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Gord Hill

ist ein Schriftsteller, Künstler und Aktivist der Kwakwaka'wakw-Nation. Er ist Schöpfer der Comics The 500 Years of Indigenous Resistance Comic Book, The Anti-Capitalist Resistance Comic Book und The Antifa Comic Book (alle bei Arsenal Pulp Press in Vancouver erschienen) sowie des Buchs 500 Years of Indigenous Resistance, das von AK Press (Oakland, Kalifornien) herausgebracht wurde.
 

Gord Hill© Gord Hill
Gord Hill: Versöhnung© Gord Hill

Deutsche Übersetzung

1.
Kanadas Kommission für Wahrheit und Versöhnung (T.R.C.) wurde 2008 gegründet. Sie resultierte aus der Wiedergutmachung für die Residential Schools, in denen seit dem 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre in großem Umfang physischer und sexueller Missbrauch begangen wurde. Diese Schulen waren auch ein wichtiges Instrument zur Assimilation der indigenen Völker. T.R.C. folgte dem Beispiel ähnlicher Kommissionen in Chile (1990) und Südafrika (1996).
 
2.
Laut TRC “ist Versöhnung in diesem Kontext die Wiederherstellung einer einst harmonischen Beziehung.” Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass dies impliziert, es habe eine harmonische Beziehung zwischen indigenen Völkern und europäischen Siedlern und Kolonialmächten gegeben, die lediglich “wiederhergestellt” werden muss …
 
3.
Der Fokus auf die Residential Schools minimiert jedoch die Geschichte als Ganzes und die Auswirkungen des Kolonialismus, darunter Völkermord und Raub von Land und Ressourcen …
 
4.
Das Konzept der Versöhnung ignoriert auch fortwährende gegenwärtige Kolonisierung, die zu zahlreichen Konfrontationen zwischen indigenen Völkern und staatlichen Sicherheitskräften während der letzten zwei Jahrzehnte geführt hat.
 
6.
Viele dieser Konflikte entbrannten aufgrund von territorialen Konflikten, so unlängst die Versuche der Wet’suweten Nation, den Bau einer Erdgaspipeline zu stoppen. Daraufhin bildete sich Anfang 2020 eine starke Solidaritätsbewegung im ganzen Land, hauptsächlich angeführt von jungen Leuten aus indigenen Nationen.
 
7.
Einer der Hauptslogans während der Mobilisierung lautete “Versöhnung ist tot”. Denn wie kann Versöhnung stattfinden, wenn das Kolonialregime der indigenen Bevölkerung weiterhin ihren Willen aufzwingt, und wenn die Bedingungen der Unterdrückung, unter der diese Menschen leben, sich nicht grundlegend ändern …?

„Versöhnung ist ein gesellschaftliches Thema"

Kannst du uns sagen, was du mit deinem Werk vermitteln wolltest? Was waren die Inspirationen und Ideen, die bei der Schaffung des Werkes ausschlaggebend waren?
 

Ich wollte zeigen, dass die Idee der Versöhnung in Kanada immer noch deutlich zu eng gefasst ist. Das betrifft gerade auch die Fokussierung auf die Residential Schools, durch die das große Ganze der tiefgreifenden Folgen von Kolonialismus und Genozid aus dem Blick verloren wird. Außerdem wird der Gedanke transportiert, dass es einmal eine harmonische Beziehung zwischen indigener Bevölkerung und Kolonialisten gegeben habe, die man einfach wiederherstellen könne.

Warum ist das Thema der Versöhnung für dich wichtig? 
 
Persönlich kann es eigentlich gar kein wichtiges Thema sein, weil unter dem Schlagwort vor allem eine Öffentlichkeitsarbeit des Staates betrieben wird, die seine Fortschrittlichkeit nahelegen soll und dass er die historischen Fehler des Kolonialismus korrigiert, während sich in Wirklichkeit für die indigenen Völker nichts grundlegend ändert, trotz der Tatsache, dass Dutzende Millionen Dollar für die Wahrheits- und Versöhnungskommission Kanadas ausgegeben wurden.
 
Wie war der kreative Prozess bei der Schaffung dieses Kunstwerks? Planst du viel im Voraus, und entsteht erst der Text oder die Illustration oder umgekehrt? Welche Medien und Methoden hast du angewendet?
 
Als erstes mache ich meine Recherchen zum jeweiligen Thema, in dem Fall zur Versöhnung: Was ist der Hintergrund, woher kommen die aktuellen Verhältnisse?  Dabei mache in paar kurze Notizen, auf deren Basis dann die Texte für den Comic entstehen. Von da aus kann ich dann dazu übergehen, die Comic-Panels und das Bild für jedes Feld festzulegen. Was die Produktion betrifft, so beginne ich zunächst mit einer groben Skizze der Seite als Vorschaubild. Dann beginne ich mit der Arbeit an einem 11x17 Zoll großen Bristolkarton, auf den ich mit Bleistift zeichne. Wenn ich mit der Bleistiftzeichnung zufrieden bin, verwende ich Tuschefüller und Tusche für größere schwarze Flächen.

Sobald ich mit der Tinte fertig bin, scanne ich die Seite ein und füge Farben und Schattierungen am Computer hinzu. Wenn ich mit dem Einfärben fertig bin, verkleinere ich das Bild und füge den Text hinzu.

Über Den Autor

Gord Hill ist ein Schriftsteller, Künstler und Aktivist der Kwakwaka'wakw-Nation. Er ist Schöpfer der Comics The 500 Years of Indigenous Resistance Comic BookThe Anti-Capitalist Resistance Comic Book und The Antifa Comic Book (alle bei Arsenal Pulp Press in Vancouver erschienen) sowie des Buchs 500 Years of Indigenous Resistance, das von AK Press (Oakland, Kalifornien) herausgebracht wurde. Seine Kunst und seine Texte wurden außerdem in zahlreichen Zeitschriften veröffentlicht, darunter Briarpatch, Canadian Dimension, Redwire, Red Rising Magazine, The Dominion, Recherches Amérindiennes au Québec, Intotemak, Seattle Weekly und Broken Pencil.

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