Filmfestival Der geteilte Himmel

18 Deutsche Filmwoche

Di, 20.08.2019 -
Mi, 21.08.2019

Cineteca Nacional

Av. México Coyoacán #389,
Col. Xoco Del. Benito Juárez
C.P 03330 Ciudad de México

Konrad Wolf, Deutschland, Spielfilm, 1963/64, 113 Min.


Der geteilte Himmel 1

Halle an der Saale, in Sachsen-Anhalt, kurz vor dem Bau der Berliner Mauer. Auf dem Gelände einer Waggonfabrik bricht eine junge Frau zusammen. Wir begegnen ihr wieder in ihrem Elternhaus am Rande eines Dorfs. Der Arzt hat sie besucht und erklärt: „Sie sind gesund!“ Sie hatte einen „Nervenschock“. In einer Rückblende, die unterschiedliche zeitliche Ebenen ineinander als Erinnerungen verwebt zu einem allgegenwärtigen Strom von Gefühlen und Assoziationen, erzählt Konrad Wolf – nach dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf – wie es zum Zusammenbruch von Rita Seidel gekommen ist.

Rita erinnert sich, wie sie den Chemiker Manfred Herrfurth beim Tanzen kennen gelernt hat. Damals wirkte sie etwas naiv, er verhielt sich abgeklärt und selbstsicher. Gemeinsam besuchen sie Manfreds Eltern; der Sohn hat Probleme mit seinem Vater, die häufig zu politischen Streitereien führen. Rita wird zum Studium am Institut für Lehrerbildung zugelassen und wohnt bei Manfred; gleichzeitig arbeitet sie in einer Waggonfabrik und freundet sich mit dem alten, in Ungnade gefallenen Werkmeister Meternagel an. In Manfreds Chemiewerk tritt ein neuer Werksleiter an, sein Vorgänger ist von einer Dienstreise nach „Berlin-West“ nicht zurückgekehrt. In der Waggonfabrik bleiben Metall-Lieferungen aus, es kommt zu einem Produktionsstop; die Stimmung unter den Arbeitern ist gereizt. Sie streiten auch über eine eventuelle Anhebung der Produktionsnorm.

An der Uni erlebt Rita vor allem erbitterte ideologische Diskussionen, meist ausgeführt von Hardlinern und politischen Opportunisten. Sie weiß noch nicht so recht, wie sie damit umgehen soll. Manfred scheint Karriere zu machen. Er hat promoviert und ein neues chemisches Verfahren entwickelt, das jedoch abgelehnt wird. Manfred reagiert erst enttäuscht, dann verbittert; er entschließt sich, nach Westberlin zu gehen, wo er auf ungleich bessere Arbeitsbedingungen trifft. Rita besucht ihn, aber sie will nicht bleiben, kehrt nach Halle zurück und erleidet ihren Zusammenbruch.

Im April 1961 kommt die Nachricht von der ersten Raumfahrt durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin – damit lässt sich die Geschichte des Films zeitlich genau einordnen. Am 13. August begann dann der Bau der Mauer, die Berlins West-Sektoren praktisch abriegelte; von da an hatte auch Rita so gut wie keine Chance mehr, Manfred wieder zu sehen.

Der geteilte Himmel blieb einer der ganz wenigen DEFA-Filme, der das sonst tabuisierte Problem der „Republikflucht“ (in der DDR eine Straftat) nicht nur aufgriff, sondern als nachvollziehbar erklärte und vor allem die Schuld nicht dem „Klassenfeind“ im Westen anlastete. Den Mut des Regisseurs bestätigt auch die Charakterisierung von Manfreds Vater: Nach offizieller Darstellung der DDR lebten die alten Nazis alle im Westen – hier aber erfahren wir über Manfreds Vater, dass er einst sehr flink die Parteiabzeichen getauscht hatte, von der NSDAP zur SED. Als Gegenentwurf erscheint der kaltgestellte Werkmeister Meternagel, ein aufrechter und ehrlicher Arbeiter, der vom System beschädigt wird, sich nicht wirklich dagegen zu wehren vermag und resigniert. Unterschwellig erzählt Wolf davon mit Zorn und Trauer.
 
Konrad Wolf (*1925-†1982), im württembergischen Hechingen geboren; sein Vater: der Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf. 1933 emigrierte die Familie aus Deutschland, ab 1934 lebte sie in der Sowjetunion. Konrad Wolf trat 17jährig in die Rote Armee ein; 1945 kam er, sowjetischer Leutnant inzwischen, nach Deutschland zurück, nahm an der Schlacht um Berlin teil. Nach dem Krieg wurde er Kulturreferent der Sowjetischen Militärverwaltung. 1949 begann er ein Regiestudium an der Moskauer Filmhochschule. 1954/55 entstand seine Diplomarbeit (der DEFA-Spielfilm „Einmal ist keinmal“). Seitdem arbeitete er als Regisseur im DEFA-Studio für Spielfilme. Konrad Wolf war Mitglied des ZK der SED, seit 1965 war er außerdem Präsident der Akademie der Künste der DDR. 56jährig ist Konrad Wolf am 7. März 1982 gestorben. (Klaus Eder)
 
Filmografía (Auswahl): 1961: Professor Mamlock, 1964: Der geteilte Himmel, 1968: 1972: Sonnensucher, 1971: Goya – oder der arge Weg der Erkenntnis, Ich war neunzehn, 1980: Solo Sunny

Programm in Cineteca Nacional

Dienstag 20.8.   
                            21:00 Der geteilte Himmel

Mittwoch 21.8.    
                            18:30 Der geteilte Himmel

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