Nowosibirsk | Vortrag
"Ein opaker Raum. Zur digitalen Rekonstruktion von El Lissitzkys 'Kabinett der Abstrakten’"
Im Rahmen des Projekts „demonstrationsraum“ in Nowosibirsk wird Philipp Sack am 19. Mai um 14:00 Uhr einen Vortrag an der Nowosibirsker Staatlichen Universität für Architektur, Design und Künste zum Thema „Ein opaker Raum. Zur digitalen Rekonstruktion von El Lissitzkys 'Kabinett der Abstrakten’“ halten. Sack ist Promotionsstipendiat im DFG-Graduiertenkolleg „Das fotografische Dispositiv“ an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
El Lissitzkys 'Kabinett der Abstrakten' ist ein Ausstellungsraum mit Doppelfunktion: Er dient der Präsentation von Kunstwerken, führt den Besuchern mithilfe von Vorrichtungen zur Dynamisierung der Wahrnehmung aber darüber hinaus stets auch ihr eigenes Sehen vor Augen. Der Raum war auf eine bestimmte Art sinnlicher Erfahrung hin angelegt, die es seinen Nutzern erlauben sollte, in eine neue Beziehung zu den ausgestellten Werken zu treten und den Modus bürgerlicher Kunstbetrachtung zugunsten von aktiver Mitgestaltung zu überwinden.
Das Kabinett blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: 1927 im Auftrag Alexander Dorners im Provinzialmuseum Hannover eingerichtet, wurde es zehn Jahre später von den Nationalsozialisten zerstört. 1968 wurde im Landesmuseum Hannover eine Rekonstruktion des Raums eingeweiht, die 1979 ins neu eröffnete Sprengel-Museum überführt wurde, wo sie bis Ende 2016 als Teil der Dauerausstellung zur Kunst der Moderne zu sehen war. Im Februar 2017 wurde diese Rekonstruktion durch einen Neubau des Kabinetts ersetzt, der jüngeren kunsthistorischen Forschungen Rechnung trägt.
Jeder der Zustände des Raumes, ist, über den Zeitraum von 1928 bis 2016, fotografisch dokumentiert worden. Die überlieferten Aufnahmen des Kabinetts legen somit Zeugnis ab von seiner fragmentarischen, von Diskontinuitäten geprägten Geschichte und schreiben sie zugleich fort: Sowohl als Nachbild historischer Zustände als auch als Vorbild für die verschiedenen Rekonstruktionen hat die Fotografie für die heutige Gestalt des Raums eine zentrale Bedeutung.
Eine Gruppe von Doktoranden des DFG-Graduiertenkollegs "Das fotografische Dispositiv" an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig hat in Zusammenarbeit mit dem Sprengel Museum eine App entwickelt, die ein Komplement zum 2017 eröffneten Neubau bildet: Die Anwendung mit dem Namen "demonstrationsraum" macht die früheren Zustände des Raumes anhand einer panoramatischen Darstellung historischer Fotografien zum Kabinett erfahrbar. Zum einen soll sie über die historische Bedingtheit des Raums in seiner heutigen Gestalt informieren; zum anderen aktualisiert sie mithilfe digitaler Technologie das Verhältnis der Nutzer zu den ausgestellten Werken – ganz so, wie es schon von Lissitzky in der Ursprungsversion des Kabinetts angelegt war.
Philipp Sack wird die App vorstellen und in die Überlegungen einführen, die dieser Form der Rekonstruktion zugrunde liegen. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr im Ausstellungsraum der Nowosibirsker Universität für Architektur, Design und Kunst. Eintritt frei.
Nach dem Vortrag wird Philipp Sack auch bei der Eröffnung des Projektes im Kulturprojektraum „Art El“ auftreten. Die Eröffnung findet am 19. Mai um 19 Uhr statt. Eintritt frei.
Forschungsschwerpunkte:
politische Ökonomien des (fotografischen) Bildes; Kapitalismus und Epistemologie; Medieninfrastrukturen; Materialismen.
Studium der Europäischen Kunstgeschichte und der Museumswissenschaften in Heidelberg (Ruprecht-Karls-Universität), Lyon (Université Lumière Lyon 2) und Paris (Ecole du Louvre).
Zahlreiche Projekte und Publikationen im Bereich der Kunstvermittlung.
Details
Nowosibirsker Staatliche Universität für Architektur, Design und Künste
Krasnij Prospekt 38
Sprache: Deutsch mit Simultanübersetzung ins Russische
Preis: Eintritt frei
+7 (383) 362 14 74 info-nowosibirsk@goethe.de