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Berlinale-Blogger 2019
Vice – ehemaliger US-Vizepräsidenten als Drahtzieher einer humanitären Katastrophe

Vice – Der zweite Mann
© Annapurna Pictures, LLC.Rights Reserved.

Ein liebevoller Familienvater und treuer Ehemann, der einkaufen geht, jeden Abend kocht und für den gewaltsamen Tod von mindestens 380000 unschuldigen Menschen verantwortlich ist. So beschreiben US-Schauspieler Christian Bale und Regisseur Adam McKay den ehemaligen US-Vizepräsidenten Dick Cheney, von dem der Film Vice handelt.

Von Noha Abdelrassoul

Als Adam McKay während einer Pressekonferenz auf der Berlinale gefragt wurde, ob sein Film denn nun eine Komödie sei oder ein Drama oder doch vielleicht eher eine Tragödie, antwortete er, dass er sich bei diesem Film an der Welt orientiert habe, in der wir aktuell leben. Diese Welt sei absurd, grauenvoll, niederschmetternd und traurig. Der Film ließe sich demnach am ehesten als Tragikomödie bezeichnen.

Was wäre, wenn…?

Täglich erfahren wir in den Nachrichten von Kriegen und ihren Folgen. Täglich sind wir aufgefordert, Flüchtlingen und Menschen in Kriegsgebieten zu helfen. Täglich bekommen wir unerträgliche Bilder zu sehen. Wir fragen uns, was wir tun können, damit uns nicht die Menschlichkeit abhanden kommt. Sollen wir Geld für Hilfsprojekte spenden? Oder sollen wir Medizin studieren und selbst in die Krisengebiete reisen? Oder hat das alles keinen Sinn, solange es noch Kriege gibt? Wie auch immer – am Ende scheint es immer darauf hinauszulaufen, dass wir machtlos sind und die Welt sowieso nicht ändern können. Doch nun zeigt uns der Film Vice, wie man mit Geschichte und Kriegsereignissen umgehen könnte, um vielleicht doch wieder etwas mehr Einfluss zurückzubekommen.

Der Film besteht aus Rückblenden auf Dick Cheneys Amtszeit als Vizepräsident und auf sein Leben davor, er ist nicht chronologisch aufgebaut, und man hat das Gefühl, entscheidende Augenblicke mitzuerleben, die zur humanitären Katastrophe im Irak geführt haben. Man fragt sich, was wohl gewesen wäre, wenn Dick Cheney nicht auf seine Ehefrau Lynn gehört hätte, die ihn ständig dazu angetrieben hat, ein mächtiger Politiker zu werden, anstatt auf ewig ein versoffener Arbeiter zu bleiben. Was wäre gewesen, wenn Colin Powell mutig genug gewesen wäre, bei seinem Entschluss zu bleiben und die von Dick Cheney vorbereitete Rede nicht zu halten, durch die das amerikanische Volk in den Irrglauben versetzt wurde, es gebe einen Zusammenhang zwischen 9/11 und dem Irak, woraufhin der Anteil derjenigen US-Bürger von 50 auf 80 % anstieg, die der fadenscheinigen Argumentation aufsaßen, der Krieg sei nicht nur ein legitimer Racheakt, sondern auch eine legitime Schutzmaßnahme gegen Massenvernichtungswaffen … die nachweislich nie existiert haben?

Ich bereue nichts

Eine mögliche Lösung wäre, dass die Mächtigen etwas verantwortungsbewusster mit ihrer Macht umgehen und die Bevölkerung die Informationen, die man ihr vorsetzt, etwas sorgfältiger prüft. Dick Cheney konnte nämlich machen was er wollte, nachdem er von George W. Bush zusätzliche Kompetenzen und von einem Juristenteam Auskunft über Gesetzeslücken erhalten hatten, die ihm absolute Straffreiheit gewährleisten würden. Ganz im Sinne der goldenen Regel der US-Politik, derzufolge ein Beschluss des Präsidenten umzusetzen sei, egal wie. Wobei sich zeigt, dass das Amt des Vizepräsidenten keinerlei Kontrolle unterliegt, weder durch die Exekutive noch durch die Legislative. Dick Cheney erklärt indes im Film während eines Fernsehgesprächs, er habe nichts zu bereuen, weil er dem amerikanischen Volk gedient und lediglich dafür gesorgt habe, dass die Amerikaner in Frieden und Sicherheit leben können.

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