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Max Mueller Bhavan | Indien

Indien bei der Berlinale 2026
Jurymitglieder, Berlinale Talents und mehr

Flying Tigers India at Berlinale 2026
Film: Flying Tigers (2026) Regisseurin: Madhusree Dutta | Foto: © Berlinale

Mit der Berlinale eröffnet in dieser Woche sicherlich eines der aufregendsten europäischen Spektakel rund um den Film seine Türen. Die 76. Ausgabe dieses einflussreichsten Filmfestivals in Europa verspricht erneut eine ausgefallene, politische, feinsinnige und wegweisende Programmauswahl. Auf diesem zentralen Ereignis des Berliner Kulturkalenders gibt es knallharte Dokumentationen genauso zu sehen wie fesselnde Publikumslieblinge, Avantgarde-Kurzfilme genauso wie Retrospektiven. In den einzelnen Genres und Formaten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Für zwei Wochen im Februar treffen in der deutschen Hauptstadt Prominente, Branchenvertreter*innen und Kinobesucher*innen aufeinander. Die Berlinale, die vom 12. bis 22. Februar 2026 stattfindet, ist stolz auf ihren Status als Publikumsfestival. Zwar werden zur diesjährigen Ausgabe weniger Hollywood-Stars als sonst in ihren glänzenden Limousinen erwartet, doch dafür gibt es mehr europäisches Autor*innenkino der neuen Generation, Arthouse-Perlen, politische Thriller und Body-Horror. Die Berlinale will Filmfans aller Couleur etwas bieten.

Das Festival hat laut seiner Leiterin Tricia Tuttle in diesem Jahr mehr als 8.000 Einreichungen aus Hunderten von Ländern erhalten. Das Programm-Team hat alles gesichtet und eine handverlesene Auswahl von Filmen getroffen, die sich mit den drängenden politischen, ökologischen, sozialen und persönlichen Fragen unserer heutigen Zeit auseinandersetzen.

Neben den Filmvorführungen veranstaltet das Festival auch den European Film Market (EFM) , auf dem sich internationale Film- und Medienschaffende treffen und Deals abschließen können. Auf dem Berlinale Co-Production Market kommen Industrievertreter*innen und Medienschaffende zusammen, die an internationalen Projekten beteiligt sind. Der 2024 ins Leben gerufene World Cinema Fund der Berlinale bietet eine Förderung für berechtigte internationale Künstler*innen mit vielversprechenden Projektideen.

Beiträge vom Subkontinent – Fokus auf Indien

Der Subkontinent ist in diesem Jahr gut vertreten mit zwei unabhängigen Spielfilmen im Forum und in der Sektion Generation Kplus , einem digital restaurierten Film in der Sektion Berlinale Classics sowie zwei Kurzfilmen und einem Dokumentarfilm. Gemeinsam mit dem diesjährigen Jurypräsidenten, dem deutschen Regisseur Wim Wenders, wird der indische Regisseur, Produzent und Archivar Shivendra Singh Dungarpur als Jurymitglied über die Wettbewerbsfilme entscheiden. Filmemacher Shaunak Sen, dessen Film All That Breathes 2022 für einen Oscar nominiert war, gehört der Jury Berlinale Dokumentarfilmpreis an. Drehbuchautor Saagar Gupta (Evening Shadows) ist Mitglied der Jury des Teddy Award.
Berlinale Internationale Wettbewerb Jury Shivendra Singh Dungarpur

Berlinale 2026 Internationale Wettbewerb Jury Shivendra Singh Dungarpur | Foto: © Berlinale

Indiens Beiträge stammen von Größen des Independent-Films und Stammgästen des Festivals wie Rima Das und treuen Anhänger*innen wie Madhusree Dutta, aber auch von vielversprechenden jungen Kurzfilmregisseur*innen. Außerdem hat die Berlinale in ihrem Nebenprogramm die sieben indischen Filmschaffenden Anadi Athaley, Vedant Srinivas, Subarna Dash, Tanushree Das, Thanikachalam SA, Kislay and Devraj Bhaumik zu Berlinale Talents eingeladen.

Überblick über die indischen Beiträge auf der Berlinale

Spielfilme

Rima Das, die seit 2019 mit ihren Spielfilmen auf dem Festival vertreten ist, ist ein häufiger Gast auf der Berlinale. In ihren Filmen erzählt sie häufig vom schmerzhaften Erwachsenwerden vor allem im ländlichen Assam. Ihr neuer Film Not a Hero (Kein Held) bildet hier keine Ausnahme. Er folgt der 11-jährigen Mivan, deren Leben durch einen Umzug von der Stadt aufs Land vollkommen auf den Kopf gestellt wird. Not a Hero zeigt, wie Mivan mit der raschen Veränderung zurechtkommt und sich langsam an das gemächlichere Tempo des Landlebens gewöhnt.
 
Not a Hero

Film: Not a Hero (2026) Regisseurin: Rima Das | Foto: © Berlinale

Die Regisseurin beweist einen außergewöhnlich scharfen Blick bei der Auswahl der Kinder, mit denen sie arbeitet – das hat sie schon in ihrem Vorgängerfilmen Bulbul Can Sing und Village Rockstars unter Beweis gestellt. Not a Hero feiert Premiere in der Sektion Generation Kplus, wo er mit weiteren Filmen um den Gläsernen Bären konkurriert.

Im Forum wird der tamilische Film Members of the Problematic Family des ehemaligen Dichters und heutigen Regisseurs R Gowtham gezeigt. Die Sektion ist Filmen vorbehalten, die ungewöhnliche Geschichten und neuartige Perspektiven erkunden. Ein Anspruch, dem R Gowthams Film perfekt gerecht zu werden scheint.

Members of the Problematic Family erzählt vom Umgang mit dem überraschenden Tod eines Familienangehörigen und davon, wie Trauer unsere Erinnerungen auf eigentümliche Weise prägt.

Kurzfilme

Zwei Kurzfilme kommen in diesem Jahr aus Indien, nämlich A Circle as the Center of the Whole im Forum Expanded und Abracadabra in Generation Kplus. In Utkarshs A Circle as the Center of the Whole kreist die Kamera durch Delhi und seine Vororte und untersucht die archäologischen Ausgrabungsstätten in der Stadt. Er ist gleichzeitig eine Meditation darüber, was es bedeutet, prekär zu leben in einer Stadt, in der an jeder Straßenecke Gefahr lauert.

Abracadabra spielt hauptsächlich in einem Schulbus und denkt darüber nach, was das Besondere an Freundschaften aus der Kindheit ist und welche Vorurteile Kinder in einem Alter prägen können, in dem sie sich noch beeindrucken lassen.

Dokumentar

Die bekannte deutsch-indische Filmemacherin und Kuratorin Madhusree Dutta kehrt nach zwanzig Jahren mit ihrem Film Flying Tigers, der im Forum gezeigt wird, zur dokumentarischen Form zurück. Im Film reist Dutta in die Heimat ihrer Mutter, um die alte von Alzheimer gezeichnete Dame nach ihren Erinnerungen an Tiger zu befragen. Nach Angaben der Macher*innen handelt es sich hier um eine genreübergreifen Doku-Fiktion, die „Interviews, Archivmaterial, Performances, Animation und Musikstücke“ zu einem intimen Gesamtwerk miteinander verbindet.

Berlinale Classics

Einer der aufregendsten indischen Beiträge in diesem Jahr ist Arundhati Roys In Which Annie Gives It Those Ones. Der Film von 1990 wurde zunächst restauriert und wird nun in der Sektion Berlinale Classics auf dem Festival gezeigt. Auf diese Weise wird dieser einem größeren Publikum weitgehend nicht oder nur über illegale Uploads aus dem Internet zugängliche Film mit neuem Leben erfüllt. Wie eine Zeitkapsel gibt er den Geist der damaligen Zeit wieder, als er die akademische Welt der späten 1970er-Jahre in seinen Bann zog. Erfreulicherweise ist damit zu rechnen, dass der Film nach dieser Restaurierung und seiner Vorführung auf der Berlinale ein größeres Publikum findet.

Das Goethe-Institut in Indien informiert auf seinen Social-Media-Kanälen mit Artikeln, Interviews, Kritiken und aktuellen Meldung vom Ort des Geschehens über das Festival.
 

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