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„Gallert-Epos“
Ägyptische Hamlet-Parodie

Ägyptische Hamlet-Parodie: „Gallert-Epos“
Ägyptische Hamlet-Parodie: „Gallert-Epos“ | Foto: © Hassan Emad

Was würde eigentlich passieren, wenn der berühmte Theaterheld Hamlet auferstehen und mit uns im Alltag leben würde? Käme er mit der modernen Welt zurecht, der Prinz von Dänemark? Oder gäbe es wieder eine Tragödie, so wie in Shakespeares Stück aus dem frühen 17. Jahrhundert?
 

Der junge ägyptische Regisseur Mohamed El Sagheer hat mit dem „Gallert-Epos“ eine moderne Parodie des Shakespeare-Stoffs auf die Bühne gebracht. In der ursprünglichen Fassung kommt Hamlet mit sich und seinen Mitmenschen nicht mehr so richtig klar, nachdem Hamlets Vater, der König von Dänemark, von Hamlets Onkel ermordet wird, und dieser dann auch noch Hamlets Mutter ehelicht. Der „Gallert-Epos“ spielt hingegen im ländlichen Milieu in Oberägypten.

Von Shakespeare zu Brecht

Die Figur Hamlet ist bei Mohamed El Sagheer eher eine Art einfältiger Komödiant. Man merkt, dass der junge Regisseur stark von Bertolt Brecht geprägt ist, der Anfang des 20. Jahrhunderts das Theater revolutioniert hat.

Die Neuauflage von Shakespeares Hamlet baut auf drei der wichtigsten Grundideen von Brechts epischem Theater auf. Erstens: Bruch mit der Illusion, stattdessen aktive Miteinbeziehung des Publikums, das, laut Brecht, als wichtigster Faktor in der Theaterarbeit zu gelten hat. Zweitens: Verfremdung der Realität, um das Publikum zu verstören und zum Nachdenken anzuregen – dieses Element der Brechtschen Theaterphilosophie kommt im „Gallert-Epos“ wohl am stärksten zum Tragen. Drittens: Die Kombination von Belehrung und Unterhaltung, von Agitation und Komik.

Eine volkstümliche Komödie

Die Handlung des „Gallert-Epos“ vermischt mehrere Zeitebenen. Bühnenbild und Kostüme stammen aus dem Mittelalter. Die Handlung spielt hingegen in der Neuzeit. Außerdem sind Improvisationssequenzen eingebaut, die auf komische Art Situationen aus dem Alltagsleben der Zuschauer aufgreifen. Auch das verleiht dem Stück einen eher modernen Charakter, wobei die improvisierten Alltagssituationen jeweils von Aufführung zu Aufführung variieren.
 
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
  • Gallert-Epos Foto: © Hassan Emad
Ein ganz besonderes Highlight ist die Live-Musik mit Sequenzen aus Serien- und Filmmelodien, melodramatischen ägyptischen Liedern und dergleichen mehr. Außerdem sind Geschichten und Lieder aus dem klassischen Heldenepos der Banu Hilal eingebaut worden.

Dieses Epos ist eines der berühmtesten Epen der klassischen arabischen Volksdichtung, das über viele Jahrhunderte mündlich von Generation zu Generation überliefert worden ist. Es besteht aus rund einer Million Versen und erzählt die Wanderung des Stammes der Banu Hilal vom Süden der Arabischen Halbinsel über Ägypten bis weit in den Maghreb. Hauptthemen sind dabei Heldentum, Rache und Liebe. Vom Heldenepos der Banu Hilal hat das Theaterstück Gallert-Epos zwar unter anderem auch den Namen entlehnt, denn das arabische Wort für Gallerte ḥulām hat eine ähnliche Konsonantenstruktur wie der Stammesname der Banu Hilal, doch aus dem stolzen Eigennamen wird eine komödiantische Verballhornung, was das gespaltene Verhältnis des Regisseurs zur klassischen Dichtung durchscheinen lässt.
 
Das „Gallert-Epos“ ist eine Produktion des Kairoer El Taliaa-Theaters, Regie Mohamed El Sagheer, nach einem Text von El Hassan Mohamed, Musik Mahmoud Waheed, Bühnenbild Mustafa Hamid, Kostüme Hiba Magdy, Bewegungsausdruck Samir und Julia, Schauspieler: Mohamed Ibrahim, Refaat Said, Mahmoud El Masry, Hassan Abdallah, Rami Abdelmaqsoud, Bilal Aaly, Mustafa Said, Maha Hamdy und Mahmoud Suleiman.

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