sie in ihrem Stück Magik an den Tag legen, überzeugt auch Skeptiker.

I contemplate my life into pieces every day

Thala

Gudrun Gut & Mabe Fratti Gudrun Gut & Mabe Fratti | © Daniel Castrejón Zurück in vertrauterem Terrain treffen wir wieder auf das Genie von Gudrun Gut, Mitbegründerin von Malaria!, Mania D und Monika Enterprises, die sich mit einer spannenden Kollaboration mit der gualtematekischen Experimentalmusikerin Mabe Fratti zurück meldet. Gemeinsam haben sie Let's Talk About the Weather aufgenommen, ein vielschichtiges und grüblerisches Album über das Klima. Mabe Frattis Cello trifft auf Schnipsel von (ihren?) Gesprächen, Feldaufnahmen und elektronische Manipulationen. Eine impressionistische Klangcollage, die in eine verstörenden Dystopie führt. Nicht ohne Stolz weisen wir darauf hin, dass sich die beiden bei einem Projekt des Goethe-Instituts kennengelernt haben. Mehr dazu im Interview.

Und schließlich noch eine Premiere im aktuellen Popcast: die Vorstellung einer Wiederveröffentlichung. Faust, die legendäre Krautrock-Band, die in ihrer Heimat nie zu Ruhm gelangte, veröffentlicht ihre ersten vier Alben aus den frühen 1970er Jahren in einer luxuriösen 8-CD- (bzw. 7-Vinyl-) Box mit einem nie veröffentlichten Album und unzähligen unveröffentlichten Studiotracks.
 


Popcast September 2021

Mit Musik von: 

Breezy | Breezy
Henning Hans | Stargazerrecords
Die Radierer | Blitzkrieg Pop Records
Moritz von Oswald Trio | Modern Recordings
Nene H | Incienso

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

Moritz von Oswald Trio Moritz von Oswald Trio | © Charlotte Duale Das Moritz von Oswald Trio meldet sich im Popcast des Monats September zurück – mit dem meditativen Stück Chapter Four aus dem Album Dissent, das diesmal eher Einflüsse von Jazz und Dub aufweist. Unterstützt wird Morith von Oswald von der amerikanischen Experimentalmusikerin Laurel Halo und dem Jazzschlagzeuger Heinrich Köbberling, dessen unermüdliche Arbeit dem Album seine Richtung gibt.
 

Ich will jede Menge Spass
Ich will ins Gute Laune Land

Die Radierer

Mit viel Soul, aber auch Blues geht die Wahlberlinerin Breezy den HipHop an. Seit 2019 lebt sie in der Breezy Breezy | © Rhys Anderson deutschen Hauptstadt, mit der sie, wie sie im Interview erläutert, eine Hassliebe verbindet. Ihr Talent zur Verbindung von Stilen afroamerikanischer Stile hat ihre Musik geprägt, aber auch in Kollaborationen ist sie geübt. Im Jahr 2020 veröffentlichte sie gemeinsam mit Haszcara, Alice Dee, Cupid und anderen den mehrsprachigen Savage Rap und stellt hier im Popcast nun ihr Album Schwarzfahren vor, auf dem ebenfalls einige spannende Gäste mitarbeiten, unter anderem die australische Slam-Poetin Arielle Cottingham, deren Gedicht The Berlin Poem sie vertont hat und hier vorstellt.
 
Aber der Popcast zieht noch weitere geographische Kreise: auch Europa, Henning Hans Henning Hans | © Henning Hans sowohl der Kontinent als auch die Idee werden im Popcast verhandelt. Der bislang unbekannte Musiker Henning Hans hat im Alleingang sein Album Ich hatte mein Handy hätte man mich gebraucht aufgenommen, auf dem sich auch das im Popcast vorgestellte Europalied Ode an die Freude befindet, so benannt in ironischer Anlehnung an Friedrich Schillers Gedicht. Eine sehr interessante Entdeckung.
 
Knochentrockener Bass, hysterischer Gesang und gute Laune kommen von Deutschlands ältester Post Punk Band Die Radierer. Die Die Radierer Die Radierer | © Die Radierer Zeitgenossen von so illustren Kollegen wie Fehlfarben oder Palais Schaumburg treiben sich mittlerweile seit über 40 Jahren in der Musikszene herum, und stellen hier ein Lied vor, dass seit 40 Jahren unvollendet war. Manchmal dauert es halt etwas länger, aber das Warten hat sich gelohnt. An Energie haben sie zumindest nicht verloren.

Kann ich bitte endlich gehen

Nene H

Nene H Nene H | © Paul Krause Eine der weltweit aufregendsten neuen Acts in der elektronischen Musik ist die in Deutschland vor allem durch ihre bahnbrechenden Auftritte beim CTM Festival und Berlin Atonal bekannt gewordene und in Berlin und Kopenhagen ansässige türkischstämmige Nene H. Die in klassischer Musik ausgebildete Künstlerin nutzt ihre vielfältigen Talente und multikulturellen Erfahrungen für ihre düsteren und genreübergreifenden Tracks voller Atmosphäre und emotionaler Dichte. Das deutsche Feuilleton überschlägt sich seitdem vor Lob. Hier stellen wir ihren introspektiven Track Reue von dem soeben erschienenen Debutalbum Ali, benannt nach ihrem verstorbenen Vater.


Popcast August 2021

mit Musik von: 

Anika | INVADA Records
Hotel Kali | Antime Records
KMRU | Injazero Records
Peter Muffin Trio | Glitterhouse 
Zouj | City Slang
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer


Abwechslungsreichtum ist das Schlagwort der August-Ausgabe des Popcast. Wir beginnen mit der Anika Anika | © Sven Gutjahr ehemaligen Journalistin Anika, die durch ihre Kooperation mit Portisheads Geoff Barrow bekannt geworden ist. Früher wurde sie gern mit der unsterblichen Nico verglichen, und die stimmliche Ähnlichkeit lässt sich auch heute nicht leugnen; aber inzwischen ist die radikale Lo-Fi-Ästhetik einer minimalen Eleganz gewichen, die genauso hypnotisch und streng, aber viel zusammenhängender wirkt als die Songsketches des Debut-Soloalbums, das vor über 10 Jahren auf Stones Throw Records erschienen ist.
 

Die Pandemie war wie eine Lupe für all die Probleme

Anika

Zouj, wir zitieren hier mal das Infoblatt der Berliner Plattenfirma City Slang, geht es „darum, die Seele in Zouj Zouj | © jamal Cazare synthetischen Klängen zu finden: ‚Ich versuche, meine Maschinen menschlich klingen zu lassen, indem ich Fehler, Zufälligkeiten und Temposchwankungen emuliere, während ich mein Bestes als Mensch gebe, um wie eine Maschine zu klingen.‘“ Davon zeugt das kurze Mixtape Tagat des Leipziger Künstlers Zouj, das jetzt erschienen ist und hier vorgestellt wird. Der Track F100te, der hier zu hören ist, ist ein aufs Äußerste reduzierter Bass-track, dessen schmale Gestalt mit kleinen Melodien aus dem arabischen Kulturraum angereichert ist. Eine sehr interessante Entdeckung.

Jeder Track reflektiert ein Ereignis, einen Raum oder einen Ort

KMRU

KMRU KMRU | © Thukia Der aus Nairobi stammende Berliner Allround-Künstler KMRU liebt den Klang der Stadt. Sein mit Field Recordings aus Spaziergängen in Berlin und Nairobi angereichertes Ambient-Album Logue  ist ein gutes Beispiel dafür, wie Komplexität auch in einfachen Strukturen wirken kann. Neben dem spärlichen Einsatz weniger Synthesizer fallen vor allem aus dem ostafrikanischen Kulturraum stammenden Percussion-Arrangement auf. Ein schönes, eindringliches Werk eines multidimensionalen Künstlers, der trotz seines jungen Alters (er ist erst 24 Jahre alt) bereits auf ein beachtlich großes und weitgefächertes Schaffen zurückblicken kann.

Disco für mich, Disco für dich, Disco für alle!

Hotel Kali

Ebenfalls einen echten multikulturellen Hintergrund haben Hotel Kali, aber diesmal ist es die Berliner Hotel Kali Hotel Kali | © Arhan Sett Musikerin und Komponistin Theresa Stroetges (Golden Discó Ship), die im Rahmen einer Künstlerinnenresidenz in Kalkutta das Projekt Hotel Kali (die lustige Geschichte zur Entstehung des Namens könnt ihr im Interview erfahren) ins Leben gerufen hat. Der so entstandene indische Krautrock hat eine derartige Dichte, dass man sich fragt, warum diese kosmische Mischung nicht schon viel früher ausprobiert wurde. Wie verrückt gewordene Stereolab am Sonntagmorgen.

Ist das immer so? Ja, es ist immer so!

Peter Muffin Trio

Peter Muffin Trio Peter Muffin Trio | © Marina Buneta Natürlich heißt niemand beim Peter Muffin Trio tatsächlich Peter Muffin. Das aus Mitgliedern der Stuttgarter Pop-Bohème zusammengesetzte Trio hat sein aus knorrigen Gitarrenrockhits bestehendes Album nach dem umstrittenen Bahnhofsprojekt Stuttgart 2021 (das natürlich nicht wie geplant in diesem Jahr fertiggestellt worden konnte) benannt. Veröffentlicht wurde es auf dem sympathischen weserbergländischen Traditionslabel Glitterhouse Records, Veranstalter des alljährlichen Boutiquefestivals Orange Blossom Special, Teil unseres neuen Dossiers zu Musikfestivals in Deutschland, das sicherlich die eine oder der andere Popcast-Hörer*in interessant finden könnte.


Popcast Juli 2021

mit Musik von: 

Fehler Kuti | Alien Transistor
Maulgruppe | Major Label
Sophia Kennedy | City Slang
Stimming | Stimming Recordings
Tuvaband | Passions Flames
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

 

Red flying kites in the sky
What a perfect day for us to spеnd outside
Like a ghost in a suit
I'm floatin' down the boulеvard

Sophia Kennedy „Orange Tic Tac“

Sophia Kennedy, aus Baltimore stammende Hamburgerin, hat mit ihrem Partner in crime Mense Reents, den Sophia Kennedy Sophia Kennedy | © Benjakon einige sicherlich von den Goldenen Zitronen und Egoexpress kennen, mit Monsters ein fantastisches Popalbum abgeliefert, das in unserem Juli Popcast vorgestellt wird. Darauf beweist sie eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit, stellt diese aber immer in den Dienst der Suche nach dem perfekten Song. Im Interview erklärt sie, wie es zu dieser Kollaboration kam, und wie die Arbeitsteilung der beiden funktoniert.

Aus dem Notwist-Umfeld, und auch auf deren Label Alien Transistor erschienen, meldet sich Fehler Kuti zu Wort. Seine verspielten Loops krautiger Analogelektronik drehen sich die Wichtigkeit dessen, sich in die Diskussion um Solidarität mit Minderheiten einzubringen und sich selbst aktiv rassistischen Strukturen und identitätspolitischen Strömungen Fehler Kuti Fehler Kuti | © Andreas Neumeister entgegen zu stellen.
 

Ein Fehler kann doch jedem mal passieren.

Fehler Kuti „Professional People“

Tuva Hellum Marschhäuser hingegen geht es bei ihrem Projekt, der etwas ungeschickt benannten Tuvaband um Introspektive. Ihr Album Growing Pains & Pleasures entstand während des Lockdowns weitgehend im Alleingang in ihrem Heimstudio. Die Berlinerin mit norwegischen Wurzeln behandelt in ihrem elfenhaften Alternative-Pop Maulgruppe Maulgruppe | © Tamer Fawzy persönliche Themen wie die Auswirkungen der durch die Pandemie ausgelösten Isolation. Dabei ist ihr luftiger Sound, getragen von sanften Keyboards und klirrenden Gitarren ein wunderschöner Begleiter in einsamen Stunden.
 
Jens Rachut wird hier vermutlich nicht allzu vielen Menschen ein Begriff sein, dabei ist er einer der wichtigsten Figuren des deutschen Punk. Der mittlerweile fast siebzigjährige Veteran der Szene fügt seinem beachtlichen Lebenswerk – seine Bands tragen Namen wie Angeschissen, Dackelblut oder auch die unvergessenen Blumen am Arsch der Hölle – ein weiteres Projekt hinzu – die Maulgruppe. In dem hier vorgestellten Stück gibt es zudem ein Wiederhören mit der kürzlich verstorbenen Françoise Cactus von Stereo Total. Das Stück Kakteen Stimming Stimming | © Randy Rocket verblühen nie erzählt davon, wie die beiden sich im Burgund kennengelernt haben und lebenslange Freund geworden sind.
 
Der Hamburger Stimming war uns eigentlich noch durch seine Kollaboration mit Solomun und einen minimalen, aber äußerst konsequenten Clubsound in Erinnerung. Heute, auf seinem neuen Album Ludwig zeigt er seine experimentelle Seite. Erhalten geblieben sind die liebevoll gesammelten Field Recordings, aber musikalisch ist es inzwischen ein sehr vielschichtiges Erlebnis, das sich vereinzelt bis in klassische Gefilde vorwagt. Woher seine Naturverbundenheit kommt und wie diese zu Einflüssen seiner Musik wird, erklärt Stimming im Interview.

Jubiläumskonzert: 150. Ausgabe POPCAST

Im Juli 2021 wurde die 150. Ausgabe unseres Popcasts veröffentlicht. Anlässlich dieses Jubiläums fand am Freitag, 09.07.2021 eine Live-Sonderausgabe aus dem Habibi Kiosk der Münchner Kammerspiele gestreamt statt - mit Konzerten sowie einem Talk mit Ralf Summer. Gemeinsam blickt er mit den Musiker*innen auf die inzwischen 13-jährige Geschichte des Popcasts zurück. 

Wir freuen uns auf die nächsten 150 Ausgaben!
Video auf YouTube - Jubiläumskonzert POPCAST (07/2021)


Popcast Juni 2021

mit Musik von: 

Der Plan | Bureau B
Fred Red x Maura | Sichtexot
Haiyti | Haiyti Records
Mine | Virgin Music
Skee Mask | Ilian tape
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann



Sehr weitreichend ist die Diskussion um automatisierte Kunstprozesse. Dabei geht es sehr oft um den Fanuks auf der Bühne Seltene Sichtung: Die Fanuks auf der Bühne | © Der Plan/Bureau B Kunstbegriff selbst, also die Frage, ob Maschinen überhaupt in der Lage sind kreativ zu sein. Diese Frage stellten sich die elektronischen Anarcho-Dadaisten der Düsseldorfer Gruppe Der Plan Mitte der 80er Jahr nicht, als sie die Fanuks erfanden; Roboter, die sie unsterblich machen sollten. Allerdings wurde das Projekt damals nicht beendet, die Band trennte sich. Erst beim Sichten alter Tapes kamen diese Aufnahmen wieder ans Licht, und so freuen wir uns im Jahre 2021 über neue Tracks von Der Plan aka Fanuks. Wobei nicht klar ist, ob die Band überhaupt selbst mitgewirkt hat, oder ob die nach ihrem Ebenbild geschaffenen Roboter sie inzwischen komplett ersetzt haben. Aber würde das einen Unterschied machen?
 

Uin Uin Mun Kona Bap Uin

Der Plan „Uin Uin Mun Kona Bap Uin“

Von einem ganz anderen Planeten stammen Fred Red x Maura. Hier spürt man weder Angst vor der Fred Red x Maura Entspannen sich: Fred Red x Maura | © Matthias Erhardt Vergänglichkeit noch das Bedürfnis nach Entmenschlichung – im Gegenteil umschifft der rau gesampelte Breakbeat des Duos so elegant die Harmonien ihres entspannten HipHop-Souls, dass es einem ganz warm um die Seele wird. Ein starker Kontrast.
 

Du magst Scheiße, doch es ist schon okay
Es ist so okay, es tut niemandem weh

Mine „Audiot“


Orange: Mine Plötzlich sehr orange: Mine | © Simon Hegenberg Jasmin Stocker, bekannt unter ihrem Bühnennamen Mine bekannt stellt ihr bereits sechstes Album vor. Aus der natürlich-entspannten Singer-Songwriterin mit Wurzeln im Hiphop ist eine orangefarbene Kunstfigur geworden. Geblieben sind außergewöhnliche Kollaborationen und gereimte Strassenlyrik, aber musikalisch sind die Produktionen ganz klar im Mainstream angekommen, wovon man sich auch im Popcast eindrücklich überzeugen kann.
 

Mich tröstet der Nieselregen
Was für ein mieses Leben

Haiyti „Mieses Leben“

Die stets atemlose Hamburgerin Haiyti, Deutschlands Königin des Trap, veröffentlichte ohne jede Gangster? Haiyti! Gangster? Haiyti! | © Tim Bruening Ankündigung Mitte April ihr neues Album Mieses Leben, ein böses Meisterwerk, ohne das der Popcast dieses Monats nicht vollständig wäre.  Thematisch bleibt sie natürlich dem Gangster-Genre treu, aber das Album erlaubt auch Momente des Selbstzweifels.
 
Der kamerascheue Skee Mask, einer von Deutschlands vielseitigsten und aufregendsten Produzenten, hat im Mai sein Album Pool veröffentlicht. Kontaktlinse verloren: Skee Mask Kontaktlinse verloren: Skee Mask | © Ilian Tape Das 18 Tracks schwere Werk zwischen Ambientflächen und wüstem Jungle haben ihm den Ruf des ‚deutschen Aphex Twin‘ eingebracht. Im Popcast vertritt er den überaus experimentierfreudigen und nach wie vor weit ohne Bestrebungen um kommerzielle Kompromisse arbeitenden elektronischen Untergrund des Landes.


Popcast Mai 2021

mit Musik von: 

Die P | 365xx
Irakli | Dial Records
Ja, Panik | Bureau B
Messer & Toto Belmont | Turnland
Servicio Al Cliente | Imara Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer



Der Mai Popcast beginnt optimistisch mit Juliana Martinez‘ Servicio Al Cliente. Ihr sanfter Elektro-Pop, jetzt Toto Belmont Toto Belmont | © Iiri Poteri erschienen auf einem Sublabel des Kölner Kompakt-Imperiums, entstand in Berlin, der neuen Heimat der Kolumbianerin. Freundlichkeit, kindness ist der unumstößliche erste Eindruck dieses minimalistischen Elektro-Destillats lateinamerikanischer Coolness.

Ja, Panik Ja, Panik | © Max Zerrahn
Die Gruppe nennen Ja, Panik ihr neues Album, auf dem sie mit geschliffenem Denglisch und ausuferndem, eleganten Pop beeindrucken. Panik ist dabei das Letzte, was in den Sinn kommt; dazu wirken die laut Interview in Mutters Schweinestall produzierten Stücke zu erwachsen, abgeklärt. Das kommt vermutlich auch von der langen Schaffenspause, in der die Band reifen konnte. Im Interview erklären sie uns mehr dazu.


Das Hamburger Label Dial beschert uns das Debütalbum eines Veteranen der Berliner Technoszene. Irakli Kiziria lässt Raum zwischen Tönen und Spuren, sein vielschichtiges Album, und auch der hier Irakli Irakli | © Robert Kulisek vorgestellte Track Surface, ist perfekt inszeniertes Listening, ganz wie man es von Dial und seinen Stammkünstlern wie Lawrence und Efdemin gewöhnt ist.

Aber wie auch Irakli betont, ist es wichtig sich auch auf nicht Geplantes einzulassen, was direkt zu der Band Messer führt. Eine der besten Post-Post-Post-Punk Bands Deutschlands hat sich mit dem finnischen Messer Messer | © Moritz Hagedorn Künstler Toto Belmont zusammengetan und ein ganzes reines Dub-Album herausgebracht. Eine gewisse Reggae-Affinität konnte man bei dem Quartett zwar schon immer heraushören, aber das ist jetzt doch ein starkes Stück, ein grosser Wurf! Und so wurde aus dem im letzten Jahr erschienenen No Future Days kurzerhand No Future Dubs, wovon im Popcast ihr Lieblingslied Versiegelter Dub II vorgestellt wird. Im Interview erfahren wir, wie es dazu kam.

Ganz besonders freuen wir uns darüber, Die P vorzustellen. Die Die P Die P | © Tristan Barkowski Musikerin aus dem kleinen Bonn, der ehemaligen Hauptstadt, hat sechs Jahre nach Erscheinen ihres ersten Stücks endlich ihr Debutalbum vorgelegt. Ein raues, vielschichtiges und grundehrliches HipHop-Meisterwerk, das Die P endgültig in der deutschen Musikszene etablieren wird. Interessant auch ihr neues Label, das ausschließlich Musikerinnen unter Vertrag nimmt. Mehr dazu im Interview im Popcast!


Popcast April 2021

Der April Popcast des Goethe-Instituts ist eine angenehme Sache. Nach einem Jahr der Pandemie hat sich Modeselektor Modeselektor im Wald. | © Birgit Kaulfuss Musikhören, aber auch Musikmachen verändert, angepasst. Mal abgesehen von zweifelhaften Versuchen Clubabende über Zoom zu simulieren, ist einer der nervigsten (und kürzesten) Hypes der 80er Jahre, das Cocooning zur Wirklichkeit geworden. Gereist wird jetzt in den Köpfen und das Leben der vorletzten Jahre ist zu einer verklärten Erinnerung geworden.

 

Mit Musik von: 

Anna Erhard | Radicalis
Driftmachine | Umor Rex Records
Modeselektor feat. Paul St. Hilaire | Monkeytown Records
Sofia Kourtesis | Technicolour/Ninjatune
Triorität x Lukas Lehmann | Kryptox
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann


Geschichten, wie die von Sofia Kourtesis in ihrem betörenden Track La Perla vorgetragen, in dem sie ihrem sterbenden Vater Mut zuspricht, werden zu eigenen Erfahrungen in einer von Außenreizen so kargen Umgebung. So ganz hat man sich halt doch noch nicht an die soziale Isolation gewöhnt. Die Glücklichen unter den Eingesperrten, in diesem Fall die Elektroprominenz Modeselektor, Triorität Triorität entdecken die Kamera | © Triorität hatten die Gelegenheit gemeinsam zurück- und voranzublicken. In Zeiten der unbegrenzten Horizonte fand das Duo die nötige Ruhe, für ein neues Mixtape weit auszuholen. In dem in unserem Popcast vorgestellten Track mit Dublegende Paul St. Hilaire aka Tikiman, seit vielen Jahren bekannt als eine der Stimmen von Berlins Rhythm & Sound. Eine Milchstraße weiter hatte sich, auch irgendwie vor längerer Zeit, Mathias Modicas Marke Gomma dem modernen Jazz verschrieben. Bis heute ist er davon nicht abzubringen: Die Liedersammlung Kraut Jazz Futurism, jetzt schon Vol. 2, wird musikalisch im Popcast von Triorität x Lukas Lehmann vertreten. Zu Wort kommt aber natürlich der Maestro selbst.


Anna Erhard Unbefugt: Anna Erhard | © Greta Attinger Angenehm ist auch die Welt von Anna Erhard, die in der Vorzeit Freunden nach Berlin gefolgt war, und sich jetzt dort der Kunst widmet. Beim Hören ihrer wunderschönen Eskapismus-Hymne Trick Myself wird klar, dass man sie eh lieber alleine hört. Darum geht es doch schließlich auch. Und schließlich entsteht eine große Freude beim Entdecken von Driftmachine, deren neues Werk Spume & Recollection wieder an die bereits oben genannten Rhythm & Sound denken lässt, ein hypnotisches, introvertiertes, liebevolles Kleinod, das mit dem Begriff ‚Dubtechno‘ annähernd, aber doch unzureichend beschrieben ist. Ob Amazon es hat? Sonst war es vielleicht nur ein langer, ruhiger Traum.


Popcast März 2021

Masha Qrella Masha Qrella | © Diana Naecke Unser Popcast im März ist das beste Zeugnis für die Vielfalt der deutschen Musiklandschaft. Wir beginnen diese Ausgabe mit der sonst auf englisch singenden Masha Qrella, die musikalisch zwischen Pop und Elektronik oszilliert. Sie veröffentlicht mit „Woanders“ jetzt ihr erstes deutschsprachiges Album. Im Interview erklärt die geborene Ostberlinerin, warum dieser Sinneswandel und woher die Texte kommen.

Vor 20 Jahren bereits taucht in den deutschen Radiostationen ein merkwürdiges Lied auf. Der Sänger sei weg, er befände sich auf dem „Sonnendeck“. Der Künstler, ein junger Mann namens Meinrad Jungblut, begann damit unter dem Mouse On Mars Mouse On Mars | © Valentin Paster Namen PeterLicht eine charmant-bescheidene Karriere, die der deutschen Poplandschaft einige fantastische Alben voll schlauer Poesie beschwert hat.  Wir stellen das neue Album „Beton und Ibuprofen“ vor.
PeterLicht PeterLicht | © Christian Knieps
Ebenfalls schon eine Weile dabei, aber mit einem ungleich größeren internationalen Bekanntheitsgrad gesegnet sind die fantastischen Mouse On Mars, deren neues Album AAI von Künstlicher Intelligenz handelt – und nicht nur davon handelt, sondern auch unter ihrem Einsatz entstanden ist. Mehr dazu im Interview.

mit Musik von: 

Deadbeat meets the Mole | BLKRTZ 
Emeka Ogboh | Ostgut
Masha Qrella | Staatsakt
Mouse on Mars | Thrill Jockey
PeterLicht | Tapete Records

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

Es schließt sich der Kreis Montreal-Berlin mit der Vorstellung zweier hier Deadbeat and The Mole Deadbeat and The Mole | © Cherie altbekannter Musiker – Deadbeat and the Mole, die schon vor Jahren nach Berlin emigriert sind und mittlerweile dort Familien gegründet haben. Ihr gemeinsames Album „Deadbeat meets the Mole“ ist nicht ihre erste Zusammenarbeit – aber die erste gemeinsame Aufnahme. Im Interview erzählen sie mehr über ihr neues Leben, die Panorama Bar, Spielplätze und Neukölln. Emeka Ogboh Emeka Ogboh | © Marco Krüger

Und schließlich lernen wir das faszinierende Universum des nigerianischen Klangkünstler Emeka Ogboh kennen, der auf dem Sublabel A-Ton des berühmten Berghain-Labels Ostgut Tonträger seine spannende Soundcollage auf der Basis von Field Samples aus seiner Heimatstadt Lagos veröffentlicht.


Popcast Februar 2021

Mit Musik von: 

Albertine Sarges | Moshi Moshi Music
Grandbrothers | City Slang
Invisible Temple | Permanent Vacation
The Notwist | Morr Music
The Waves| Yoyaku Agancy

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann
 

Yes, you're free today!
And you don't shake hands
With the people that you don't like

Albertine Sarges

Der Februar-Popcast beginnt mit der Vorstellung eines der (wahrscheinlichen) Höhepunkte des Jahres – dem neuen Album der Weilheimer Superstars The Notwist. Inzwischen ohne Keyboarder Martin Gretschmann aka Console aka Acid Pauli haben die Brüder Markus und Micha Acher und Cico Beck eine Reihe von Gästen eingeladen. Im Interview erklären sie, warum ihr neues Album so warm und einladend klingt. Das beste Zeugnis dafür ist aber der hier vorgestellte Song „Al Sur“, den sie mit der wunderbaren Juana Molina aufgenommen haben.

Eine wunderbare Neuentdeckung ist das gerade auf dem britischen Superlabel Moshi Moshi (Hot Chip, Au Revoir Simone) erschienene Debutalbum der Berlinerin Albertine Sargas. Hier vorgestellt wird ihr gutgelauntes Manifest „Free Today“, eine herrliche Mischung aus Gospel und New Wave: Auch sie kommt im Interview zu Wort und spricht über ihre Konterstrategien in einer instabil gewordenen Welt, in der zunehmend der Wahnsinn zu regieren scheint.
Die Achse des Guten, Zürich-Wuppertal-Berlin-Bochum, ist der Lebensweg des Duos Grandbrothers, die mit „All The Unknown“ auf City Slang ein ausgezeichnetes drittes Album vorlegen. Sie sprechen über ihre spannende Technik, einen Flügel zu dem zentralen Instrument nicht nur für Klavier-Sounds zu machen und wie die Pandemie ihre Produktionsweise verändert hat.

Für „Maya“, das neue Album der Berliner DJ Maayan Nidam, hat sie nicht nur ihren alten Bühnennamen The Waves aus der Mottenkiste geholt, sie hat sogar eigens ein Label dafür gegründet. So ganz kann sie sich der Clubmusik als ihrer musikalischen Heimat nicht abwenden, aber die Tracks auf dem Album sind doch mehr im düsteren Pop zu verorten, wie man am hier vorgestellten „I’m Still Here“ deutlich vermerken kann.

Wer kennt noch das tolle Münchner Label Permanent Vacation, benannt nach einem sommerlichen Traum, der leider im letzten Jahr Wahrheit geworden ist. Aber Invisible Temple verzagen nicht – Labelgründer Benjamin Fröhlich sein Partner-in-crime Florian Peter aka Bostro Pesopeo wagen die Zeitreise in die 90er und hypnotisieren sich und ihre Fans mit dubbiger Elektronik aus der Digidub Ära, die großzügig von King Tubby und Adrian Sherwood zitiert. 

#PopcastLive - 27. Februar 2021: Konzert Albertine Sarges mit Band
Highlights-Video auf Instagram (02/2021)


Popcast Januar 2021

mit Musik von: 

Bernadette La Hengst &
Banda Internationale | Trikont
JISR | enja & yellowbird records
Lydia Daher | Kleine Untergrund Schallplatten
Rocket Freudental | Treibender Teppich Records
Salomea | enja & yellowbird records

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer


Der erste Popcast des neuen Jahres bringt wieder eine bunte musikalische Mischung aus der deutschen Salomea Salomea | © Karl F. Degenhardt Musikszene. Sängerin Rebekka Salomea Ziegler aus Herbolzheim spricht im Interview über die vielen Einflüsse auf ihrem gerade erschienenen zweiten Album Bathing in Flowers, das auf einem soliden Jazzfundament ruht, aber voller Selbstbewusstsein auch Elemente von elektronischer Musik und Rock beinhaltet.  „Nu-Jazz“ nennt es das Presseinfo.  Auf jeden Fall ein guter Start ins neue Jahr.
 
Ähnlich vielschichtig, ebenfalls mit Wurzeln im Jazz und sogar noch auf demselben Label, allerdings mit dem klaren Auftrag zum kulturellen Brückenbau, präsentiert der Münchner mit marokkanischen Wurzeln, Mohcine Ramdan, das JISR Ensemble. Die Einflüsse auf der neuen EP Too Far Away umspannen den gesamten Mittelmeerraum, was sich auch Mohcine Ramdan Mohcine RamdanMohcine Ramdan | © F. Schweizer im mehrsprachigen Gesang niederschlägt.
 
Im Rahmen ihres Engagements für den Schutz der Kultur gegen den Einfluss rechter Politik entstand 2018 der Song Wir sind die Vielen der Hamburger Ikone Bernadette La Hengst, den sie jetzt mit dem Dresdner Bernadette LaHengst & Banda Internationale Bernadette LaHengst & Banda Internationale | © Stanislaw Fotografie Orchester Banda Internationale anlässlich des Augsburger Brecht Festivals in einer Orchesterversion neu aufgenommen hat, zu finden auf dem gerade erschienenen Album Banda, Bernadette & Brecht.

 

Wir haben tausend Möglichkeiten, aber nichts in der Hand

Lydia Daher


Mit lyrischem Pop, weniger konkret aber ebenso aktuell, bewegt sich die Berliner Dichterin und Sängerin Lydia Daher Lydia Daher | © Gerald von Foris Lydia Daher auf ihrer neuen EP durch die Penetrante Realität. Sie reflektiert im Interview darüber, ob und wie die Pandemie künstlerisches Schaffen vergeblich macht.
 
Und schließlich beschweren sich Rocket/Freudental über das inflationäre Aufkommen von Yogalehrern und warum man sich eigentlich Rocket Freudental Rocket Freudental | © Thorsten Puttenat noch immer ernsthaft über Homöopathie unterhalten muss. Musikalisch zeigt sich das Schlagzeug/Gesangsduo eher minimalistisch, im Vordergrund stehen die bissigen Texte.

#PopcastLive - 29. Januar 2021: Konzert mit der Band „Salomea“
Highlights-Video auf Instagram (01/2021)


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