Moskau | Filmvorführung
Das 17. Festival des deutschen Films

Foto © Martin Rattini
Foto © Martin Rattini

Kino Formula Kino Horizont

Das deutsche Kino ist das netteste von ganz Europa: deutlich spürbar denkt man hier vor allem an die Zuschauer. Selbst die experimentierfreudige Berliner Schule, bekannt für tabulose Thematisierung von Entfremdung und sozialen Missständen, setzt häufig auf kriminalistische oder melodramatische Motive. Ein genialer Vertreter dieser Richtung ist Christian Petzold, dessen außergewöhnlicher Film „Transit“ auf dem Deutschen Filmfest zu sehen ist: ein subtiler und unvorhersehbarer politischer Film noir. Die Handlung spielt in den frühen 1940er-Jahren: deutsche Truppen haben Frankreich besetzt, für Feinde des Reichs gibt es kaum noch eine Möglichkeit zu fliehen. Optisch spielt der Film jedoch in der Gegenwart, ohne die geringste stilistische Veränderung; der Effekt ist überwältigend!

Erstaunliches bietet jeder Film auf diesem großangelegten Festival (12 Filme in Spielfilmlänge, 15 Kurzfilme). Es gibt Debuts, Werke von erfahrenen Meistern, leichtes und kompliziertes Kino – nur durchschnittliche Filme sucht man hier vergebens. Eröffnungsfilm ist der hochaktuelle „Styx“: Er beginnt als spannend-romantische Geschichte einer Seereise, die eine tapfere Heldin ganz allein antritt, um der Zivilisation zu entfliehen. Unvermittelt jedoch findet sie sich in einer humanitären Katastrophe wieder, als sie auf in Seenot geratene Migranten trifft. Von den vielen Gesichtern unserer bunten, zuweilen unerträglichen und doch einzigartig schönen Welt erzählt „Weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt“, die Dokumentation eines unglaublichen Abenteuers voller Drama, Komödie und ganz realer Fantasy. Ein weiterer herausragender Dokumentarfilm im Programm ist „Zentralflughafen THF“ des brasilianischen Meisters Karim Aïnouz. Dem Blick von außen präsentiert sich hier ein legendärer Raum, der mehr als nur eine Metamorphose hinter sich hat, und überrascht mit Einblicken aus unerwarteten Perspektiven.

Ein Thema, dem sich deutsche Regisseure immer wieder widmen, ist die Jugend; eine glückliche und gefährliche Zeit, Zeit des Träumens und der Leiden. „Amelie rennt“ (nicht zu verwechseln mit „Lola rennt“, dem Klassiker der 1990er-Jahre) ist eine Erzählung über erste Freundschaft und ein idealer Film für Schüler der Mittelstufe. „LOMO – The Language of Many Others“  wendet sich dagegen an ältere Schüler; es geht um die Generation Internet, die Geschichte ist deutlich wilder und härter. „303“ wiederum ist ein bezauberndes Roadmovie über 20‑jährige; ein neues Meisterwerk von Hans Weingartner („Die fetten Jahre sind vorbei“).

Auch Psychodramen – spannend wie Thriller – kommen auf diesem Filmfest nicht zu kurz. Eva Trobischs kraftvolles Debut „Alles ist gut“ war die Sensation des Filmfestivals von Locarno: Es ist eine detailgenaue Studie über alltäglichen Konformismus und gleichzeitig ein filigranes Frauenportrait. „Jibril“ ist eine ungewöhnliche Geschichte über Liebe und über Freiheit. Das Drama „Verlorene“ taucht tief ein in eine Welt unterdrückter Sehnsüchte; die Hauptrolle spielt Maria Dragus, Shooting-Star des europäischen Kinos und uns noch bestens bekannt als „Mademoiselle Paradis“ aus dem Film „Licht“. „Drei Zinnen“ ist ein packender Mix aus Familien- und Bergdrama; der Regisseur Jan Zabeil („Der Fluss war einst ein Mensch“) versteht es meisterhaft, die Natur in seinen Filmen zu inszenieren. Die Hauptrollen spielen Zabeils Lieblingsschauspieler Alexander Fehling und der französische Superstar Bérénice Bejo.

In der internationalen Besetzung von „The Bra“ spielen mit Miki Manojlović aus Serbien und Denis Lavant aus Frankreich großartige Weltstars an der Seite wunderbarer Frauen wie Paz Vega aus Spanien oder Chulpan Khamatova aus Russland. Veit Helmer („Tuvalu“, „Absurdistan“), aktuell einer der fröhlichsten und unkonventionellsten deutschen Regisseure, bleibt dem Genre der absurd-romantischen Komödie treu – einem Genre, das er beherrscht, wie kein anderer.

Plan der Filmvorführungen:

http://www.coolconnections.ru/en/festivals/german-film/2018/moscow

Details

Kino Formula Kino Horizont

Komsomolskij Prospekt, 21/10
Metro: Park kultury
Moskau

Sprache: Originalversion mit russischen Untertiteln
Preis: 350 Rubel 250 Rubel (Kinderfilm)

+7 495 7218026 pr@coolconnections.ru