Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1) Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Aktuelle Musik aus Deutschland
Popcast

Rock, Pop, Hip-Hop, Electro: jeder Monat beginnt mit einem Schlaglicht auf die Studios und Clubs zwischen Kiel und Weilheim. Gemeinsam mit Zündfunk, dem Szenemagazin des Bayerischen Rund­funks, präsentieren wir Neues abseits der Charts. Qualitäts-Pop made in Germany, auch im Abo zum Herunter­laden.

Jens FriebeFoto (Ausschnitt): Jens Friebe © Max Zerrahn

Aktuelle Ausgabe

Diesen Monat mit Musik von: 

The Düsseldorf Düsterboys | Staatsakt
Jens Friebe | Staatsakt
Oberst & Buchner | Heimlich
1000  Robota | Tapete Records
Ströme | Compost Records
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

Oberst & Buchner Oberst & Buchner | © Josef Pfeiffer 'Grenzüberschreitende Downbeats' hat sich das Wiener Label Heimlich auf die Fahnen geschrieben. Teil dieses Kollektivs ist auch das deutsch-österreichische Dj- und Remixer Duo Oberst & Buchner, das mit Marble Arch ein wunderschönes Werk abliefert, dessen Synthesizer-Flächen und elegante Arpeggios konsequent in den Dienst der Komposition gestellt werden. Das Resultat ist ein warmer, zeitloser Synthpop, dessen stärkste Momente in den Instrumentaltracks passieren.
 

Ströme Ströme live | © Ströme In ähnlicher Manier arbeiten Ströme, die allerdings ganz auf analoge Technik setzen und sich rühmen, bei Liveauftritten auf den Einsatz von Computern zu verzichten. Auf ihrem zweiten Album arbeitet das Duo bei einigen Tracks mit dem Franz Ferdinand-Gründungsmitglied Nick MacCarthy. Auch dieses Album zeigt aber gerade bei den instrumentalen Stücken seine Stärken.

Was kommt nach höher schneller weiter
Nichts mehr was noch Spaß macht

1000 Robota, „SCHMA“

1000 Robota 1000 Robota | © Tom Otte Um die Hamburger Band 1000 Robota gab es in den späten Nullerjahren einen riesigen Hype.
Der raue Postpunk der damaligen Teenager (Hamburg Brennt) traf den Nerv der Zeit, aber nach zwei Alben war es genug, die Bandmitglieder verfolgten andere Pläne. Auf 3/3 meldet sich das Trio nun plötzlich nach über 10 Jahren wieder zurück, würdig gereift und ein kleines bisschen ruhiger. Die kreative Kraft ist erhalten geblieben und wie in alten Zeiten werden die versponnenen Texte fast durchweg zweistimmig vorgetragen, aber die Arrangements sind reichhaltiger geworden. Wer Lust hat, kann sich das Vinyl beim Label bestellen – die ersten 500 Exemplare sind von der Band selbst einzeln per Hand verpackt worden. Jedes Cover ist ein Unikat.

Jens Friebe Jens Friebe | © Max Zerrahn Der großartige Jens Friebe hellt jede Krisenstimmung mit seinen luftigen Popnummern schlagartig auf.  Am Ende Aller Feiern steht bei Jens Friebe nicht Verdrossenheit, sondern verschmitzte Reflexion nicht immer einfacher Zeiten, die es aber doch wert waren, gelebt zu werden. Und das verpackt in ein Arrangement, dessen Komplexität sich nur bei genauem Hinhören erschließt.

There’s a gangster on my bed
With a hoodie on her head
She’s looking good
She’s looking fine

The Düsseldorf Düsterboys, „Gangster“

The Düsseldorf Düsterboys The Düsseldorf Düsterboys | © Katharina Geling Die Düsseldorf Düsterboys sagen von sich, sie würden „Musik für die Party nach der Party“ machen, was den Ansatz von Jens Friebe ergänzt. Im Spinnoff-Projekt der schwer googlebaren International Music zelebrieren Peter Rubel und Pedro Goncalves Crescenti  in ironischer Ernsthaftigkeit den Sound der 1960er Jahre. Opulent kommen sie daher, mit edlen Akustikgitarren, sparsam-hölzerner Percussion und luftigen Flöten. Wer hätte gedacht, dass der vergessen geglaubte Folksound ausgerechnet im nicht gerade kosmopolitischen Essen wiederbelebt wird.
 


Popcast abonnieren:



Weitere Ausgaben


Popcast September 2022

mit Musik von: 

Andrra | 970042 Records DK 
Gebrüder Teichmann | Noland
Local Suicide | Iptamenos Discos
Pantha du Prince | Modern Recordings
Popkornzone | Popkornzone Records
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

High buildings
Low Morals
Full wallets
Empty hearts
Please take good care of your children

Local Suicide, High Buildings

Local Suicide Local Suicide | © Tibor Bozi Düsterer Elektrosound steht wieder hoch im Kurs. Das machen sich Vamparela and Brax Moody, derzeit auch mit ihrem Seitenprojekt Dina Summer in den Playlisten der Miss Kittin-Fans vertreten, für ihr Projekt Local Suicide zunutze. Die effiziente Mischung aus New Wave und Technodisco liefert der Generation Z neuen Stoff aus altem Zwirn. Doch man kann das Griechisch-Berliner Musiker*innen- und DJ-Duo leicht als Retro-Phänomen abtun, so richtig greifen tut es aber nicht. Ihre Stilsicherheit schützt sie vor allzu (boy) harscher Kritik. Da sitzt jede Falte, kein Ton ist zuviel. Und Spaß bringen tut der Sound sowieso.
 
Iptamenos Discos! © Video by Zaher Jr.
Andrra Andrra | © Halime Gashi Fatime Kosumi aka Andrra mit kosovarischen Wurzeln, erzählt, auf kosovo-albanisch, Geschichten aus ihrer Heimat, häufig als Vertonung traditioneller Texte. Es geht um die Rolle der Frauen und ihre Unterdrückung in der herkömmlichen Gesellschaftsstruktur des Kosovo, aber auch um Fragen der Emigration und Identität. Eine hochmoderne Arbeit mit Wurzeln in der Geschichte des Landes und ein Bild des Traumas, das sich durch die Leben so vieler kosovarischer Frauen, Männer, Mädchen und Jungen zieht.  Produziert in Berlin, hat Andrra sich ein feines Team aus Musiker*innen zusammengestellt, das mit akustischen wie elektronischen Mitteln gekonnt den traditionellen Sound in die Gegenwart hievt.

Popkornzone Popkornzone | © Anasol Michael Brilliante Albernheiten liefert die Popkornzone um den Künstler und Sänger Ferdinand Dölberg ab. Wer in deutscher Musik bewandert ist oder Freude am Googlen hat und sich orientieren möchte, der oder dem empfehlen wir den jungen Andreas Dorau und Tom Schilling als Referenzen. Kantiger Pop-Punk mit dadaistischen Texten erwartet die Fans des Berliner Hipster-Quintetts das trotz dieser klassischen Zutaten ganz eigen und durchdacht klingt.
 
© Popkornzone
Gebrüder Teichmann Gebrüder Teichmann | © Andi & Hannes Die Gebrüder Teichmann, auch im richtigen Leben Brüder (Andi und Hannes, Musiker, DJs, Labelmacher und Kulturaktivisten), sind schon lange fester Bestandteil der Berliner Technoszene. Sie haben „den Umbruch Berlins von einer subkulturellen Oase zu einer globalen Marke erlebt“, sich aber nie dem Mainstream gebeugt. Das mussten sie auch nicht.  Vielmehr sind sie viel gereist, auch auf Einladung des Goethe-Instituts, und haben immer neugierig die Schnittstellen zu anderen Kulturen und Musikschaffenden gesucht. Ihr neuestes Projekt, das in der Neuen Musik angesiedelte Time Bends, entstand in Zusammenarbeit mit der aktuell bei den Berliner Festspielen aktiven Percussionistin Robyn Schulkowsky.

Pantha du Prince Pantha du Prince | © Fréderic Boudin Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der etwas anderes als Verehrung für Hendrik Weber aka Pantha du Prince empfindet. Sanfte Flächen und versöhnliches Glockenspiel sind seit seinem Meisterwerk Black Noise, das bereits 2010 erschien, sein Markenzeichen. Seitdem nichts als feinste Qualität. Diese Tradition führt auch sein neues Album Garden Gaia fort. In der Ruhe liegt die Kraft. Auf der Single zum Album, Heaven Is Where You Are (Bendik HK Edit), eine bewegte Midtempo-Breakbeat-Nummer, wird diesmal allerdings sogar gesungen.
 
Video directed by Til Obladen and Aiste Tamosiunaite


Popcast August 2022

mit Musik von: 

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen | Tapete Records 
Ezé Wendtoin | Trikont
Frau Kraushaar | Staatsakt
Ralph Heidel | Kryptox
Shed | Edition Dur
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer


Die Liga der Gewöhnlichen Gentlemen Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen | © DLDGG Hamburg ist die Musikhaupstadt Deutschlands. Das hören Musiker*innen aus Berlin natürlich nicht so gern, aber es gibt einige Belege dafür, die sich einfach nicht verleugnen lassen. Einer davon war zweifellos die Band Superpunk. Ihr pointierter, Northern Soul beeinflusster Garagenpunk mit lustigen sozialistischen Texten war eine Offenbarung. Nach der Auflösung der Band entschlossen sich zwei der Bandmitglieder, mit gleichem Konzept und ähnlicher musikalischer Ausrichtung weiterzumachen: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, bei der praktischerweise der Chef der Plattenfirma Gitarre spielt, führt die Superpunk-Tradition ohne Fehl und Tadel weiter. Großes Glück!
 

Ezé Wendtoin Ezé Wendtoin | © Warc-en-ciel Eine recht kuriose Mischung aus deutschsprachigem Partylied und afrikanischer Tradition liefert Ezé Wendtoin aus Burkina Faso für den Popcast des Monats August ab. Aber der sonnig-launige Partysound trügt, den Ezé pendelt nicht nur musikalisch zwischen seinen Welten, sondern auch im Rahmen gleich mehrerer von ihm initiierter Hilfsprojekte, deren Ziel die Verbesserung der Schulbildung in seiner afrikanischen Heimat ist.

Alles ist voll Scheiße
Die Welt ist so gemein
Ich finde alles zum kotzen
Und leg mich ins Selbstmitleid rein

Frau Kraushaar „Lamentierendes Schwein“ (Bella Utopia, 2022)

Frau Kraushaar Frau Kraushaar | © Vera Tammen/Staatsakt Eine weitere Klassikerin aus der Hamburger Szene ist die schon seit langem tätige Musikerin und Künstlerin Frau Kraushaar. Mit Bella Utopia hat sie ein ausgezeichnetes elektronisches Folk Album, gespickt mit dadaistischen Texten abgeliefert, in dem es mal um die ganze kleinen Dinge des Lebens (ein Fundstück auf dem Flohmarkt beispielsweise), manchmal aber auch um grundlegende Lebenshaltungen (wie hier oben in Lamentierendes Schwein) geht.
 

Ralph Heidel Ralph Heidel | © Michael Ullrich Modern Life, das neue Album des Saxophonisten und Produzenten Ralph Heidel entstand in Zusammenarbeit mit dem derzeit vielleicht bekanntesten deutschen Produzenten Max Rieger. Die Arbeit zeichnet sich durch große Experimentierfreude aus, aber ihre Wurzeln liegen im Jazz und der Kammermusik. Auffallend ist neben einigen Mini-Perkussionsinstrumenten die Verwendung eines sehr alten Wandklavieres, und natürlich immer wieder das Altsaxophon des Künstlers selber.
 


Shed Shed | © Birgit Kaulfuss Rene Pawlowitz aka Shed reflektiert in seinem introspektiven neuen Album Odenbruch Themen seiner alten Heimat im Osten Deutschlands. Es geht um diese kleinen Orte, lokale Tankstelle, der Blick aufs Wasser, Musik, die aus Autos dringt die in Richtung Berlin fahren, ländliche Alleen, Trauerweiden und verlassene Fabriken, wo einst die Industrie florierte. Eine Landschaft zum Verlassen und Zurückkehren, ein pastorales Werk voller Ernsthaftigkeit, das im Katalog von Ostgut Ton, der dem legendären Berghain angeschlossenen Plattenfirma, erschienen ist.
 


Popcast Juli 2022

mit Musik von: 

Brezel Göring | Stereo Total Records / Flirt 99
Finna | Audiolith
Magnetic Ghost Orchestra | Fun in the Church
Perel | Kompakt
Raison | Buback
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

Brezel Göring Brezel Göring | © Tina Linster Seit den Neunzigerjahren haben Brezel Göring und Françoise Cactus mit ihrer Berliner Band Stereo Total deutsch-französische Freundschaft in verrückte Sounds verpackt. Anfang 2021 ist Françoise Cactus verstorben, deren gewollt überzogener französischer Akzent Markenzeichen der Band war. Ein gutes Jahr später veröffentlicht Brezel Göring mit Psychoanalyse (Volume 2) jetzt sein erstes Soloalbum seit dem Ende von Stereo Total. Das Album zeigt Brezel Göring von seiner verletzlichen Seite und ist vom Verlust seiner Bandpartnerin und Lebensgefährtin geprägt.

Mache den Rap wieder soft und zart
Fühl mal Gefühle und komm drauf klar
Mach nicht auf Boss und fühl dich hart
Denn jede Emotion macht uns stark

Finna „Zartcore“

Finna Finna | © Katja Ruge HipHop ist nur was für harte Jungs? Überhaupt nicht, findet die Hamburger Rapperin Finna. Zu ihrem Auftritt gehören nicht nur schwere Beats und klare Statements, sondern genauso pinke Outfits und eine Prise Glitzer. Ihrem aktuellen Debütalbum hat Finna den Namen Zartcore gegeben. Unter diesem Motto möchte sie das Sanfte und Zarte in die direkte, oft aggressive Welt des HipHop tragen und mehr Vielfalt in dem Genre möglich machen.
 

Magnetic Ghost Orchestra Magnetic Ghost Orchestra | © Benjakon Verglichen mit den vielen Solokünstlerinnen und -künstlern im Popcast des Monats Juli scheint Magnetic Ghost Orchestra genau den umgekehrten Weg zu gehen. Die Jazz-Gruppe um den Komponisten und Gitarristen Moritz Sembritzki besteht aus 17 Mitgliedern, die an dieser Bandgröße besonders den bombastischen Sound schätzen. Den präsentiert die Band gerade auf ihrem ersten Album Sand.

Perel Perel | © Helen Perez Für den namensgebenden Track ihres zweiten Albums hat die Electro-Musikerin Perel sich Verstärkung aus Montreal geholt. In Jesus Was an Alien ist nämlich die Gesangsstimme von Montreals Marie Davidson zu hören. Passend zum Titel fließen in Perels Mischung aus Minimal, House und Achtziger-New Wave immer wieder Synthesizer-Sounds ein, die direkt aus dem Ufo eines Scifi-Films stammen könnten.
 

Raison Raison | © Stephanie von Beauvais Die Frage, wer alles das Debütalbum von Raison hören sollte, lässt sich mit den Worten ihres Albums ganz einfach beantworten: So viele Leute wie möglich. Raison ist das Projekt der drei Musiker Schorsch Kamerun, PC Nackt und Mense Reents, die in Berlin und Hamburg wohnen. Ähnlich wie Brezel Göring sind die drei keine Newcomer. Schorsch Kamerun und Mense Reents waren seit den Achtzigern schon mit der Hamburger Band Die Goldenen Zitronen aktiv. Als Raison arbeiten sie vor allem mit einer minimalen Instrumentierung von Tasteninstrumenten, wenig Schlagzeug und nachdenklichem Gesang.

Text: Sonka Hinders


Popcast Juni 2022

mit Musik von: 

The Kings of Dubrock | Staatsakt
The Plastik Beatniks  | Alien Transistor
Kat Frankie | Grönland Records
Erdmöbel | Jippie! Industrie
Roman Flügel | Sister Midnight
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

Die Hamburger Musikszene nimmt in der deutschen Musiklandschaft einen besonderen Platz ein; sie The Kings of Dubrock The Kings of Dubrock | © Dorle Bahlburg zeichnet sich gegenüber anderen Städten insbesondere durch große Eigenständigkeit, Humor und Vielfalt aus. Die Kooperation des Produzenten Victor Marek (Knarf Rellöm), der auch in London ansässigen Choreografin Rica Blunck und dem Humoristen Jacques Palminger (Fraktus) ist eine dieser vom Wahnsinn gesegneten Erscheinungen. Ihr Projekt The Kings of Dubrock pflegt eine eigenwillige Mischung aus Wilder Westen, Dub Reggae und sommerlichem Pop. Jacques Palminger spricht, Rica Blunck singt, es reimt sich mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit Werkzeugkiste mit Landepiste, darauf muss man erst einmal kommen. In den Winter passt diese verrückte, fantastische Platte, Dubbies on Top, allerdings vermutlich nicht so gut.
 
 

Let the voices of dead poets
Ring louder in your ears
Than the screechings mouthed
In mildewed editorials.
Listen to the music of centuries,
Rising above the mushroom time.

Bob Kaufman Believe, believe

Bob Kaufman Bob Kaufman | © Mark Green Eine weitere Kooperation kommt aus dem Stall der Notwist-Brüder Markus und Micha Acher, die gemeinsam mit dem Hörspielautoren Andy Ammer eine Hommage an den Beatpoeten Bob Kaufmann produziert haben. Der bereits im Jahre 1996 verstorbene Dichter hinterlässt ein beachtliches Werk, dass bisher nicht die ihm gebührende Aufmerksamkeit bekommen hat. Dies möchten die Plastik Beatniks und ihr Label Alien Transistor jetzt ändern. Auf dem Album All Those Streets I Must Find Cities For rezitieren unter anderem illustre Gäste wie Patti Smith oder Moor Mother Gedichte des „Black American Rimbaud“, wie Kaufmann auch genannt wird.

Kat Frankie Kat Frankie | © Elina Kechicheva Einen geraderen Weg geht die schon seit langem in Berlin ansässige Australierin Kat Frankie. Ihr Album bietet perfekt produzierten, opulenten Kammerpop, der mal von vergänglichen Konsumgütern, mal von unsterblicher Hoffnung handelt – Shiny Things ist der treffende Name ihrer Arbeit, die es ansonsten schwer haben wird, sich gegen internationale Konkurrenz wie etwa Florence K zu behaupten.

Roman Flügel Roman Flügel | © Nadine Fraczkowski Roman Flügel gehört zu den respektiertesten deutschen Technoproduzenten, ist aber international eher als DJ bekannt. Nur mit Alter Ego, seinem gemeinsamen Projekt mit Jörg Elling Wuttke, konnte er im Jahre 2004 mit Rocker einen veritablen Clubhit landen. Sein erstes Soloalbum Ro70 aus dem Jahre 1995 hingegen ist den meisten Fans nicht bekannt, da es damals nur in einer recht geringen Auflage erschienen ist. So kam es zu der Entscheidung, das im besten Sinne wohnzimmertaugliche Album jetzt auf dem eigenen Label erneut zu veröffentlichen.
 
 

Das Universum ist meine
Große Liebe
Und die Physik
Verehre ich wie
Meine Mutter

Erdmöbel Das Vakuum

Erdmöbel Erdmöbel | © Matthias Sandmann Zum Abschluss des diesmonatigen Popcasts gibt es einmal mehr eine für Menschen außerhalb Deutschlands lang verborgene, großartige Entdeckung zu machen. Die Kölner Band Erdmöbel ist seit mehreren Jahrzehnten ein Garant für lyrischen Pop voller schlauer Einflüsse von klassischem Gitarrenpop bis Bossa Nova. Sie sind halt irgendwie zu gut für diese Welt, daher werden sie unser gemeinsames Geheimnis bleiben, und auch das fühlt sich richtig an. Guten Morgen, Ragazzi heißt das neue Album voller rätselhafter Kleinode, unter denen sich auch das hier vorgestellte Bernoulli Effekt findet.


Popcast Mai 2022

mit Musik von: 

Chilly Gonzales & Plastikman | Turbo Recordings
Ferge x Fisherman | Ferge x Fisherman Records
Freundliche Kreisel | Stroom Records
JakoJako | Bigamo Musik
Toechter | Edition Dur
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

Plastikman x Chilly Gonzales Plastikman x Chilly Gonzales | © Camille Blake Der Popcast des schönen Monats Mai zeigt eine ruhige und entspannte Facette der deutschen Musiklandschaft. Allen voran eine Veröffentlichung, die man eher in Kanada verorten würde. Der seit Jahren in Berlin wohnhafte Richie Hawtin und der zwischen den beiden Ländern pendelnde Chilly Gonzales, verkanntes Genie an den Tasten, haben sich an eine Neuinterpretation des Plastikman (aka Richie Hawtin) Albums Consumed von 1998 gesetzt. Das bis heute als Wegbereiter des Minimal Techno gefeierte Meisterwerk hat auch in Consumend in Key, dieser vom Klavier begleiteten Remix-Version nicht an Kraft verloren. Produziert von keinem geringeren als Montreals Tiga.
Ferge x Fisherman Ferge x Fisherman | © Gregor Seifert
An die frühen 90er Jahre erinnert der Sound des Projekts Ferge x Fisherman, und zwar an die damals bahnbrechende und erstaunlich stimmige Mischung von Jazz und Hiphop. Gespickt mit internationalen Gästen wie Detroits Black Milk, der enorm talentierten Münchnerin Victoryaz oder dem südafrikanischen Sänger Hunter Rose liefert das Nürnberger Duo den perfekten Sound für warme Sommernächte.
 

Schläfst du denn schon?

Freundliche Kreisel


Freundliche Kreisel Freundliche Kreisel | © Claire Dorweiler Sympathisch versponnen, humorvoll, experimentell aber auch auf eine Art kompromisslos folgen Freundliche Kreisel auf ihrem Debutalbum ihren Ideen. Ein Haufen elektronischer und akustischer Instrumente begleitet die träumerischen, oft nur gesprochenen Texte. Wer mehr davon hören will, der suche nach Baldruin und Brannten Schnüre, den anderen Projekten der Bandmitglieder, die ebenfalls sehr hörenswert sind und Aufschluss geben über die Vielfalt der Einflüsse dieser unvergleichlichen Band.
JakoJako JakoJako | © Katja Ruge
Einen anderen, geraderen Weg geht JakoJako. Die Berghain DJ Residentin verwendet überwiegend modulare Systeme in ihren minimalen Tracks, deren sanfte, gerade Sequenzerschleifen sie mit enorm viel Hall veredelt. Das Album Metamorphose entwickelt seine faszinierende Kraft durch eine greifbare Ruhe. Hier wurde mit Geduld produziert. Arbeiten tut Sibel Koçer, wie JakoJako bürgerlich heißt, passenderweise in einem Geschäft für modulare Synthese.
 

toechter toechter | © Sophie Krische toechter ist ein Spielplatz, ein offenes Labor für neue Sounds und Experimente, so die Gruppe im Interview. Das Trio, bestehend aus Katrine Grarup Elbo, Marie-Claire Schlameus und Lisa Marie Vogel verwendet auf ihrem Album Zephyr ausschließlich Streichinstrumente (Violine, Viola, Cello) mit wenigen kurzen Vokalpassagen, die sie mit einem beachtlichen Arsenal von Effektpedalen bearbeiten, verzerren und loopen. Heraus kommt ein wunderschönes aber seltsam entrücktes Album zwischen Kammermusik und filmischer Dramatik.
 


Popcast April 2022

mit Musik von: 

Chris Imler | Fun in the Church
Future Kult | Action Wolf Records
Get Well Soon | Virgin Music
Mittekill | Weltgast
Painting | World and Sound/Anytime
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann 




Get Well Soon Get Well Soon | © Clemens Fantur Get Well Soon, das Projekt von Konstantin Gropper aus dem winzigen Biberach in Süddeutschland, klingt mit seinen opulenten Arrangements voller Streicher und Bläser nach großem Pop, gemacht für ein internationales Publikum. Schon sein Debutalbum aus dem Jahre 2008 wurde international von dem britischen Label Nude veröffentlicht (in Deutschland auf City Slang, wo sonst), und seitdem hat er nicht nachgelassen. Der Absolvent der Popakademie Mannheim, eine Art Kaderschmiede für den deutschen Pop-Nachwuchs, stellt im Popcast des April sein neues Album vor und muss sich auch diesmal nicht vor der Konkurrenz verstecken. Brilliantes Songwriting und die wunderbar ausgefeilte Produktion haben das Zeug zum Klassiker.

I’ve been to Hidalgo
Where the corn grows
And the wind blows
I get around

Future Kult „Hildalgo“


Future Kult Future Kult | © Future Kult Future Kult, bestehend aus den Musikern Sion Trefor und Benjamin Zombori aus Cardiff und Berlin, haben sich letztes Jahr für 3 Monate auf eine selbst organisierte Residenz in die mexikanische Provinz begeben. Die Welt erschien ihnen tragisch, widersprüchlich, grausam und verzweifelt, und das sollte in einem musikalischen Projekt verarbeitet werden. Benjamin kannte sich schon gut in Mexiko aus, und so fiel die Wahl auf den abgelegenen Ort Hidalgo. In der Abgeschiedenheit entstand ein düsteres Werk von dystopischer Anmutung. Ein einzigartiges Projekt.

Chris Imler, Straßendandy, dubioser Zauberkünstler und Prophet mit Chris Imler Chris Imler | © Chris Galya Feiermann einem Hintergrund als Schlagzeuger (The Golden Showers, Oum Shatt, Die Türen) gilt schon seit Jahrzehnten als Grandseigneur des Berliner Undergrounds. Nun hat er mit Operation Schönheit ein neues, ahem, schönes Album aufgenommen. Mit Scheppern, Klimpern und Sägezahnsynthies bleibt er aber in der Tradition der elektronischen Post-Punk-Flanke verortet, in der Imler und seine Grooves stehen.


 

Vor einiger Zeit wurde im Popcast das Projekt Hotel Kali vorgestellt, eine vom Goethe-Institut geförderte Residenz der Berliner Musikerin Theresa Stroetges und einigen lokalen Musiker*innen in Indien. Im Popcast dieses Monats stellt die auch als Golden Diskó Ship bekannte Multiinstrumentalistin gemeinsam mit Christian Hohenbild und Sophia Trollmann ein neues Projekt vor, die Band Painting und das Album Painting is Dead, Teil eines interdisziplinären Kunstprojektes, das sie Painting in 3D genannt haben. Hier vorgestellt das kanonische Symmetrical Patterns.
 

Ich steh´ an der Fleischtheke - man behandelt mich nicht nett.
Die Lüge schreit: ‚Ich bin die Wahrheit‘ - doch es ist Tourette.
Das sind die Leute aus dem Internet.

Mittekill „Die Leute aus dem Internet“


Mittekill Mittekill | © Martin Gottschalk Friedrich Greiling und Jan Hohmann sind seit 2007 Mittekill und haben die neue deutsche Welle in das Zeitalter des Techno transportiert. Ihr neues Album Phantom Club ihr neuester Output, ist eine recht dunkle, zurückgenommene Geschichte, die ihnen äußerst gut zu Gesicht steht. Die Single Die Leute aus dem Internet, eine funkelnde Midtempo Nummer, thematisiert das Verhältnis Realität und Internet, was für kaum jemanden positive Assoziationen weckt, aber mit dem für die Band typischen Humor und einiger Schlauheit umgesetzt wurde.
 


Popcast März 2022

mit Musik von: 

Amewu | Ameguwa/Krasser Stoff
Ebow | Alvozay
Jesper Munk | Billbrook Records
Knarf Rellöm Arkestra | Hanseplatte/Misitunes
Maya Shenfeld  | Thrill Jockey
Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

  Jesper Munk Jesper Munk | © Dhanesh Jayaselan
Eine Umarmung nennt Jesper Munk sein neues, viertes Album Taped Heart Sounds. Es enthält Coverversionen von Songs seiner musikalischen Heldinnen und Helden–darunter Etta James, Tom Waits und Jacques Brel. Entspannt, immer im mittleren Tempobereich und munter aus Folk, Blues, Soul und allem dazwischen schöpfend macht sich Jesper Munk die Lieder ganz zu eigen, wie auch das hier vorgestellte Liebeslied Baby, ursprünglich von Donnie & Joe Emerson, unter Beweis stellt. Die ungewöhnliche Aufnahmetechnik mit Mehrspurkasetten, erklärt Jesper Munk im Interview unseres März Popcasts.

Knarf Rellöm Knarf Rellöm | © Stefan Malzkorn
Das  Knarf Rellöm Arkestra ist eines der vielen Projekte von, nunja Knarf Rellöm, einem außerhalb des deutschsprachigen Raumes kaum bekannten Veteranen der deutschen Musikszene. Seine immer schlauen und verschmitzten Songs haben wenig Mainstream-Appeal, allerdings gelingt ihm auf dem neuen Album Kritik der Leistungsgesellschaft (ein typischer Rellöm Titel) in Zusammenarbeit mit seinen Mitstreier*innen DJ Pattex und Tillamandaso mancher flotte Bouncer, wie beispielsweise das hier vorgestellte Say It Loud, du hast Scheiß gebaut.

Maya Shenfeld Maya Shenfeld | © Tobias Tzielony
Ein umwerfendes Debutalbum ist Maya Shenfeld gelungen. Die aus Israel stammende Berlinerin experimentiert auf In Free Fall mit minimalistischen Synthesizer Linien und Arpeggios, die durch ihre repetitive Einfachheit einen meditativen, verwunschenen Zauber entwickeln. Die klassisch ausgebildete Gitarristin lässt ihr Hauptinstrument auf dem Album fast gänzlich beiseite liegen, schöpft in den Kompositionen aber aus ihrer Erfahrung. Das vorgestellte Stück Body, Electric ist eine klassisch anmutende Meditation mit einer geisterhaften Intensität.

Denn ich definiere mich darüber wer ich bin
Nicht was ich habe, haben werde oder hatte
Und es bleibt die ewige Frage: Haben oder Sein?

Amewu, „Haben oder Sein“

Amewu Amewu | © Janick Zebrowski
Amewu, Deutsch-Ghanaer aus Berlin, ist schon einige Zeit in der HipHop-Szene unterwegs. Sein neues Album Haben oder Sein ist ein zurückgenommenes, ausgereiftes Rapalbum, das nicht nur textlich, sondern auch musikalisch ein Erlebnis ist. Im hier vorgestellten Opener Amewuga, in dem es um Amewus Leben als Außenseiter zwischen den Kulturen geht, entdeckt man gar ein Sample der frühen Depeche Mode

Ebow Ebow | © Marko Mestrovic
Den Abschluss des März Popcasts macht eine der Gaddafi Gals, Ebru Düzgün aka Ebow, mit ihrem zwischen Deutsch-Trap und souligen R&B angesiedelten Album Canê, das nahtlos an den Vorgänger K4L anknüpft. Sie erzählt im Interview vom Album, der Zeit der Pandemie und auch von ihrem neuen Label Alvozay (türkisch für „Freundinnen“), das sich auf die Förderung von BPOC-Künster*innen spezialisiert, die auch auf dem deutschen Musikmarkt immer noch stark unterrepräsentiert sind. Als Abschluss zu hören: Ihre neue Ballade Trouble.
 


Popcast Februar 2022

mit Musik von: 

Anne  | Grzegorzki Records
AYKU  | Trikont
Kreidler  | Bureau B
Master Of All Four Elements | Master Of All Four Elements
Tocotronic  | Vertigo/Universal

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

 

Entschuldigung, du weißt, ich muss jetzt gehen
Ich kann nur eine Viertelstunde
im Schlund überstehen

Tocotronic „Ich tauche auf“

Tocotronic Tocotronic | © Goria Endres de Oliveira Für viele deutsche Musikfans ist die Band Tocotronic ein Sinnbild für die zweite Renaissance alternativer deutschsprachiger Musik nach der Neuen Deutschen Welle. Zeitgleich mit dem amerikanischen Lo-Fi von Bands wie Pavement und Sebadoh trat Mitte der 90er Jahre die sogenannte Hamburger Schule auf den Plan, und Tocotronic waren mit parolenhaften Songtiteln wie Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein eine ihrer wichtigsten Vertreter. Viele Jahre später erscheint Nie Wieder Krieg, ihr 14. Studioalbum, ein musikalisch wie auch sonst gereiftes Werk abgeklärter Schönheit. Der hier vorgestellte Song Ich tauche auf ist ein Duett mit der fantastischen Österreicher Sängerin Soap&Skin. Im Interview kommen Arne Zank und Jan Müller, Schlagzeuger und Bassist der Band, zu Wort. Songs Of Gastarbeiter 2 Songs Of Gastarbeiter 2 | © Trikont

Eine typisch deutsche Angelegenheit ist die Kompilation Songs of Gastarbeiter Vol. 2. Ab Mitte der 50er Jahre litt die deutsche Wirtschaft unter Arbeitskräftemangel, viele ausländische Arbeitskräfte kamen durch ein entsprechendes Programm der deutschen Regierung ins Land, die sogenannten „Gastarbeiter“. Es entstand eine musikalische Subkultur, die der deutschen Öffentlichkeit weitgehen unbekannt war, bis sie vor acht Jahren in der ersten Folge der hier vorgestellten Kompilation porträtiert wurde.  Diesmal aber geht es um die zweite Generation der Gastarbeiter. Vorgestellt werden Los Binkis mit Ayer tuve un sueno. Ein wichtiges Zeitdokument, das sich aus einem riesigen Spektrum an Einflüssen und Stilen speist.

Ich fliege über die Felder
Ohne Namen, ohne Geld

Anne „Die Felder“

Anne Anne | © Wilfried Petzi Anne, ein Quartett aus München, machen versponnenen Pop zwischen Kunst und Liedermacher. Mit dabei die Schlagzeugerin von Candelilla, die aufmerksamen Popcast-Hörer*innen bekannt sein dürften. Über die widrigen Umstände ihres Beitrags und den Zusammenhang von Musik und Malerei erfahrt ihr mehr im Interview.

Alte Helden, Teil 2: Instrumental, atmosphärisch, unruhig und manchmal bedrohlich, so klingen sind seit vielen Jahren Kreidler. Auch auf ihrem neuen Album Spells and daubs sind die Kompositionen minimal und repetitiv, versetzt mit Field recordings und schwer auszumachenden Samples. Hochinteressant die Wahl des Produzenten Peter Walsh (Scott Walker, Heaven 17), unter dessen Leitung ein Kreidler Kreidler | © Heinz Emigholz weiteres dubbiges Meisterwerk der Düsseldorfer entstanden ist. Auch sie sprechen im Interview über den Zusammenhang ihrere Musik mit den schönen Künsten.

Das Augsburger Duo Master of all Four Elements stellt mit ihrem angenehmen Retro-Popsound einen würdigen Abschluss des Popcasts des Februar dar. Sie freuen sich im Interview über die Vorteile der Pandemie und ihre neue gemeinsame Wohnung. Wir freuen uns mit ihnen und dem schwer gelungenen Rat Love vom neuen Album Flesh Master Of All Elements Master Of All Elements | © Master Of All Elements Faker.
 


Popcast Januar 2022

mit Musik von: 

Fazer | City Slang
JASSS | Ostgut Ton
Laura Lee & The Jettes | Duchess Box Records
Nalan | Mansions & Millions
Sissi Rada | Kryptox

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer

 

Hope will fly
And they take off
to the past and present skies

Laura Lee & The Jettes „Caterpillar“


Laura Lee & The Jettes Laura Lee & The Jettes | © Suzanne Caroline de Carrasco Zum 15. Mal bereits begrüßt der Popcast des Goethe-Instituts ein neues Jahr und wir wünschen allen Hörerinnen und Hörern ein frohes und auch musikalisch ausgezeichnetes Neues Jahr. Los geht es diesmal mit der großartigen Laura Gertken alias Laura Lee & The Jettes, die Ende des letzten Jahres noch schnell ein kleines Pop-Meisterwerk hingelegt hat. Wasteland, das Album der einen Hälfte des jetzt aufgelösten Duos GURR, enthält 11 kurze schmissige Shoegaze-Pop Hymnen, von denen wir hier als Opener den Song Caterpillar vorstellen. Im Interview erzählt Laura von ihrem Werdegang. Den amerikanischen Kontinent wird sie auch dieses Jahr besuchen – der Slot beim SXSW ist bereits gebucht!
 
 

Sissi Rada ist Harfinistin mit griechischen Wurzeln. Auf ihrem Album Nano Diamond geht sie nach eigener Aussage auf die Suche nach primitiven Sounds alter Instrumente, die mit minimaler Elektronik zu einem wunderschönen Klangteppich webt. Dabei wird sie unter anderem unterstützt von Brian Eno und Andi Toma von Mouse on Mars.
 
 

I’m in my favorite place on earth
Me, my blanket and my favorite scores
I wrote my own episode
I’m good 4 sure

Nalan „I’m Good“

Nalan Nalan | © Nusa Hernavs
Nalan Karacgil, vormals Teil der Gaddafi Gals und einigen auch als Slimgirl Fat bekannt, hat im ersten Lockdown ein Album produziert, das verschiedenste Einflüsse der letzten zwei Jahrzehnte verwendet und mit Songwriting auf internationalem Niveau glänzt. Auf I’m Good. The Crying Tape reflektiert sie über ihre Jugend und die wechselhaften Stimmungen in der Isolation, wie sie im Interview näher erklärt.




 
 

Fazer Fazer | © Michael Wong
Fazer aus München möchten auch auf ihrem dritten Album Plex nicht als Jazzband gelten; zu vielfältig sind die Einflüsse, die sie nennen. Postrock, Afrobeat, experimenteller Pop, Dub Techno sind für das Quintett ebenso wichtige Bestandteile ihrer Musik. Über ihre neue Verbindung zum renommierten Berliner Label City Slang erzählen sie uns im Interview.


 


Auch die aus Spanien stammende und in Berlin ansässige JASSS JASSS JASSS | © Matt Lambert wandelt zwischen den Welten, allerdings in elektronischen Gefilden. Übermutige Synth-Stabs finden sich auf A World Of Service ebenso wie düstere Dub Experimente und Ausflüge in Trip Hop, wie in dem hier vorgestellten Titeltrack.
 

Pleasure
is nowhere to be found
Inside this world of service

JASSS „A World of Service“


Popcast Dezember 2021

mit Musik von: 

Abu Ama | Accidental Meetings
Die Cigaretten | Audiolith
KARL HECTOR presents JOHNNY | Now- Again
ROBERT GÖRL & DAF | Grönland
Vaovao | Staatsakt

Autor und Sprecher (Deutsch): Ralf Summer


  Der Münchner Gitarrist und Produzent Jan Weissenfeldt gehört zu den spannendsten Persönlichkeiten der Karl Hector presents JOHNNY! Karl Hector presents JOHNNY! | © Now Again deutschen Musikszene. Seit vielen Jahren schafft er rauhen, ungeschliffenen Funk, zum Beispiel mit seinem Project Poets of Rhythm oder den Whitefield Brothers. Und jetzt präsentiert er unter dem neuen Pseudonym Karl Hector sein neues, international besetztes Afro-Rock Projekt Johnny, dessen Basis Rock aus Sambia ist. Im Interview erklärt er, wie Rock und Afro-Beat zu diesem großartigen Genre verschmelzen konnten.
Vaovao Vaovao | © Anna Jaissle
Auch irgendwie verschmolzen, und auch mit irgendwie afrikanischen Wurzeln das Projekt Vaovao der Kölner Musikerin Hanitra Wagner und ihrem Mitstreiter Oliver Bersing. Hanitra Wagner ist ein Teil von Die Heiterkeit, wodurch sie sicherlich vielen bereits ein Begriff ist. Bei Vaovao kommen vielfältige Einflüsse zur Geltung, es herrschen elektronische Instrumente aller Art und insgesamt bleibt die Stimmung ruhig und kontrolliert.

Das kann man auch von dem mysteriösen Abu Ama Abu Ama | © Abu Ama Bielefelder Abu Ama behaupten, dessen analoger Dubsound eine derart intensive Ruhe ausstrahlt, dass man beim Hören buchstäblich die Rauchschwaden durch das Wohnzimmer ziehen sieht. Er erklärt sich im Interview wie seine Produktionen mit Teppichen zu vergleichen sind. Wenn sie überhaupt existieren – denn wenn, wie immer wieder behauptet wird, die Stadt Bielefeld tatsächlich eine Täuschung ist, wäre vielleicht auch Abu Ama eine Illusion. Auch das würde gut zu seinem Sound passen.
Die Cigaretten Die Cigaretten | © Katja Ruge
Da ist es gut, dass uns eine Band mit dem sehr konkreten Namen Die Cigaretten wieder sicher in die Wirklichkeit holt. Ihr neues Album Emotional Eater reflektiert laut ihrer eigenen Aussage wie eine gute Therapie die kollektiven Gefühle der Band, die sich, so die Band, auf magische Weise in Kompositionen verwandeln. Veröffentlicht wird es auf dem genialen Hamburger Label Audiolith, das regelmäßigen Hörer*innen des Popcasts sicherlich ein Begriff sein wird. In diesem Zusammenhang möchten wir euch das Bandporträt Wildes Herz empfehlen, in dem es um die Band Feine Sahne Fischfilet geht, die ebenfalls auf Audiolith veröffentlicht. Ihr könnt es euch derzeit noch kostenlos in unserer Filmreihe Im Zeichen des Widerstands auf Goethe on Demand ansehen.
Robert Görl Robert Görl | © Rick Burger
Mittlerweile wird es schon zur Tradition als letzten Popcast-Beitrag einen wiederbelebten Klassiker zu präsentieren, aber dieses Mal geht es vielmehr um neue Musik eines klassischen Acts. Robert Görl, Gründungsmitglied von DAF (Deutsch Amerikanische Freundschaft) meldet sich zurück, mit einem vermutlich letzten Werk unter diesem Namen nach dem Ableben seines Bandkollegen Gaby Delgado-Lopez. Das Werk besteht in weiten Teilen aus bereits vor Jahren produzierten Spuren, aus denen Görl jetzt mit Nur Noch Einer den Abgesang auf ein wichtiges Kapitel deutscher Musikgeschichte gemacht hat.
 


Popcast November 2021

mit Musik von: 

Gewalt | Clouds Hill
Isolation Berlin | Staatsakt
Maria Portugal | Fun in the Church
Niklas Wandt | Bureau B
Sam Shackleton | Woe To The Septic Heart

Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann

Der Popcast im November hält einmal mehr Neues aus der deutschen Musikszene bereit, mit viel Musik und Interviews, in denen die Musikschaffenden ausführlich zu Wort kommen. Eine der interessantesten Isolation Berlin Isolation Berlin | © Noel Richter Neuerscheinungen des Monats ist das dritte, Geheimnis betitelte Album von Isolation Berlin. Sänger Tobias Bamborschke geht auf eine Reise ins Innere, das Album behandelt persönliche Krisen und psychische Probleme. Was das Album, und auch den hier vorgestellten Titel gleichen Namens von der Konkurrenz abhebt, sind die schlauen Texte, in denen imaginäre Figuren einzelne Aspekte einer Person repräsentieren. Hierzu mehr im Interview.

Ich werd' mich ändern, werd' mich ändern, irgendwann

Tobias Bamborschke, Isolation Berlin


Eine Welt für sich ist auch der Schlagzeuger, Perkussionist, Produzent, Radiojournalist und DJ Niklas Wandt, den Niklas Wandt Niklas Wandt | © Harriet Meyer man auch von seiner Band Stabil Elite kennt. Sein neues Album Solar Müsli ist eine spannende, teils herausfordernde Mischung aus Synthesizern, akustischen Instrumenten und diversen Samples. Die Basis ist aber immer der Rhythmus, das ist Niklas Wandts sicherer Ort. Wie sein elektronisches Projekt und die Jazzszene zusammenpassen, das erklärt er im Interview.
 

Ein Klang, ein Bett und eine Armee

Patrick Wagner, Gewalt


Sam Shackleton Sam Shackleton | © Sam Shackleton
Introspektiv, meditativ und vielschichtig – diese Attribute passen auch zu Sam Shackeltons psychoaktiven Klangcollagen (ritueller Trance steht auf seiner Seite, und das ist sehr treffend). Angenehme Erinnerungen an den düsteren Dub der 90er Jahre werden wach. Definitiv Musik für die After Hour.

Nicht zum Chillen taugt hingegen der polternde Sound von Gewalt (nicht zu verwechseln mit All Diese Gewalt). Zentrale Figur des Projektes ist der Berliner Szeneveteran, Sänger und Gitarrist Patrick Wagner, von dessen Gewalt Gewalt | © Magnus Winter Selbstbewusstsein man sich im Interview überzeugen kann. Musikalisch sind Gewalt recht brutal, aber stets diszipliniert. Kein Ton ist zuviel, alles wirkt durchdacht und abgeklärt.Seit einigen Jahren haben Gewalt jetzt schon auf unzähligen Shows eine eingeschworene Fangemeinde aufgebaut, so dass man bei dem jetzt erscheinenden Debutalbum Paradies ohne Übertreibung von einer lang erwarteten Veröffentlichung sprechen kann.

Abschließend stellen wir die brasilianische Experimentalmusikerin Mariá María Portugal María Portugal | © Kristina Zalesskaya Portugal vor, die mittlerweile in Deutschland lebt. Letztes Jahr war sie auf das tolle Moers Festivals eingeladen, das einigen sicherlich aus unserem Dossier zu Musikfestivals in Deutschland bekannt ist. In Moers ist auch ihr neues Album Erosão entstanden, ein spannendes, einfallsreiches und herausforderndes Werk, das man am besten unter Jazz einordnen kann, wobei es noch sehr viel mehr zu entdecken gibt.


 


Partner und Kontakt

Kontakt

Anregungen, Anmerkungen, Wünsche?

Top